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Die neue Welt · 1934-09-14 · Heft 398 (14.9.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 398 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 398 „DR.-KRÜGER-HEIM" gemeinnützige Zentralanstalt für Madchenerziehung und -Fortbildung Wien II, Malzflaaae 7 / Telephon A48-0-7? internal / Halbinternat / Externa! Diverse Frauenberufsschulen |k|El I I Kindergärtnerinnenbildungsanstalt mit Staatsprüfung. Fort» ■ «*■ W I bildungjschule: Kochen, Nänen, Ciattenbau, allgemeine Bildung. Prospekte aul Wunsch Zur Parlamentsfrage m Palästina Wir erhielten vom Londoner Presse-Büro der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation (Jewish Agency) folgende Mittsilung: In der Londoner „Times" ist vor kurzem eine Nachricht zur Frage der Errichtung eines Legislative Council (Gesetzgebender Rat) in Palästina erschienen, in der es u. a. hieß: „Die Juden sind gegen eine Regelung, durch die die gegenwärtige jüdische Vertretung gegenüber der Regierung durch die Jewish Agency, die von der gesamten Judenheit gestützt wird, zugunsten eines halben Dutzend palästinensischer Juden beseitigt werden würde." Auf Grund dieser Meldung ist an die Exekutive von verschiedenen Seiten die Frage gerichtet worden, ob die Behauptung, die Regierung beabsichtige die Jewish Agency zu beseitigen, den Tataachen entspreche. Darauf ist zu erklären, daß diese bisher völlig unbekannte Behauptung mit dem Wortlaut und Sinn des Artikels 4 des Palästina-Mandats in derartigem Widerspruche steht, daß sie als völlig ausgeschloss e n bezeichnet werden muß. Die nach wie vor bestehende Gegnerschaft gegen die Einführung eines Legislative Council beruht auf ganz anderen Erwägungen, die der Oeffentlichkeit bekannt sind. Die in diesem Zusammenhang von einer Nachrichten-Agentur verbreitete, angeblich aus maßgebenden Kreisen der Jewish Agency stammende Mitteilung ist inkorrekt. * Der Form nach mag diese Berichtigung der Exekutive zutreffen. In der Sache ist sie hinfällig. Die in der „Times" bezeichneten Befürchtungen von zionistischer Seite sind voll begründet. Nach Artikel 4 des Palästina-Mandats ist die Palästina-Regierung verpflichtet, die zionistische Organisation (Jewish Agency) bei allen wichtigen Maßnahmen der Verwaltung zu Rate zu ziehen. Wenn sie nun eine gesetzgebende Körperschaft (als ein Parlament) mit arabischer Majorität errichtet, so bedeutet das de facto die Herabdrückung der Jewish Agency zu völliger Bedeutungslosigkeit, so bedeutet das de facto, daß man nicht mehr das ganze jüdische Volk, j sondern nur die jetzt in Palästina lebende kleine jüdische Minorität als Vertragspartner ansieht. Neben einem Legislative Council verliert die Jewish Agency die im Mandate vorgesehene Vertretung des gesamten jüdischen Volkes, ja den Sinn und jeden Einfluß auf den Aufbau Palästinas, auch wenn man den schönen Artikel 4 des Palästina-Mandats auf dem Papier bestehen läßt. Die Palästina-Regierung wird ihn bestehen lassen, weil zu seiner Streichung die Zustimmung des ganzen Völkerbundes erforderlich wäre. Die Frage würde viel Staub aufwirbeln. Wozu das? Viel bequemer ist es, die Jewish Agency auf ruhige Art abzuwürgen. . Der „Oesetzgebende Rai" — eine sdiwere Gefahr I Ernst Davis, der bekannte Palästina-Korrespondent großer europäischer Blätter, schreibt in einem großem Artikel zu dieser Frage u. a.: „ . . . Die Bildung eines „Gesetzgebenden Rates" in Palästina verstößt gegen die Interessen der Juden und gegen die Bestimmungen des Mandats. Dieses legt bekanntlich England die Verantwortung dafür auf, daß hier „politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen geschaffen