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Die neue Welt · 1934-09-14 · Heft 398 (14.9.1934) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 398 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 398 DIE NEUE WELT Seite 7 müssen nicht viel Geld für Ihre Herbstkleidung ausgeben. Sie bekommen elegante, moderne Neuheiten in Damenmänteln, Kostümen, Kleidern für Herbst und Winter, Pelzmänteln, Schuhen, Wasch-, Woll- und Seidenstoffen jeder Art im populären „Warenhaus der Sparsamen", Schiffmann, auf der Taborstraße, zu verblüffend billigen Preisen. Eine zwanglose Besichtigung wird Sie davon überzeugen! Für jeden Geschmack und Bedarf ist vorgesorgt. Zum Schulbeginn kaufen Sie Schultaschen, Schulsqhürzen, Kinderkleider, Kindermäntel, Kinderanzüge, Kinderschuhe etc. gleichfalls bei Schiff mann, wo Ihnen Qualitätswaren zu den billigsten Preisen, die möglich sind, geboten werden. 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Friedrich C h w a t a 1 und der Fachlehrer Ernst Heller in Turn bei Aussig wurden wegen Verbreitung von Flugblättern, in denen zum Judenboykott nach reichsdeutschem Muster aufgefordert wird, verhaftet. Die Flugblätter, in Deutschland hergestellt, haben folgenden Text: „Der jüdische Weltkongreß in Genf hat den verschärften Boykott deutscher Waren beschlossen. Es ist ein Gebot deutscher Selbstachtung, Gleiches mit Gleichem zu vergelten! Keiner spreche darüber, jeder handle im Stillen. Schlagartig, mit 15. September d. J., setzt die Abwehrbewegung gegen den Terror des Weitjudentunis ein und wird nicht frliher eingestellt, bis dieses den Boykott Deutschlands aufgegeben hat. Ehrlös handelt jeder Deutsche, welcher bei Juden einkauft, der jüdische Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieure usw. verdienen läßt. Deutsche Liga zur Bekämpfung jüdischer Anmaßung." Chwatal und Heller werden nach $8 14 und 17 des Gesetzes zum Schütze der Republik angeklagt. Heller ist Bezirksleiter des Deutschvölkischen Turnverbandes Teplitz-Schönau, Chwatal Mitglied des Deutschvölkischen Turnverbandes „Eiche" in Teplitz-Schönau. Eine Prager Filmfirma boykottiert jüdische Film- Darsteller . Aus P r ag: Dieser Tage wurde den Lizenzinhabern von etwa 14 Kinos die einstweilige BeschlagnahmeverfUgung auf die anfälligen Einnahmen der Filmerzeugung Meißner & Co. zugestellt. Es handelt sich um eine Maßnahme als Folge jener Klagen, welche vom Wiener Regisseur Neufeld und von der bekannten Schauspielerin Consta ntin, verehelichte Hercze.g, auf Gagenersatz in der Höhe von 240.000 und 98.000 Kö eingebracht würden. Beide Künstler verlangen diese Summe, well sie Von der Firma engagiert, dann jedoch nicht beschäftigt wurden. Die Firma fügte sich den r.e ichsdeutschen Weisungen, wonach in DeutschJand kein. Film zur Vorführung zugelassen werden darf, in dem als Regisseur oder Schauspieler ein Nichta r i e r mitwirkt. Dieser Paragraph wird angeblich so streng gehahdhäbt, daß auch die Mitwirkung der Frau Constantin verhindert wurde, weil ihr Gatte Jude ist. Der Nürnberger Parteitag und die luden Aus Prag (J. T. A.): Wie aus Nürnberg berichtet wird, stand der unter den Auspizien des Reichsführers Hitler abgehaltene Parteitag der N. S. D. A. P. im Zeichen antijüdischer Hetze; es scheint, als ob Julius Streicher, mit