Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 397 (7.9.1934)
- Date
- 1934-09-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 397 |HH|!H!!l|||>ji|l!n!M||ir;:!|!i!i.::':n!^ IC U N A R o WHITE STAR I nach Amerika und Canada KOSCHERE KÜCHE unter Aufsicht des Beth Din (Lordon) REPRÄSENTANZ: WIEN I, KÄRNTNERRING 4 den Dörfern entlaufene Menschen sieht, wenn jungs Menschen, die soeben erst die Verpflichtung auf dem Lande zu arbeiten unterschrieben haben, ihr Wort brechen — beginnt man unruhig zu fragen: Was geht da vor? Wo gelangen wir hin? Begehen wir hier nicht neue verhängnisvolle Fehler? Alles strebt jetzt in die Stadt, und just nach Tel- Awiw. Dieses Laufen trägt fast einen hysterischen Charakter. Gewiß, man zahlt dort besser und das Leben ist farbiger und lustiger. Im Dorf bekommt ein neueingestellter Arbeiter 20 bis 25 Piaster täglich. In der Stadt bei weitem mehr. Und wenn er in seinem Fach perfekt ist und .gewissenhaft, dann steigt sein Lohn bis auf ein halbes Pfund und sogar 1 Pfund täglich. 30 Piaster ist jedenfalls das Minimum. Man rennt daher vom Dorf in die Stadt. Alle, von-allen Parteien. Unsere Positionen in der Landwirtschaft und im Orangenbau werden aber durch diese Erscheinung sehr geschwächt. Die Front der jüdischen Arbeit ist gelockert. Die Angelegenheit der neuen Einwanderung ist ein Mysterium. Schließlich kommen doch jeden Monat ein paar tausend jüdische Arbeiter ins Land. Wohin gehen sie? Das Dorf erreicht nur ein keliner Teil von ihnen. Die Mehrzahl bleibt in der Stadt, wo man leichter, bequemer und günstiger leben kann. Sie gehen selbstverständlich nicht ohne Arbeit herum. Sie arbeiten, verdienen und wirken, sozusagen am Aufbau des Landes mit. Aber genau so haben die jüdischen und Italien.; rhen Emi.,'va;:- ten Amerika gebaut. Kein Enthusiasmus, keine besondert Beziehung zur Arbeit, kerne Schaffensfreude. Es ist eine persönliche Angelegenheit. Wahrlich ein gesunder und normaler, aber ein wenig zu vorzeitiger Zustund. Natürlich gibt es auch Ausnahmen: Idealisten, Treuergebene, wirklich schaffende Phantasten, Menschen, die wirklich Pioniere sein wollen. Aber die Mehrheit ist jetzt realistisch gesinnt. * Ueber die politischen und ökonomischen Konsequenzen dieser neuen Entwicklung ist besonders zu reden erforderlich. Sie sind viel tiefer und ernster als man meint. Es macht oft den Eindruck, als wollten jüdische Elemente blind der Palästina-Regierung bei der Ausführung ihrer Pläne helfen. Eine gelockerte Front ist leichter zu erobern. Und wir lockern sie doch. Mich interessiert natürlich jetzt auch das psychologisch-erzieherische Moment: Die Krisis der ciiaJuzischen Bewegung, d. h. die Umwandlung des geistigen Zustandes unserer Jugend, der idealistischen zionistischen Einstellung. Es ergibt sich: Erstens, daß es ein Irrtum war zu glauben, daß man sich bereits ohne wirkliche Pioniere begehen kann, ohne Stoßtruppen von C h a 1 u z i m, die wirklich zu allen Opfern bereit sind. Im Gegenteil, ihre Rolle hat erst begonnen. Zweitens, daß uns trotz der großen Einwanderung Chaluzim auf den wichtigsten Posten fehlen; jedenfalls ist der alte Typ schon lange verschwunden. 