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Die neue Welt · 1934-08-24 · Heft 393 (24.8.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 393 (24.8.1934)
Date
1934-08-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 393 DDE NEUE WELT Seite 3 Polen Die billigste Sonderfahrt zu den Feiertagen nach Abreise 6. September 1934 Rückfahrt 4. Oktober 1934 Nähere Auskünfte: EEEDCTCI lf KÄRNTNERRING 12 ■ r&Kil Ela Telephon Nr. U-40-301 RUNDSCHAU Eine nazi-onal betonte Betrachtung Die Palästina-Regierung hat bekanntlich von der Einführung einer IC i n k o m m e nsl e u e r in Palästina Absland genommen, mit der auch von der 'Jerusalemer Handelskammer anerkannten Motivierung, Palästina sei kein Feld für eine derartige Steuer, zumal die zu erwartende U m gehung si ak t i k seitens der Steuerpflichtigen die Einkommnnsteuerbemessung schwierig gestalten würde. Das na^i-rnal betonte Organ der seinerzeitigen Deutschnaliaij'cti. „Wiener Neueste Nachrichten". r/;»,s scheinbar unser Blatt mit der Lupe liest, zitiert unsere obenerwähnten Ausführungen bezüglich der Steuer und gibt folgenden Kommentar dazu: JtEs scheint kein Zweifel möglich, welche Kreise einer Bteuerpflicht ,geschickt ausweichen" würden. Es dürften die gleichen sein, die, nicht nur in Palästina, bei unentwegter Inanspruchnahme der staatsbürgerlichen Rechte, den staatsbürgerlichen Pflichten gegenüber mit Vorliebe eine ,U mg ehun g st aktik' einschlagen. Verwunderlich erscheint nur, daß das ein jüdisches Blatt so offen zugibt." Wir glauben nicht, daß die Herren von den JV. -N. JV." allzu gern Steuer bezahlen, ja. wir sind sogar überzeugt, daß die menschliche Schwäche, einer Steuerleistung nach Tunlichkeit auszuweichen, auch bei ihnen vorhanden sein dürfte. Aber hier ist die Gehässigkeit, des nazi-onal betonten Blattes wieder einmal mit Ignoranz gemischt. Die englische Regierung weiß nämlich, daß von vielen lausenden Arabern, die keinen festen Wohnsitz und kein festes Einkommen haben, eine Einkommensteuer nicht zu holen ist, daher das Fallenlassen der Steuer. Der antisemitische Hieb der „Wiener Neuesien Nachrichten" fällt darob ins Leere, bzw. gegen die Wüstensöhne, deren Sympathie jetzt das Dritte Reich für sich gewinnen will. Beeth ovent Werner Krauß und der Jude Hevesi Nun ist auch Ludwig oan Beethoven der hurtigen Feder eines Literaten zum. Opfer gefallen. Der Wiener Dramatiker IL H. Ortner hat ein Beethooen-Drama geschrieben und das Wiener Burgtheater soll es zur Aufführung bringen. Herr Ortner, einioandfrei deutsch-arischen Geblüts, hat die Darstellung Beethovens dem berühmten Schauspieler Werner Krauß anvertraut, d. h. er war glücklich, zu hören, daß dieser Künstler seinen Beelhoven gestallen werde. Bisher handelt es sich um eine deutsche Kunsi- und Kulturangelegenheit; denn man weiß, daß Werner Krauß ein Anhänger des neuesten Deutschtums, ein Schwärmer für das rassenbetonle, pögromantisemilische, antigallische, antibolschewistische Hitler-Reich ist und daß auch Herr Ortner dem Dritten Reich nähersteht als etwa dem Völkerbundgedanken oder gar jüdisch - magyarischem Literatentum. Nichtsdestoweniger verrät er uns die Quellen seiner Beethoven-Dichtung: Zunächst ist es der Jean-Christof f-Roman des Franzosen Romain Rolland, des in Genf lebenden und für den Kommunismus schwärmenden „linken' Schriftstellers; dann ein Buch über die Zeit Beethovens vom ungarischen Juden Hevesi. Herr Ortner erzählt, daß Rollands „Beethoven sehr gelungen sei und seinem, eigenen sehr nah stehe", und sagt von Hevesi, „daß er es meist e rh af t verstanden habe, die Beethoven-Zeit zu schildern"'. Da nun auch Werner Krauß die beiden Quellen, Rolland und Hevesi, für seine Beethoven-Darstellung studieren wird, so spielen eben Nichtdeutsche und Nichtarier eine Rolle in dieser deutschen Angelegenheit. Der ungarische Jude Hevesi ist vom Standpunkt des Dritten Reiches ein Kulturbolschemist. Aber wenn man ihn für eine literarische Angelegenheit braucht, dann... ist man eben fern von Rassenpolitik. Nochmals „Eine solide Berichterstattung" In unserer Ausgabe vom 2Jf. Juli d. J. glossierten vjir den Versuch des Wiener „HajnV'-Korrespondenten, einer jüdischen Leserwelt