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Die neue Welt · 1934-09-14 · Heft 398 (14.9.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 398 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 398 DIE NEUE WELT Seite 5 Wer weiß Rat? Die Geburt einer Legende — Dr. Weizmann 1923 und 1933 — Wo bleibsn New York, Ghikago und Philadelphia? — Die anderen sechs Folgen — Wenn der Katzenjammer kommt... Von Dr. H. Rosenblum, Kowno j«M..............MMMIM........................<»H; Die zionistische Exekutive hielt eben eine Konferenz mit Zionisten und Nichtzionisten in Zürich ab, in der darüber beraten wurde, wie man die „gemischte" Agency, die weder leben noch sterben will, loswerden könnte. Es lohnt sich bei dieser Gelegenheit, des Geschöpfes, um das so erbittert gekämpft wurde, zu gedenken. Die Hauptargumente des offiziellen Zionismus in seinem Kampfe um die Fifiy-fifty-Agency, das heißt um die Aufnahme von 50 Prozent Nichtzionisten in die zionistische Leitung waren: 1. Der Zionismus wird durch das Medium der Fif tyfifty-Agency von allen materiellen Schwierigkeiten geheilt werden. 2. Das nichtzionistische Judentum wird durch die Agency zur aktiven Mitarbeit für Palästina herangezogen werden. Ausschlaggebend war natürlich das erste Argument. Man munkelte von „Millionen und Milliarden", die uns erwarteten, sobald nur der Agency-Plan des Herrn Dr. Weizmann verwirklicht werden würde. Man erinnere sich nur an die begeisterten Gesichter der Karlsbader Kongreßdelegierten von 1923, als der damalige Präsident der Zionistischen Weltorganisation ihnen vom Reichtum der amerikanischen Jahudim berichtete und von den Wegen sprach, zu diesem Reichtume zu gelangen: „Als wir in Chikago für den Keren-Hajessod 25.000 Dollar gesammelt hatten", so erzählte Dr. Weizmann, „wurde das als ganz großer Erfolg aufgefaßt, denn man hatte im Vorjahre nicht mehr als 100.000 Dollar gesammelt. Gleichzeitig hatte ich aber selber erlebt, daß die jüdische Gemeinde Chikagos für Irgend ein Spital oder Bethaus im Laufe eines Tages 2,500.000 Dollar gesammelt hatte. Da dachte ich mir: Wenn wir nur das Glück hätten, diese jüdische Gemeinde für uns zu gewinnen und von ihr auch nur die Hälfte der 2,500.000 Dollar für Palästina zu erhalten, so würde ich damit mit einem Schlage das erreicht haben, wofür ich sonst vier Monate aufopfernder Arbeit benötige. Und so ist es in New York, Philadelphia und in jeder anderen Stadt. Und, lieber Gott, wenn wir Geld genug bekommen, um unser Hinterland zu decken......dann könnte man eventuell auch eine Offensive einleiten." (Protokoll des XIII. Zionistenkongresses, S. 229.) Dieses Finanzepos, von Dr. Weizmann begeistert vorgetragen, hatte den erwünschten Erfolg. Als dann später noch Dr. Weizmann auf einer Beratung des linken Kongreßflügels seine Ausführungen konkretisierte und verriet, daß es keine Uebertreibüng sei, mit 80 Millionen Dollar für den Keren Hajessod zu rechnen, falls nur sein Agency-Plan verwirklicht würde, da erbebte alles in seliger Erwartung... Besonders billige Fahrt nach Krakauu.Lemberg Abfahrt: 26. September, Rückkunft: 4. und 24. Oktober 1934. Ausk.u.Anmeldungen: ABDIC1 Wien I, Kärntners'r. 41 Polnisches Reisebüro yVKDlw Telephon R-26-1-43 und Reisebüro E. FERSTEL, Kärntnerring 12. Telephon U-40-301 m ^HuunwunBUBiHna^ Das zweite Argument, wonach die gemischte Agency die nichtzionistische Judenheit in unserem Sinne, das heißt national und zionistisch beeinflussen würde, wurde eigentlich nur darum ins Treffen geführt, um den finanziellen Materialismus in einen „weltanschaulichen" Schleier zu hüllen. „Der künftige Historiker" der Agency- Periode soll nicht nur von „Geld", sondern auch von „Ideen" berichten können. Schon