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Die neue Welt · 1934-09-18 · Heft 399 (18.9.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 399 (18.9.1934)
Date
1934-09-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 399 DIE NEUE WELT Seite 3 Nazisiffen in Palästina Aus Jerusalem wird von der J. T. A. gemeldet.: Der geschäftsführende Direktor des großen Jcrusalemer King-David-Hotels, Charles ß ä h 1 c r, ein schweizerischer Katholik, hat soeben dreizehn jüdische Angestellte des Hotels ent lassen, nachdem er bereits im Verlauf der letzten Jahre zahlreiche jüdische Angestellte abgebaut hatte. Die im Hotel noch beschäftigten Juden erwarten ebenfalls ihre Entlassung. Als man Bähler nach dem Grund der Entlassungen fragte, gab er eine barsche Antwort. Er wandte sich - an die Palästin a-Rcgior u n g mit dem Ersuchen um Ausfolgung von Visen für einen völlig neuen Stab christlicher Angestellter, der die entlassenen Juden ersetzen soü. Da die Mehrzahl der Aktien des Hotels im Besitze jüdischer Institutionen, wie der New Yorker Palestine Economic Board for Palestine, ist, wandten sich die entlassenen jüdischen Angestellten an Sir Robert Waley- Cohen (London) von der Palestine Economic Corporation um Wahrnehmung ihrer Interessen, dieser aber erklärte, daß die Gesellschaft in der Angelegenheit nichts unternehmen könne. Aus London (J. T. A.): Sir Robert Walcy- Cohen erklärte der J. T. A., die P. E. C. werde ihr „Möglichstes" tun, um eine „Regelung" der Beziehungen zwischen der Leitung des King-David-Hotels und den lokalen Angestellten, jüdischen wie arabischen, herbeizuführen. * Wenn die vorstehende Meldung der J. T. A. aui Richtigkeit beruht, dann bezeugt sie einen unhaltbaren Tiefstand der öffentlichen jüdisch en Moral in Palästina. Anders ist die zynische Frechheit des Schweizer Hoteldirektors nicht zu erklären, und auch nicht die feige Charakterlosigkeit in den Antworten des Vertreters der jüdischen Aktionäre und Chefs des famosen Herrn Bähler. Freilich, dieser Schweizer Katholik hat beobachten können, was die palästinensische Judenschaft Uber sich ergehen läßt und wie sie auf blutige Beleidigungen reagiert. So hat er sehen können, daß palästinensische Juden auf die grausame Schande, die uns Hitler-Deutschland zugelugt hat, in der Weise reagieren, daß heute in Palästina mehr deutsche Waren als jemals gekauft werden. Er hat daraus den Schluß gezogen, daß man dieses Judentum ungestraft provozieren darf und hat im jüdischen Lande aus einem jüdischen Unternehmen jüdische Angestellte hinausgeworfen. Wann werden die Zionistische Organisation und das jüdische Palästina zur Erkenntnis kommen, daß der Weg, den sie jetzt gehen, in den Abgrund führt? Eine judische Palä§tmas§chif(ahvt§Qe§ellsch®H gegründet Die jüdische Flagge im Mittelmeer und im Schwarzen Mec Aus Haifa wird uns berichtet: Die Versuche, einen palästinensischen Schiffsverkehr ins Leben zu rufen, haben in den letzten Tagen zur Gründung einer Schiffahrtsgesellschaft geführt, deren Tätigkeitsbereich sich nicht nur auf die palästinensische Küste und die benachbarten Länder beschränken wird. Ein Vertreter von „Palnews" interviewte den Gründer der neuen Gesellschaft, Herrn Lazar Bercovici aus Konstantza am Schwarzen Meer (Rumänien), der über ihre Aufgaben, Ziele und Pläne folgendes ausführte: Als Agent einer Reihe Schiffahrtsgesellschaften in Konstantza (Ellermann's Westcott & Laurance Line Ltd., London, The Ocean Salvage & Towage Co., Ltd. wie anderer Gesellschaften) hatte