werden, die die Errichtung des jüdischen Nationalheimes sichern". Weiterhin verlangt es von der Mandatsmacht, die jüdische Einwanderung zu erleichtern und die dichte Siedlung von Juden auf dem Lande zu fördern. Nun wären die gewählten Vertreter des Gesetzgebenden Rats in seiner geplanten Zusammensetzung in ihrer erdrückenden Mehrheit sowohl gegen die Errichtung des jüdischen Nationalheimes wie gegen die jüdische Einwanderung und gegen die Ansiedlung von Juden auf dem Lande. Großbritannien würde also seine Gesetzgebungsgewalt einer Kürperschaft abtreten, die gerade jene Bestimmungen des Mandats vereitelt, für deren Durchführung es dem Völkerbund verantwortlich ist. Um diesen Widerspruch zu beseitigen, sollen die Fragen der Einwanderung und des Landerwerbes der Kompetenz des Rates entzogen werden und der Oberkommissär soll Uberhaupt ein Vetorecht gegen seine Beschlüsse erhalten. Damit versucht das englische Kolonialamt zugleich, den Widerstand der Juden gegen das Projekt zu beseitigen und sie zur Beteiligung an dem Rate zu gewinnen. Aber die Mehrheit des Rates könnte die Repatriierung der Juden trotzdem durch Steuer- und', wirtschaftspolitische Mittel bekämpfen. Wie, wenn der Gesetzgebende Rat in Palästina etwa vorschriebe, daß nur palästinensische Staatsbürger zum Gewerbebetriebe berechtigt seien? Damit wäre die Repatriierung einfach gestoppt. Denn die Staatsbürgerschaft kann man erst nach zweijährigem Aufenthalt im Lande erwerben. Wer könnte jedoch solange damit warten, sein Brot zu verdienen? Auch das Vetorecht des Oberkommissärs würde nicht viel nützen. In der Tat hat der britische Vertreter vor dem Mandatsausschuß seinerzeit bereits erklärt, daß von dem Vetorecht nur spärlich Gebrauch gemacht werden soll." Die Judenstaatfsparäea fordert Einberufung des A* C. Ans Jerusalem: Hier wird als sicher angenommen, daß der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, seinen Plan, einen Legislative Council in Palästina schon im Spätherbst dieses Jahres zu konstituieren, zu verwirklichen versuchen wird. „Iton Mejuchod", das Tagblatt der Judenstaatspärtet, fordert die Einberufung des Zionistischen Aktionskomitees zu einer außerordentlichen Tagung, in der über die Schaffung einer jüdischen Einheitsfront gegen alle Versuche, den konstitutionellen Status Paläbtinas zu ändern, beraten werden-soll» £u?en Neucfegger-Äülö-j M billigen v^v* viil^ •■ '': ■'•'-^ Li:hrcJiasii» Von der Suäemtaat§s Das Sekretariat teilt mit: Der am 6. d. M. abghealtene Parteirat hat ein Komitee, bestehend aus den Herren Frankel, Goldhirsch, Grubner, Hager, Dr. Kanner, Hans Kolb, Dr. Max, Pl&utus, Richter und Wühl, mit der Organisationsarbeit betraut. Ab Sonntag, den .1.6. d. M., wird der r e g e 1mäßl g e Sekretariatsdienst der Partei wieder aufgenommen. D i e n s t s t u n d e n: Montag bis Donnerstag täglich von 7 bis 9 Uhr abends. Sonntag von 'All bis y,l Uhr mittags. — Auskünfte aller Art werden erteilt und Mltgliederanmeldüngen entgegengenommen. Die regelmäßigen Mittwochvorträge im Herzl-Saale, I., Werdertorgasse 14, werden ab Monatsende wieder aufgenommen. Programm in den nächstfolgenden Nummern der „Neuen Welt", Die nach den Feiertagen einsetzende verstärkte Werbekampagne der Judenstaatspärtei bedarf der Mitarbeit jedes einzelnen Mitgliedes. Meldungen werden täglich während der Sekretariatsstunden entgegengenommen. Propagandamaterial (Zeitungen, Aufrufe, Broschüren) steht zur Verfügung. Gesinnungs- Landesverband der Zionlsten - Revisionisten Montag, 17. Septemb. 