damals hatten wir nachzuweisen versucht, daß der ganze Fifty-fifty-Plan keinen Pfifferling wert sei. Im Jahre 1928, also ein Jahr vor der Realisierung des Agency-Plans, schrieb Meir G r o ßman in einer Broschüre: „Das Argument, wonach die Agency dem Zionismus Hilfe bringen würde, hält nicht der geringsten Kritik stand. Es gibt keinen ernsten Beweis dafür, daß die erweiterte Agency Geld, heue konstruktive Ideen oder den Enthusiasmus einer geeinten Judenheit bringen würde ... Es werden schon fünf Jahre das Wunder der kommenden finanziellen Hilfe hinausposaunt. Wenn eine Hilfsbereitschaft auf Seiten der Nichtzionisten wirklich vorhanden wäre, so hätten die neuen Zionsfreude mit ihrer Unterstützung nicht bis zur formellen Unterzeichnung des Agency-Vertrages gewartet, sondern uns schon früher, in den schweren Zeiten, die wir durchlebt hatten, geholfen. Auch kann keine Rede davon sein, daß die Agency alle Juden auf einmal einigen werde. Im Gegenteil: Die Fifty-fifty-Agency dürfte für lange Dauer die Zweiteilung des Judentums in Zionisten und Nichtzionisten statuieren. Sie wird unsere innere jüdische Zerrissenheit vor der Welt bloßstellen und Zeugnis dafür ablegen, daß mindestens die Hälfte der Judenheit mit der zionistischen Zielsetzung nicht einverstanden ist." („Gegen die gemischte jüdische Agenz", S. 11 und 20.) Der Katzenjammer kam später. Man sah ein, daß alle Warnungen der Agency-Gegner wohl begründet waren. Die historischen Reden und Lobeshymnen zu Ehren «er neuen Kreation waren schnell verklungen. Was übrig blieb, war eben der Katzenjammer. Dr. Weizmann selbst mußte erklären: „Die wirtschafliehe Entwicklung Palästinas steht in keiner Verbindung mit der Agency, welche überhaupt der schwächste Punkt unseres ganzen Gebäudes ist. Ein Großteil unserer Bemühungen in und um Palästina wird ohne Mitwirkung der Agency vollbracht, was diese noch bedeutungsloser macht, als sie tatsächlich ist." („ITA" vom 10. Jänner 1933.) Diesen traurigen Ausführungen kommt eine erhöhte Bedeutung zu, da sie von einer anerkannten Autorität des Fifty-fifty- Systems kommen. Dr. Weizmann könnte aber seinen Ausführungen noch etwas hinzufügen: 1. Sein Versprechen, die nichtzionistische Judenheit mit Hilfe der Agency für Palästina zu interessieren, hat sich nicht ei-füllt. Die orthodoxen und linken Kreise der jüdischen Oeffenüichkeit in Amerika und Polen stehen nach wie vor abseits. Und was die „gewonnenen" Nichtzionisten anbetrifft, so kann man sie an den Fingern aufzählen. 2. Unser damaliges Budget (500.000 Pfund jährlich) beträgt jetzt zirka 125.000 Pfund, d. h. es ist um fast 75 Prozent gesunken. Wenn man diese Ziffer mit den seinerzeitigen 80,000.000 Dollars, „die unser Hinterland decken sollten", vergleicht, so sieht der heutige Zustand noch erbärmlicher aus. 3. Dieses Mißerfolges kann niemand außer der Agency selbst beschuldigt werden; denn die Opposition hatte gar keine Möglichkeit zu stören — sie war in der Agency nicht einmal vertreten. Auch darf die Weltwirtschaftskrise nicht als Ausrede gelten: In den Jahren 1929 und 1930 — vor der Krise und vor dem Wallstreetzusammenbruch — war die Agency finanziell nicht mehr wert als heute. 4. Trotz der Ablehnung des oppositionellen Vorschlages bezüglich demokratischer Erweiterung der Agency, ist das Interesse der Nichtzionisten für Palästina keineswegs gewachsen. Die wenigen Notabein ließen sich gleich am Anfang durch einige kleine Beamten vertreten. Jetzt sind auch diese unter Zurücklassung einer leeren Kasse und einer unglückseligen Agencyverfassung geflüchtet. 5. Der Respekt der englischen Regierung uns gegenüber ist nach Aenderung der Firma nicht gewachsen. Die Engländer haben die „gemischte" Agency als zionistische Kapitulation aufgefaßt und danach gehandelt. 