Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 394 (28.8.1934)
- Date
- 1934-08-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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feite 2 DIE NEUE WELT Nr. 394 ^"intHIIIIIIIHIItü^l'!!!!!!»:!!!!!!!»'Hi|!|III!ili;r" I''-|llllI!l!!i!||||illl!l!irill|!r:i:HI!lllllllll!.!.":!!llll!lil'^ | ÄMtout«nl ROTH »• *g»f&»! y empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: ü 3; iuppc, Braten, Gcmiis«, M«Msp<zisa............J1.30 §§ 7 Suppe, »t-atcr. oder ' , Huhn, Gemüse, Kompott, Meh'tpciie $1.40 f§ Kaüf and SV.^sbfaten ä lo ear!c.........90 Groschen g il dkg. sabrci'cnes Gan»)..............60 Groschen f§ ::,::!!l!!;!!ll!!![!i!:i!i!!:!ir..:!li:i!|i!!ll|l!ll!l|l!llll!!!!llll!l!:i:i;!r':illll!lllllllllll!i:illll roch genügend Geld besitzen, um als „Kapitalist" die Bewilligung zur Niederlassung bekommen zu können. Dieser Mann ist ein Typus. Er ist der „alte Z i o n i s t", der seit seiner Jugend für den Zionismus, für das jüdische Palästina gearbeitet hat und daher das moralische Anrecht auf einen Wohnsitz in Palästina rühlt. Für diese alten Z i o n i s t c n müßte etwas geschehe:!. Die Zionistische Organisation hat die Pflicht, hier einzugreifen. Äs? dse p "ssdsen Verleger In Berlin erscheint — nach dreijähriger Unterbrechung* — wieder ein Jüdischer Jugendk a l e ]• d e r. Wie uns mitgeteilt wird, hat er diesmal die Gestalt eines jüdischen Jugendbuches, während das eigentliche Kalcndarium in Form eines Abreißkalenders dem Buch beigegeben wird. Wir führen dieses Detail an, um zu zeigen, mit welcher Sorgfalt und Bedachtheit an die Ausgabe eines — Kalenders herangegangen wird. Das Buch ist eine vorzügliche Lektüre für eine Jugend, die man jüdisch erziehen will: es enthält Geschichten und Erzählungen des jüdischen Volkes, Erzählungen, Legenden, Gedichte. Man findet darin die Namen von Theodor Herzl und Ch. N, B i a 1 i k. Jugendliche Zeichner haben die Illustrationen geliefert. Außer Noten, Rätseln, Versen gibt es darin auch Festspiele fein Chanukkaspieialso etwas, das Veranstalter von Jugendfeiern so oft und so dringend benötigen. Wir in Mitteleuropa vermissen solch einen Kalender. Unsere Jugend würde ihn zweifellos benötigen. Aber es findet sich kein Herausgeber, kein Verleger. Mit Besorgnis muß man feststellen, daß unsere Jugend in bezug auf Erziehung, Schulung des Geistes, Anregung im Rahmen der jüdischen Geschichte, nach wie vor vernachlässigt wird. Denn die Almanache, die zeitweise da und dort erscheinen, appellieren an einen vom Intellekt beherrschten Leserkreis. Jüdische Verleger! Heraus mit einem gediegenen und wohlfeilen Kalender für die jüdische Jugend! Bie antimdisdien Ausschreitungen in ELb tauen Die von mit Messern und Steinen bewaffneten Gruppen junger Litauer wiederholt durchgeführten Angriffe auf die Lokale der Chaluz-Gruppen in S c h a u 1 e n, bei welchen eine Anzahl Chaluzim erhebliche Verletzungen davontrugen, haben durch den folgenden Spruch des Militärkommandanten von Schaulen ihre Erledigung gefunden: Verurteilt wurden wegen ,,F e n s t e r - E i nschmeiße n s" die jungen Litauer Juosas Wiriiis, Nikodem Barkeiis, Kostas Powilitis und Koczmarin Antanas zu je 150 Lit oder je einem Monat Gefängnis. Wegen Tragens „u nerlaubter Waffen" wurden die jungen Juden Izik Praß, Hirsch Reiß, Reuben Genz, Abraham Nadel, Hcnnoch Kagan, Bezalel Muniz, Abraham Bloch und Jeraehmiel Kirkel zu je 50 Lit oder je zehn Tagen Gefängnis, ferner Reuben Waldberg und Baruch Blecker zu je 100 Lit oder je fünfzehn Tagen Gefängnis