Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 399 (18.9.1934)
- Date
- 1934-09-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite l DIE NEUE WELT Nr. 399 schlag zustimmen würde. Die Regierung würde sich dann auf diesen Teil und auf die zustimmenden Araber stutzen und unter Berufung auf die Stellungnahme dieser ..g emäßigten El e raent e" den Willen der großen Mehrheit unberücksichtigt lassen. Schon deshalb sei die Geschlossenheit der Bewegung heute von ausschlaggebender Bedeutung." Gegen das PalasSanasPariamenl Beratung der zionistischen Exekutive Aus London: Mitglieder der Londoner und der Jerusalemer zionistischen Exekutive halten gegenwärtig in London gemeinsame Beratungen ab. die der Frage der Stellungnahme zu der von der Mandatsregierung geplanten Errichtung eines Legislative Council (Gesotzgebender Rat) für Palästina gewidmet sind. Aus Jerusalem nehmen David Ben Gurion, Dr. Artur Ruppin und Jizchak Grünbaum an den Beratungen teilt. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist die gesamte Exekutive entschlossen, nicht nur den Plan der Schaffung eines Legislative Council kompromißlos zu bekämpfen, sondern auch den Council, wenn er errichtet werden sollte, zu boykottieren. Man befürchtet jedoch, daß gewisse Elemente des Jischuw ihre Wortführer in den Council entsenden werden, falls der High Commissioner sie hierzu einladen sollte. Es wurden Erwägungen angestellt, wie man dieser Eventualität begegnen könnte. Das Organ der Exekutive „N e w Jude a" schreibt hierzu: ,.Die jüdische Bevölkerung Palästinas und die gesamte Judenheit werden nicht ihre Hand dazu reichen, daß ein Altar errichtet wird, auf dem ihre Rechte auf ein Nationalheim geopfert werden. Mag der Legislative Council ohne jede jüdische Mitwirkung geschaffen werden, es ist aber schwer, sich vorzustellen, wie dies geschehen könne, ohne daß das vom Völkerbund beschworene Mandat verletzt wir d." Die Palästinas Regierung gibt nidit nach! Aus London: Zur Frage des Legislative Council für Palästina veröffentlicht die dem Kolonialministerium nahsstehende Zeitschrift ,,N e a r Eastandlndia" eine Notiz, aus der hervorgeht, daß man in den Kreisen des Kolonialamtes an der Verwirklichung des Council in der ursprünglich vorgesehenen Art festhält. In der Notiz heißt es: „Die jüdische Presse hat in der letzten Woche im Zusammenhang mit den Vorschlägen zur Schaffung einer Einrichtung zu teilweiser Selbstverwaltung irn Lande einige Versuchsballons losgelassen. Sie erklärt3, die staatlichen Stellen dächten an einen Plan zur Errichtung eines aus Zivilpersonen zusammengesetzten Beirats, der dem bestehenden, aus den Leitern der Regierungs-Departements zusammengesetzten Rat untergeordnet sein solle." „Mir wird", schreibt der Verfasser der Notiz, „versichert, daß diese Meldungen unzutreffend sind. Allem Anschein nach beabsichtigen die maßgebenden Stellen, ihren ursprünglichen Plan, einen Legislative Council auf der Grundlage von Wahlen und in einer dem zahlenmäßigen Anteil der einzelnen Bevölkarungsgruppen mehr oder minder entsprechenden Zusammensetzung zu errichten, weiter zu verfolg e n." (A n m. d. Red. Die Regierung hält also an einem Parlament mit arabischer Majorität fest.) £^|tfc&cft%^((Jlj raetfe.. «JCSaR BOXCALF < SCHWARZ M CROUPONSOHL E VeiHze!o§ gegen die Juden Wir haben in unserer letzten Nummer über die gegen die Juden gerichteten Ausführungen des ehemaligen Premiermiisters und jetzigen Führers der Opposition, Venizelos, berichtet. Venizelos hatte früher wiederholt für die Juden und besonders für den Zionismus Stellung genommen. Seine Wandlung ist jüngsten Datums. In Griechenland haben seine Ausfälle gegen die Juden Aufsehen erregt. Aus Athen wird hiezu berichtet: Gegenüber antisemitischen Aeußerungen, die dem früheren Ministerpräsidenten und jetzigen Oppositionsführer Venizelos in einem in einer Londoner jüdischen Zeitung erschienenen Interview zugeschrieben werden, veröffentlicht der jetzige Ministerpräsident T s a 1 d a r i s eine Erklärung, in der er die angeblichen Behauptungen Venizelos" widerlegt und den entschlossenen Willen der