ich Gelegenheit, den Passagier- und Warenverkehr nach und von Palästina, für den Konstantza bekanntlich eine wichtige Durchgangsstation ist, genau zu beobachten und die Möglichkeiten abzuschätzen, die sich für Palästina aus der Gründung einer palästinensischen Schiffsgesellschaft ergeben können. Der Plan einer eolchen beschäftigt mich seit langem. Zur Erprobung des Projekts benutzte ich die sich mir vor etwa einem Dreivierteljahr bietende Gelegenheit; gemeinsam mit dem italienischen Reeder Ignazio Messina die Schiffahrtsgesellschaft „The Italian-Palestine Line, Ignazio Messina & Co., Genua" mit den beiden Schiffen „F rogress o" und „Risveglio" zu gründen, die seither auf der Linie Konstantza—Stambul—Rhodos—Haifa— Jaffa—Port-Said verkehren. Die Schiffe führten auf der Hin- und RUckfahrL Passagiere, Holz u. a. Waren aus Rumänien wie palätinensische Orangen als Rückfracht. Die gesammelten Erfahrungen bestätigten, daß die Grundlage für die Schaffung einer palästinensischen Schiffahrtslinie vorhanden ist. Als Resultat der aktiveren Verfolgung des Planes wurde nunmehr die neue Gesellechaft unter der- Firma „Palestine Maritime Lloyd, L t d." mit einem Nominalkapital von 3 0.0 0 0 Pfund gegründet und registriert. Bis jetzt sind Aktien um 25.000 Pfund emittiert, davon 5000 reguläre Pfundaktien und 20.000 mit 6 Prozent verzinsliche Gründex-aktien. Es sind 15.000 Aktien bereits verkauft und für weitere 3000 liegen feste Kauforders vor. Herr Ignazio M e s s i n a, ein langjähriger Reeder, ist auch In die neue Gesellschaft eingetreten und hat 40 Prozent der Aktien übernommen, wodurch eine erfahrungsreiche Persönlichkeit gewonnen ist. Die Beteiligung des Herrn Messina beweist die positiven Chancen und die Fundiertheit des Unternehmens. Der Lloyd übernahm die beiden Schiffe „Progresso" und „Risveglio", die von nun an die Namen ,,H a r M altarme 1" und „H a r Z i o n" tragen werden. Die Tonnage der beiden Schiffe beträgt 5400 Tonnen, sie können je 10ß Passagiere 1. und 2. Klasse und 2700 Tonnen Fracht aufnehmen. Ihre Geschwindigkeit pro Stunde beträgt 13 Seemeilen. Im Dienste der alten Gesellschaft befuhren die Schiffe die Linie Konstantza—Stambul— Rhodos—Haifa- - Jaffa—Port-Said. Die Hin- und Rückreise dauerte 20 Tage. Von nun an werden die Dampfer auf der Linie Konutantza- Stambul—Haifa verkehren und alle 14 Tage einmal über Haifa—Port-Said—Stambul und einmal über Haifa--Tripolis—Stambul fahren. Die Hinwie Rückreise wird nur 4 Tage in Anspruch nehmen, so »laß jede Woche ein Schiff von Haifa oder Konstantza abfährt. Das wird der erste wöchentliche Dienst auf der Linie Konstantza—Haifa sein, denn auch die „Polonia" wie die rumänischen Schiffe verkehren nur Idtägig. Ein regulärer, schneller, wöchentlicher Verkehr tvird für die Entwicklung der Linie zweifellos einen positiven Faktor darstellen und auch auf die Palästina- und Europareisenden starke Anziehungskraft ausüben. Wir sind bereits im Besitze eines einjährigen Vertrages über den Transport großer Mengen r u mä n ischen Viehes und von Fischen aus Stambul nach Palästina. Wir werden ferner Holz.aus- Rumänien und Orangen nach Rumänien transportieren. Ich zweifle nicht, daß unsere Erfahrungen und Beziehungen uns ermöglichen werden, die Arbeit in vollem Tempo aufzunehmen. Die Leitung ist mir übertragen. Im Aufsichtsrat befinden sich die Herren Ing. A. Tuvim, Rechtsanwalt Dr. Farbstein, Ignazio Messina und Rechtsanwalt Bercovici-Plopul. Mit dem Verkauf der restlichen Aktien wird