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Die neue Welt · 1934-09-04 · Heft 396 (4.9.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 396 (4.9.1934)
Date
1934-09-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 396 DIE NEUE WELT Seite Jf Streichers Ritualmordpropaganda geht weifer Bekanntlich hat der „Stürmer" in einer seiner letzten Nummern den Breslauer Fall Fehse als Ritualmord behandelt und war deshalb vom Breslauer Polizeipräsidenten — und zwar nur in Breslau — verboten worden. In seiner neuesten Ausgabe Nr. 34 geht nun der „Stürmer" nochmals auf diesen Fall ein und behauptet, die Ansicht des stellvertretenden Polizeipräsidenten von Breslau, der Fall Fehse sei ein reiner Sexualmord, sei geschöpft „lediglich aus den Polizeiakten. Diese stammen aber aus dem Jahre 1926. In dieser Zeit waren Polizei und Justiz vollkommen marxistisch und jüdisch verseucht ..." Das Blatt bleibt bei seiner Behauptung, daß es sich um einen Ritualmord handle und führt als Parallelbeispiel den Paderborner Fall Martha Kaspar an, die 1932 von dem Juden Kurt Meyer ermordet worden war. Zum Schluß spricht der „Stürmer" nochmals von den „ungesühnten Ritualmorden" von Xanten, Könitz, Gladbeck und Manua, obwohl es sich in diesen Fällen zum Teil um bereits aufgeklärte Sexualverbrechen, teils um noch völlig im Dunkeln liegende Taten handelt. Aus Berlin wird mitgeteilt, daß es sich bei der Beschlagnahme des „Stürmer" in Breslau um eine nur lokale Maßnahme handelte und daß in ganz Deutschland die Ritualmordbeschuldigung vom „Stürmor" weiter verbreitet wird. Es ist wichtig, daß die Schritte der Reichsvertretung der deutschen Juden, welche sich mit einer Beschwerde an die Regierung gewendet hat, in dieser Angelegenheit fortgesetzt werden. (J. T. A.) Gefährdung der palästinensischen Industrie Einem in London eingetroffenen halboffiziellen Bericht zufolge steht der gesamte Export der Palästina-Industrie vor der Gefahr, völlig ins Stocken zu geraten. Die jüdischen Industriellen verlieren immer mehr ihre mit großer Mühe eroberten Absatzmärkte in Syrien, Persien, der Republik Libanon und anderen Ländern. Der Grund hierfür liegt darin, daß die jüdischen Fabriken infolge des außerordentlichen Arbeitermangels nicht nur nicht imstande sind, die ihnen erteilten ausländischen Aufträge auszuführen, sondern sogar kaum den örtlichen Bedarf decken können. Mindestens 500 neue qualifizierte Vorarbeiter wären sofort nötig, um den normalen Betrieb der palästinensischen Fabriken zu sichern; außerdem müßten noch etwa tausend ungelernte Arbeiter eingestellt werden. Die Regierung aber bleibt Weitere MobsBäsierung arabischer Strands wachen Wie „Falestin" berichtet,, tagten in Jaffa am 29. und 30. August die arabischen Komitees zur Bewachung der palästinensischen Küste gegen illegale jüdische Einwanderung. Es wurde eine weitere Mobilisierung von Patrouillen jugendlicher Araber an der Küste, besonders in der Gegend von Nathania, beschlossen. (J. T. A.) 54 Verhaftungen wegen Streikpostcnstehens Vor dem Neubau des Juden Borovsky, der arabische Arbeiter beschäftigt, wurden sechs jüdische Arbeiter wegen Streikpostenstehens verhaftet. Seit Sonntag kamen 54 Verhaftungen von Juden wegen Streikpostenstehens vor. Die Verfolgung „illegaler" Einwanderer Aus Jerusalem wird gemeldet: 17Juden hatten eich vor dem Polizeigericht wegen illegaler Einwanderung zu verantworten. Vor der Urteilsverkündung zog die Polizei die Beschuldigung wegen illegaler Einwanderung zurück, so daß ein Urteil nicht ergangen ist; die angeklagt gewesenen Juden werden aber des Landes verwiesen werden. Der Eigentümer und drei Offiziere eines griechischen Dampfers, der diese Juden nach Palästina beförderte, werden sich deswegen vor dem Gericht in Tel-Awiw zu verantworten haben. Drei junge jüdische Lehrer für Körperkultur, die auf dem Gelände der Levante-Messe; einen Kursus für Körperkultur abhalten, sind wegen Beihilfe bei der Landung dieser Juden angeklagt. Die Lehrer wurden verhaftet, aber gegen eine Geldbürgschaft