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Die neue Welt · 1934-08-21 · Heft 392 (21.8.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 392 (21.8.1934)
Date
1934-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite « DIE NEUE WELT Nr. 392 Gedanken unter dem Tituibogen Von Dr. Israel Zwi Kanner In Italien herrscht aus zwei Gründen kein Antisemitismus. Zunächst läßt der Faschismus, da er keine Rassenprinzipien kennt, den Judenhaß nicht zu, ferner ist die Anzahl der Juden so gering (Rom 12.000, Florenz und Venedig je 2700,*) daß der Jude im Raum förmlich verschwindet. Diese Feststellung ist sehr wichtig. Sie zeigt, wie notwendig es ist, daß der Großteil der Judan Europas und der anderen Weltteile nach Palästina verpflanzt werde und so ein Minimum seines Bestandes im Ausland als „Kolonie" verbleibe, „daß der Judenstaat entsteht, unter teilweisem Fortbestand der Diaspora, weil in solcher Diaspora jetzt alle Völker leben." Als jedoch Italien einst von den aus Spanien fliehenden Juden überschwemmt wurde, da lehrten die Italiener der Welt zum erstenmal ein Ghetto bauen. Die schöne Stadt Venedig befleckte sich als erste mit diesem Judenviertel. Kein Wunder, daß man sich hier die Behausung der Shylocks dachte. Eigentlich sollte man nicht verstehen, daß eine derart gebildete Kaufmannschaft wie die Venedigs so tief sinken konnte, Menschen in besondere Viertel zu sperren. Wenn man aber bedenkt, daß die Stadt Venedig zu ihrem Aufbau viel Geld bei den Juden borgte, dann wird man auch begreifen, auf welche Weise sie sich am leichtesten von ihren Gläubigern befreien wollte. Noch ein anderes Moment ist in Betracht zu ziehen. Die Juden wurden für die Nachfolger der phönizischen Syrier gehalten und daher von den Händlern der Lagunenstadt als Konkurrenten gefürchtet. Waren ja bei der Zerstörung Karthagos und Korinths nicht politische, sondern merkantile Erwägungen ausschlaggebend. Titus zerstörte Jerusalem, weil es ein festes Kastell an der Handelsstraße nach dem Orient bildete. Wie hatte Titus den Tempel überhaupt verbrennen können? Der Tempel bestand 500 Jahre, und kein Feuer brach je in seinem Innern aus. Eine goldene Spitze trug sein Dach: Die Priester sagen, damit die Vögel vor Ver unreinigung abgehalten würden, die Laien, damit sie als Blitzableiter diene. Ein Tempel, bereits vor Franklin gegen himmlische Angriffe gefeit, konnte dem brennenden Holzscheit eines rasenden Römers nicht standhalten? Nein, es war eine Vorsehung Gottes, daß in der Weltstadt Rom ein Monument jüdischer Tapferkeit errichtet werde. Der Titusbogen ist kein Siegesbogen. Er ist ein Denkmal jahrelangen Widerstandes eines kleinen Volkes gegen das weltbeherrschende Rom. Wie viele Legionen sind zugrunde gegangen, welche Mittel mußten aufgeboten werden, um endlich Titus durch Errichtung eines Bogens auf der höchsten und hervorragendsten Stelle des Forum Romanum dafür zu danken, daß er diesen äußerst schwierigen und kostspieligen Krieg zu Ende geführt habe. Antisemiten berichten, daß Titus sich schämte, mit dem Beinamen „Besieger der Juden" belegt zu werden. Nicht vor dem Namen der Juden empfand Titus Abscheu, sondern vor der Tatsache, daß ein so kleines Volk wie das der Juden ihm so lange habe Widerstand leisten können. Das Forum Romanum, das Lebenszentrum des alten Rom, wurde im Mittelalter als Viehmarkt verwendet. Was im Wege lag, wurde eingerissen. Vor dem Titusbogen aber hatte man Ehrfurcht. Steine, Büsten, gebrochene Säulen liegen im römischen Forum zerstreut. Aber das Denkmal der jüdischen Geschichte steht fest. Nichts ist beschämend am Titusbogen. Zwei Reliefs befinden sich an den inneren Seitenwänden des Bogens. Rechts der heimkehrende Titus mit seiner Legion. Links die Juden mit den heiligen Geräten, die sie aus den Ruinen des brennenden Jerusalem retteten. Vor allem aber sieht man den siebenarmigen Leuchter, der heute über den Trümmern des zu seinen Füßen liegenden Erbfeindes triumphiert. Mussolini auf dem alten Judenfriedhof in Koni In Begleitung des Gouverneuers der Stadt Rom, Prinz Buoncompagni Ludovisi, hat Mussolini den alten Judenfriedhof auf dem Aventin zu Rom besucht. Der Friedhof wird bekanntlich zwecks Durchführung