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Die neue Welt · 1934-09-21 · Heft 400 (21.9.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 400 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIB NEUE WELT Nr. 400 Zur P«In«*Aen Erklärung | paUstina , ßessende in Genf Die Erklärung des polnischen Außenministers Beck vor dem Völkerbunde, daß Polen den vom Völkerbunde und durch den Friedensvertrag gesicherten Schutz der Rechte der Minderheiten nicht mehr anerkennt, hat für das jüdische Volk in aller Welt eine folgenschwere Bedeutung. Wir werdsn auf diese Angelegenheit noch ausführlicher zurückkommen. Vorläufig geben wir einige die Stimmung in polnisch-jüdischen Kreisen charakterisierende Meldungen wieder. Aus Amerika Aus New York: (J. T. A.) Der Verband polnischer Juden in Amerika Ubergab der polnischen Botschaft in Washington ein Memorandum, in welchem der Verband seiner Beunruhigung über den polnischen Schritt in Genf in der Frage des Minderheitei*- Schutzes Ausdruck gibt. Dieser Schritt, heißt es in dem Memorandum, könnte angesichts der heutigen politischen Konsteliation zu schweren Konsequenzen für die Minderheiten führen. Die jüdische Presse- Aus Warschau: Die jiddisch und polnisch geschriebene jüdische Tagespresse Polens nimmt mit Besorgnis Stellung zu der Erklärung des polnischen Außenministers Beck. „Hajnt" führt u. a. aus: Wir sind über dieses Experiment als polnische Bürger und als Juden tief besorgt. Die Erklärung des Ministers Beck könnte Konsequenzen haben, die sich heute noch nicht übersehen lassen. Das Prinzip der Unabänderlichkeit des Versailler Vertrages bildete ja das Fundament, auf dem die gesamte polnische Außenpolitik aufgebaut wurde. Jetzt wird der Minderheitentraktat angegriffen, der ein Eckstein des Versailler Systems ist. Liegt dies im Interesse des polnischen Staates, dessen Bevölkerung zu 40 Prozent aus fremden Nationalitäten besteht?" Die Juden voran 1 Unter dem Titel „Hat Polen mit der Liquidierung des Minderheitenschutzes bei den Juden begonnen?" meldet die Jüdische Telegraphen-Agentur: Während der polnische Außenminister Beck in 'Genf die Versicherung abgab, Polen wolle aus eigener Machtvollkommenheit die Rechte seiner Minderheiten wahren, werden gegenwärtig in ganz Polen Entlassungen jüdischer Lehrer aus den staatlichen Elementarschulen vorgenommen, die vom Staate eingerichteten sogenannten „Sabbat-Schule n", in denen jüdischer Religionsunterricht erteilt wird, werden geschlossen und die jüdischen Religionslehrer werden entlassen. Wie „Hajnt" mitteilt, wurden in der gesamten Warschauer Wojwodschaf t sämtliche nichtetatsmäßigen jüdischen Rel i gionslehrer entlassen; die meisten dieser Lehrer sind seit fünf bis acht Jahren im Dienst. Einer Abordnung jüdischer Religionslehrer, die bei der Regierung intervenierte, wurde ein abschlägiger Bescheid zuteil. Fromme jüdische Eltern stehen vor den polnischen StaatS3chuIen Posten zum Protest dagegen, daß ihre Kinder zu Schularbeiten an Sabbattagen gezwungen werden, viele dieser Eltern wurden wegen des Postenstehens verhaftet. Die Zeitung „Moment" berichtet, daß jüdische Lehrer in Massen entlassen und durch polnische ersetzt werden, daß die jüdischen kulturellen Rechte auf ein Nichts zusammenschrumpfen. Wie es heißt, wird Oberrabbiner Prof. Schorr an der Spitze einer jüdischen Abordnung beim Unterrichtsminister gegen diese Zustände protestieren. Wie ein Rituafmordniärdien entsteht In der Tschechoslowakei hat es wieder einen Ritualmordtumult gegeben. Die kleine slowakische Gemeinde M i a v a war in diesen Tagen Schauplatz einer gefährlichen Zusammenrottung der christlichen gegen die jüdische Bevölkerung, als bekannt wurde, daß die in Miava gebürtige 22jährige Amme Anne M a r t o n in Begleitung ihrer Mutter bei der Gendarmerie die Anzeige erstattet habe, ihr Preßburger Dienstgeber, der jüdische Drogist Wilhelm D., habe ihr Blut abzapfen lassen. Durch rasche Aufklärung seitens der Polizei wurde der Angriff verhindert. Die Angelegenheit trug sich folgendermaßen zu: Der Preß burger Drogist Wilhelm D. in Maierhöfen hatte die 22jährige Anna Marton alB Amme in Dienst genommen. Sie war früher in Prag bei der Sängerin Jarmila Novotna als Amme angestellt. Der Marton wurde, da ihr Dienstgeber sich Gawißheit verschaffen wollte, daß sie gesund sei, in der Preßburger Klinik eine Blutpro be genommen. Einige Tage später erzählte sie einem anderen Dienstboten, man habe sie betäubt und ihr vom Fuß und anderen Körperstellen Blut genommen. Dieses Dienstmädchen erzählte die Sache dem Drogisten, der die Marton sofort zur Polizei