freigelassen. Harte Urteile wegen Streikpostenstehens , ^us Haifa wird berichtet: Das Haifaer Gericht hat heute gegen 52 jüdische Arbeiter, die wegen Streikpostenstehens bei verschiedenen jüdischen Betrieben und Neubauten, bei denen Araber beschäftigt sind, angeklagt waren, sehr harte Urteile gesprochen. Sechs Hauptangeklagte wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, die übrigen 46 erhielten je einen Monät'Gefängnis zudiktiert. Neuerdings wurden 25 jüdische Arbeiter wegen ßtreikpostenstehens und angeblichen Widerstandes gegen die Polizei verhaftet; sie werden sich ebenfalls vor Gericht zu verantworten haben. Das harte Urteil des Haifaer Gerichts gegen die 52 jüdischen Arbeiter hat im gesamten Jischuw außerordentliche Entrüstung und Bestürzung ausgelöst. Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft erschienen beim Haifaer Distriktskommissär Bailey und machten ihn darauf aufmerksam, daß allein nach Haifa 3700 Araber aus dem H a u r a n zugewandert sind, von denen 1800 in Betrieben von Juden arbeiten. Diese Hauran-Araber unterbieten den Arbeitslohn und nehmen den Juden die Arbeit weg, was den Widerstand der jüdischen Arbeiter gegen diese Einwanderung erklärlich macht. Die Arbeitervertreter beschwerten sich beim Distriktskommissär auch darüber, daß die Polizei die verhafteten jüdischen Streikposten mit unmenschlicher Strenge behandelt. Distriktskommissär Bailey erwiderte, es sei Pflicht der Polizei, Gesetz und Ordnung im Lande aufrechtzuerhalten, ohne von sich aus auf die private Streitfrage zwischen jüdischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Rücksicht zu nehmen. den Forderungen nach Ausgabe von Einreisebewilligungen für qualifizierte Arbeiter gegenüber völlig taub. In dem Bericht wird ferner hervorgehoben, daß die Palästina-Regierung im Jahre 1933 an. Gebühren für Bodeneigentumseintragungen bei Bodentransaktionen zwischen Juden allein über 200.000 Pfund eingenommen hat, während Arabern außerordentliche Schwierigkeiten beim Verkauf von Grund und Boden an Juden gemacht wurden. Der Bericht fügt hinzu, daß infolge der Einwanderungseinschränkung jetzt bereits zwei Drittel der in jüdischen Landwirtschaftsbetrieben beschäftigten Arbeiter Araber sind. Es sei zu erwarten, daß infolge des wachsenden Mangels an jüdischen Arbeitern auch das letzte, den Juden noch verbliebene Drittel des Arbeitsanteiles an die Araber fallen wird. (J. T. A.) 3653 Juden im Juli nach Palästina Im Monat Juli kamen 3653 Juden nach Palästina, unter ihnen 526 der sogenannten Kapitalisten- Kategorie Angehörende, von denen jeder einen Kapitalsbesitz von mindestens 1000 Pfund nachweisen muß. Somit wurde im Juli ein Kapitalsbesitz von mindestens 526.000 Pfund ins Land gebracht. In dem gleichen Monat kamen 140 Christen und 25 Moslems nach Palästina. Im Juni d. J. wanderten 2519 Juden, davon 554 „Kapitalisten", im Mai d. J. 2035, davon 355 „Kapitalisten", in Palästina ein. (J. T. A.) Inschriften aus der Hasmonäerzeit Bei archäologischen Ausgrabungsarbeiten in der Nähe von KfarSiloah an der Straße zum Toten Meer sind hebräische Inschriften aus der Hasmonäerzeit von besonderem historischen Wert aufgefunden worden. Die Ausgrabungsarbeiten stehen unter der Leitung der Archäologen der Hebräischen Universität Jerusalem Dr. Sukenik. (J. T. A.)' Einheitlicher Weltverbandi der allgemeinen Zionismen geschahen Aus Krakau wird gemeldet: Auf der dritten Konferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten wurde beschlossen, einen einheitlichen Weltverband der Allgemeinen Zionisten, der auf einer einstimmig angenommenen ideologischen Plattform basiert, zu schaffen. In dieser Plattform wird zu den kardinalen Problemen der zionistischen Bewegung Stellung genommen und als Hauptrichtlinie festgesetzt, daß der Weltverband der Allgemeinen Zionisten und alle seine Organe in Zukunft an dem Prinzip der Disziplin gegenüber der Organisation festhalten werden. Laut Beschluß der Konferenz wurden die Gruppen A und B der Allgemeinen Zionisten, ferner die sogenannten „Progressiven Zionisten" und die Gruppe „Eth Liwnoth" in Kongreßpolen liquidiert; alle diese Gruppen sind nun im Einheitsverband der „Allgemeinen Zionisten" zusammengeschlossen. Die Konferenz faßte eine Reihe Beschlüsse zur allgemeinen zionistischen Politik, lehnte in besonders scharfer Form den Plan eines Legislative Council in Palästina ab und forderte die zionistische Exekutive auf, unter Mitbeteiligung des Aktionskomitees eine interfraktionelle Konferenz der Führer aller zionistischen Parteien zur Pazifizierung der zionistischen Weltbewegung einzuberufen. Die Konferenz schuf zwei Zentralen, eine für Palästina mit dem Sitz in Tel-Awiw, eine zweite für die Diaspora mit dem Sitz in Krakau. Zum Präsidenten der Palästina-Zentrale wurde Dr. Benzion M o s s i ns o h n gewählt. Der europäischen Zentrale gehört: Dr. Schwarztyart (Krakau) als Präsident an. Es wurde auch ein Zentralrat des Verbandes geschaffen, dem die allgemein-zionistischen Mitglieder der Zionistischen Weltexekutive und der A. C. sowie je ein Vertreter der Landesorganisationen dos Weltverbandes angehören. Die neuesten HERBST MODELLE in unerreichter Auswahl und zeitgemäß billigen Preisen Modenpalais JULI nur VII, Kaiserstraße 115 sonst nirgends Die jüdische Religion im Stundenplan der Wiener Schulen Der Stadtschulrat für Wien hat an alle Unterrichtsanstalten einen Erlaß herausgegeben, in welchem die Schuldirektionen ersucht werden, bei Verfassung der Stundenpläne für das kommende Schuljahr auf das israelitische Gebot, sich am S a b b a t h des Schreibens, Zeichnens, überhaupt der Handarbeit zu enthalten, tunlichst Rücksicht zu nehmen und jeden, direkten oder indirekten Zwang zur Uebertretung dieses Gebotes zu unterlassen. In einem weiteren Erlaß werdet alle dem Stadtschulrat unterstehenden Unterrichts - anstalten in Kenntnis gesetzt, daß die israelitische bchuL Jugend an den Tagen des Neujahrs-, Versöhnungs-, Laubhütten-, Passah- und Wochenfestes Anspruch erheben kann, vom Schulbesuch befreit zu werden Jfidi§«$ier §port Die Meisterschaften haben begonnen Fußball: Hakoah schlägt Fi A. C. 3 : 3. Wiewohl die Hakoah die neue Meisterschaft mit einem Sieg einleiten konnte, war ihre Leistung eine sehr sehwache. Der tiefe Boden, auf dem das Treffen stattfand, kann nur zum Teil als Entschuldigung dienen. Hakoah repräsentierte sich in derselben Aufstellung wie im Vorjahr. Die Verteidigung war 'unsicher, beging Fehler, die allerdings nicht ausgenützt wurden. Die H a 1 f r e i h e bot eine gute Leistung. Der. Sturm war, wie gewöhnlich, im Felde gut, doch vor dem Tor wurden die besten Chancen vergeben. Hier waren noch Donnenfeld und Ehrlich die besten. Der Sieg der Hakoah muß als glücklicher bezeichnet werden; der siegbringende Treffer "der Hakoah fiel in der letzten Minute durch ein Eigentor der Gegner. Es muß noch festgesellt werden, daß Hakoah ohne jede Begeisterung spielte. Die Tore schössen Ehrlich 1 und Ehrlich 2. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Löwy; Weiß, Feldmann; Platschek, Stroß, Breitfeld; Ehrlich 1. Donnenfeld, Ehrlich 2, Mausner, Reich. — Die Hakoah- Reserve unterlag 1:3. Torschütze: Mosco. * Handball: Hakoah — E-Werke 6:5. Sicherer Sieg. Die Tore warfen: Hammer (2), R a h 1 m a n n (2); und P. Weininger (2). * Hockey: Hakoah siegt gegen W. A. C. 4:1. Rosenfeld (3) und Uli mann erzielten die Treffer. Hakoah- Reserve blieb gegen Blau-?, o t 2:1 siegreich. Tempelverein, TIT., Erdbergatraße 15. Anläßlich der hohen Feiertage wird Rabbiner Professor Dr. Bernhard T e m p 1 e r um 10. und 19. September sowie um 1, Oktober jeweils um 11 Uhr eine Fesl^redigt halten. Das P a 1 ä s t i n a a m t Wien teilt mit: Die nächsten Gruppenabfahrten von Olim aus Oesterr e i c h nach Erez Israel erfolgen ab Wien (Sudbahnhof) um 21.20 Uhr am 4., 11. uucl 25. September. Wiener Messebesucher! Sie werden gewiß die Absicht gehabt haben, neben ihrem Besuch auf der Wiener Herbstmesse sich auch das Stadtbild etwas näher anzusehen. 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