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Die neue Welt · 1934-09-21 · Heft 400 (21.9.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 400 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr. 400 DIE NEUE WELT Seite 5 ehrten Bezieher Wir haben in Rumänien eine neue Zahlstelle errichtet und liegen unserer heutigen Nummer Rechnungen mit genauer Angabe dieser Zahlstelle bell Statt „Alber* Ballsn" „lulim Streicher" Eines der schönsten reichadeutschen Schiffe führt am Heck den Namen „Albert Ball in" und im Top die Hakenkreuzflagge. Albert Ballins Name ist mit der Hamburg-Amerika-Linie unlösbar verbunden; er hat sie zu einer der stolzesten Reedereien der Welt gemacht. Der von Julius Streicher in Nürnberg herausgegebene „Stürme r" fordert, daß das Schiff nun den Namen „Julius Streicher" tragen solle. In der August-Nummer dieses Blattes ist zu lesen: „Da fiel mir Jetzthin bei einem Besuche des Hamburger Hafens wieder recht unliebsam auf, daß jener Dampfer, der in glücklich überwundenen Zeiten deutschen Niedergangs auf den Namen des jüdischen Hapag-Generaldirektors AJbert Ballin getauft worden Ist, diesen üblen Namen immer noch am Heck trägt. Warum das? Die Hapag müßte sich doch eigentlich selber sagen, daß deutschbewußte, deutschstämmige Leute es ablehnen müßten, auf einem Schiffe zu reisen, das den Namen jenes ekelhaften Juden führ t, der am 9. November 1918, nachdem er die deutsche Handelsflotte an die Alliierten verraten und verkauft hatte, durch Selbstmord endete." Die in Saarbrücken erscheinende Wochenschrift „W estland" erinnert daran, daß in jenen Zeiten des „Niedergänge s", als Albert Ballin die Hapag leitete, die Flotte aus 194 Ozeandampfern mit 1,3 Millionen Brutto-Registertonnen bestand. An jenem 9. November 1918, fährt „Westland" fort, als das Kaiserreich zusammenbrach, als der Oberste Kriegsherr nach Holland flüchtete, als sich die deutschen Beamten, Offiziere und Industriellen auf den schnell gewonnenen Boden der Tatsachen stellten, war der Jude Albert Baliin — neben einem anderen Juden, dem Dr. Simon — der. einzige,,der.seinem Leben ein Ende,machte, weil er nicht überleben wollte, was er als Deutschlands größte Schmach ansah. Durch den Versailler Vertrag verlor die Hapag 178 Ozeandampfer mit 1,23 Millionen Brutto-Registertonnen, ihre Kaianlagen in Hoboken, ihren außereuropäischen Grundbesitz. Wir wissen heute, daß Albert Ballin in den kritischen Augusttagen 1914 nach Berlin fuhr und den Kaiser beschwor, den Krieg zu vermeiden, weil Englands Eintritt in die Reihen der Gegner alsdann unvermeidlich sein werde. Wilhelm der Zvvenite hat nicht auf ihn gehört... „Westland" schließt: „Wenn die Hapag es wagen sollte, dieses. Schiff umzutaufen, wenn dieser Dampfer, wie der „Stürmer" es fordert, künftig den Namen „Julius Streicher" tragen sollte, so mag sie gewiß sein, daß sie, mag werden was da will, die Kajüten dieses Schiffes niemals wieder voll besetzt sehen wird. Die Löschung dieses Namens würde das Signal für einen Boykott sein, wie ihn noch keine Firma auf Erden je erlebt hat." ©er f,Qemätliqte" Herr Heß Als nach der Ermordung von Roehm der Führer Adolf Hitler df>n S. S.