Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 400 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 400 DIE NEUE WELT Seite 3 Serbisch-Rumänisches Weinhaus I II, Taborstraße 18, im Note! Nafifonal Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und SpleQ der die führenden Persönlichkeiten der nationalen Bewegung in Deutschland zu ihrem radikal-antisemitischen Standpunkt hat, wird in dem Urteil gesagt: „Es fällt schwer, die Zeugenaussage eines so gearteten Mannes ernstzunehmcn. Der Zeuge Beamish machte auf uns den Eindruck eines Menschen, der von den von ihm ausgesprochenen Ideen vollkommen besessen, unduldsam in seinen Anschauungen ist und eine übertriebene Vorstellung von seiner eigenen Bedeutung hat. Er hält sich für einen modernen Kreuzfahrer, dessen Mission es ist, der Welt das Bestehen einer von den Juden seit dem Anfang ihrer Geschichte organisierten Welt Verschwörung zur Niederwerfung der Christenheit und zur V e r n ichtung der Zivilisation zu enthü llen. Jede judenfeindliche Veröffentlichung, auf die er stieß, hat er mit Begierde aufgebauscht und jede darin enthaltene judenfeindliche Behauptung als Tatsache genommen. Er war außerstande, auch nur die Spur eines wesentlichen Beweises zur Stütze seiner Behauptungen zu erbringen. Kein Opfer eines Bauernfängers hat sich jemals so leicht und bereitwillig täuschen lassen. Nach der Feststellung, daß auch der Angeklagte von Moltke in der Sache der .Dokumente" nicht guten Glaubens gewesen sein kann, und daß dJe Grauhemden-Bewegung, bis zu deren Auftrten Judenhetze in Südafrika unbekannt gewesen ist, offenbar ein besonders wirksames Propagandamittel gesucht habe, um sich bei dem von Natur aus freiheitsliebenden und in religiösen Dingen toleranten südafrikanischen Volk durchsetzen zu können, wird in dem Urteil ausgeführt: „Den Angeklagten ist es nicht gelungen, auch nur die Spur eines Beweises für das Bestehen einer sogenannten jüdischen Weltverschwörung zu erbringen." Von großer Bedeutung ist der Teil des Urteils, in dem auf Grund der als beweiskräftig anerkannten Zeugenaussage des Präsidenten der Jewish Agency Nahum S o k o 1 o w die sogenannten „Protokolle d e r W e is e n v o n Zion", mit denen die „Dokumente" aus Port Elizabeth in Zusammenhang gebracht worden w.ären und die in dem mißlungenen Verteidigungsversuch der Angeklagten eine große Rolle spielten, als Fälschung zu antisemitischen Propagandazwecken erklärt werden. { „Es ist behauptet worden", heißt es in dem Urteil, „daß die Protokolle auf dem 1897 in Basel abg e h a 11 e n e n I. Zionistenkongreß von Doktor Herzl geheim' verkündet worden seien; aus der Aussage des Führers der zionistischen Bewegung Nahum Spkolow, dessen Zeugenschaft wir ohne jedes Zögern anerkennen, geht jedoch beweiskräftig hervor, daß auf. diesem . Kongreß niemals auf ein derartiges Dokument Bezug genommen oder seiner Erwähnung getan würde. Herr Sokolow erklärte, daß er dem Kongreß beigewohnt, hat, daß die Verhandlungen der Oeffentlichkeit zugänglich waren, daß er Mitglied sämtlicher Kommissionen war und zu einem wesentlichen Teil an der Zusammenstellung der Tagesordnung mitwirkte. Dem Kongreß wohnten viele christliche Stüde nt e n bei, und es gab keinerlei Geheimnisse irgendwelcher Art im Zusammenhang mit den Sitzungen. Herr Sokolow hat ferner erklärt, daß er von der Existenz der Protokolle zum ersten Male anläßlich eines Besuches in. Paris im Jal^re 1920 erfuhr. Er kehrte nach London zurück, wo er. sie zum ersten Male zu Gesicht bekam und las. Er bemühte sich, der Entstehungsgeschichte des Dokuments nachzugehen, und zufällig entdeckten Beamte des Britischen Museums ein gegen die Herrschaft Napoleons III. veröffentlichtes Pamphlet, das im Museumskatalog unter „Antinapoleonische Pamphlete" verzeichnet Ist'. Das war die französische Ausgabe der „Protokolle". Er fand, daß die .Protokolle' ein plumpes Plagiat dieser Streitschrift darstellen." Die Urteilsschrift spricht sodann von den Gotteslästerungen in den im Anschluß an