80 Prozent der neuangekommenen jungen Leute sind gewiß gute Einwanderer und werden nützliche Bürger des Landes werden, aber Chaluzim sind sie nicht. Das bezieht sich auf alle Farben, schwarze, rote, blaue, braune. Leider auf alle. Vielleicht sind wir selbst daran schuld, gerade die, welche frühzeitig zu glauben begannen, daß sich alles „von sich selbst einordnen werde". Das ist nicht richtig. An alle tritt schwere Arbeit und planmäßiges Beginnen und Idealismus heran. Besonders in Palästina, -.esonders für eine so schwere Sache wie es der Zionismus ist. * Es gibt keinen Zweifel, Palästina wird noch lange Jahre hindurch eine kräftige chaluzische Mannschaft benötigen. Ohne das wird man die Hindernisse nicht überwinden können. Das Land ruft nach einem neuen Chaluz, nach einem Chaluz, der angepaßt ist den Bedingungen eines sich bauenden und kämpfenden Landes, wo man noch jahrelang auf der Wache stehen und fiebernd in Zelten schlafen muß. Die bisherigen chaluzischen Organisationen sind leider verkalkt und versteinert. Sie stehen satt und selbstzufrieden ''a. haben zu viel Fett angesetzt, sind in das Netz eines mächtig ausgebauten wirtschaftlich parteiischen Apparates hereingezogen worden. Der linke Chaluz fährt noch heute nach Palästina wie ein Wagen auf Schienen: von der Hachscharah direkt zur Kwuzah, von der Kwuzah zum Kibbuz oder Moschaw usw. Hunderte Beamte sorgen für ihn und wenn er sich eingeordnet hat, ist er ganz und gar von der Partei abhängig. Er ist der Chaluz der Partei und nicht des Volkes. Die kleineren chaluzischen Organisationen sind ärmer und ihr Apparat ist schwächer ausgebaut. Sie sind viel beweglicher und müßten, wenn sie Bedeutung erlangen wollten, denselben Weg gehen. Natürlich mit gewissen Modifikationen und Nuancen. Auch deren Chaluzim, die nach Palästina kommen, sehen in erster Linie ihr „Ich", hernach die Partei und erst an dritter Stelle steht Palästina und der Zionismus. Es ist unglaublich, aber es ist so. Es genügt ein Blick auf die verlassenen Lager der Plugoth Awodah. Und doch immer wieder ist bei uns ein neuer Chaluz da — der Patriot, der Idealist, der Nationalist, der bereit ist zu leiden. Denn besteht nicht darin der Traum der zehntausenden jungen Zionisten in Polen und Litauen, welche zweifellos ehrlich und aufrichtig sind mit sich und mit uns? Es fehlt nur jene Kraft und jener Ruf, der sie vereinigen, ihnen den stürmischen Lebensgeist einblasen und sie hierher bringen soll. Wer in Palästina lebt, weiß, daß die Felder und Gärten ihre Arme dem neuen Chaluz entgegenstrecken: „Komm so rasch wie möglich, aber komm Um unsertwillen und nicht um Deiner selbst willen!** Danzigs Angst vor antideutschem Boykott Aus Dan zig meldet die J. T. A.: Die Genfer Boykottbeschlüsse der Jüdischen We ltkonferenz gogen Deutschland haben auch in Danzig erhebliches Aufsehen erregt. Obwohl Danzig unter den Boykott nicht fällt, befürchtet man in hiesigen Kreisen, daß die fortgesetzte Hetze gegen die jüdische Bevölkerung in Danzig sich schließlich doch in nachteiligem Sinne für die Wirtschaftsinteressen der Freien Stadt auswirken könnte. Die katholische „Danziger Volkszcitung" erklärt wörtlich: „Es ist leider zu befürchten, daß die Boykottbeschlüsse gegen Deutschland sich trotz aller entgegenkommenden Erklärungen des Danziger Senats auch nachteilig für Dan zig auswirken können. Man weiß, wie sehr gerade auch in Polen der Handel in jüdischen Händen liegt und wenn die polnischen Juden sich gegen Danzig stellen sollten, würden sie manche der neuerlichen Abmachungen zwischen Danzig und Polen illusorisch machen können. Wir hoffen, daß in der Praxis alles vermieden wird, wodurch der Boykott gegen Deutschland auf Danzig ausgedehnt wird. Wir haben keine Veranlassung, die Juden zu verteidigen oder sie in Schutz z\i nehmen, sie sind dazu wohl selbst Manns gentig, aber wir halten es gerade Im Interesse unserer Wirtschaft für abträglich, wenn man von marschierenden