vorzuspiegeln, daß Ch. N. Bialik sich sozusagen in seiner Sterbestunde mit ihm, dem Worresfoaäenteo* fei einem traulichen T6t&-ärt&te über. „dies und das" unterhalten habe. „Bialiks letztes Gespräch", so ungefähr lautete die Titelgcbung des soliden Berichterstatters. Trotzdem die jüdische Lcscrtvelt über diesen Streich empört ivar, xinternahm es ein „Kollegium, dem namhafte Repräsentanten des Wiener Kreises um Bialik angehörten", den „Hajnt"-Korrespondenten aus der peinliclien Affäre zu ziehen, indem es, das Kollegium, nach eingehender Prüfung des Sachverhalts ein Versehen (!) des Verfassers konstatierte. Es ist nicht gut — und auch immer nur eine kurzbeinige Angelegenheit —, dergleichen Manöver zu tolerieren oder gar zu, beschönigen. Wie recht wir hatten und wie ungeschickt es vom Kollegium war, dem Intellekt der Leser eine derartige Rehabilitierung als einwandfrei zuzumuten, bezeugt uns eine Notiz im palästinensischen „H aar e z", die sich unter dem Titel „Beduta" („Erdichtet") mit dem „Gespräch" des „Hajnt"-Korrespondenten beschäftigt, indem es dieses eben als erdichtet Schon wieder ein Haupttreffer mit einem Sdielhammer-Los gewonnen! Bei der am 20. d. stattgefundenen Ziehung der IV. Klasse der 31. Klassenlotterie entfiel der erste Haupttreffer von S 60.000 auf das vom Bank- und Yl'echselhaus Schelhamraer & Schattera, Wien, I., Stephansplatz: Nr. 11, verkaufte Los Nr. 5264. Auch bei der III. Klasse dieser laufenden Lotterie wurde der erste Haupttreffer von S 50.000 mit einem Schelhammer-Los gewonnen. feststellt. Frau Bialik, heißt es im „Haarez" weiter, ist über die Fälschung höchst aufgebracht und ersucht, dies festzustellen. Da dergleichen „Versehen" allzu leicht auch auf politiscliem Gebiet passieren können, ist es Pflicht, den fingerfertigen Schreibern auf eben diese Finger zu klopfen. Filmpolftik m Oesterreich und Deutschland Die Vaterländische Front Der „Oösterreichische Film- und Bühnenkurie r", offizielles Organ des Reichsverbandes des technischen Personals der Bühnen-, Film- und Kino-Industrie Oesterreichs, veröffentlichte in seiner letzten Ausgabe die folgende Auslassung: „In Deutschland wird jedem Film die Spielcrlaubnis versagt, an dem Juden, sei es in welcher Form immer, mitwirken. Mit dieser Tatsache muß man nicht nur rechnen, sie ist auch ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit gegenüber jüdischer Ueberheblichkeit und Diktaturstreben gerade in der Filmbranche. Die Filmindustrie ist fast vollständig verjudet und von dem alles zersetzenden jüdischen Geist der Unmoral erfüllt." Nunmehr veröffentlicht die Pressestelle der Vaterländischen Front die folgende Mitteilung: „Die Berufsorganisation der Vaterländischen Front hat sich veranlaßt gesehen, den Reichsverband des technischen Personals der Bühnen-, Film- und Kino- Industrie Oesterreichs aus ihrer Organisation auszuschließen und Johann Leopold Pock aller Funktionen zu entheben." Heute Moulin-Rouge Premiere Sisters G . . . und weitere Revue-Attraktionen Warum Goebbels den Film „Frühlingsstiramen" verbot Die Filmoberprüfstelle teilt zum Verbot des in Oesterreich hergestellten Films „Frühlings« stimmen" mit: Dem Antrage des Reichsministers für Propaganda, die Zulassung des Films „Frühlingsstimmen" zu widerrufen, war stattzugeben. Gemäß den Grundsätzen der Filmoberprüfstelle ist zu beanstanden, daß der Film in tragenden Rollen früher in Deutschland tätig gewesene Darsteller zeigt, die von der Bewegung abgelehnt werden. Es kommt hinzu, daß einer der n i c h t a r isehen Darsteller (gemeint ist Szöke Szakal. d. Red.)' in einer gemütvollen väterlichen Rolle als Familienoberhaupt einer deutschen Familie gezeigt wird. Sein ausgesprochen nichtarisches Aussehen verletzt den deutschen Besucher. Judenfilme als Lückenbüßer Der Berliner Berichterstatter des „Pariser Tageblatt" meldet seinem Blatte, daß das deutsche Publikum die neue Filmproduktion ablehnt und daß die Besitzer von Kino-Theatern sich nicht anders zu helfen wissen, als daß sie alte Filme mit jüdischen Darstellern wieder vorführen. Dagegen laufen die nationalsozialistischen Zeitungen Sturm, was zum Erfolg gehabt hat, daß eine große Anzahl der kleineren Kino- Theater ihre