Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 399 (18.9.1934)
- Date
- 1934-09-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i DIE NEUE WELT Nr. 399 Im Schatten des Galgens Von Abraham Stawsky Abraham Stawsky, dor im Arlosoroff-Prozeß von der ersten Instanz zum Tode verurteilt, vom Apella»;:'•<-\-.>;f :?b?r freigesprochen würfle, veröffentlicht Im Warschauer „Moment" das Tagebuch, das n . ii Jatf.v.r wr-l jVrusalenw Gefängnis führte. Wir bringen im nachstehenden das Kapitel, das über die Rosiii-IiasvhaiuvTage des Jahres 1933 (23. September) berichtet. rr.ctn W mir >' Körb: Es •■ W'Kk Miftiroch. am Vorabend des Rosch-Haschana. ung.'fahr -cm? l.'hr o,Vi'>/s\ kam der Gefiingniswächtcr, der Di'->i*; halte. zu mJr in die Zelle. Er ist ein Araber, Gleich heim Eintritt lir!.l er einer Wortschwall los. Ich verstand vi'ht ein Wort. Aber er sprach fortwährend und deutete mi! dem Fingry auf den Mund. Fiat das -,-ieflcicht irgend einen Zusammenhang ■mJt Esten Schließlich führte er mich aus der Zelle in den Hof. Jetzt merkte ich es. A"f dem Hof standein Jude. Ihn hatte die Tel- Awiwcr G-mein de mit einem Korb Eßwaren für die jüdischen. A> restarten geschickt. Ich bedankte mich sehr bei den: Marn^. Ich war gerührt. Es gibt also noch Mensch' n. '!ie jüdischer Arrestanten gedenken! Wir /Achime1.)-. Ro.-wnblait und ich) hatten dieses Essen nicht sn nötig, da;<.:;• unsere Mahlzeiten zumeist aus einem privaten Ga-:::1:'.;••■• bezogen, aber die anderen jüdischen Arrestanten, ivr'.ehe ausschließlich Gefängniskost bekomvien, werden sieh glücklich fühlen, am Feiertag ein besseres Essen zu erhalten. Der Jyrje bai mich, das Essen unter die jüdischen Arve-\r-,i -v -.-erteilen. Ich übernahm die Körbe und vcr'rraeh ihn: die Aufteilung. Doch fragte ich ihn, ob : er gen in der Frith zu uns beten kommen iverde. in. möge er meinen Vater davon verständigen, daam Gottesdienst teilnehme. Ich ging nun mit den der Hand von Zelle zu Zelle und suchte Juden. :cr -inige jüdische Arrestanten da, auch Komy.i. Ah-.e diese scherten sich nicht u?n das Essen, </<•/.: man. anläßlich des jüdischen Feiertags hierhergeschickt hatte ... Im ganzen verteilte ich, das Essen auf sieben bis achi Portionen; mehr jüdische Arrestanten, mit Ausnahme der Kommunisten, gab es nicht. Am Donnerstag, dem ersten Tag Rosch Haschana, ttarA -ch schon sehr früh auf. Ich legte mein feiertägl'eh's Gewend an und stellte mich zum Fenster, um Auster an ""' ho'Ucn. wann man zum Beten kommen werde. Er:.: gegen 0 Uhr kamen die ersten Juden. Unter ihnen gab Coauch einen. Vorbeter. Ich erkannte ihn. Er war ein Mitglied, der ..Histadruth", aber ein schlechtes Mitglied, denn er schimnfto auf diese Histadruth in ärgster WcUc ... Mein Vater kam tatsächlich zum Beten. Es gab bei v.r.?. einen, wirklichen Feiertag. Wir freuten uns mit den jüdischer. Gästen und ich besonders damit, daß mein Vater v.n*er ihnen war. Es war eine ganz hübsche Betgerrcinde zusammengekommen und ohne viel Vorbereitung ging man gleich an.s Beten. Die Juden hatten eine Th.ora-Rolle mitgebracht und, die Gefängnisverwaltung stellte un:-; ein abgcsondei tes Zimmer zur Verfügung. Alles -wir in bester Ordnung. Auf einmal — schon inmitten des Betens — ist von unten ein. Geschrei zu hören und gleich darauf ein Wirbel und Gelärm, als würde ein ganzer Zigeunermarkt in Aufruhr geraten. Ich laufe zum Fenster, um zu sehen, was eigentlich passiert sei, und da sehe ich, wie vor dem arabischen Polizisten ein Betari steht und ununterbrochen „Ani Kohcn! Ani Kohen! (ich bin ein Kohcn, Priester.'), ohne mich wird man nicht beten können!" auf Hebräisch schreit. Der Araber versteht kein Wort, er weiß bloß, daß dieser kleine Betari zu uns hereinkommen will und er denkt sich, daß ohnehin schon, genug Juden beim Beten zusammen sind. Das Drängen, des Jungen hört aber nicht auf. Der fantische Betari will nicht abtreten, ruft immer wieder sein „Ani Kohen.!'