diese „Protokolle" verfaßten „Dokumenten" und den in ihnen enthaltenen „stupiden und herabwür di gend e n" Angriffen gegen den Stifter der christlichen Religion und seine jungfräuliche Mutter Maria, sowie von den Versuchen der Angeklagten, sich der Verantwortung dadurch zu entziehen, daß sie dem Kläger die Klagelegitimation bestritten. Diese in solchen Fällen Kläger „Prediger" sei. Der Richter hat selbstvertiblichen Ausflüchte gingen in diesem Prozeß so Weit, daß' die Angeklagten schließlich erklärten, sie hätten von einem Rabbi gesprochen, während der Btähdlich eine Erörterung des „akademischen und tech- ÜBERSIEDLUNGEN EINLAGERUNGEN billigst durch Möbeltransponteur» A; L$T[ BACH Vit;» nischen Unterschiedes zwischen einem Rabbiner und einem jüdischen Prediger oder Priester" als unerheblich abgelehnt. In der Begründung des Entschädigungsanspruches des Klägers erklärt Sir Thomas Graham, daß der Kläger, wenn er auch keinen unmittelbaren materiellen Schaden erlitten hat, doch durch die diffamierenden Artikel und die Ausbeutung ihres Inhaltes In Volksversammlungen schweren seelischen Leiden ausgesetzt war. Das Gericht habe seine Erklärung, die Veröffentlichung des Dokuments habe in Port Elizabeth große Unruhe hervorgerufen und seine Beziehungen zu seinen nicht jüdischen Freunden stark beeinträchtigt, uneingeschränkt als gerechtfertigt anerkannt. Zum Schluß war die Schuld der drei Angeklagten als feststehend erklärt und dem Kläger eine Entschädigung von 1000 Pfund seitens I n c h s, von 750 Pfund seitens von M o 11 k e s und von 2 5 Pfund seitens Ol i v i e r s zugesprochen. ALLEN VORAN! FÜR INLAND- UND STEINKOHLE KOKS UND ANTHRAZIT BEI KOLZ-DAUERBRANDOFEN PRIMAT 3 0% BUNDE IV, PRESSGASSE 28 I, PARKRING 12 MESSESTAND: S Z U J s c ROTUN H U S S B-20-2-38 B-20-3-57 D E 6144 Hungerstreik und! Deportation „illegaler" Einwanderer Die Frage der Behandlung der sogenannten „illegalen" Einwanderer in Palästina spitzt sich immer mehr zu. Erst kürzlich wurde gemeldet, daß 17 junge Juden zum Protest gegen den Beschluß der Deportation und gegen schlechte Behandlung im Gefängnis zu Akko tn den Hungerstreik getreten sind. In einem Bericht aus Jerusalem vom 10. September hieß es, daß zahlreiche im Juli verhaftete jüdische Mädchen den Behörden Verlegenheit bereiten, da sie keine Heimatsdokumente besitzen. Man rechnete hier mit der Aufhebung des Deportationsbeschlusses. Nun erfahren wir aus Jerusalem vom 18. September: „Die im Juli d. J. wegen illegaler Einwanderung verhafteten 32 jüdischen Mädchen aus Polen, die die ganze Zeit ihres Palästina-Aufenthaltes im Gefängnis «l Bethlehem verbrachten, sind soeben mit 12 anderen jüdischen Einwanderern aus Polen per Schub auf einen griechischen Dampfer gebracht worden, mit dem sie die Rückkehr mit dem Ziel Polen antreten." Die Strafe der Deportation wird also rücksichtslos angewendet. Damit wird jede Hoffnung auf ein menschliches Verfahren seitens der Palästina-Regierung — wenigstens vorläufig — zunichte. Beginn: 8.30 Uhr SIMUS I, Wollzeile 34 Tel. R-26-4-31 Wir zeichnen hochachtungsvoll Ein lustiger Brief in 26 Bildern von Artur Kaps / Musik: Robert Schwarz FRANZ ENGEL FRITZ WIESENTHAL CHARLOTTE WALDOW GRETL WAGNER LOLA v. HÜBNER TRAUDE ALPENBURG, JOHN PULLMANN, RUDOLF DITTRICH BOBBY YORK Jeden Sonnu. Feiertag 7,5: Nachmittagsvorstellung bei kleinen Preisen Woher soll die neue Kraft kommen? Von Richard Idchtheim (Tel-Awiw). Was wird werden? Was soll nun weiter geschehenV fragt jeder, der die politische Situation des Zionismus und die Lage im jüdischen Palästina untersucht. Eins ist klar: Es geht so nicht weiter! Es muß sich eine neue moralische Kraft erheben, die der Demagogie von rechts und links entgegentritt. Doch woher soll diese Kraft kommen? Soll eine neue Partei gegründet werden oder sollen die bestehenden Parteien der Mitte (Allgemeine Zionisten, Gruppe A und Gruppe B, Judenstaatspartei, Radikale Partei) sich zu einer neuen Partei zusammenschließen? Oder soll eine dieser Gruppen, die