Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 396 (4.9.1934)
- Date
- 1934-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 396 ^nnjii«uiJtftifiiimHitiiiiimmutt!!r!;n;:;;!;uiiiiiiiHi!t! 'HriiiftunuiniHiiiiiiHij'iitiiiiiifinHiiMttHnHniiHuifuiij^ j Restaurant ROTHn- 1S^S!tS».!t l | empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: Supp«# Arsten, Gemüse, Mehfjpeit«............St.tf || Ü Supp«, Braten oder < , Hvtin, GemOs«, Kompott, Mchlspcfr« S taO || f_ Kalb»* und Rindsbraten ä la carte.........90 Grotfften s 10 dkg. aobratenet Conti..............60 Crosdtcn ff niedergelassen. Die griechischen Einwohner begegnen den neuen Ansiedlern mit Freundlichkeit und Wohlwollen. Lauter reizende Dinge also! Während in Palästina der Einwanderer, der in seine Heimat zurückkehrt, 1000 Pfund vorweisen muß, 1000 Pfund in zuverlässiger Valuta, begnügte sich die britische Verwaltung auf Cypern mit einer Garantie von 50 Pfund. Und während die von den Engländern verwalteten Araber den kolonisierenden Juden in Palästina unfreundlich gegenüberstehen, sind die nichtjüdischen Nachbarn auf Cypern voller Freundlichkeit und Wohlwollen. Solches verbreitet die englische Regierung mit viel Behagen und mit noch mehr Hintergründigkeit. Man könnte die derzeitige Politik Englands in bezug auf jüdische Einwanderung etwa so formulieren: Ueberallhin, nur nicht nach Palästina. Ja wenn England will oder nicht will! Oder soll Cypern dem Jüdischen Nationalheim gar Konkurrenz machen? Sollen sich die Juden abgewöhnen, nach Palästina zu gehen? Platonische Bekenntnisse Wenn nicht systematisch, so geht immerhin kontinuierlich die Unterminierung der jüdischen Wirtschaftspositionen auch in Griechenland vor sich. Es gibt eine Abhilfe, einen leichten Aderlaß: die Abwanderung nach Palästina. Insbesondere Saloniki, die Stadt mit den jüdischen Hafenarbeitern, gibt diese an Palästina ab. Nationalsozialistische Tendenzen machen sich auch in Griechenland, einst der Pflogcstätte humanistischen Geistes, bemerkbar. Die Regierung selbst unterstützt keinesfalls die judenfeindliche Richung. sie tut aber auch nichts zu ihrer Abwehr. Platonische Bekenntnisse zugunsten der jüdischen Bevölkerung haben nur geringe Durchschlagskraft. Sojch ein Bekenntnis liegt nach einer J. T. A.- Meld.ung aus Athen vor. Sie besagt: Der Leiter des griechischen Kriegsministeriums, Ünterstaatsekretär Rhodopoulos, das jüngste Mitglied des Kabinetts T^aldaris, hat anläßlich eines Empfanges der Vertreter der jüdischen Presse folgende Erklärung über die Stellung der Regierung zur jüdischen Bevölkerung und seinen persönlichen Standpunkt in der Judenfrage abgegeben: „Ich bin grundsätzlich freiheitlich gesinnt und ein guter und aufrichtiger Freund der Juden, die ich genau kenne. Ich kann für sie nur Sympathie empfinden. Ich bedauere sehr, daß als Folge der Wirtschaftskrise eine Abwanderung von Jaden aus Saloniki vor sich geht. Die Juden sind ein notwendiger und wichtiger Faktor bei der Entwicklung der Hauptstadt Mazedoniens. Aber auch sie selbst haben ein Interesse daran, in Saloniki zu leben, wo kein Unterschied zwischen Christen und Juden gemacht wird. Die Regierung, die sich an den goldenen Mittelweg hält, steht den Juden durchaus wohlwollend gegenüber und ist bereit, berechtigten Wünscher: von ihrer Seite Rechnung zu tragen." Wir können nur wünschen, daß sich die griechische Regierung in der Befriedigung der berechtigten jüdischen Wünsche keine Beschränkung auferlegt. Was das Danziger Regierungsorgaii erzählt Die Lage an Constanlme Der Stadtrat von La Marsa In Tunesien hat auf Vorschlag des Moslems Saouche 500 Francs für Hilfe an die Opfer der antijüdischen Unruhen in Constantine bewilligt. Der Präfekt von Constantine erklärt