1934, 8 Uhr abends, im Heim, I., Adlergasse 4 VERSAMMLUNG „Vor folgenschweren Ereignissen im Zionismus" Redner: Paul Malier, J. Goldst«in*Moll Meilen von seiner eigentlichen Heimat entfernt, betrauert von allen, die ihn als Künstler kannten, unvergeßlich seinen Wiener Kollegen, die in ihm ihren besten Freund, Berater und Kameraden verloren haben. o. r. Werner Sombart zur Judenfrage Wenn auch Warner Sombart daranging, in seiner jüngsten Schrift „Deutscher Sozialismus" (Verlag Buchholz & Weißwange, Charlottenburg 2) eine einheitliche Ansicht der verschiedenen sozialen Probleme der Zeit vom Standpunkt einer nationalsozialistischen Gesinnung zu geben, so weist er mehreremal in dieser Schrift die Unterstellung zurück, daß er wissenschaftliche Grundsätze und Resultate zugunsten jener Gesinnung verfärbt habe. Sombart, heute über 70 Jahre alt, verleugnet im einzelnen seine wissenschaftliche Vergangenheit nicht, bemüht sich aber, bei den heutiges Machthabern Deutschlands Wohlgefallen zu finden. Seine Begründung des deutschen Sozialismus ist nicht ganz ehrlich; sie ist — aktuell. Uns interessiert, abgesehen von der Grundhaltung, insbesondere seine Behandlung der Judenfrage. Diesbezüglich weicht Sombart der heute in Deutschland landläufigen Verfemung alles „Jüdischen" aus, indem er sich nicht eindeutig zu den Theoremen der Rasaenantigerniten bekennt, sondern hier wie seinerzeit in seinem vor zwanzig Jahren erschienenen Jüdenbuch eine „d i f f e r e nt i e 11 e n Rassentheorie" das Wort redet. Sombart versteht unter diesem Begriff, daß gleichen somatischen Eigenschaften nicht unbedingt gleiche seelischgeistige Eigenschaften entsprechen müssen, d. h. daß sich jüdische Eigenschaften in nichtjüdischen Körpern und umgekehrt vorfinden lassen. Wenn nun die Raasentheorie für die praktische Politik Bedeutung hat, so müßte der Staat die differentlelle Rassenpolitik anwenden, d. h. die seinem Wesen gemäßen Individuen aus den verschiedenen Rassen heraussuchen und aus ihnen seine Bevölkerung aufbauen. Deutschlands Bevölkerung stelle ein Rasse ngemengsel dar und es gehe nicht an, den einen Bestandteil auf Kosten des anderen zu vermehren. Einen Sonderfall bilden die Juden. In der „Judenfrage" gibt es nach Sombart ein Personen- und ein S a c h p r o b 1 e m. Das Peraonenproblem liegt in der Frage eingeschlossen, ob die Menschen rein jüdischen Blutes in Deutschland bei der Besetzung leitender und verantwortungsvoller Stellen völlige Gleichberechtigung mit den übrigen Inländern haben sollen. Sombart antwortet: „Diese Frage verneinen wir — ohne jede Begründung —, weil es so sein soll. Hätte man die vorwilhelm l n i s c h e Praxis beibehalten und auf andere wichtige Gebiete ausgedehnt: dem deutschen Vaterland und nicht zuletzt den Juden wären schwere Prüfungen erspart geblieben." Beim Sachproblem handelt es sich um die Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder in der jüdischen Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke TaborolraBe 32 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos — Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 genessen, meldet euch zahlreich beim Organisationskomitee. Alle diejenigen Parteigenossen, die seinerzeit Maas- Miflagtl-Blocks zum Vertrieb übernommen und noch nicht abgerechnet haben, werden aufgefordert, diese bis längstens 20. d. M. bei Herrn Wühl im Sekretariat zü verrechnen. Parteigenossen, beachtet jeden Freitag In der „Neuen Weit" die „Mitteilungen" des Sekretariats der Judenstnxitspartel Oesterreichs! Samstag, den 22. September 1934, Punkt 6 Uhr, Im Helm, II., Untere Augartenstraße 38 I. SICHAH nach den Sommerferien der Plugah „Judah" und „Judith". Erscheinen Pflicht! Jüdische Mädchen und Jungen! Wieder ergeht an euch der Ruf, zu uns zu kommen! Folgt Ihm und kommt! Die