Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 392 (21.8.1934)
- Date
- 1934-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712015--4552-2718049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 392 DIE NEUE WELT Seite 3 von Fa'ncws melden aus Beirut: Es w'rd mitgeteilt, daß infolge der Dürro schätzungsweise etwa 1 5.0 0 0 Drusen abgewandert ßind, 1 0.0 0 0 sollen n a c h P a 1 iL 3 1 i n a g e w a n d e r t sein, Wie der Kommlssiir des Hauran in einem Interview m't dem Korrespondenten eines syrischen Blattes mitteilte, sind wegen der schrecklichen Lage der Fellachen im Hauran zirka 30.000 bis 3 5.000 Fellachen nach Palästina a b g e w n n d e r t. Die. Abgewanderten schicken von Palästina aus ihre:* Familien einen Teil Ihres Verdienstes. Wie der fiommlssär mittciUc, sind Im Verlaute der letzten 31onate zirka 3 0.0 0 0 bis un<$ Hauranfelladien nad» Palästina | >l 0.0 0 0 P ■ u n d v o n P a I ii s t! n a n « c h d e m Hauran durch Ahwandcrer zur Erhaltung ihrer Familien übermittelt worden. Im L1 1; a n o n ist d'e S t i m m u n g f h r eine jüdirchö Einwanderung, von der man sieh eine wirtschaftliche Belebung verspricht, im W n c h s e n. Die nationalistische Opposition gegen diese Einwanderung, die besonders von akademischen Schichten, die eine starke Konkurrenz befürchten, getragen wird, gerat angestellt.«! der ungünstige» wirtschaftlichen Lage immer mehr ins Htr.trrtri'f'en Die Abwanderung syrischer Unternehmer tmd Ka.ui'icute nach Palästina, über die kürzlich gerichtet wurde, t-p.lcht eine deutliche Sprache. aaaKEBEaBiim^g^ >ew Mw'&& fis* Sie umffikAelhm arabischem GrenswadfeeBa RUNDSCHAU Sympathie und Politik Im offiziellen Organ des italienischen Außenministcriiuns, ..G i o r n a l e d'I I a 1i< n*", veröffentlicht der bekannte italienische Flieder (Uiido Stellinßoerf, der im Auftrage der Stadt Bari dam Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir Dizengoff, ein herzliches Begrüßungsschreiben und die offizielle Einladung zur Teilnahme an der bevorstehenden Messe von Bari überbracht hat. einen begsislerien Artikel über die erstaunliche Entwicklung der Stadt Tel- A mim. Tel-Awiw. erklärt Stellingmerf, ist eine vollkommen europäische Stadt, die in unglaublich schneller Zeil an einer Stelle aufgebaut wurde, wo es noch vor nicht allzu langer Zeil nichts als sandige Wüstenei gab. Die Stadt zeige eine musterhafte Organisation, die höchste Ikivunderung verdiene. Zum Schluß meist, der Verfasser darauf hin, daß unter ' der jüdischen Bevölkerung Erez Israels l ebh a f t e S i> m p a t h i e n f ü r Italien vorhanden sind. Dieser Stimmung müsse von italienischer Seite entsprechend Rechnung getragen werden. Diese Feststellung den offiziellen italienischen Blattes bezieht sich auf die Tatsache, daß Italien als einheitlich, geschlossener und organisatorisch durchgebildeter Staat Respekt: einzuflößen befähigt ist. Die klusxenkämpferische Linke in Palästina wird mit ihrer „nntifaHchistixchen" Propaganda an dieser Erscheinung nichts ändern. Ein „Plebiszit" Der 19. August sollte für Hitler eine neuerliche Bestätigung dafür werden, daß das deutsche Volk ihn als Obeihau.pt des Deutschen Reiches haben will. Heber die Methoden der Abstimmung braucht nichts gesagt zu werden; auch nicht darüber, daß nur Angst vor Attacke gegen Leib und Leben Millionen Menschen zu Jasagern gemacht hat. Aber es gibt ein Mittel, in diesem Wirrsal von Leid und Schrecken Haltung zu bewahren: Schweigen! Die in Deutschland lebenden Juden haben zu der Abstimmung zu schweigen. Denn sie sind ja aus der Gemeinschaft offiziell ausgeschaltet. Unter den deutschen Juden findet sich eine Schar, der Verband n a t i o n al d e u t s c h e r Juden, die nicht nur nicht schweigen, sondern sogar laut hervortreten. Diene teils dummen, teils närrisclien, teils gesinnungslumpigcn Juden distanzieren sich seit dem Hitler- Regime von den anderen