Pforten hat schließen müssen. Grauhemden*Be§diuIdigung zusammengebrochen In unserer Ausgabe vom 24. Juli d. J. brachten wir die Meldung, daß die Führer der südafrikanischen Naziorganisation der „Grauhemden" in einem Aufruf verbreitet hätten, der Prediger A. L e v y hätte in einer Predigt die jüdischen Weltherrschaftspläne gemäß den „Protokollen der Weisen von Zion" enthüllt. A. Levy klagte auf Beleidigung. Als Sachverständiger wurde u. a. Nahum S o k o 1 o w einvernommen. Zu dem Prozeß bringt nun die J. T. A. folgende Meldung aus Johannesburg: In der bisherigen Zeitschrift der antisemitischen „Grauhemdenbewegung" Südafrikas, „Rapport", veröffentlicht der Hauptschriftleiter des Blattes, David Hermanus Olivier, einer der drei Angeklagten in dem Grahamstowner Verleumdungsprozeß, der von dem Rabbiner der Synagoge in Port Elizabeth gegen die Ver- Serbisch-Rumänisches Weinhaus II, Taborslraße 18, im Hotel National Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß I breiter eine sangeblich aus dieser Synagoge entwendeten „Dokuments der Weisen von Zion" angestrengt worden ist, eine Mitteilung, in der es heißt: Ich bin soeben von Grahamstown zurückgekommen. Die dieswöchigo Ausgabe des „Rapport" ist fast fertiggestellt, enthält aber wieder nichts als Haß, arglistigen Trug, Ränke und Rachgier. Nunmehr veröffentlichen wir diese Ausgabe in der vorliegenden Form mit folgender unwiderleglicher Feststellung: Es ist eine sehr schwere Aufgabe, eine Lüge zu ändern und sie Wahrheit zu nennen. Aber andererseits wiederum braucht man nicht den Geist eines Weisen, um die Wahrheit festzustellen. Die Wahrheit ist nun, daß ich meine Zeitung dazu benützt habe, um die Saat der Verleumdung gegen Juden unter den Nichtjuden zu säen. Die Wahrheit ist, daß mein Sinn verblendet war und ich deshalb zwischen wahr und falsch nicht unterscheiden konnte. Gleichzeitig .veröffentlichten der „Port Elizabeth •Weekty Telegraph'* H&a des „Port Elizabeth Advertiaeti" eine Mitteilung von Alfred King, in der er seinen Austritt aus der südafrikanischen Grauhemden- Bewegung bekanntgibt. King, auch König genannt, ist derjenige, der die Nummer des „Rapport", in der die verleumderischen Behauptungen über Rabbi Levy von der Synagoge in Port Elizabeth und die angeblichen jüdischen Weltherrschaftspläne enthalten waren, verbreitet hatten Er war ursprünglich ebenfalls in dem Grahamstowner Prozeß angeklagt, doch wurde das .Verfahren gegen ihn ausgeschieden, nachdem er sich bereit erklärt hatte, in allen Zeitungen der Ostprovinz eine Entschuldigung zu veröffentlichen und einen Beitrag von 150 Pfund zu den Prozeßkosten zu leisten. Tagung des Kuratoriums der hebräischen Universität geschlossen Aus Zürich meldet die J. T. A. unter dem 20. August: Die Tagung des Kuratoriums der Hebräischen Universität in Jerusalem, die recht bewegt war, ging erst am Donnerstag abends zu Ende. Außer den bereits gemeldeten Verfassungsentschlüssen beriet das Kuratorium über Ernennungen von neuen Professoren, besonders von deutsch-jüdischen Gelehrten, an der Jerusalemer Universität. Es wurde beschlossen, Lehrstühle und Dozenturen für moderne Geschichte, jüdische Religion sphilosophie, Psychologie, physikalische Chemie und pathologische Physiologie zu schaffen. Das Kuratorium beriet überdies eingehend über die Frage des an der Universität zu gründenden Krebsforschungsinstituts, für welches eine Spende von 40.000 Pfund seitens eines anonymen Spenders zur Verfügung gestellt worden ist. Das Kuratorium beschloß des weiteren, Sc&ritte zur Schaffung eines pädagogischen Instituts zu unternehmen, und bevollmächtigte den neu ins, Leben gerufenen Universitätsrat mit der Durchführung dieser Maßnahme. Sodann wurde eine Reihe von Rangerhöhungen innerhalb des Lehrpersonals der Universität beschlossen. Eine Anzahl von Anträgen, betreffend Schaffung von neuen Zweigen an der Universität, wurde dem Universitätsrat in Jerusalem zur Durchführung überwiesen. Die Tagung schloß mit einem Dankvotum an die Mitglieder der Untersuchungskommission, vor allem an Dr. Nathan Ratnoff, dem Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Aerztein Amerikaj

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