Führung übernehmend, die anderen Parteien in sich aufnehmen? Allerlei Versuche zur Einigung sind im Gange. Die Revisionisten haben eine Einladung zu einer Friedenskonferenz an die Arbeiter- Wien, ly Werdertorgasse 12 Tel. U-28-1-97 Volksschule mit Oef f entlichk ei tsrecht (9-Uhr-Beginn), Hauptschule, Sprachen- und Fortbildungsschule, Musik, Kunstgewerbe, Sport fti;udie%dfSeh8t Mittelschule Tagesheim Internat parte! gerichtet, die diese Einladung angenommen haben soll. Doch muß man bezweifeln, ob eine solche direkte Verständigung zwischen rechts und links gelingen wird. Schon der Text der Einladung und die Antwort, die im'„Dawar" erfolgte, zeigen die Schärfe der Gegensätze. Wir glauben, <daß die Verständigung nur kommen kann, wenn die Mitte stark genug ist, sie zu erzwingen. Diese Mitte hat auch Schritte zur Einigung unternommen. In Palästina haben verschiedene deutsche Zionisten unter Führung Kurt Blumenfelds eine „linksbürgerliche" Gruppe zu bilden gesucht, die sich vorwiegend aus dem Kreis der Mitglieder des K. J. V. (Kartell jüdischer Verbindungen Deutschlands) zusammensetzt. Aber diese Gruppe ist schwach und einflußlos. Sie wird vielleicht in Deutschland und in der Tschechoslowakei gewisse Erfolge haben, wo dieses „linke Zentrum" schon immer bestand und die Politik der dortigen Landesorganisationen beherrschte. Eine echte Partei der Mitte kann daraus nicht hervorgehen, weil diese Gruppe politisch nur ein Anhängsel der Arbeiter- >.ar£'ei dsj^un4£lbei jeder5 Gelegenheit mit dieser stim- ^gg^^I^'Ai^ßJj^^ -d4ese-Grüri.dung seh? erwünscht, da sie Stimmen und Kongreßmandate geT Winnen kann, die den Einfluß der linken Gruppeü. verstärken. Wichtiger ist der Versuch, der jetzt in Krakau unternommen wurde, die A- und B-Gruppen der Allgemeinen Zionisten zu verschmelzen. Aber es ist anzunehmen, daß diese Vereinigung auf dem Papier bleibt und bei der ersten praktischen Gelegenheit wieder auseinanderfällt. Denn sie besteht ja doch aus jenen beiden Elementen, die auf jedem Kongreß nach rechts und links auseinandergingen. Es müßite endlich die Erkenntnis reifen, daß die Mitte nur dann stark und einflußreich sein kann, wenn sie ein gemeinsames Programm und den Willen hat, dieses Programm auch gegen rechts und links durchzusetzen. Wer die Mitglieder der A- und B-Gruppen kennt, weiß genau, daß ein solches Programm und solcher Wille fehlt. Zwar hat man in Krakau beschlossen, daß der neue „Bleck" unabhängig von rechts und links .sein soll, aber die Praxis ist stärker als solch ein papierener Beschluß. Es gibt daher nur zwei Möglichkeiten: Entweder es entsteht ein Block der Mitte, der alle Elemente der Mitte umfaßt, oder die Judenstaatspartei muß die Führung übernehmen und die wirkliche Partei der Mitte schaffen. Die Judenstaatspartei besitzt ein Programm, sie hat die Ideologie einer nationalen fortschrittlichen Partei, die ihre eigenen Ideen für richtiger hält als die Ideen der anderen Parteien. Sie hat Führer und hat auch bereits eine Jugend, die den A- und B-Gruppen fehlt. Uns liegt nichts an dem Spiel mit Parteien. Wir sind bereit, überall zu kooperieren, wo es das Intere.s3e des Zionismus erfordert. Aber wir wollen nicht in einem Brei von Gesinnungslosigkeit und in dem Gezänk der rechten und linken Elemente eines farblosen „Bürgerblocks" untergehen. Man schaffe die Partei der Mitte — das ist die Judenstaatspartei —■ mit ihren jetzigen oder mit anderen Mitgliedern; aber eine Partei, bestehend aus Anhängern, die das Programm ihrer Führer unterstützen, und mit Führern, die Männer sind. Der Friede zwischen den Revisionisten und der Arbeiterpartei wird geschlossen werden, wenn diese Partei der Mitte stark genug sein wird, auch ohne die Roten und die Braunen ihren Willen durchzusetzen. Frieden werden die Revisionisten und die Arbeiterpartei dann halten und halten müssen, wenn diese Partei der Mitte stark genug sein wird, ihren Willen auch ohne die Linke und die Rechte durchzusetzen. 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