Regierung zum Ausdruck bringt, jedweder antisemitischen Hetze in Griechenland energisch entgegenzutreten. „Ich kann mir nicht vorstellen", erklärt Tsaldaris, „daß die Aeußerungen Herrn Venizelos' dem, was er sagen wollte, genau entsprechen, denn ich kann nicht verstehen, wie ein Politiker, der unser Land wiederholt regierte, sich in solcher Weise über einen so wertvollen und fleißigen Teil der griechischen Nation äußern konnte, nur weil dieser Bevölkerungsteil keine Sympathie für seine P a r t e i heg t. Was Herr Venizelos von dorn vaterländischen Bewußtsein der Juden hält, braucht nicht ernst genommen zu werden, denn er läßt die wohlbekannten Opfer, die die Juden für das Vaterland gebracht haben, und ihre Leistungen im sozialen und politischen Leben des Landes außer acht. Dem Vaterland wird ein schlechter Dienst damit erwiesen, daß durch den Mund eine.s früheren Ministerpräsidenten für die nächste Zeit ein Zusammenato ß zwischen zwei brüderlich zusammenlebenden Teilen der Bevölkerung a ngekündigt wird. Eine solche Aeußerung kommt der Aufreizung phantasievoller Elemente zum Mord g 1 e i c h. Scheinbar ist Herr Venizelos enttäuscht darüber, daß die Kämpfe auf politischem Gebiet ihrem Ende entgegengehen, und deshalb möchte er sie auf das konfessionelle Gebiet übertragen. Die Regierung wird erbarmungslos alle Versuche, das religiöse Empfinden des Volkes zu unlauteren Zwecken zu mißbrauchen, zu Boden schlagen und die Bemühungen des Herrn Venizelos zunichte machen. Diese Versuche aber werden kennzeichnend bleiben für die Verstie g e n h c i t Herrn Venizelos', der in einem Augenblick, da Griechenland vor so vielen schwierigen Problemen steht, nichts Besseres zu tun weiß, als diesen Schwierigkeiten dadurch neue hinzuzufügen, daß er in der Weise, wie er es tat, von einem so friedlichen und nützlichen Bevölkerungselement wie den J ud e n sprach". Die Erklärung' des Ministerpräsidenten hat in der gesamten Oeffentlichkeit außerordentlichen Eindruck gemacht. Der Generalgouverneur von Saloniki, R h a 11 i s; hat schärfste Maßnahmen gegen die venizelistischen Zeitungen angedroht, die im Zusammcnhang .mit dem Venizesos-Interview eine wüste Judenhetze betreiben. * Aus Athen (J. T. A.i: Der im allgemeinen würdige Verlauf der Rosch-Haschanah-Feiertage in Griechenland wurde durch einen von Antisemiten provozierten KREUZ-KINO 'iX^-ll Uraufführung: (2. Woihc prolongiert!) DER SCHATTEN DES Mr. STANFIELD n der Gewalt des Alaschinenmenschen). Voisiellungen: 4, 'A6, Vt6, 'Aio II TABORSTRASSE 46 Zwischenfall in X a n t i e gestört. Während des Abendgottesdienstea griff eine Gruppe von Exzedenten die dortige Synagoge an und zertrümmerte sämtliche Fensterscheiben durch ein Steinbombardement. Von den Tätern konnte bisher keiner festgenommen werden. In Saloniki ist es am Tage nach Rosch Haschanah zu einem Zusammenstoß gekommen, als antisemitische Exzedenten einen jüdischen Leichenzug angriffen. Es ist bereits das zweite Mal in diesem'Monat, daß jüdische Leichenzüge in Saloniki überfallen werden. Große jüdi§che Heldengedenkfeier Aus Anlaß der Aufstellung der ersten hundert Gedenksteine auf den Gräbern der im Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten veranstaltete der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs (B. J. F.) am 16. d. M. auf dem jüdischen Wiener Friedhof eine Gedenkfeier, die einen überaus imposanten Verlauf nahm. Es waren Vertreter der Regierung, des Bundesheeres, der Generalität, der Schutzformationen, der Vaterländischen Front, der Stadt Wien und zahlreicher Kriagerverbände erschienen. Der Staatssekretär für Heerwesen wurde durch Generalmajor Klepsch-Rhoden, Minister Major F e y durch Generalmajor C z u k und Bundeskanzler Doktor Schuschnigg, Bundesführer der Ostmärkischen Sturmscharen, durch Major a. D. Dr. Kimmel vertreten. Für die Wiener Kultusgemeinde war Präsident Dr. Friedmann mit den Vizepräsidenten Dr. Löwenherz und Dr, T i c h o erschienen. Vor dem Mausoleum empfingen Hauptmann a. D. Sigmund Edler von Friedmann und Hauptmann d. Res. Dr. Fritz Benedikt die B'estgäste. (Das Mausoleum ist das Werk von