Juden, den nationalen, den zugereisten ... Sie beschimpfen diese, ja verlangen sogar, daß sie (die nationalen) unter Ausnahmsgesetz gestellt werden. Und am 19. August fordern sie in einem Aufruf, alle deutschfühlcnden Juden mögen für Hitler stimmen. Im Ton der Propaganda Goebbels' rufen sie: „Wir befinden uns in voller Uebereinstimmung mit dem politischen Vermächtnis des ehrwürdigen Reichspräsidenten und Schlachtenlcnkers Hindenburg, der die ■Tat des Reic)iskanzlers Hitler und seine Bewegung einen Schritt von historischer Tragweite nennt und gleichzeitig ausspricht, daß vieles noch zu tun bleibt und daß dem Akt Jer nationalen Erhebung und des völkischen Zusammenschlusses ein Akt der Versöhnung folgen soll, der das ganze deutsche Vaterland umfaßt. Im Geiste des Vermächtnisses des verewigten Reichspräsidenten bejahen auch wir die Vereinigung der Aemter des Reichsführers und Reicliskanzlers." Solche Deklarationen können selbstverständlich von denen, an die sie gerichtet sind, nicht anerkannt Vierden. Die stark betonten Gefühle der Verbundenheit mit dem deutschen Schicksal werden mit Füßen getreten und degradieren auch jenen Teil der Judenheit, der bei allem Patriotismus und bei aller Heimatliebe sich mit Scham distanziert. Der „Völkische Beobachter" führt im Leitartikel aus, daß nicht erwartet xoird, daß die Juden in Deutschland sich an der am Sonntag, den 19. August, stattfindenden Volksabstimmung zugunsten einer lebenslänglichen ReichsfUhrung durch Hitler beteiligen werden. Hitlers Botschaft, schreibt das Blatt, sei an die wirklichen deutschen Bürger, nicht aber an die Fremden gerichtet. Miniatur-Pogrome „In der litauischen Stadt Schauten kam es am Donnerstag abends zu judenfeindlichen Ausschreitungen, wobei acht Juden durch Messerstiche und Steinwürfe verletzt Wurden. Fünf der Verletzten wurden ins Krankenhaus pebracht. Tags zuvor war ein ortsbekannter litauischer Apotheker mit einem Juden auf der Straße in Streit geraten, der in Schlägereien ausartete. Dabei wurde der Apotheker durch Messerstiche am Kopf verletzt. Dieser Vorfall soll der Anlaß zu den Ausschreitungen am Donnerstag gewesen sein. Eine Gruppe jugendlicher Litauer drang gegen 10 Uhr abends mit Messern und Steinen bewaffnet in eine jüdische Versammlung ein und ging dort gegen die Anwesenden vor. Zu gleicher 7ieit wurden im Stadtpark an mehreren Stellen Juden überfallen und mißhandelt, ivobei auch Schüsse fielen, die jedoch niemanden trafen. Als die Polizei an Ort und Stelle Die ZolLung „Palestine Post' teilt mit, d-B der Mufti von Jerusalem die Bildung der inoffiziellen arabischen Grenzwachen, die Juden am Betreten palästinensischen Bodens hindern sollen, u n t e r r> t ü t z t und diese- Wachen unter seinen Schutz genommen hat. Die Zeitung fragt, wie man es unter seichen Umständen der jüdischen Jugend verwehren könne, «3ich zu organisieren, um Ausschreitungen seitens dieser ars*oisclv.m Trupps begegnen zu können. Jeder, der Palästina liebt, wird selche Zustände, die ernste Gefahren ir. sich bergen, Die Mlsraciii-Konicienz in Lemberg Am Mittwoch, den 15. August, wurde die Tagung des Zeutralrates des Misrachi-Weltverbandes eröffnet. An der Tagung nahmen zahlreiche DelegierLe aus Amerika, Oesterreich, Rumänien, der Tschechoslowakei, den balti- 1 sehen Staaten und anderen Ländern teil. Am Donnerstag I und Freitag fanden geschlossene Beratungen statt, in ( denen das Verhältnis des Misrachi zur; zionistischen Gesaratorganisation und die i jüngsten Konflikte innerhalb des Misrachi selbst be- : handelt wurden. * Das Mitglied der Exekutive des Misrachi-Weltverbandes H. Farbatein äußerte sich vor seiner Abreise nach Lemberg zur Konferenz de3 Misrachi-Zentralrates in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur über eine Reihe von Problemen der künftigen politischen Arbeit des Misrachi. Auf eine Frage, des J.-T.-A.