-Mann Rudolf H e ß zu seinem Stellvertreter ernannte, sprach man in manchen jüdischen Kreisen davon, daß diese Ernennung eine Milderung der Judenpolitik zur Folge haben dürfte. Man erinnerte sich nämlich plötzlich daran, daß Heß nie als Bekämpfer der Juden hervorgetreten ist, daher — der jüdische Optimismus siegt immer — eigentlich ein Judenfreund sein dürfte. Ob das Herrn Heß zu Ohren gekommen ist, wissen wir nicht. Jedenfalls hat er sich sofort bemüht, dieses im heutigen Deutschland gefährliche „Lob" zu entkräften. Wir haben bereits berichtet, daß er einen vertraulichen Erlaß „gegen den Umgang mit Juden" hat zirkulieren lassen. Nunmehr hat er sich auch entschlossen, diesen Befehl zu veröffentlichen. Mehrere deutsche Blätter bringen ihn im Wortlaut, wie folgt: „Aus Mitteilungen geht hervor, daß Parteigenossen die dem Judentum gegenüber gebotene Zurückhaltung vermissen lassen. Unbeschadet der den in Deutschland lebenden Juden durch die geltenden Gesetze zugewiesenen Stellung und Betätigungsmöglichkeit verbiete ich daher allen Parteigenossen: 1. Die Vertretung von Juden vor Gericht usw. gegen Parteigenossen; 2. Fürsprache für Juden bei staatlichen und anderen Stellen; 3. Das Ausstellen von Bescheinigungen aller Art für Juden; 1 4. Annahme von Geldmitteln, die Juden für Parteizwecke geben wollen; 5. Verkehr mit Juden in der Oeffentlichk e i t und in Lokalen; 6. Das Tragen von Parteiabzeichen durch Parteigenossen während der Stunden, wahrend der sie als A ngestellte in jüdischen Geschäften tätig sind. Die Partei hat im Kampf gegen die Vorherrschaft des volkszerstörenden jüdischen Geistes in Deutschland ungeheure Opfer bringen müssen und muß es als würdelos verurteilen, wenn zu einer Zeit, da immer noch Millionen deutscher Volksgenossen im Elend leben, Parteigenossen für die eintreten, die namenloses Unglück über unser deutsches Volk gebracht haben. Verstöße gegen die Anordnung werden parteigerichtlich geahndet. München, den 16. August 1934. Rudolf Heß." Jüdische Arbeit — deutfsdieir Profil Aus Haifa: (J. T. A.) Wie in dem Bericht der den deutschen Tempiemiederlassungen in Palästina gehörenden Bank der evangelischen Tempel-Gesellschaft mitgeteilt wird, ist der Umsatz der Bank im Jahre 1933 gegenüber dem Vorjahr um 450 Prozent auf 16,14 Millionen Pfund gestiegen. In dem Bericht wird auf den starken Aufschwung der Landwirtschaft, der Industrie, des Kleingewerbes und insbesondere des Baugewerbes infolge der vermehrten Einwanderung von Juden und des Einströmens jüdischen Kapitals hingewiesen. Aus dem Reingewinn von 4027 Pfund werden pro Aktie eine Dividende von 300 Müs und eine Sondervergütung von 150 Müs, zusammen rund 9 Prozent, ausgeschüttet. Wie Deutschland dem jüdischen Boykott ausweichen will Aus London (J. T. A.): Die englische Presse bringt Enthüllungen über deutsche Pläne, in London und in Manchester achtzehn Textilfabriken zu errichten, um auf diesem Wege die Wirkimg des j ü d i- Das erste und führende (früher: Hotel National) Jetzt, 11, HammeivPurgstallg. 7 (Nähe Dianabad) Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß E v für eure Kinder in der jüdischen Buchhandlung Hermann Tuchner Wien ff, Ecke Taborsfraße 92 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen Spesenfreie Susendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos — Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 sehen Boykotts gegen die deutsche Produktion abzuschwächen. Die Zeitungen weisen auf einen Artikel in der Berliner Zeitschrift „Der deutsche Volkswirt" hin, in dem die Erwartung ausgesprochen wird, daß es den in England zu errichtenden Filialen der deutschen Textilproduktion gelingen wird, die durch den jüdischen Boykott verlorengegangenen Uebcrseemarkte, besonders die in den britischen Dominions, zurückzugewinnen. Für die englischen Zeitungen steht es außer Zweifel, daß die in