6. Die Agency hat konstitutionell den Zionismus gebunden und sowohl der Souveränität als dem Ansehen der Zionistischen Organisation schweren Abbruch getan. Wenn heute der putschistische Revisionismus alles daransetzt, die Zionistische Organisation in Trümmer gehen zu lassen, so setzt er damit nur jenes Werk fort, das Herr Dr. Weizmann seinerzeit durch Etablierung einer Fifty-fifty-Agency begonnen hatte. Der offizielle Zionismus hat durch den Verzicht auf die zionistischen Grundrechte und die Demokratie die assimilierten Juden dem Zionismus näher bringen wollen. Das hatte sich als Mißerfolg erwiesen: „in New York, Chikago, Philadelphia und in jeder anderen Stadt" . . . Wenn sich kleine Kinder nach dem „blauen Vogel" sehnen, so ist es nur Phantasie. Wenn aber eine ganze Bewegung von Erwachsenen einem „Goldvogeltraum" verfällt, so ist es ein Abenteuer. Und es endet meistens mit Zusammenbruch. Deshalb sind wir über die Folgen des Fifty-fifty-Traumes nicht erstaunt. . . . Die zionistische Exekutive berät nun, was sie mit dem Leichnam, der einmal „gemischte Jewish Agency" hieß, anfangen soll. Vielleicht weißt du Rat, mein Leser? . . . KREUZ-KINO'w»"«"17 Uraufführung: Tel. R-24-2-16 (Z. Woche prolongiert I) OER SCHATTEN OES Mr. STANFIELD (In der Gewalt des Maschinenmenschen). Vorstellungen: *, %fi, V»8, Vi,\o Die PalästfinarRegierung will keinen jüdischen Bürgermeister Aus London: Die dem Kolonialamt nahestehende englische Zeitung „N e a r E a s t and Indla" teilt mit, die Palästina-Regierung beabsichtige keineswegs, einen Juden zum Bürgermeister von Jerusalem zu ernennen, obwohl ein Nichtjude als Bürgermeister in einer Stadt mit einer Mehrheit jüdischer Einwohner und über 50 Prozent jüdischer Wähler eine abnormale Situation anzeigt. Die Zeitung fügt hinzu, maßgebende jüdische Stellen hätten sich bereit erklärt, die Kandidatur des bisherigen arabischen Bürgermeisters Ragheb Bey Nashashibi zu unterstützen; dieser werde mit Hilfe der Juden gegen seine arabischen politischen Gegner gewählt werden. Gegenüber dieser offenbar von selten der Palästina- Regierung inspirierten Darstellung wird vou maßgebenden jüdischen Stellen Jerusalems der JTA. erklärt, daß die Gegnerschaft der Juden gegen die Kandidatur Nashashibis fortbesteht. Dr. Hussein Arkhaldl, ein Moslem, der kürzlich seinen Posten als medizinischer Beamter bei der Regierung niedergelegt hat, werde als Kandidat der Opposition gegen Nashashibi in einem Jerusalemer Bezirk kandidieren. Jüdische und arablscho Kreise erwarten, daß er als Mitglied des Stadtrats gegen Nashashibi, der in der Minderheit bleiben wird, gewählt und sodann zum Bürgermeister von Jerusalem ernannt werden wird. (Ragheb Bey Nashashibi, der seinerzeit nüt Hilfe der Juden zum Bürgermeister gewählt worden war, hat nach den Unruhen im Herbst 1929 eine nach London entsandte arabische Delegation, die die arabischen Mordtaten gegen Juden rechtfertigen sollte, geführt. Zum Protest legten die jüdischen Stadtratsmitglieder ihre Aemter nieder. Seither ist der Jerusalemer Stadtrat judenfrei.) SIEGM. KORNHEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX.. Berggasse t9, Tel. A-17-5-99 n. A-16-9-34 | Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ■^■Fleisch HHMBMMHMB""**11111"11" unter Aufsiebt des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. J Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX. B«rggatsel5 / XVIII., WHhrlngerslr. 97 \ Ein jüdischer Vizebürgcrmeister in Haifa Aus Haifa: Schabbatai Levy, einer der vier jüdischen Stadträte von Haifa, ist zum Vizebürgermeister von Haifa ernannt worden. Seit fünfzehn Jahren war das Vizebürgermeisteramt in Haifa von einem Christen besetzt. Der Bürgermeister ist nach wie vor ein Moslem. „Der Traum eines Volkes" Die Palästina-Regierung besitzt — das erfahren wir soeben aus einer J. T. A.