-Vertreters, welche Bedeutung der Spaltung der Misr'achi-Organisation in Palästina durch Gründung : des „Misrachi Hawatik" beizumessen sei, erklärte Farbstein: Die Frage ist in dieser Form überhaupt nicht richtig gestellt. Von einer Spaltung des Misrachi in Palästina kann nicht die Rede sein. Rabbi Ostrowsky, der trotz des Beschlusses des Misrachi, seine Vertreter aus dem Waad Leumi zurückzuziehen, in dieser Körperschaft verblieben ist, hat mit noch einigen Personen den Misrachi Hawatik gebildet. Dieser Gruppe haben sich dann einige Misrachisten aus Deutschland angeschlossen, die jetzt in Palästina leben. Unter Fortsetzung seiner loyalen Haltung gegenüber den zionistischen Fonds wird der Misrachi gegenüber Zionistischen Exekutive seine Gppositionspolitik weiter führen. Die Möglichkeit, einer Beteiligung des Misrachi an der Exekutive oder irgend einer anderen allgemeinen Körperschaft der Zionistischen Organisation — und diesen Körperschaften ist der Waad Leumi gleichzuhalten ist unter den augenblicklichen Verhältnissen n!-' '. ueil. Der m: .ji fordert die Durchführung von Neuwahlen in der Knesseth Israel, wobei dem Bürgertum der ihm zukommende Einfluß in der Repräsentanz des Jischuw gesichert werden soll. Diese Wahlen werden vermutlich in fünf bis sechs Monaten stattfinden. Die Zahl der in der Histadruth organisierten Arbeiter schätzt Farbstein auf rund 45.000, und glaubt, daß der übrige Teil des Jischuw bei den Wahlen eine viel größere Zahl von Kandidaten durchbringen wird als die Histadruth. Auf Grund einer zwischen allen Parteien getroffenen Vereinbarung soll die Zahl der Mandate zur Assefath Haniwcharim von 70 auf 100 erhöht werden. 30 Mitglieder sollen von den Stadt- und Landgemeinden und den Vorständen der Religionsgemeinden nominiert werden. Doch fordert die Histadruth 40 Prozent dieser neuen Sitze, eine Forderung, die vom Misrachi abgelehnt wird. Auf die Frage, ob ihm etwas davon bekannt sei, daß die A g u d a t h Israel sich an die Zionistische Exekutive mit dem Vorschlag gewandt hat. eine einheitliche Vertretung des Jischuw, die auch die" Agudah umfassen soll, zu schaffen, erklärte Farbstein, seines Wissens sei ein solcher Schritt seitens der Agudah nicht | erfolgt, wohl aber sei ihm bekannt, daß sich die Agudath Israel a.n den Misrachi mit dem Vorschlag gewandt hat, eine gemeinsame Wahlliste für die Wahlen zum Stadtrat von Jerusalem aufzustellen. Auf wBaaaBCTBid^ erschien, waren die Tüter bereits geflüchtet. Unter der jüdischen Bevölkenmg herrscht große Erregung." So lautet die Meldung. Die Geschichte vom Streit des Juden mit dem Apotheker erinnert an die Legende des l Soldaten von Constantine, der in trunkenem Zustand in j eine Moschee eingedrungen und dort die mohammedanische Religion verspottet haben soll. V/ie in Algerien, wird auch in Litauen zutage treten, daß die Hakenkreuzpropagandisten hier ihre Hand im Spiel haben. Die Hetze gegen das Judentum der ganzen Welt scheint auf ein Signal des Hitlcrismus zurückzuführen sein. Der „verbotene-' ...Stürme)-" des Nürnberger Julius Streicher, der bekanntlich zu den Intimen des; Führers Hitler zählt, erscheint wieder — ute Ritualmordnummmer. Aber die naiionaldeutschen Juder. (siehe oben!) j wissen zu erzählen, daß dem Akt der nationalen Erhebung und des völligen Zusammenschlusses ein Akt der V e r- \ söhn u u g folgen soll. bedauern. Er;, ist absurd, wenn der Mufeine Bewegung unterstützt, die einige Dutzend jüdischer Flüchtlinge am Betreten deo Lande» hindern soll, währen,' die syrischen Behörden selbst die Zahl der H a u r a n - E i 11 w o h n c r, die sich illegal in Palästina niedergelassen nahen, auf mehr uls 3c!'0C0 ungHit. Wir erwarten, schließt die Zeitu:'.g, d?