in einem Schreiben an die jüdischen Zeitungen Algeriens, er habe zur Zeit des Ausbruchs des Pogroms auf Urlaub in Frankreich geweilt und sei, als er vom Ausbruch erfuhr, sofo?t mit Aeroplan nach Algerien zurückgeeilt. Zwei Araber in Constantine haben gestanden, die jüdische > Familie Halimi umgebracht zu haben. Der eine hatte Frau Halimi und ihren Sohn erstochen, der andere die übrigen Familienmitglieder erschossen. Die Mörder sehen ihrer Aburteilung entgegen. AbteilungHvorstand Dr. Sanel Beer, Frauen- und Kinderarzt, ordiniert wieder VI., Linke Wienzeile 4. KRAWATTEN von 70 ß aufwärts, mit Kammgarn* wolle, gefuttert — Beste. Knoten* bindung — Prachtvolle Dessins Reinseidene 3 Stück nur S 8.SO Eigene Erzeugung §, MORZINPL&TZ 5 - TEL. U-22-6-88 Aus Dan zig meldet die J. T. A.: Der „Dan z ige r Vorposten", das Organ der Dan?.igor Regierung, für dessen Haltung ja der Senat die Verantwortung trägt, hat sich einen geradezu unglaublichen Angriff auf die Wissenschaft geleistet. In diesem Blatt wird zunächst an ein Schreiben erinnert, das der ..Fürst der Juden von Konstantin opel" im Jahre 1489 an die Juden in Frankreich gerichtet hat und in dem es heißen soll: „Macht eure Kinder zu Aerzten und Apothekern, damit sie den Christen das Leben nehmen." In diesem Sinne sind dann auch die Ausführungen des Blattes, das gegen die prominentesten Persönlichkeiten der Medizin, gegen die „Juden Ehrlich, Behring, Calmette, Neisser, Wassermann und wie sie alle heißen" gerichtet ist. Es sei — so wird weiter ausgeführt — erbärmlich, daß auch heute im Dritten, judenfeindlichen Reich Adolf Hitlers die deutsche medizinische Wissenschaft noch keinen Abstand finden konnte von ihren jüdischen Lehrmeistern und Verführern. Die genannten Großen der Medizin hätten getreu nach dem Talmud gehandelt, der lehrt: ,,Dem Juden, welcher einen Christen tötet, ist der höchste Sitz im Paradies aufbewahrt." Das Blatt verbindet seine Ausführungen mit den Angriffen gegen die Für jüdische Freiheitskämpfer in Lettland Alle Teilnehmer an den lettländischen Freiheitskämpfen haben einen gesetzlichen Anspruch auf Zuteilung von Grund und Boden. Da jedoch nicht genügend Boden für diesen Zweck vorhanden ist, soll nach einer soeben erlassenen Verordnung die Ablösung der Bodenzuteilüng durch ein Ehrengeschenk von 500 Dollar möglich sein. Demzufolge soll an die 90U jüdischen Freiheitskämpfer Lettlands ein Betrag von 450.000 Dollar ausgezahlt werden. (J. T. A.) Französisches Denkmal für Oberrabbiner Bloch Am 2. September dieses Jahres ist in Taintrux in den Vogesen ein Denkmal des Großrabbiners Abraham Bloch eingweiht worden,der am 29. August 1914 unter erschütternden Umständen im Kriege fiel. Die französischen Behörden hatten in aller Eile eine Scheune als Kriegslazarett eingerichtet. Die Deutschen rückten vor und gaben auch auf diese Scheune Feuer. Die Verwundeten sollten daher, so rasch es ging, aus der Scheune abtransportiert werden. Einer von ihnen war in besonders bedenklichem Zustande. Er bat den Großrabbiner von Lyon, Abraham Bloch, den er für einen katholischen Geistlichen hielt, ihm doch ein Kruzifix zu reichen, damit er es noch einmal küssen könnte. Bloch beeilte sich, den Wunsch des Sterbenden zu erfüllen. In dem Augenblick aber, wo sich die Lippen des Dahinscheidenden dem Kruzifix näherten, explodierte eine deutsche Granate neben dem' Großrabbiner und tötete diesen. Nun soll das Denkmal, bei dessen Einweihung die Vertreter aller Konfessionen zugegen sein werden, künftigen Generationen Kunde geben von dieser vornehmen Haltung des Großrabbiners. (J. T. A.) Gegen die zionistischen Jugendorganisationen in Litauen Aus Kaunas (Kowno) wird gemeldet: Nachdem die Behörden sämtliche zionistischen Jugendorganisationen