Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 396 (4.9.1934)
- Date
- 1934-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 GrOfiChen Jahrgang 8 Dienstag/ den 4* September 1934 Nr* 396 V« b« b« wm^wm ■ w ^aa w Zeitung vom Verleger versengt „Journal expediö par rediteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4._. ganzjährig S 16.-; Polen monatlich Zloty 2.-. vierteliilhrig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-. vierteljährig Dinfr 40.-; Rumänien monatlich Lei 40,-, vierteljährig Lei 120.-: Deutschland monatlich Mark 1vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14,—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitä'sstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Ein Parlament ohne die Jewish Agency Die Londoner „Times", das einflußreiche und im allgemeinen gut informierte Blatt, teilen mit: Bs.wird angenommen, daß hinsichtlich der Errichtung eines Palestine Legislative Council jetzt Arrangements zwischen der Regierung in London und dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope getroffen werden würden. Sir Arthur Wauchope befindet sich gegenwärtig auf dem Wege nach London, wo er zwei Monate zubringen wird. ( Die Juden, fahren „Times" fort, lehnen ein Arrangement ab, durch welches die gegenwärtige jüdische Vertretung gegenüber der Regierung, nämlich die J e w i s h A g e n c y, die sich auf die gesamte Judenheit stützt, zugunsten eines halben Dutzend lokaler palästinensischer Juden, die im Legislative Council sitzen werden, verdrängt werden soll. Hingegen hat diese jüdische Opopsition die natürliche Reaktion gehabt, daß die Araber dem geplanten Legislative Council zustimmen; dies, obwohl sie wissen, daß die die Araber hauptsächlich interessierenden Fragen, nämlich jüdische Einwanderung und jüdischer Bodenkauf, der Einflußsphäre des Council entzogen werden würden, was ja die meisten Araber von der Nichtigkeit des Council überzeugen könnte (J. T. A.) Was die Jewish Agency sagt Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen Agentur betreffs der Mitteilungen der „Times", wonach mit der Schaffung des Legislative Council in Palästina eine Verdrägung der Jewish Agency verbunden wäre, erklärten autoritative Kreise der Jewish Agency der J. T. A., daß der. H|gh Commissioner Sir Arthur Wauchope keineswegs,b ea b s icht i g t, die Jewish Agency zu v-erdrängen, wohl aber werden nacri Errichtung des Legislative Council mehrere . Palästina-Agenden nicht mehr direkt zu dem Kreis der Aufgaben der Jewish Agoncy gehören. Öa' Jedoch, so erklärten die Autoritäten der . Jewish Agency welter, . die Jewish Agency -hauptsächlich a» den Probleinen der Einwanderung und clor Bode n t r ansaktlonon Interessiert ist und diese beiden Hauptfragen der Kompetent; des'. Legislative Council entzogen sein werden, werden <{ic Funktionen c\cr - Jewish Agency faktisch durch die Schaffung des Legislative Council nicht berührt werden. Die arabischen Forderungen Die Jaffaer arabische Tageszeitung „AI Difa" erklärt, sie habe Informationen aus autoritativen Quellen, daß die Vorbereitungen für die Schaffung des Legislative Council in kurzem beendet sein werden- Die Zeitung fügt hinzu, die Schaffung des Council werde die B eschwerden der Araber nicht zum Stillstand bringen, die Araber fordern nach wie vor Einstellung der Einwanderung und Verbot des Bödenverkaufs an Juden. Jeder andere Schritt wird zu Mißerfolg verurteilt sein. Die Zeitung er zählt, .ein moslemi tischer Führer von „hoher Autorität" sei informiert /worden,-'UtSB die Bildung des Legislative Council nach der Rückkehr Wauchopes aus London erfolgen wird. Diese „hohe Autorität" habe erklärt, es würde die gesamte Regierungsform wesentlich geändert werden; die Bevölkerung Palästinas werde in kurzem eine Selbstverwaltung haben. (J. T. A.) tf®lkei,!