sich die Zahl der Aufsichtsratmitglieder erweitern. Unser Ziel ist, die Besatzung aus jüdischpalästinensisch en Elementen zusammenzusetzen, das ist aber nicht auf einmal zu erreichen. Wir haben schon jetzt einige Juden engagiert, ihre Zahl wird sich steigern, sobald das geeignete Menschenmaterial vorhanden ist. Der Personaletat der Besatzung beider Schiffe beträgt monatlich 600 Pfund und es ist natürlich angebracht, daß er an die Kreise verausgabt wird, die an der Kapitalaufbringung beteiligt sind und das Hauptkontingent der Reisenden stellen. Hinzuzufügen ist noch, daß die Flagge der Linie, die gerade fertiggestellt wird, die b 1 a uweiße sein und den Löwen Jehudas als Symbol der Gesellschaft tragen wird. (Palnews.) Weifkonferenz der ludenstaaispartei im Februar 1935 Aus Tel-Awiw: Auf einer in Tel-Awiw abgehaltenen Sitzung der Weltexekutive der Judenstaatspartei wurde beschlossen, die e r s te W e 11k onfere n z der Partei für Februar 1935 einzuberufen. Der Ort, an dem die Konferenz tagen soll, soll später bestimmt werden. Man erwartet, daß an der Konferenz Vertreter von zwanzig Länder u, in denen Zweigorganisationen der Judenstaatspartei beistehen, teilnehmen werden. — Die Weltexekutive hat eine provisorische „Mifkada Eljona" (Oberkommando) der Jugendorganisation ,,B r i t Ii Hakanai m" (Barkai), bestehend aus B. Weinstein, Dr. D. Donner, I. Krakowski M. Müller und Kubinstein, eingesetzt. 5000 Juden des Saarlandes zur Flucht bereit Aus Paris. (J. T. A.) Die aus Deutschland ausgewiesene amerikanische Journalistin D o r o t h y Thompson, die Gattin des Dichters und Nobel- Preisträgers Sinclair Lewis, hatte sich eine Zeitlang im Saargebiet aufgehalten und veröffentlicht nun im „Petit Parisien" einen Stimmungsbericht, der viel Aufsehen erregt. Dorothy Thompson schreibt u. i.: „Seit Hitler ist das wirtschaftliche Leben der Saar vollständig in der Schwebe. Man baut nicht mehr. Wir bitten um Einsendung von Adressen, an die wir Probeexemplare versenden können Werben f ie für unser Blatt! Die Verwaltung „DIE NEUE WE LT" Jüdische Eifern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der jüdischen Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke Taborslrafle 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung übeiallhin. Verzeichnisse kostenlos — Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Da niemand weiß, wer in vier Monaten an der Saar regieren wird, wagt niemand mehr Kredite zu eröffnen, von denen gänzlich ungewiß ist, ob sie nach dem 13. Jänner 1935 in Mark oder in Francs rückzahlbar sein werden. 5 0 0 0 Juden, kleine Industriolle oder kleine Kaufleute, verkaufen ihren Grundbesitz oder mobilisieren ihre Kapitalien für den Fall, daß sie rasch flüchten müssen." „Poale Zion" und „Hechaluz" in Lettland verboten Aus London: Aus Riga hier eingetroffene Nachrichten besagen, daß die lettländische Regierung die Partei der Zionisten-Sozialisten (Poale-Zion-Hitachduth), die Jugendorganisation ,,Hechaluz", den hebräischen Kulturklub „B i a 1 i k", den Arbeiterkulturklub „H ap o e 1", ebenso die nichtzionistische linksgerichtete Vereinigung jüdischer Akademiker verboten hat. Weiters besagen die aus Riga eingetroffenen Berichte, daß die lettländische Regierung in ihrer Wirtschaftspolitik einen Kurs eingeschlagen hat, der die Existenz gewisser jüdischer Schichten gefährdet. So hat sie für den Warenexport spezielle Lizenzen eingeführt, die aber nicht an Juden vergeben werden, so daß der gesamte Exporthandel den Juden, die