England zu errichtenden deutschen Fabriken der Kontrolle seitens der deutschen Regierung unterstehen werden. Marschall Balbo im Palästina-Pavillon Aus Rom: Der Gouverneur von Tripolis und Marschall der italienischen Luftflotte, General Balbo, hat den Palästina-Pavillon auf der Levante-Messe in Bari besucht und sich insbesondere für die Stände der palästinensischen Industrie und die großen graphischen Darstellungen der Entwicklung Palästinas in den letzten zehn Jahren interessiert. Da die Stadt Bari, die einst eine große jüdische Gemeinde hatte, heute nur noch ganz wenige jüdische Einwohner zählt, hat die Messeleitung anläßlich der hohen Feiertage für die zahlreichen jüdischen Aussteller aus den Ländern des. Nahen Ostens, aus Tunis, Tripolis, Ungarn usw. und für die jüdischen Messebesucher einen eigenen Betsaal zur Verfügung gestellt. Jüdische Jugendliche als Gäste der italienischen Regierung Aus Rom: Auf Einladung der italienischen Regierung hat eine größere Anzahl jüdischer Jungen und Mädchen, die die italienischen Schulen in Palästina, Syrien, Aegypten, Tunis und den Balkanländern besuchen, einen einmonatigen Urlaub in Rom verbracht. Die jüdische Gemeinde in Rom veranstaltete für sie einen festlichen Empfang, an dem auch Vertreter der faschistischen Partei und Persönlichkeiten aus pädagogischen Kreisen teilnahmen. Der Vorsitzende der Gemeinde, Ing. Recanati, hielt an die Vertreter der jüdischen Jugend aus den Balkan- und Mittelmeerländern eine Ansprache und dankte der Regierung, die die Kinder eingeladen hatte, ihre Ferien in Rom zu verbringen. Ing. Recanati wies auf die langen geschichtlichen Traditionen hin, die das italienische Judentum mit dem Judentum aller Mittelmeerländer verknüpfen. Die Veranstaltung, an der auch der Oberrabbiner von Rom, Prof. Sacerdoti, teilnahm, fand mit dem Absingen italienischer Lieder und der H a t i k w a h ihren Abschluß. EMe Süden in Jugoslawien Aus Belgrad: Der Bund der jüdischen Gemeinden in Jugoslawien , veröffentlicht interessantes statistisches Material. Im Lande wohnen 6 8.4 0 0 Juden, die 0,4 9 Prozent der Bevölkerung ausmachen; davon sind 34.500 Männer und 33.900 Frauen. Die Juden 3ind in 120 Gemeinden organisiert. In 13 Gemeinden leben 52.400 Juden, der Rest von 16.000 verteilt sich auf zirka 100 kleine Gemeinden. Die Gemeinden mit mehr als 1000 jüdischen Seelen sind: Beograd, Zagreb, Sarajevo, Subotica, Novisad, Bitolj, Osijek, Skoplje, Veliki BeÖkerek, Varazdin, Senta, Sombor und Zemun. Von den jugoslawischen Juden sind 1 4.0 0 0 E r w e r- * Zwei Betrachtungen. Von Dr. R. M. (Antwerpen) Zum Tode Karl Joels, des Judenstaatlers Kurl. Joel, der große Philosoph, ist tot. lieber seine Wissenschaftliehen, auf der gesamten Welt unerkannten, Leistungen, über seinen hilfreichgütigen Charakter ist schon viel gesagt morden. Uns interessiert zudem, daß dieser Große in Israel — der am Anfang seiner Gelehrtculuufbuhn, als die materialistische Weltanschauung in Blüte stand, war, ausrief: „Die Zukunft der Philosophie ist der Idealismus", der sagte: „Wenn ich nicht glaubte, daß die Materie oom Geist überwunden nnrd, so wüßte ich nicht, toas das Leben lebenswerl macht" — sich ganz in den Gedanken der Erneuerung seines jüdischen Volke» in einem jüd isch en Staat eingelebt hatte. Immer mehr erkannte er als Quellen seines Denkens und Fuhlens die Urkrafi. jüdischen Volkstums, und stolz sprach er auch von der langen Ixubbinerkette. in der seine Vorfahren standen. In vielen und langen Gesprächen mit seinem