. aber der Araber bleibt hart wie Stein. Schließlich begibt sich unser Vorbeter zum Offizier Stafford und klärt :hn auf, daß man ohne einen Kohen v.ieh.t he Inn könne. Darauf läßt Stafford den Kohen durch und das- Beten geht weiter. Allmählich riß mich das Beten aus dem Gefühl des Gejängnislebens und. ich vergaß, daß ich ein Arrestant, und hier im Kreise der Juden, neben meinem Vater, fühlte ich mich plötzlich w,ie im. Beth-Hamidrasch von Bresk- Lifowsh, -meiner alten Heimat, wo ich immer am Rosch- Ha^ehana stand und mit allen meinen Bekannten und Freunden betete. Eine Wärme zog über mein Herz, da ich den Vater neben mir spürte. Bisher konnte ich ihn im Geja,'fjn.i;, immer nur eine Viertelstunde sehen. Jetzt aber verb;achte ich ein paar Stunden mit ihm. Auch Abba > Achimenbefand sieh unter den Betenden, er war in großer Verlegenheit, da er ohne Hut war. Aber er legte ein Taschentuch auf den. Kopf und so ging die Sache in Ordnung. Srhon lange beteten wir nicht mit soviel Gefühl vnd 'nbrunsr. Die fremden Juden, die aus der Stadt hierhti gekommen waren, wAi.ren fromm. Aber wir, die. nicht so fromm waren, beteten diesmal mit besonderer Innigkeit. Plötzlich ging es bei den Kommunisten los. Inmitten de:, Gebete;; höi ten wir, wie die „Internationale" gesungen wurde. Ich erinnerte mich gleich an die Kommunisten, welche im dritten Zimmer saßen. Diese Herren Juden errinnerten sich an Moskau gerade, als wir im jüdischen Land unser Feiertagsgebet verrichteten. Es war klar, daß man es hier mit einer absichtlichen und boshaften Stönmg zu tun habe. Ich ging zu den Leuten hinüber in die Zelle und sah auch hier eine Schar fanatisch Betender. Auch sie standen, wir wir, unbeweglich wie -— man verzeihe diesen Vergleich — zum Gebet. Der Unterschied bestand darin, daß unser Vorbeter mit dem Gesicht zu Zion und mit dem Rücken zur Gemeinde stand, während ihr Kommandant mit dem Gesicht zu seiner Schar, mit dem Rücken zu Zion stand. Darin lag der Unterschied. .. Ich stellte die Frage: „Was gibt es denn da?" „Wir werden die Reaktion hier nicht dulden", roaren plötzlich einige Stimmen zu hören, tbir können nicht zugeben, daß man hier ein Beth-Midrasch mitten im Gefängnis macht und betet." Man begann , zu verhandeln. Die Kommunisten schlugen uns vor, ein Stückchen weiter von ihnen zu übersiedeln, in welchem Fall man unser Beten und Singen nicht hören würde, sonst würden sie unbedingt stören. Sie erklärten weiter, daß sie es nicht aushalten, wenn man sich Gebeten hingebe, uric in den wirklichen .chauvinistischen „Betstuben". Bndlich aber beruhigten sie sich. Ich drohte ihnen nämlich, ihnen nie mehr Zeltungen zu borgen (ich hatte nämlich Zeitungen), und der Betan, der Kohen, kam gerade herbei und begann,'Zigaretten zu verteilen. Das wirkte uyid es wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Sie versprachen, still zu bleiben, solange wir beten. Um ungefähr Ii UWi''endeten wir das Beten. Die Gäste verabschiedeten sich von uns und sagten zu, morgen wieder zu kommen. Dann begannen die Besuclie. Viele Menschen kamen zu-uns,' Man schickte uns Süßigkeiten und Karten mit Glückwünschen, Wieder kam der Abgesandte der Gemeinde Tel-Awiw und brachte Essen zur Verteilung an die Arrestanten ... Ich habe zu erzählen vergessen,* daß am ersten Tag Rosch-Haschana der Polizeioffizier Stafford uns allen ein gutes Jahr und schnelle Befreiung gewünscht hat. Wenn es in der englischen