in ihm bisher eine wichtige und auch dem Lande nutzbringende Rolle gespielt haben, nunmehr verschlossen wird. Was der jüdischen Jugend in Deutschland verboten ist Aus Berlin: Die Staatspolizei hat über die Betätigung jüdischer Jugendorganisationen folgende Anordnung getroffen: Den jüdischen Jugendverbänden wird jede politische Betätigung untersagt. Verboten ist ihnen das öffentliche Tragen von einheitlicher Kleidung (Kluft, Uniform usw.). Darunter fällt auch das Tragen von Bundestracht oder zur Kluft gehörender Kleidungsstücke und Abzeichen unter der Verdeckung durch zivile Kleidungsstücke (z. B. Mantel), sowie jede sonstige einheitliche Bekleidung, die als Ersatz für die bisherige Bundestracht anzusehen ist. Verboten ist ferner das Mitführen oder Zeigen von Fahnen, Bannern oder Wimpeln in der Oeff entlichkeit. Untersagt sind Gelände- oder wehrsportliche Uebungen jeder Art, sowis gemeinsame Auf- und Ausmärsche. Geschlossen marschieren ist unzulässig. Untersagt ist der Verkauf und Vertrieb von Presseerzeugnissen jeder Art, insbesondere von Flugblättern. Unglückliche Niederlage der HaEtoah gegen A. €♦ 11 3 In der dritten Meisterschaftsrunde erlitt Hakoah die erste Niederlage. In den ersten Spielminuten verletzte sich Feldmann bei einem Zusammenstoß, so daß er nicht mehr antreten konnte und Hakoah über 80 Minuten mit nur 10 Mann spielen mußte. Trotzdem konnte man mit der Leistung der jüdischen Mannschaft zufrieden sein. Große Aufopferung aller Spieler machte die Hakoah zu einem zumindest gleichwertigen Gegner der kompletten W.-A.-C.-Mannschaft. Nach dem Ausscheiden Feldmanns besorgte Mausner mit außerordentlichem Erfolg die Verteidigung. In der Halfreihe war Breit feld nicht so gut wie sonst, doch bildete er mit Strohs und Piatsc hek eine schwer zu umgehende Einheit. Da der Sturm SO Minuten mit vier Mann operieren mußte, läßt sich kein Urteil abgeben. Sicher ist nur, daß Reich und Zwiebel noch lange nicht ihre normale Form erreicht haben. Die hervorstechendste Leistung bot Donnenfeld. Der österreichische Bundeskapitän wird ihn schwerlich bei der Teamaufstellung gegen C. S. R. übergehen können. Sowohl als Verteidiger als auch als Stürmer bot er unübertreffliche Leistungen. Er erzielte auch das einzige Tor der Hakoah, ein wahres Prachttor. — Der siegreich? W. A. C. war mäßig. Er erzielte seine Tore gegen eine ermüdete Hakoah-Verteidigung. Auch wurde er vom Schiedsrichter sehr unterstützt, der sich zahlreiche Fehlentscheidungen, stets zuungunsten der Hakoah, leistete. Ueber 10.000 Zuschauer wohnten dem Spiele auf dem W.-A.-C.-Platz bsi. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Löwy; Donnen* feld, Feldmann; Breitfeld, Strohs, Platschek; Ehrlich £ Zwiebel, Ehrlich II, Mausner, Reich. In der Handball m e i s i e r s c h a f t siegte Hakoah gegen Shell 6:4, im Hockey erreichta Hakoah gegen Schwarz-Rot nur ein 1:1 Unentschieden. B 1 ö d y (Hakoah), Wiener Meister über 1 5 0 0 Mete r. In den Wienei Meisterschaften konnte der Hakoahner Blödy in der Zeit von 4:11 d?a M c i s t c r t i t e 1 über 1500 Meter gewinnen. Wiener jüdischer Gesangverein. Das große Tempelkonzert des Wiener jüdischen Gesangvereins verspricht eine musikalische Sensation zu werden. Eine Auslese der berühmtesten Tempelgesänge gelangt zur Aufführung. Die Proben haben unter großer Beteiligung begonnen. Stimm prüfung für Damen und Herren jeden Dienstag halb 8 Uhr abends Konzerthaua- Holjändersaal.

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