Lieblingsschüler Dr. Michael Schubud bekannte er sich in den letzten Jahren immer liefer und mit glühender Liebe zum geistigen und politischen Gedanken der jüdischen Tat, des jüdischen Staatsaufbaues und der volklichen Wiedergeburt. In Theodor Herzl sah er diesen Geist verkörpert, und nur in ihm. Praktisch sollte das Volk mieder in diesem Geist geführt werden. Wenn man bedenkt, wie im allgemeinen der Kreis um den Skopusberg, um die hebräische Universität in Jerusalem eingestellt int, kann man ertl recht ermessen, was es heißt, wenn Karl Joel einen Lehrstuhl für Politische Wissenschafteti. an dieser Universität für unbedingt erforderlich hielt. Sein nationales Bekenntnis sprach Joel in dem Satze aus: „Ich, glaube meinen heiligen [Vurzeln treu zu sein, denn ich glaube an die Zukunft eines jüdischen Stummes und Staate s, s o I a n g e e r das Vorbild eines Mannes wie Herzt me i t erp flegen wird, und ich, wünsche, daß alle Leidenden und Sehnsüchtigen in der Urheimat eine Heimstätte und Lebensrettung finden.'' Kurl Joel, der große Philosoph, ist tot. Sein Geist möge weit erwirken. Bereschith Der Judenstuul ist eine Schöpfung. Was sagt historisch-politisch unser großes I olksbuch dazu? Es erklärt nicht: „Am Anfang ivar das Wort" (im stets gedeuteten Sinn des „Es meide1"), nicht: „Am Anfang war die Tal". Sondern: Am Anfang gab Gott die Verfassung, den ganz spezifizierten Charter, für Well und Menschen. Die ganz einzigartige, besondere, die p o l i l i s c h e Tat ivar „Am Anfang", das I oruussei/Aingenschaffen. Nicht planloses, gerade zufällig gegebenes, „praktisches Tun", vielmehr das Gesetz, der Plan, dem alle Einzelheiten als Selbstverständliches untergeordnet wurden: Gott bestimmte, führte ividerspruchslos nach seiner Einsicht, gab den Tagen, den Kreaturen, der Natur ihre Bestimmung, sagte, was gut, ivas böse sei, strafte, wenn gegen diesen Willen oerstoßen wurde. Schuf Voraussetzungen groß* ten Ausmaßes für das ganze künftige Sein, Entwickeln und Entstehen. Voraussetzungen auf längste Sicht, über Jahrhunderte, nie ans Heute, stets ans Zukünftige denkend, mit großen, gefahrvollen Verpflichtungen (die das Ziel, erforderte) für sein Volk, seinen Staat, seinen Tempel. Dieser jüdische Gott wollte zelotenhufi alles oder nichts, setzte auch für dieses Alles alles ein. Wie dies schon in seiner 1erfassung, die der Gott seiner Well gab, festgelegt ist. Damals gehörte dieser Gott mit seinem J olk, das von ihm ebenso erschaffen und uuserwählt war, wie er erschaffen und ausertoählt von seinem I olke, als unlösbare Einheil zusammen. Nirgends ivar Platz für irgend etwas Fremdes, das die Einigkeit von Gott und Volk, von Volksteil und l olksteil hätte spalten können. Verrat wäre jeder Sonderiounsch gegen das große Kollektiv, dem anzugehören Ehre und Stolz bedeutele, gewesen. Damals waren sie stark, der Gott und sein Volk, das den Begriff des Monismus schuf und lebte: ECU AD. ein Eins. Damals konnten sie Welten schaffen und Weltreichen standhalten, Damals waren fanatische Säuberer des Volkes an der Macht, die alles Zersetzende ausmerzten, die Heilige Flamme des Tempels, den üpfermillcn. die Freude an Freiheit und Größe und eine/t begründeten Jüdischen Stolz wachhielten. Bis es dann anders wurde, weil das Volk an* ders wurde, iveil das Volk seinen Gott verließ und er es verlassen mußte. E i n s t m a l s aber... Es liegt an unserer Generation, ob dies Einstmals zum Heute wird. Zu unserem Heute: leolam wued.

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