dem sich Hitler im Verlauf des Parteitages oft gezeigt hat, seinem Meister Form und Wirkung des von ihm in Franken inaugurierten antijüdischen Terrors vordemonstrieren wollte. In der ganzen Stadt waren Riesenplakate mit jüdischen Karikaturen und judenhetzerischen Inschriften angebracht. Fast sämtliche nichtjüdischen Geschäfte und viele hunderte Privathäuser hatten neben den Bildern Hitlers und Streichers anti jüdische Losungen und antisemitische hetzerische Inschriften ausgehängt. Neben der Stadthalle, in der Hitler mit großem Prunk empfangen wurde, war eine schauerliche Karikatur in riesigem Ausmaße angebracht, die den Teufel darstellt, der einen jüdischen Kaufmann mit Spitzhut und gebogener Nase trägt. Darunter ist in Ricsenlettern zu lesen: „Tra^e nicht dem Juden und seinem Eid!" Die jüdischen Geschäfte in Nürnberg waren während des ganzen Verlaufs des Parteitages geschlossen. Die jüdische Bevölkerung vermied es, die Straßen zu Betreten. In dem M^nschengewimmel, das die Nürnberger Straßen durchzog, begegnete man nie einem Juden. Der Hintergrund der Tribüne im Nürnberger Rathaus, von der Hitler sprach, war mit Krone und Insignien des Heiligen Römischen Reiches geziert. Diese tragen auch die Gestalten der jüdischen Könige David und Salomo, sowie des Propheten Jesajah. Die katholische Wiener Presse fragt, ob Hitler, der sich also königlich feiern ließ, gewußt hat, daß er unter dem Zeichen jüdischer Könige und Propheten spricht. Juden in den lettländischen Konzentrationslagern Aus Riga: Aus den in Lettland im Zusammenhang mit dem Regime-Wechsel errichteten Konzentrationslagern ist nunmehr eine Anzahl Juden, die den linksgerichteten Lagern nicht angehörten,. entlassen worden, während den Gesuchen um Freilassung auch der Führer des jüdisch-sozialistischen „Bund" und der der Zionisten-Sozialisten (Poale Zion) bisher nicht stattgegeben worden ist. Ein Jude — Bürgermeister von Kapstadt Aus Kapstadt (J. T. A.): Louis Gradner. ein Führer des südafrikanischen Judentums, ist soeben einstimmig zum Bürgermeister von Kapstadt wiedergewählt worden. Louis Gradner wurde 1882 . in Bialystbk, jetzt Polen, geboren, studierte in London und kam 1899 nach Südafrika. Mussolini besucht den PalästinaJPavillon in Bari Aus Rom: Der Regierungschef Benito Mussoli n i besuchte den Palästina-Pavillon auf der Levante-Messe in Bari und wurde dort vom Direktor des Pavillons, Dr. Eisenstadt, begrüßt. Mussolini ließ sich eingehend über die Entwicklung der Stadt Tel-Awiw und des Haifaer Hafens, sowie über die Position der deutschjüdischen Flüchtlinge in Palästina informieren, und besichtigte mit großem Interesse die im Pavillon ausgestellten Palästina-Produkte. In seiner Begleitung befahden sich hohe Regierungsbeamte, unter ihnen Mitglieder des Handelsdepartements der Regierung. Der letzte jüdische Schriftsetzer Aus Nürnberg: Der „Stürmer" in Nürnberg druckt ein- Schreiben des Nürnberger jüdischen Schrift-, setzers Philipp Lengyel an den Fach verband der bayrischen Schriftsetzer ab, iri dem Lengyel, der seit 1901, also seit 3 4 Jahren, dem Fachverband angehört und Beiträge leistet, bittet, ihm, der Anspruch auf Altersversorgung hat, ihn aber unter den heutigen Verhältnissen Wochen-Kalender nicht geltend machen kann, wenigstens die Reisespesen