-Meldung — neben vielen, anderen Ressorts auch ein Filmamt. eine F Um z ens ur. Es ist vielleicht gut und zweckmäßig im Orient, Dinge, die das Temperament der heißblütigen und primitiven mohammedanischen Araber erregen könnten, von der Vorführung durch den Film auszuschließen: etwa Abschlachtungen von Juden durch Araber, Ueberfälle arabischer Banditen auf jüdische Kolonisten oder gar die Einkerkerung „illegaler" jüdischer Einwanderer. Also Filmzensur.. . Nun lesen wir aber, daß die britische Zensur die Vorführung eines Films verboten hat, der „Der Traum eines Volkes" heißt und in welchem der berühmte, vor zwei Jahren verstorbene Kantor Jossele Rosenblatt auftritt, das heißt einige seiner synagogalen Melodien singt. Der Film war bereits in den Tel-Awiwer Kinos angekündigt, als das Verbot kam. Verbot ohne jedioede Motivierung. Die Sorge der Palästina-Regierung für das Gemüt der jüdischen Kinobesucher scheint uns ein wenig über' trieben. Oder bezog sich vielleicht der Traum des Volkes auf sein — jüdisches Nationalheim? Etwas, das der Palästina - Regierung schon als Trau m ivider den Strich gehtf ... ■jkw fn*ö tfoin wzb'b .DwnK zu haben bei Rabb« Salamon Friedmann Direkt von Palästina importiert, in sehr schöner Sortierung, auch prachtvolle anrcie. Provinzaufträge mit Preisbestimmung werden gegen Anzahlung und Nachnahme gewissenhaft ausgeführt Verkaufslokal: Hotel Baron, Wien, 2. Bezirk, Gr. Schiffgässe 19, Telephon A-43-1-48 Oskar Wassermann gestorben Aus Berlin: Am 10. September ist in Berlin Herr Oskar Wassermann, bis zum Durchbruch der Nazi-Herrschaft einer der führenden deutschen Bankiers, einer der Führer des deutschen Judentums und einer der großen Förderer des Aufbaus des jüdischen Nationalheims in Palästina, 65 Jahre alt, gestorben. Oskar Wassermann wurde 1869 in Bamberg geboren, trat in ganz jungen Jahren in das 1785 begründete Stammhaus der Familie Wassermann in Bamberg ein. übernahm dann die Mitleitung des Berliner Zweighauses der Firma A. E. Wassermann, bis er 1912 in das Direktorium der Deutschen Bank berufen wurde. Er war auch Mitglied des Generalrates der Reichsbank und stellvertretender Vorsitzender des Centraiverbandes des deutschen Bank- und Bankier-Gewerbes. Oskar Wassermann widmete alle seine freie Zeit, seinen Einfluß und seine Begabung öffentlichen jüdischen Interessen. In einer Reihe jüdischer Organisationen nahm er eine führende Stellung ein. Er war der Führer der am jüdischen Palästina-Werk mitarbeitenden Nichtzionisten in Deutschland, unterzeichnete als solcher den Gründungspakt der Erweiterten Jewish Agency in Zürich am 14. August 1929. Zur Palästina-Bewegung kam er nicht als Zionist, sondern als religiös fühlender Jude; er verfocht den Gedanken, daß Palästina und dessen Wiederaufbau im Zentrum des jüdischen religiösen Lebens stehen müsse. Für den Palästina-Aufbau hat er, der nie zu den ganz Reichen gezählt und in den letzten Jahren erhebliche finanzielle Einbußen erlitten hat, große finanzielle Opfer gebracht. Ende 1933 schied er im Zuge der neuen Entwicklung in Deutschland aus der Leitung der DD- Banken aus. Die Gewinner un§ei*e§ Unser Preisausschreiben (Riitselserie) hat eine große Anzahl von richtigen Lösungen gebracht. Bei der Verlosung gingen als Gewinner hervor: ' 1. Preis (Lilienbibel): S. Ruth Rabinowitsch, Paris, 2, Rue Richelieu; S5. Preis (Chajus-Wer k): Sandor Braun, Györ. 8. Prelß (Der jüdische Krieg): O. Ebel, Wien, II., ObermUÜnerstraße 7. Die Preise gingen den Gewinnern bereite m»

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