verurteilt. Die zwei in Kaunas erscheinenden jiddischen Tageszeitungen „Dos W o r t" und „M o m e n t" wurden im Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung über die Ereignisse in Schaulen konfisziert. „Dos Wort" hatte erklärt, daß die Behörden wegen ihres laxen Verhaltens die Verantwortung für die Ausschreitungen tragen. Weatere Excesse in Litauen In Schaulen wiederholten sich anläßlich des Wochenmarkten die Ausschreitungen gegen die Juden. Die aus den umliegenden Dörfern hereingeströmten aufgehetzten Bauern griffen die jüdischen Händler an und demolierten eine Anzahl jüdischer Warenstände. In den den Markt, umgehenden Straßen wurden mehrere jüdische Geschäfte ausgeplündert. Mehrere jüdische Händler erlitten erhebliche Verletzungen. Verstärkte Polizeiabteilungen stellten die Ruhe her, verhafteten mehrere Huligans, gleichzeitig auch vier jüdische junge Leute, die die Huligans hinderten, ein jüdisches Geschäft auszuplündern. Antijüdische Ausschreitungen kamen auch in den Sjfci: -iten PonewcHch und R a s a e ] rf vor, wo die Lokale der zionistischen Jugendorganisa- Straßen mißhandelt wurden. tionev. überfallen und auch jüdische Passanten in den In führenden jüdischen Kreisen Litauens glaubt man, daß die antijüdischen Ausschreitungen in den Provinzstädten ein': Folge planmäßiger nationals o z i a 1 i .s tische r Agitation sind, dazu bestimmt, die gegenwärtig'? litauische Regierung vor der Welt zu kompromittieren. Wichtig für Polcnroisende. Auch diesmal findet unter bewahrte)' Leitung eine besonders billige Reise nach Polen statt. Krakau, Rzeszow, Lemberg, usw. Reservierte Plätze, mäßige Preise. Nähere: Auskünfte erteilt bereitwilligst: Büro 10. F erste 1, I., Kärntnerring 12. Telephon' L-d 0-301. Rabindranath Tagore in Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Der große Hindu-Dichter und Nobelpreisträger für Literatur Rabindranath Tagore, der anfangs September nach Palästina kommt, wird an der Hebräischen Universität in Jerusalem Vorlesungen halten, in denen er die Grundlosigkeit der Arier-Theorie des deutschen Nationalsozialismus beweisen will. Ihn wird sein Sohn, Doktor Rabindranath Tagore, begleiten, der als Agronom die Landwirtschaft Palästinas studieren will. Die neue Terrorwelle in Deutschland ■■■■■■■■i Ungeachtet der vor einigen Tagen seitens maßgebender Regierungskrise dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegebenen Erklärung, daß die ausländischen Pressemeldungen Uber die bevorstehende Verhaftung jüdischer und linksgerichteter Persönlichkeiten grundlos seien, hat in Berlin und, wie es heißt, auch in anderen Städten des Reiches eine neue Terrorwelle eingesetzt. Am Berliner Kurfürstendamm und in den umliegenden Straßen führte die Polizei Razzien durch, deren Objekte besonders von Juden besuchte Cafes waren. Zahlreiche Personen, Juden und Nichtjuden, wurden verhaftet. Auch haben Beamte der Geheimen Staatspolizei in aller Stille jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten in ihren Wohnungen verhaftet. Nach Meldungen einiger Agenturen soll die Zahl der Verhafteten, deren Namen nicht bekanntgegeben werden, mehrere Hundert betragen. Man bringt vJ->se Aktion in Zusammenhang mit der Ankündigung des „ÖJigriff ", daß gegen die Klubs und Zirkel der „Nein-Sager", zu denen die Juden gehören sollen, vorgegangen werden wird. Daß die Aktion nicht auf Berlin beschränkt bleibt, geht schon daraus hervor, daß die Nazipresse der Pro Mn z, besonders die in Franken, das vom „Angriff" gegebene Signal, die Juden für die hohe Zahl der Nein-Sager verantwortlich