in Schaulen im Zusammenhang mit den jüngsten antijüdischen Unruhen, in deren Gefolge auc;i mehrere jüdische junge Leute wegen angeblichen Waffenbesitzes bestraft wurden, vorläufig auf ein Jaht verboten haben, sind jetzt die führenden jüdischen Kreise Litauens dahin informiert worden, daß die litauische Regierung die Schließung sämtlicher z i o n i s t ischor Jugendorganisationen Litauens überhaupt plant. Die Führer der jüdischen Parteien haben bei den zuständigen Stellen gegen «einen solchen Plan interveniert, es scheint aber, daß sie keinen Erfolg damit gehabt haben. (J. T. A.) „Territoriaüsten-Liga zur Kolonisation von Juden" Aus Warschau wird gemeldet: Dieser Tage wurde eine neue jüdische territorialistische Partei gegründet, die sich als „Terri torialist en- Liga zur Kolonisation von Juden" bezeichnet. Die Gründer der Liga sind einige ehemalige Führer der territorialistischen Arbeiterpartei, die mit Dr. A. S i n g a- 1 o w s k y, Dr. B. Lvovitch und Ben A d i r in Verbindung stehen. Der neue Territorialisten-Vcrband bereitet die Herausgabe eines eigenen Organ9 vor, das den Titel „Freiland" führen wird. (J. T. A.) 174.300 Pfund für deutsche Juden Der englisch-jüdische Central British Fund für Hilfe an deutsche Juden hat im Zuge seines neuen Appells bis jetzt 174.300 Pfund aufgebracht. Die Aktion wird fortgesetzt. Auf Grund des ersten Appells im vorigen Jahre wurden 20.826 Pfund für Hilfe an deutsche Juden aufgebracht. (J. T. A.) Wie aus F r e i b u r g gemeldet wird( wurden im Schwarzwald Konzessionszwang für Viehhändler eingeführt und Juden, vom Viehhandel vollkommen ausgeschlossen. Der Bezirksbäuernführer Albicker, der die Bewegung leitet, erschien kürzlich auf dem Marktplatz Ihringen, wo Konzessionszwang noch nicht besteht, ließ nach Marktschluß die jüdischen Viehhändler einkreisen und zwang sie, für das bereits gekaufte Vieh Nachzahlungen an die Verkäufer zu entrichten. (J. T. A.) Blinde amerikanische Professoren In Deutschland Aus New York: Eine Gruppe a m e r i k a n ischer Universitätsprofessoren und Lehre, die auf Arrangement der Carl-Schurz-Vereinigung Deutschland besucht haben, sind nun an Bord des Hapag- Dampfers „New York" nach den U. S. A. zurückgekehrt. Mit ihnen reisten 32 amerikanische Studenten, die als Empfänger deutscher Stipendien für ausländische Som- Serum-Th e r a p i e und das Salvars ah und stellt fest, daß die von der angeblichen Wissenschaft der Juden gebannten ..Gojim" heute noch die schlau zusammengebraute Wissenschaft des Impfens und Spritzens in die Tat umsetzen. „Es war kein glücklicher Stern, der mit Behring über Deutschland aufging, der fünfeckige Stern jüdischer Medizin-Diktatur, mit ihren Höhepunkten im Impf- und Geschlechtskrankengesetz." Der „Vorposten" schließt den Aufruf: „Deutscher Arzt, erwach e!" Es scheint nun, daß diese Ausführungen selbst den nationalsozialistischen Aerzten in Danzig über die Hutschnur gingen, denn der „Vorposten" hat einen Rückzug angetreten, der aber nur um so schärfer den moralischen Tiefstand des Organs der Danzigcr Regierung kennzeichnet. Das Blatt erklärt nämlich, daß Behring kein Jude gewesen sei, vielmehr stamme er aus einer rein arischen Lehrerfamilie, deren Glieder noch heute in Westpreußen und Danzig ansässig seien. Diese Verwandten Behrings haben es offenbar mit ihrer Würde vereinbaren können, dem „Danziger Vorposten" Unterlagen dafür zu geben, die, wie das Blatt selbst erklärt, einwandfrei erwiesen, daß an der rein arischen Abstammung Behrings kein Zweifel aufkommen könnte. merkurse-Besucher eine Zeitlang in Heidelberg geweilt haben. Lehrer R. I. K i m m c 1 von der Universität Princeton erzählte Pressevertretern: Deutschland ist ein friedliches Land. Sie treffen dort die gleiche