Polizei einen guten Offizier gibt, dann ist es Stafford. Ueber die anderen, wenigstens soweit ich sie kenne, will ich hier nicht sprechen... Austritte aus dem M^enimn Hugo Finkelstcin, geb. 21. Dezember 1879 Gvofl- Becskerek, verh., XXI-, Ostmarkgasse 6. --- Phllamc aa Wilhelm geb. Holtsag, geb. 10. Oktober 1887 Budapest, verh., II., Große Schiffgasae 4. — Johanna NiUerl geb. Ponles, geb. 18. Juli 1909 Wien, verh., V., Wehrgasse 11. — Judith Eckfeld, geb. 21. Februar 1917 Wien, ledig, XIX., Döblinger Hauptstraße 34. -Richard Heinz, 13. Mai 1920 Wien, ledig, II., Taborstraße 79. — Christine Falk geb. Milch, geb. 12. Oktober 1888 Deutsch-Gießhlibl, verh., IX., Nußgas3e 1. — Irma Schwarz gob. Ooldncr, geb. 20. April 1874 Wien, verh., XIII., Hadikgasse 104. — Hedwig Eiscnberger geb. Lücke, geb. 11. Jänner 1905 Wien, verh., XII., Zeleborgassc 7. — Angela Fröhlich geb. Mimisch, 8. Jänner 1891 Wien, verh., XXI., Oedenburgerstraße 1. — Hens Ignaz Fröhlich, geb. 12. Mai 1920 Wien, ledig, XXI., Oedenburgerstraße 1. — Kitty Fröhlich, geb. 10. Juni 1914 Wien, ledig, XXI., Oedenburgerstraße 1. - Alfred Gruder, geb. 1. Jänner 1888 Wien, verh., VII., Burggasse 89. — Katharina Sclldorf geb. Neumann, geb. 12. November 1904 Wien, verh., XIII., Auhofstraße 4. — Marceil Weisolberg, geb. 10. Oktober 1904 Berlad, ledig, XIII., Lainzerstraße 64. — Paul Gi'tnsberger, geb. 11. Oktober 1904 Versecz, ledig, II., Ennsgasse 3. — Gisela Verständig, geb. 1. April 1914 Wien, ledig, II., Praterstraße 76. — Heinrich Verständig, geb. 18. Dezember 1931 Wien, II., Praterstraße 76. — Otto Hübscher, geb. 6. Juni 19Q7 Pilsen, ledig, III., Radetzkysträße 10. — Mendel Fesach Beigel, geb. 17. Februar 1864 Brody, verh., III., Hauptstraße 81. — Hedwig Ciccpa geb. Bloch, geb. 27. Mai 1898 Plan, verh., III., Drorygasse 19. — Margarete Reisz, Kontoristin, geb. 1. März 1912 Wien, ledig, X., Quellenstraße 24 b. — Maria Schick geb. Fitzck, geb. 1. April 1849 Brechow, verw., XIII., Cervantesgasse 24. ~r Anna Fischel geb. Krejcirik, geb. 27. Oktober 1908 Wien, ger. getr., XVI., Effingergasse 38. — Robert Singer, geb. 6. Mai 1890 Wien, ger. getr., I., Kumpfgasse 5. -r- Gustav Taussig, geb. 3. Jänner 1893 Wien, ledig, IX., Aiserbachstraße 22. — Heinrich Fleischer, geb. 9. Februar 1889 Wien, verh., IL, Hochstettergasse 8. — Artur Bödenler, geb. 1. April 1900 Wien, verh., XII., Mandlgasse 1. — Helene Sgalitzer, geb. 12. Februar 1876 Wien, ledig, I. — Katharina Sturmwind geb. Brandl, geb. 15. März, 1890 Unterstockstall, verw., LX., Währinger Gürtel 128. Seil vielen Jahren ♦ ♦ ♦ ist allen Sparsamen die Tatsache bekannt, daß man elegante moderne Damenmäntel für Herbst und Winter bei Schiffmann zu fast unglaublich billigen Preisen bekommt. Heuer hat die Damenkonfektions-Abteilung- Schiffmann wirklich Höchstleistungen vollbracht und bringt schon zur Saison ... Preissensationen für Damenmäntel, aktuelle Kleider, Kostüme, Blusen, Hüte, neue Schuhmodelle usw. Beispiellos billige Preise für alle Neuheiten in Wasch-, Woll- und Seidenstoffen ermöglichen es, denen, die selbst schneidern oder nach Maß arbeiten lassen, sich erstklassige Kleidung für sehr wenig Geld anzuschaffen. Auch für das Schulkind ist eine große Auswahl in Schulkleidern, Mänteln, Anzügen, Schulstiefeln und allen Schulutensilien zu kleinsten Preisen vorrätig. Am Mittwoch (19. September) findet kein Verkauf statt... 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September) ganztägig geschlossen» Ei"<-uUimer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberhaun* Robert Stricker. - EK;* Universitäts&traße 6—8. Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide Wien,