Gruppen immer wieder den Refrain hört: „Hängt den Juden!" Das „Danziger Ech o", die einzige jüdische Zeitung Danzigs, erklärt zu der gleichen Frage, daß man in internationalen Kreisen, und zwar nicht nur in jüdischen, erwartet, daß die Behandlung der jüdischen Be» völkerung Danzigs eine wesentlich unterschiedliche ist und sein wird gegenüber der Diffamierung und Diskriminierung der Juden in Deutschland, zumal in Danzig die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für eine p]ntrechtung clor Juden nicht gegeben sind. Die Genfer Boykottbeschlüsse sowie die Nachrichten, die in der ausländischen Presse über die Lage der Juden in Danzig erschienen sind, sollten für den Danziger Senat ein Anlaß mehr sein, um sich bei der Behandlung der Juden an die Verfassung zu halten. Herbst im sonnigen Meran Pension Irma Meister. Meran Idealer ganzjähriger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise. Verlangen Sie Prospekte MGDANA PENSIOW MERAM CKHIl V f)eut8cheB Haus ' unmittelbare Nähe der Kurpromenade und1 des Kurhauses Htfofirter Komfort / Sutterküche / Lire 25 Bestrenom. F/imilJenhaus Zentrale Lage /Or.Qarten Gapfl. Kücha / Jade Diät JIIV1N1I Mtiß ige Preise Völkerbundskommission im Saarland gegen Judenhetze Genf, 4. September (J. T. A.) In dem neuen Bericht der internationalen Regierungskommission im Sa a r 1 a n d an den Völkerbund, betreffend die Einmischung reichsdeutscher' Stellen in Angelegenheiten der Saar und die Tätigkeit der „Deutschen Front" wird u. a. auch mitgeteilt, daß die Saar-Kommission sich genötigt gesehen hat, den Behörden im Saarland Instruktionen zu erteilen, gegen die Judenhetze und die Diffamierung von Juden entsprechend einzuschreiten. An den Lehrerstab und an die Schüler der Saarschulen wurden Merkblätter verteilt mit der Aufforderung, faire Beziehungen zu den jüdischen Kindern zu unterhalten. RESTAURANT B1LLET BESTRENOMMIERTE KÜCHE -^-j REICHHALTIGE MENOS a S 1.90 UNO 2.60 SCHWECHATER BR«U II, Hammer-Piirgstbll-Ga»«t4 (nidist SalitoibiQdte) Til. A-41-0-2 5 Die Jadenauswanderung aus Deutschland Die Zahl der aus Deutschland seit dem Regierungsantritt Hitlers ausgewanderten Juden beträgt nach einer Mitteilung des Preußischen Pressedienstes 65.000. Davon sind21.000 nach Frankreich gegangen, 10.000 nach Palästina, 8000 nach Polen, 4000 in die Tschechoslowakei, je 3000 in die Vereinigten Staaten, nach Holland, in die Schweiz und in die skandinavischen Länder, je 2000 nach England und nach Belgien und 6000 in andere Länder. (J. T. A.) Serbisch Rumänisches Weinhans i II, Taborstraße 18, im Hotel National Alte ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß Für Hilfe und Aufbau der deutschen Juden Im Auftrage des Zentralausschusses der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbau veröffentlicht die Zentral-Wohlfahrtsstelle der deutschen Juden einen Aufruf, der u. a. lautet: Die jüdische Jahreswende läßt uns zurückblicken auf das Vergangene und Vorschau halten für künftige Ziele. Auf allen Lebensgebieten haben sich grundlegende Wandlungen vollzogen. Eine der bedeutendsten und stärksten Umwertungen erfolgte im Berufsleben. Es wurde offenbar, wie ungünstig die Ueberbetonung der geistigen Berufe sich auswirkte. Die Einsicht, daß eine Umstellung auf körperliches Schaffen zur Herstellung eines gesunden Ausgleichs notwendig ist, dringt immer mehr in das Bewußtsein der jüdischen Gemeinschaft ein. Im Laufe der letzten Zeit hat sich ein großer Teil der jüdischen Jugend dem Handwerk zugewendet. Soweit es möglich war, wurden ordentliche