>und*fVii'tgMed Rußland und der Zlon£§mu§ Auf der Konferenz der amerikanischen Zionisten, welche kürzlich stattfand, rief die unerwartete Mitteilung des Präsidenten Morris Rothenberg, wonach die zionistischen Führer Amerikas mit den Sowjetvertretern bezüglich des Zionismus in Sowjetrußland Verhandlungen angebahnt hätten, große Sensation hervor. Wie jetzt bekannt wird, fand in Anwesenheit von William Bullit, des amerikanischen Botschafters in Moskau, eine Zusammenkunft amerikanischer zionistischer Persönlichkeiten mit dem russischen Gesandten in Amerika Alexander Trojanovskl statt. Rothenberg gab natürlich Ueine Details dieser Besprechung wieder. Er begnügte sich mit der Bemerkung, daß die Sowjetpolitiker ihre Absicht bekundeten, der Judenfrage in Rußland Beachtung zu schenken, so daß entsprechend dieser Haltung eine Besserung der Lage der Juden in Sowjetrußland für die nächste Zeit erwartet werden könne. Die Stellungnahme der zionistischen Organisation zu dieser Situation hängt von verschiedenen Faktoren ab. Von Grund ans wird sich für die zionistische Leitung erst dann eine Haltung fixieren lassen, wenn Sowjetru ßland Mitglied des Völ k'o rbundos wird. Erst dann werden die Verhandlungen mit Sowjetrußland einen bestimmten Charakter annehmen. Palästina wird von England als dem Mandatar des Völkerbundes und in dessen Namen verwaltet. Der Völkerbund war es, der den Inhalt des Palästina-Mandats endgültig festgestellt und bestätigt und der Maiulatarmaeht die Pflicht auferlegt hat, die Errichtung des jüdischen Na t i o n a 1 he i m s zu sichern, jüdische Einwanderung nach Palästina zu erleichtern usw. Die Mandatarmacht hatte auch die Verpflichtung, die zionistische Organisation, d. h. die J e w i s h Agency als völkerrechtliche Körperschaft anzuerkennen, die gewisse Praragativen bei der Durchführung des Mandats besitzt. England ist den Völkerbundstaaten gegenüber für diese Aufgabe verantwortlich. Aus . diesem Grunde ist es nicht möglich, ja undenkbar, daß ein Staat, der Völkerbundmitglied ist, ein Mittel (etwa die Auswanderung nach Palästina) zur Errichtung des Nationalhelm» inhibieren könnte. Man konnte zwar von Zeit zu Zeit in der jüdischen Presse losen, daß In diesem oder jenem, dem Völkerbund angehörenden Lande die zionistische Tätigkeit gestört wurde, aber es handelto sich hier entweder um kleino. Länder wie, liTngarn oder um Angelegenheiten untergeordnpter Art.. Während all der Jahre, seitdem das Paliistina- Mandat |n Klraft öteht, hat die zionistische Organisation niemals öffentlich In den erwähnten Dingen interveniert, ujn ihre rechtliche Position zu verteidigen und im Völkerbund den prinzipiellen Beschluß durchzusetzen, daß kein yölkorbi»ndmitgMed das Recht habe, dem Zionismus Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Was Sowjetrußland anbelangt, wird, wie die J. T. A. ausführt, die Jewish Agency zuerst auf dem Wege 0 i vo k tc r V'e r handlungen mit Moskau versuchen, daß Statut der zionistischen Organisation zu legalisieren und .'dahin zu wirken, daß der jüdischen Auswanderung nach Palästina keinerlei Hindernisse bereitet werden. Es wird hiebei nötig sein, daß man sich der Unterstützung Englands als der Mandatarmacht versichere und erst dann, wenn die Fragen sich auf friedlichem Wege nicht regulieren lassen, wird sich die Jewish Agency entschließen müssen, den rechtlichen Weg im Kampf für die Durchführung der Forderungen, welche im Völkerbundstatut und im Mandat verankert sind, zu betreten. Im Augenblick, da Sowjetrußland Mitglied des Völkerbundes ist, kann es sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß das Palästina-Mandat für die Sowjetunion nicht bindend sei. Selbst wenn man annehmen sollte, daß Sowjetrußland bei Eintritt in den Völkerbund gewisse Vorbehalte machen wird, so ist doch nicht zu erwarten, daß der Völkerbund auf grundlegende Artikel seines Statuts verzichten wird. Jedenfalls muß die zionistische Leitung der Frage des Eintrittes Sowjetrußlands in den Völkerbund rechtzeitig die gehörige