Architekt P o n t z e n.) Jakob Feldhammer sprach den Prolog der Feier. Hierauf ergriff der Bundesführer des B. J. F. v. F r i e dm a n n das Wort. Seine Rede galt allen jüdischen Frontsoldaten, denen er zurief: „Ihr habt gleichberechtigt mit allen anderen Söhnen der Heimat gekämpft, ihr seid gleichberechtigt mit ihnen In den Tod gegangen. Gleichberechtigungim Sterben, aberauch Gleichberechtigung im Leben!" Oberrabbiner Dr. Feuchtwang hielt die Gedenkrede, in der er hervorhob, daß der Heldentod der jüdischen Frontsoldaten kein besonderes Verdienst darstelle, sondern selbstverständliche Pflichterfüllung gewesen sei. Generalmajor Czulik pries das Bekenntnis der jüdischen Front' soldatenzur österreichischen Idee im Sinne des toten Bundeskanzlers Dr. Dollfuß. Der Vertreter der Ostmärkiachcn Sturmacharen Major a. D. Dr. Kimmel drückte die tiefe Verbundenheit mit den jüdischen Frontkämpfern in altösterreichischer Kameradschaft aus. Nach ihm sprachen Kultuspräsidant Dr. Friedmann namens der Wiener Jüdengemeinde, General Happe und General J a s c h k e, der Präsident des Heldendenkmalkomitces. Den Abschluß der grandiosen Feier, welcher ungefähr 30.000 Menschen beiwohnten, bildete die Defilierung der uniformierten Bataillone der jüdischen Frontkämpfer vor den Ehrengästen. Der Bericht über die jüdische Heldengedenkfeier in Wien kann natürlich nicht die Stimmung wiedergeben, in welcher sich dieser Akt vollzog. Selten hat das Wiener Judentum Gelegenheit, aus Ereignissen des Tages Weihe und Genugtuung zu empfangen. Darum mußte gerade die Erinnerung an die gefallenen Helden, der man sich am Sonntag, den 16. September — zwischen Rosch Haschana und Jörn Kippur —, hingab, von tiefer Ergriffenheit begleitet sein. Die Worte, die seitens der Vertreter der staatlichen Gewalt gefallen sind, insbesondere aber seitens der soldatischen Führer, die von Kameradschaft mit den jüdischen Frontkämpfern sprachen, gaben ein Zeugnis hochstehender ethiecher Gesinnung. Die offene Erklärung eines österreichischen Offiziers, daß am Patriotismus des jüdischen Frontsoldaten nicht gezweifelt werden könne, wird sich hoffentlich nach jeder Richtung hin auswirken. Die Montag, den 17, d., erschienenen Wiener Zeitungen berichteten über die imposante und erhebende Feier in ausführlicher Weise. Nur das der seinerzeitigen Christlichsozialen Partei und der Regierung nahestehende „W iener Montagblatt" hat keine Notiz genomr men. Hingegen veröffentlicht es, mit antisemitischer Spitze, einen Bericht über eine Versammlung der Wiener —■ Schuhhändler. 167 luden wegen „illegaler" Einwanderung im Kerker Aus Jerusalem: Seitens der Leitung der Palästina-Polizei wird der J. T. A. mitgeteilt, daß gegenwärtig 167 Juden, unter ihnen 5 6 Frau e, n, als „illegale Einwanderer" in Palästina-GcfängnisBeii sitzen. 14 0 Juden büßen bereits ihre S t r n f t 11 ab; während 27 Juden noch auf das Urteil warten. Die meisten illegalen Einwanderer sind im Gefängnis zu Akko untergebracht. Die mit dem griechischen Dampfer Union" eingetroffenen und wegen illegaler Einwanderung verurteilten 17 jungen Juden sind in den Hungerstreik getreten: Zum Protest gegen den Beschluß, sie zu deportieren und gegen schlechte Behandlung im Leopoldstädter Volkskino II, Rotensterngasse 7 wünscht seinen geehrten Güsten n31& nErnn -iöj ma Gefängnis. Da die Verurteilten keine Heinmtsdokumeuto besitzen, sind die Behörden in Verlegenheit; v sie wissen nicht, wohin sit> sie deportieren sollen. 20 jüdische Arbeiter in Uaila verurteilt Aus Jerusalem: Daa Gericht in Haifa verurteilte 20 jüdische Arbeiter, die gegen die Beschäftigung von nur arabischen Arbeitern am Neubau des Juden M. Borowski protestierten, zu Gefängnisstrafen, und zwar 7 zu je 5 Wochen und 13 zu je 3 Wochen. Der Richter, ein Jude, verzichtete auf die JJinvernähme von Zeugen und begründete dies damit, ihn gehen die Arbeitsstreitigkeiten nichts an, er erkenne auf Gefängnisstrafen wegen Störung der öffentlichen Ruh e. Uiiscii-c jüdischen Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Grosehen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R 11-4-20. j|