zu machen, aufgenommen hat. Die Nürnberger Streicher- Blätter fragen: „Warum verlassen die Juden nicht Deutschland, wenn sie unseren Reichsführer und Reichskanzler nicht mögen?" Die Londoner Presse gibt der Ansicht Ausdruck, daß die Verhaftungen den Beginn einer neuen Terrorwelle anzeigen und daß die Juden sich auf schlimme Zeiten gefaßt machen mögen. Die Agentur „Unitd Preß" nimmt Bezug auf die der J. T. A. seitens der Regierungskreise gegebene Zusicherung und erklärt demgegenüber, daß trotzdem mit aller Deutlichkeit festzustellen sei, daß der nationalsozialistische Feldzug gegen die Juden seit der Volksabstimmung am 19. August atf Schärfe zugenommen hat. ' Gesellschaft „Hilfe" in Sowjetrußland liquidiert Der Vorsitzende des Zentralratcs der Gesellschaft für jüdischen Aufbau „O Z E T". S. Dimanstein, begab sich nach Kiew zwecks Liquidierung der jüdischen Gesellschaft „Hilfe", die in den wirtschaftlich schweren Jahren nach der Revolution zur Unterstützung deklassierter Juden ins Leben gerufen worden war. Die Gesellschaft hat Tausenden infolge der wirtschaftlichen Umstellung deklassierter jüdischer Familien zur Bildung einer neuen Existenz verholfen. Dimanstein versichert, daß durch die Liquidation der „Hilfe" die noch hilfsbedürftigen Kreise der jüdischen Bevölkerung nicht benachteiligt werden sollen. (J. T. A.) Numerus clausus für Juden in Fachschulen Die für den Besuch von höheren Schulen geltenden Bestimmungen erhalten nach dem Erlaß des Preußischen Unterrichtsministers, an den das Fachschulwesen nunmehr verwaltungsmäßig übergegangen ist, auch für die gewerblichen, kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Fachschulen Geltung. Danach wird die Zahl der für den Besuch von Fachschulen zuzulassenden nichtarischen Studierenden und Schüler in Zukunft mit 1,5 Prozent der Gesamtzahl der Besucher dieser Fachschulen festgesetzt. Angehörige ausländischer Staaten bleiben von der Berechnung ausgeschaltet. (J. T. A.) Die Juden verlassen Pommern Die Auswanderungsneigung in Pommern zeigt im Vergleich zum vorhergehenden Vierteljahr eine Steigerung, die im wesentlichen auf Konto der jüdischen Auswanderungswilligen zu buchen ist. Der Anteil der Juden (einschließlich einiger sonstiger Nichtarier) an der Gesamtzahl der bei der amtlichen Auswandererberatungsstelle der Provinz Pommern Auskunftsuchenden betrug im letzten Vierteljahr zirka 50 Prozent. Außer auf Palästina war der Augenmerk der jüdischen und nichtarischen Auswanderungswilligen in erster Linie auf die Vereinigten Staaten von Amerika gerichtet, vereinzelt auch auf England, Italien, Schweiz, Holland, Jugoslawien, Brasilien, Chile und Syrien." (J. T. A.), Deut§die Rassepropaganda in Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Dr. Walter Groß, Direktor des Instituts für Rasseforschung in Berlin, versucht in einem Brief an die Jaffaer arabische Tageszeitung „AI D i f a" die von der Hitler-Regierung ergriffenen Maßnahmen zur ,,R igung der deutschen Rasse" zu rechtfertigen, und kündigt an, daß das englische Volk und die Völker des Orients, wie Inder, Chinesen1 und Japaner, dem deutschen Beispiel folgen und an die Reinigung ihres Volkskörpers schreiten werden. In jüdischen Kreisen wird auf die immer enger sich knüpfenden Verbindungen zwischen arabischen nationalistischen Kreisen in Palästina und deutschen Nazi-Kreisen hingewiesen und erklärt, daß in Palästina eine geheime Nazi-Propaganda- Zentrale besteht, die die Araber gegen die jüdische Bevölkerung aufhetzt. Das Anbringen von mit Hakenkreuzen geschmückten Plakaten, in denen zum Boykott der Juden aufgefordert wird, wird auf die Tätigkeit dieser Zentrale zurückgeführt. Wie die J. T.