Lehrstellen beschafft, doch reichten die Ausbildungsmöglichkeiten nicht aus, um alle, insbesondere die älteren Jahrgänge, zu erfassen. Die Einrichtung handwerklicher Lehrwerkstätten wurde dringendes Erfordernis. In fast allen größeren Gemeinden finden wir heute Lehrbetriebe für die verschiedensten Zweige des Handwerks. Neben Schlossereien und Tischlereien gibt es Kurse Bauhandwerk. Die Einrichtung dieser Betriebe war nur möglich unter großen finanziellen Opfern. (J. T. A.) in Feinmechanik, im Malerhandwerk, in der Polsteret, im Neue pornographische Judenhetze Streichers Die Nummer 33 der von Julius Streicher in Nürnberg herausgegebenen Wochenschrift „D e r Stürmer" ist wiederum eine einzige Orgie von Judenhetze, gemischt mit widerlichster Pornographie. Die Titelseite bringt ein Bild mit blonden deutschen Frauen prassender schwarzhaariger Juden, darunter die Worte: „Die Weiber uns, die Männer den Kanonen; es läßt sich herrlich in Europa wohnen." Gleichfalls auf der ersten Seite beginnt unter Riesenüberschriften ein Artikel: „Abraham Wischnitzer, der Rassenschänder aus Hinden.» bürg", der folgende erfundene Zitate aus dem jüdischen, religiösen Schrifttum enthält: In Talmud und Schulchan Aruch steht geschrieben: „Ein nichtjüdisches Mädchen, das drei Jahre und einen Tag alt ist, kann geschändet werden." (Abodah Sarah 37a,)i — „Es darf der Jude die Nichtjüdin mißbrauchen/« (Maimonides: Jad chasaka 2,2.) — „Alles, was ein Mann (Jude) mit dem Weibe tun kann, darf er tun. Er darf mit ihm verfahren wie mit einem Stück Fleisch, das vom, Metzger kommt. Er darf es essen roh, gebraten, gekocht oder geschmort." (Talmud: Nedarine 20b.) In dem Artikel wird erzählt, wie der Jude! Wischnitzer seine Lehrmädchen zu behandeln pflegt. Zum' Schluß heißt es: „Deutsche Eltern! Wer seine Tochter einem Juden anvertraut, liefert sie dem Verderben, der Hölle aus. Tausenden erging es so. Rein und gesund kamen sie zum Juden. Krank, verdorben, entehrt, ent« raßt gingen sie vom Juden." (J. T. A.)' .Illll IUI 1111 tl I Ulli IUI IIIIIM11 Itllll 1111 tllllll 1111 II I1II1 lllllll llllllllllllllll llllll llllllllllllt^ An unsere gesdi« Bezieher in Polen Ab 1. Okober 1934 wird die Bezugsgebüiir unseres Blattes für Polen auf ZI. 1.50 monatlich ermäßigt. Die Verwaltung der „Neuen We>lt" \r Nazipolitik und Deutschlands Kredit Aus London: „Sunday Times" befassen sich im Leitartikel mit der Forderung des deutschen Finanzministers und Reichsbankpräsidenten Schacht nach, einem Moratorium für Deutschlands Schulden und führen' aus, es sei unmöglich, Deutschand ein Moratorium zu bewilligen oder weiter Kredite zu geben, ohne daß Deutschland vorher den Beweis erbringt, daß es nun willens sei, eine vernünftige Wirtschaftspolitik zu betreiben. Hitlers antijüdische Politik, führt die Zeitung aus, müsse verantwortlich gemacht werden für Deutschland» heutige Wirtschaftslage, die eine Bankrottposition darstellt. Der Boykott deutscher Waren und Dienste in der Welt ist in einem großen Maße als eine Reaktion gegen die furiose antisemitische Politik der deutschen Regierung anzusehen. (J. T. A.) Juden! Wendet Euch immer in allen Dienst- und Arboitsanforderungsfällen an den jüdischen „Verein für unentgeltlichem Arbeitsnachwels", Wien, I., Kohlmcssergassc 4, Telephon U-27-0-65, denn Ihr helfet dadurch den am Rande ihrer Existenz befindlichen Juden. JOAN CRAWFORD, CLARK GABLE in der bezaubernden Luxus-Operette _ DIE TANZENDE VENUS SCHWEDEN-KINO NM II, Taborstr. 1 Tel. A-49-0-60 Beginn der Vorstellungen um: 7a4. 7,6, ya8, V210 Uhr