Aufmerksamkeit schenken» Die Rosch s Hasch an ah «Nummer „DIE NEUE WELT" erscheint Freitag, den-7. September, in ver<< stärktem Umfang und vergrößerter Auf> läge. Preis 20 g Erhältlich in allen Trafiken, Verschleißstellen u. bei den Kolporteuren. RUNDSCHAU Nazifreundliche „Katholiken" „Sturm über Oesterreich", ein Organ vaterländischer Provenienz, ohne hiebei einem Antisemitismus eigener Fechsung zu entsagen, beschäftigt sich in seiner Ausgabe vom 26. August d. J. mit den Ereignissen des 25. Juli (nationalsozialistischer Putschversuch), bzw. mit einer gewissen Presse, die bisher die Schandtaten der österreichischen Hakenkreuzler mit den zahmen Bezeichnungen „gärender Wein, Jugendsünden" entschuldigt!hat. Während die wirklich patriotische Presse Oesterreichs mit den Blättern des Heimatschutzes an der Spitze die terroristischen Methoden des Hakenkreuzes als „braune Mordpest" bezeichnet, mit einem Begriff, den auch einzelne verantwortliche Führer der Vaterländischen Front anwendeten, gibt es in Oesterreich immer noch eine Presse, die nicht aufhört, von einer „n a t i onalen Erneuerung" zu sprechen. Uns würde dieses Faktum zu keinerlei Betrachtung anregen; wir wissen, daß Gangstertum, in den Mantel betont nationaler Gesinnung gehüllt, überall einige Anhänger und Befürworter findet. Hier aber liegt die Sache anders. Der „Sturm über Oesterreich", das Sprachrohr der österreichischen .Sturmscharen, ' konstatiert, daß „die na z i f r e u n .etliche katholische Presse Oesterreichs durch die letzten Ereignisse (30. Juni und 25. Juli),' in eine peinliche" tage gekommen ist"; d. h. er konstatiert, daß es in Oesterreich eine nazifreundliche katholische Presse gibt, immer noch;' noch nach dem 30. Juni und 25. Juli. Die Blätter, die damit gemeint sind, heißen „Schönere Zukunft" und „Neues. Volk". Diese beiden Presseerzeugnisse schieben die -am 30. Juni und 25. Juli verübten Greuel auf die -— Friedensverträge, konstatiert ..Sturm über Oesterreich". Uns liegen diese Blätter nicht vor. Und „Sturm über Oesterreich" macht noch eine weitere Konstatierung, wenn er schreibt: „Herr ,Loge' in Orels ,Neuem Volk' schreibt geradezu, daß ,Weltjuda' wie an Franz Ferdinands so auch an Dollfuß' Ermordnung Schuld ist." Es gibt also* in Oesterreich eine nazifreundliche katholische Presse. Das Organ der österreichischen Sturmscharen muß es wissen ... Cypern/ Palästinas Konkurrent? England hat zwar nicht die Aufgabe übernommen, für die Juden ein Nationalheim in — Cypern zu installieren, aber es gibt sich alle Mühe. Aus London wird gemeldet, daß die englischen Verwaltungsbehörden (nicht in Palästina, sondern auf der Insel Cypern) sehr günstige Bedingungen für eine jüdische Einwanderung festgesetzt haben. Ja, die englischen Behörden sind brav, die schließen kein Auge vor lauter . Fürsorge um der lieben Juden willen — in Cypern. Die diesbezügliche Nachricht lautet: Von jeder Einwandererfamilie wird ein Vorzeigegeld von nur fünfzig Pfund verlangt. An Stelle dieses Vorzeigegeldes wird aber auch eine Garantie dieses Betrages seitens einer in Cypern ansässigen Person als au sreichend anerkannt, ■ Nach zweijährigem Aufenthalt im Lande können die Einwanderer die britische Staatsangehörigkeit erwerben. Die Ansiedlung von Juden in Cypern, darunter auch aus Deutschland geflüchteter Juden, geht bereits seit einiger Zeit vor sich. Es wurden hierzu zwei Kolonisation- und Pflanzungs-Gesellschaften, ■■ die „Cyprus-Palestine Plantation Company Ltd." und die „Cyprus Farming Company" gebildet, die 70.000 Dunam Land zur Anlage von Pflanzungen, hauptsächlich von Orangenpflanzungen, erworben haben. Zwei Siedlungen deutscher Juden wurden geschaffen. Die eine Kolonie, die bei - Dam^-Augusta gelegen ist, zählt 200 Enwohner; die andere*, kleinere liegt bei Larnaca und zählt 50 Siedler. Eine Anzahl weiterer jüdischer Familien hat sich in verschiedenen Dörfern und Städten der Insel verstreut