bis zur Grenze in Passau für sich und seine Familie zur Verfügung zu stellen. Der „Stürmer" äußert seine große Freude, daß mit Lengyel der letztejüdische Sch.rif tsetzer Bayerns; das Land verläßt, und fügt hinzu, die Pikanterie bestehe darin, daß der Obmann der Fachgewerkschaft der bayerischen Schriftsetzer, an die sich Philipp Lengyel gewandt hat, Julius Streicher sei, der berüchtigtste Pogrom-Hetzer in Hitler- Deutschland. Leon Blank gestorben , Aus New York wird gemeldet, daß dort nach längerer Krankheit der 67 jährige Schauspieler Leon B lahk am Vorabend des Rosch Haschänä gestorben ist. Der Verstorbene gehörte zu den populärsten Schauspieler der jüdischen Bühne, der er fast 50 Jahre angehörte. - Jüdisches Theater. Das gewesene Mitglied der Freien Jüdischen Volksbühne Michael Preiß wurde an das jüdische Theater in Kowno (Kaunas, Litauen) engagiert, wo er mit Dr. Paul Baratpw und Michael Mich'alesco auftreten 'wird. September 1934 nwn n'jnn Tischri 5695 14 Freitag 5 Sabbateingang 5 55 15 Samstag 6 SabWausgang 6.45 ' nsiw 'cen nz'.v nar "fl") 16 Sonntag . 7 17 Montag 8 4 18 Dienstag 9 nica an? 19 Mittwoch 10 WBtä ICtO *Vß3 tv ^20 Donnerstag 11 . ■ . .;. . : ■ . Vor der Eröffnung Wir haben bereits berichtet, daß die Direktion der „Jüdischen Künstlerspiele", II., Praterstr. 34, darangeht, die Vorbereitungen für die Eröffnung zu treffen. Wie wir erfahren, ist es gelungen, den Leiter der Wilnaer Truppe, Alex Stein, als Schauspieler und Regisseur für das Eröffnungsgastspiel zu gewinnen. Als erstes Stück wird voraussichtlich Schalom A 1 e j c h e m 3 Komödie „Napoleons Schatz" (Die Goldgräber)' zur Aufführung gelangen. Dieses'Werk, das zur Zeit' im Warschauer jüdischen Theaterstudio „Jung- Theater" mit sensationellem Erfolg gegeben wird, bedarf einer gründlichen szenischen Bearbeitung, so daß die Premiere in ungefähr 14 Tagen stattfinden dürfte. Die musikalische Leitung dieser an Liedern und Humor reichen Komödie hat der Warschauer Komponist Henoch K o n übernommen. Voraussichtlich werden die Wilnaer Schauspieler in den kommenden Aufführungen an den Wiener jüdischen Künstlerspielen auch noch durch Josef Kamen vertreten sein. 4. Jum-Iiistadruth des Hasehoiner Hadatl. Am Sonntag, den 16. ds,, um halb 4 Uhr nachm., findet irr unserem Heime, II., Kleine Mohrengasse 6—8, der 4. Jom-Histadruth des Bundes statt. Zeire we Hechuluz Humisrachl Wien. Die Chawerim Albrecht und Brafmaun wurden vom Misrachi-Landesverband mit der Aufgabe betraut, die Einberufung einer Generalversammlung in kürzester Zeit vorzubereiten. Sämtliche Agenden wurden an genannte Cli. übergeben und haben sich die Chawerim und Chaweroth in allen Belangen ausschließlich an. sie zu wenden. Josef Schmidt in Wien. Josef „Schmidt ist, *us London kommend, in Wien eingetroffen und nimmt bereits an den Vorarbeiten zu seinem neuen Großfilm „Ein Stern fällt vom Himmel", der bekanntlich im Rahmen der Styria-Filmproduktion hergestellt wird, teil. Die Regie liegt in den Händen von Max Neufeld, die Musik schreibt Hans May. Der Film geht Ende September ins Atelier. Unsere jüdischen Leser werden auf die jüdische Büchhandlung Hermann T u c h n e r (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R-41-4-?0. a

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