JudehStaafsparteit in Brasilien Aus Porto Alegre (Brasilien) wird uns berichtet: Vor drei Monaten wurde in Porto Alegre die erste Gruppe der Judenstaatspartei gegründet. Seit dieser Zeit hat sich der Gedanke der Judenstaatspartei in Brasilien stark entwickelt, Die Gruppe Porto Alegre, bei deren Gründungsversammlung 16 Mitglieder anwesend waren, zählt heute über 80 organisierte Freunde. Auf allen Gebieten der zionistischen Arbeit in Brasilien sind unsere Gesinnungsgenossen führend tätig. Auch eine „B r i t h K a n a i m"-Organisation wurde ins Leben gerufen, die heute über 50 jugendliche Mitglieder zählt. Der Vorsitzende des Keren Kajemeth Brasiliens ist Sekretär unserer Partei. Die Gründung der Judenstaatspartei erfolgte in erster Linie durch Lesen der Wiener Revue „Die Neue W e 11", deren weitere Verbreitung im Lande sich die Judenstaatspartei zur Aufgabe gemacht hat. König Albert von Belgien und die Krone von Palästina Aus Brüssel: In der belgischen Presse wurde in letzter Zeit auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des Weltkrieges dem vor einigen Monaten tödlich verunglückten König Albert die Krone eines in Palästina zu errichtenden Königreiches durch Frankreich, Italien und dem Vatikan angeboten wurde. Dieses Angebot wurde jedoch von König Albert abgelehnt. Die Meinungen darüber, was den König zu dieser Ablehnung veranlaßt habe, gehen auseinander. Während der bekannte katholische Führer und gründliche Kenner der Orient-Probleme F. van der Bosch die Ansicht vertritt, daß der König es vermeiden wollte, sich die Gegnerschaft der englischen Protestanten zuzuziehen, veröffentlicht Minister Camille Hüysmans, der mit dem König eng befreundet war, in der Antwerpener „Volkszeitung" die Mitteilung, der König habe sich ihm gegenüber dahin geäußert, er habe die Krone Palästinas ausgeschlagen, weil er tiefe Sympathien für die zionistische Bewegung empfand. „Dieses Land", so habe der König erklärt, „muß dem jüdischen Volke gegeben werden, das endlich auch seine eigene Heimat haben soll." (J. T. A.) Bekämpfung dessen, was man „jüdischen Geist" nennt. Sombart zitiert hier Paul de Lagarde und H, St. Chamberlain als die Vorläufer des nationalsozialistischen Rassenantisemitismus und versucht zu beweisen, daß „unter dem Einfluß des jüdischen Geistes die gesamte äußere Struktur unseres Daseins in einem bestimmten Sinne geformt und nun also da ist... Um sich vom jüdischen Geist zu befreien — (und darin sieht Sombart die Hauptaufgabe des deutschen Sozialismus) —, genügt es nicht, alle Juden auszuschalten, genügt es nicht einmal, eine unjüdische Gesinnung zu pflegen. Es gilt vielmehr, die institutionelle Kultur so umzuschaffen, daß sie nicht meh.r als Bollwerk des .jüdischen Geistes' dienen kann." In solch zurückhaltender Formulierung sieht die Empfehlung, die Juden auszuschalten, selbstverständlich weniger kraß aus. Die Behandlung der Judenfrage geht bei Sombart von der intuitiven Erkenntnis aus, daß der Jude in Deutschland trotz der bis an die äußerste Grenze gelangten Assimilation kein Deutscher ist und daher kein Recht hat, das deutsche Schicksal mitzubestimmen. Es ist die vom nationalen Judentum längst propagierte These, Aber Sombart fehlt die Entschlußkraft, bia ans Ende zu gehen und eine Lösung zu formulieren: Anerkennung der deutschen Juden als nationale Minderheit mit der dieser Minderheit entsprechenden Gleichberechtigung. Allerdings wäre der Vorschlag solch einer Lösung im heutigen Deutschland mit Gefahren verbunden. Und diesen wollte sich der alte Sombart wohl nicht aussetzen. Daß sie ihm nicht vorschwebte, ist unwahrscheinlich.

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