Art Antisemitismus an wie in Amerika. Ich besuchte jüdische Warenhäuser in Berlin und fand, daß das Geschäft sich, normal abwickelt. Auch Dr. John Frederick Louis Raschen von der Universität Pittsburg nahm Hitler-Deutschland gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz. Er erklärte: Ich kaufte in jüdischen Geschäften, besuchte jüdische Kreise in Berlin. Nirgends fand ich Zeichen einer antijüdischen Stimmung. Wir erwarteten Unruhen, erlebten aber, keine. Es war uns dies eine sehr angenehme Ueberraschung. Die Judenmorde in Hirschberg ein Akt der Privatrache Der in Prag erscheinende „Gegen-Angriff" veröffentlicht den folgenden Eigenbericht: „Der Nazibürgermeister von Hirschberg in Schlesien, B 1 Ii m e 1, nebenamtlich Sonderrichter, gegen Antifaschisten, ist Knall und Fall seiner beiden Funktionen enthoben worden. Der Grund ist in seinem eigenmächtigen Handeln bei den Erschießungen der Hirschberg e r Juden zu suchen, deren Ermordung ihm zur Last gelegt wird. Zumindest hat er die Verantwortung für die am 1. und 2. Juli Verhafteten gehabt, aber es ist so gut wie sicher, daß er sogar den Befehl zu dieser Er-- schießung gegeben hat. Blümel war Jurist. Ein sehr schlechter, wie man hier weiß, und deshalb auch — wegen früherer Prozesse — ein persönlicher Feind/ des erschossenen jüdischen Rechtsanwaltes Förster, der als Kriegsteilnehmer immer noch in Zivilsachen bei Gericht zugelassen war. Es handelt sich also um einen glatten Racheakt! Selbstverständlich darf man in der Maßregelung Blümeis nicht mehr sehen, als sie ist: Die Nachrichten über die Erschießungen in Hirschberg sind ins Ausland gedrungen und nun schüttelt das nationalsozialistische Regime diesen Herrn, der ihm peinlich geworden ist, ab." Das „Pariser Tageblatt" veröffentlich ein Gespräch mit der aus Deutschland ausgewiesenen Frau Thompson-Sinclair-Lewis. Diese erklärte: „Es wäre nach meiner Meinung eine verhängnisvolle Illusion, zu glauben, daß Hitler in seiner Judenpolitik etwa toleranter werden würde. Im Gegenteil, ich bin der festen Ueberzeugung, daß angesichts der bevorstehenden beispiellosen Schwierigkeiten die Juden wieder in verschärftem Maße als Sündenböcke werden herhalten müssen. Das ist nicht etwa meine Ueberzeugung allein, sondern die vieler deutscher Juden, die ich selber gesprochen habe und die mit tiefer Besorgnis dem Kommenden entgegensehen. Auch für die außenpolitische Isolierung Deutschlands, deren sich heute das Volk dank einer durch, und durch verlogenen Presse noch nicht im entferntesten bewußt ist, wird man die Juden verantwortlich machen." (J. T. A.) * Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Berlin, Israel Albert L e v i t a n, ein amerikanischer Staatsangehöriger, wurde in das Hauptbüro der Berliner Gestapo (Geheimen Staatspolizei) zitiert, dort etwa vier Stunden festgehalten und sehr eingehend über seine Korrespondenten-Tätigkeit verhört. Nach Intervention des Generalkonsuls der U. S. A., Herrn Geist, wurde Levitan freigelassen, jedoch mit der Weisung, sich zunächst am Mittwoch bei der Gestapo wieder zu melden. Er wurde von einem Gestapo-Agenten in seine Wohnung zurückgebracht. Sodann wurde seine Wohnung durchsucht und alle seine Manuskripte, Telegrammkopien und Privatbriefe wurden beschlagnahmt. — In den Kreisen der Berliner Auslandskorrespondenten nimmt man als sicher an, daß dieses Vorgehen gegen die J.-T.-A.-Vertreter in Zusammenhang steht mit der vor einigen Tagen erfolgten Ausweisung der amerikanischen Schriftstellerin Dorothy Thompson-Lewis, Gattin des amerikanischen Nobelpreisträgers Sinclair Lewis, da diese Ausweisung wegen einer von der J. T. A. im Auslande veröffentlichten Artikelreihe der Frau Thompson über das heutige Deutschland erfolgt ist.