ß die fvCgicrung gegen diese Spielen' arabischer Jugendlicher einschreitet, bevor uh-h gefährliche Konsequenzen ergeben. diesen Vorschlag ist der Misrachi eingegangen, uia w» wurde zu diesem Zweck eine aus Vertretern beider Organisationen bestehende Kommission eingesetzt. Zum Schluß erklärte Herr Farbstein, die bevorstehende Tagung des Zentralrates werde sich unter anderem mit der Frage der Neuwahl der Assefath Hani wc h a r i m, mit den Maßnahmen zur Befriedigung der politischen Atmosphäre des Jischuw und mit der Frage den Disziplinbruch3 innerhalb des Misrachi-Verbandes — als ein solcher sei die Aktion Rabbi Ostrowskys aufzufassen — zu beschäftigen haben. BKe2te:rttrMegen araEjEssScer foifoeib m den gaädB5«2acFj Pardeasiim Die Frage der arabischen Arbeit in den jüdische» Paidessim erregt seit längerer Zeit die jüdische Öffentlichkeit und hat zu K oni'lilcten mit der Polizei geführt. Fm Zusammenhang damit ist die folgende Schätzung des Herrn H. F r u m k 5 n über die Verteilung der jftrltachcn und arah.schen Arbeit in den jüdischen Pardcssim, die zur Zeit eine Flache von etwa 140.000 Dunam umfr.3san, interessan*. Die Pardessim werden wie i'cdgt bearbeitet: Rein jüdische Arbeit auf 22.000 Dunara, überwiegend jüdrsclic Arbeit auf 20.000 Dunam, gemischte Arbeit mit bedeutendem Anteil arabischer Arbeit auf 30.000 Dunam, Hein arabische Arhcit au* 70.000 Dunam. Es ergibt sich also ein sehr starkes Ueberwiegeu der arabisc b e n Arbeit in den jüdischen Pardessim, die zu etwa 70 Prozent mit arabischer Arbeit bewirtschaftet werden. Acgptisclie Araber illogal eingewandert Sechzehn kürzlich in der Nähe von Petach Tikwah verhaftete ägyptische Araber hatten sich vor dem Polizeirichter Shems in Tel-Awiw v/egen ungesetzlicher Einwanderung zu verantworten. Fünfzehn von ihnen wurden zu je fünf Pfund oder je einem Monat Gefängnis verurteilt, einer wurde freigesprochen. Von den Verurteilten waren einige bereits zwei- oder dreimal, des Landes verwiesen worden und waren immer wieder zurückgekehrt. (J. T. A.) Tel-Awiwer Gemeindavenvaltung an die Regierung Dem High G'ommiss:'oner wurden anläßlich seines Besuches in Tel-Awiw eine Reihe von Forderungen der Tel-Awiwer Stadtverwaltung an die Palästina-Regierung vorgetragen. Der High Commissioner wurde insbesondere darauf aufmerksam gemacht, daß die Bette nz a h 1 des Tel-Awiwer Krankenhauses infolge der starken Bevölkerungszunahme unzureichend geworden ist. und daß die Stadl, neuen Boden in der Umgebung zur Anlage von Vorstädten für den kleinen Mittelstand und für die Arbeiterbevölkerung braucht. Für die Stadterweiterung wird ebenso wie für den Ausbau der Krankenfürsorge Anspruch auf Hilfe durch die Regierung erhoben. (J. T. A.) Gefängnisse voll von illegal Eingewanderten Die palästinensischen Zeitungen stellen fest, daß die Gefängnisse in Palästina voll sind von Juden, die unter der Beschuldigung, illegal in das Land gekommen zu sein, verhaftet worden sind. Das Gericht in Haifa verurteilte wegen ungesetzlicher Einwanderung 23, meist syrische, Juden und 3 christliche Russen zu je zwei Monaten Gefängnis und zur Landesverweisung nach Verbüßung der Strafe. (J. T. A.) Falls Jabotinsky nach Palästina kommt ... Dia arabisene Zeitung „AI Islamia" teilt mit, daß Araber für den Fall, daß der Führer der Zionisten-Revisionisten Wladimir Jabotinsky nach Palästina kommt, Protestkundgebungen veranstalten werden. Diese Araber wenden sich dagegen, daß man Jabotinsky gestatten soll, sich längere Zeit in Palästina aufzuhalten, während die Behörden arabischen Führern aus Syrien die Erlaubnis zu längerem Aufenthalt in Palästina verweigern. So z. B. mußte der syrisch-arabische Führer Emir S h a k i b A r s 1 a m, Mitglied der Exekutive des syrisch-palästinensischen Verbandes, der nach Jerusalem gekommen war, um hier mit. anderen arabischen Führern zu verhandeln, nach vierzehntägigem Aufenthalt das Land verlassen, ohne daß seinem Ersuchen um Verlängerung der Aufenthaltsdauer stattgegeben worden war. (J. T. A.) Bg^Jgessggii^^ VesJanget «"feeraiB ...... ^uqjtuWMOmBga^ ■...... Masradfo? hm dl ZiesiäsÖiscSae ©rgasussaSi©^