brachte und sie dort untersuchen ließ. Der Polizeiarzt erklärte, keine Verletzungen und keine Spuren einer Nar- Icose finden zu können. Die Marton reiste dann rfeach Miava, erschien dort mit der Mutter bei der Gen* linden in Tcl'Aveiw, Athad*Haatm Sfr* 52/ im neueröffneten Hotel ,TaIpfloth das europäisch geführte Haus mit allen Bequemlichkeiten In ruhiger Lage im Zentrum der Stadt gelegen. Gut und modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser. Großer schattiger Garten mit Liegestühlen Wiener Küche Aufmerksame Bedienung darmerie und wiederholte die Anzeige. Nun wurde die Preßburger Polizei aus Miava verständigt, daß dort große Aufregung herrsche. Es hätten Zusammenrottungen bereits stattgefunden und es drohe ein Pogrom. Hierauf wurde von der Preßburger Polizei im Wege des Landesamtes verfügt, daß in Miava ausgetrommelt wurde, daß an der Marton keine Verletzungen gefunden wurden und die ganze Geschichte eine Ausgeburt ihrer krankhaften Phantasie sei. * Das Ritualmordmärchen beweist immer aufs neue seine Lebenskraft. Die Tschechoslowakei ist ein demokratisch regierter Staat, dessen Gründer und Präsident, Professor M a s a r y k, einen heroischen Kampf gegen die Lüge vom jüdischen Ritualmord geführt, der Jahre seines Lebens unter Einsatz seiner politischen Stellung diesem Kampfe gewidmet hat. Sein Eingreifen anläßlich des berühmten Polnaer Ritualmordprozesses wird unvergessen bleiben. Und gerade in seinem Lande taucht in den letzten Jahren die antisemitische Blutlüge häufig auf und findet Gehör und schafft aufgeregte Stimmung. Sie scheint unverwüstlich. KREUZ-KINO 1 Wollzeile 17 * Tel. R-21-2-16 EIN STRÄFLING IST ENTSPRUNGEN ra. Robert Montgomeiy u. Madge Evansi Votstellungen: Vtt, WO Eine erbaulidtc Ge§dhidite Juda Halevy, Herr Roszypal, Rabbi Spira und — Stinkbomben Aus Prag wird berichtet: Im Verlauf des samstägigen Gottesdienstes ist es in der Predigt des Wunderrabbis wüsten Rauferei zwischen den An- und der „Fortschrittlichen gekommen. Die Stadtgemeinde Munkaö hat ein Ansuchen Spiras um Namensänderung der Juda-Halevy-Straße auf Darke- Cuve-Straße (Straße der Läuterung) günstig erledigt. Gegen diesen Beschluß haben die „Fortschrittlichen Juden" Rekurs eingelegt, und der Landespräsident Roszypal hat diesen Rekurs abgelehnt. In dem Entscheid des Landespräsidenten wird angeblich angeführt, daß Spira populärer sei als Juda Halevy, weshalb der Präsident beschlossen habe, der Namensänderung zuzustimmen. Spira benützte die sarnstägige Predigt, um den Verfasser des Rekursantrages, den Arzt Dr. Sternbach, anzugreifen. Seine Ausführungen erregten die anwesenden „Fortschrittlichen Juden" dermaßen, daß sie ohne Rücksicht auf die Weihe des Ortes Stinkbomben zu werfen begannen. Bald kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen, bei denen die Spira-Leute die Oberhand gewannen. Munkac nach Spira zu einer hängern Spiras Judenscha f't" Temperament scheinen beide in Hülle und Fülle zu besitzen, die Spira-Leute und die „Fortschrittlichen". Ein ganz famoser Herr scheint aber der ehrenwerte Landespräsident Roszypal zu sein. Seine Sicherheit im Urteil über Juda Halevy ist direkt erschütternd. Hebräisdhkurse der Juden§taafsparftei Oe§ferreidi§ Einem wiederholt geäußerten Wunsche Rechnung tragend, hat es die Leitung der Judenstaatspartei ermöglicht, die hebräischen Unterrichtskurse auch Nichtmitglieüern zugänglich zu machen. Die Kurse, die unter der bewährten Leitung des bekannten Pädagogen Rabb. Dr. Israel Zwl K a n n e r stehen, beginnen am 4. O k t o b c r d. J. Es werden Kurse für Kinder O bis 13 Jahre), Jugendliche (13 bis 17 Jahre) und Erwachsene (vom 18. Lebensjahr) sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene veranstaltet. Alle Auskünfte Uber die Kurse, für die ein minimaler Beitrag eingehoben wird (Kinder frei), erteilt das Sekretariat, I., Werdertorgasse 14/1 (Montag bis Donnerstag von 7 bis 9 Uhr, Sonntags halb 11 bis 12 Uhr). „De* Batkai" Unter diesem Titel hat die Miikeda Arzith des Bri t Ji Hakaiittim in Litauen ein Sammelheft in deutscher Sprache über Ideologie und Grundsätze des „Barak" herausgegeben. Zu beziehen durch: Brith Hakanaim, P. D. S50, Kaunas, Litauen. Preis: Schweizer Franken 0.15 portofrei. Unverlangte Manuskripte werden nur retourniert, wenn Rückporto belllegt. aCCesJut S( CHIFFMANN Zeitgemäß billige Preise! Vorhang'Abteilung: . s Tupfbatiste, weiß und farbig, per Meter < * 3Iadras-Vitragen, 50 cm, per Meter Gemusterte Kretonne, 70 cm « < . Ä i Indanthren-Vorhangstoffe, gestreift, 150 cm ... . 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