-A. erfährt, sind die englischen Regierungskreise auf diese Umtriebe bereits aufmerksam geworden, das Kriminal-Untersuchungs-Departement der Palästina-Polizei ist beauftragt, Verdächtige zu beobachten. Verbot ausländischer jüdischer Zeitungen Nachdem eben erst die Kischinewer jiddische Tageszeitung „Unser Zeit" für Palästina verboten worden ist, ist nun auch ein auf ein Jahr lautendes Verbot gegen die Kownoer Zeitung „M o m e n t" ausgesprochen worden. In der jüdischen Oeffentlichkeit erregt die Zensur gegen die ausländische jüdische Presse Aufsehen. (J. T. A.) Die 32 verhafteten polnisch-jüdischen Frauen Die Palästina-Regierung hat erklärt, sie sei bereit, die wegen illegaler Grenzüberschreitung verhafteten und im Gefängnis von Bethlehem untergebrachten 32 jüdischen Frauen aus Polen zu befreien, falls diese sich verpflichten, sofort das Land zu verlassen. aufgefordert, wurde, trotz des Verbots des High Commissioner die Bewachung der Küste zur Verhinderung illegaler jüdischer Einwanderung fortzusetzen. _ Indische Mohammedaner gegen die jüdische Ein« Wanderung Auf einer in Simla abgehaltenen Konferenz i n d idischer Mohammedaner wurde eine, scharfe Entschließung angenommen, in der die jüdische Einwanderung nach Palästina als eine Gefahr für die mohammedanischen Interessen bezeichnet wird. Die englische Mandatarmacht wird aufgefordert, eine weitere Einwanderung von Juden nach Palästina nicht zuzulassen. Eine ähnliche Resolution wurde von der „M oslemitischen Liga Indiens" gefaßt. (J. T. A.) Die jüdischen Stadträte von Haifa Die vier jüdischen Stadträte von Haifa wurden, da eine jüdische Einheitsliste vorgelegt worden war. ohne Abstimmung wiedergewählt. Am 16. Auguat fand die Wahl von vier mohammedanischen und vier christlichen Stadtverordneten statt. Als einzige Stadt, in der durch Abstimmung Uber die In den Stadtrat zu entsendenden Personen entschieden wird, bleibt nur noch Jerusalem übrig. (J. T. A.) Organ des Großmufti verboten Die Tageszeitung „Ei Dschamea el Arabia", das Organ des Großmultl, ist verboten worden, wejl sie einen Aufruf des bekannten Araberführers Dschemal Hujsseini veröffentlicht hat, in dem die arabische Jugend Palästinas Revisionisten fordern Rücktritt der zionistischen Exekutive Die in Tel-Awiw tagende Landeskonferenz der Revisionisten Palästinas faßte eine Reihe Entschließungen, in denen unter anderem der Rücktritt der Zionistischen Exekutive, deren Wahl durch eine „Blutbeschuldigung" zustande gekommen sei, gefordert wird. In einer anderen Resolution wird eine durchgreifende Revision der Einwanderungspolitik der Regierung und die Oeffnung der Tore Palästinas für die in ihre Heimat zurückkehrenden jüdischen Massen verlangt. Die Einwanderung der Juden nach Palästina erfolge kraft eines Rechtes und nicht auf Grund von Duldung. Die Konferenz lenkt die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt auf die wilde Jagd, die gegen Einwanderer ohne Visum veranstaltet wird. In der Errichtung eines Legislative Council erblickt die Konferenz einen Versuch der Regierungskreise, sich der Pflicht zur Erleichterung der Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu entziehen, und die klare Absicht, mit Hilfe eines von der arabischen Mehrheit beherrschten Legislative Council die jüdische Einwanderung zu stoppen. Ein Legislative Council' mit einer aus Gegnern des Zionismus zusammengesetzten Mehrh sit widerspreche dem Geist dem Mandats. (J. T. A.)[