des neuen Stadtregulierungsplanes aufgelassen, die Gräber und Grabdenkmäler werden nach dem jüdischen Friedhof Verano verlegt. Der Friedhof auf dem Aventin besteht seit 300 Jahren. Auf ihm sind zahlreiche hervorragende Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Rom begraben, unter ihnen auch Feiice Venezian, der in der italienischen Freiheitsbewegung eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ministerpräsident Mussolini wurde bei seinem Besuch auf dem Friedhof von dem stellvertretenden Vorjrttj>nrien der Jüdischen Gemeinde Rom Enrico Conen und von dem Gemeindesekretär Dr. Umberto Scazzocchio empfangen. Mussolini ließ sich geschichtliche Einzelheiten über den alten Friedhof erläutern und erkundigte sich mit großem Interesse nach dem Stand f der Verlegungsarbeiten, die auf Kosten der Stadtverwal tung von Rom durchgeführt werden. (J. T. A.> *) Ein höherer christlicher Finanzberater in Padua erzählte mir, daß er auf Grund von ihm aufgestellter Statistiken genau sagen könne, daß Padua bei einer Bevölkerung von 135.000 Einwohnern 20.000 Juden, darunter 200 Millionäre, zähle, daß also Padua mehr Juden besitze als alle italienischen Städte zusammen. Sorten Sie nidit Bis Das §erbftmetter eingebrorfjen unb bie gerififaifon im Dollen @attge ift $orfi{J)tigc Samen beforgen fdion jeftt Hjren neuen $ertft'9RanteI, ims Mefofame moderne floftttnt unb Dos jdtgemüfec filefo m befonbetB niedrigen Sorfaifon'$reifen im Uotmlären „SBarenftaus Der SDarfamen", bei SAiffmann, 2. »eiirf, Saborftraße 48 tmbettuS'iBlante!, £rend>iyaffoit, moberne ^arbeit, S 24.-, 19.80,.........S 6Dott'9RBnte!, cnplifd) ßcnmftcrt, mit ©nttelfutter *f Q _ S 24.—............S l«f*—" 12.90 Vngorette<9ottci&9ffinteI, in äNobefarfiett, K.-@eibe ßefüttert S 32*—*!ReintooU<§erbftm'antel, goii3 K.*6eibe gefüttert, fefdje gaffon S 29- 6ml flent SUorWloftffme, an -— (Sacfe ßattg ßefüttert).......S UV* Seine S&etianb'fiofittme, kq tabelfofe 2luSfiÜ)rmtß......S ÜUiT** »eftbeftänbe ber „2B i r t f d) a f t? =.233 o d) e" in £au8unb tfüdjeitßeratett jeber 2lrt, .§au2», £ifd> unb Jöctttoaf^e ufl» enorm billig! 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Die Beratungen unter Vorsitz von Neville Laski wurden eingeleitet durch ein Referat von Berl Locker über die bisherigen Ergebnisse der internen Zusammenarbeit zwischen Zionisten und „Nichtzionisten" in der Jewish Agency und über die Notwendigkeit einer Belebung der Aktivität der ,.nichtzionistischen Hälfte" der Jewish Agency. Professor Brodetsky hielt ein Referat über die politische Tätigkeit der Exekutive und Dr. M. T>. Hexter über die finanzielle Lage der Jewish Agency. Die Vorpfhläge der Exekutive gehen anscheinend dahin, daß die „nichtzionistischen" Mitglieder der Jewish Agency nicht nur, wie bisher, individuell mitarbeiten, sondern daß sie in ihren res.vektiven Ländern unter den ,,nichtzionistischen" Elementen eine entsprechende Organisation begründen, die alle diese Grunpen vereint und zu einer wirklich tätigen Mitarbeit am Palästina-Werk heranzieht. Vom arabischen Kongreß Die letzte Sitzung der arabischen Exekutive, an der von 48 Mitgliedern bloß 18 teilgenommen haben, nahm einen stürmischen Verlauf. In der Aussprache kam der alte Streit zwischen den Notabein- Familien um die Hegemonie im arabischen öffentlichen Leben zum Ausdruck. Schließlich war die Exekutive genötigt, den achten arabischen Kongreß, der schon im kommenden Monat abgehalten werden sollte, um sechs Monate zu verschieben. Dieser Beschluß wird als ein Sieg der von der Familie Nashashibi geführten Opposition angesehen. Die Nashashibis treten dafür ein, daß der Kongreß erst nach Schaffung des Legislative Council zusammentritt, während die bisherige Mehrheit der Exekutive überhaupt gegen einen Legislative Council ist. Der Kongreß wird auch einen neuen Präsidenten der Exekutive an Stelle des verstorbenen Musa Kazim Pascha zu wählen haben. Um das Amt des Präsidenten wird ein heftiger Kampf geführt. (J. T. A.) Trauer« und Trostrede« „Sefcr dlvrei hesped vetanhume avelltn beklfcvei hakodesch, betalmud umedrasch." Der Rabbiner und Oberlandesprediger Dr. Zemach Rabbiner (Sofia) hat im Selbstverlag eine großangelegte Sammlung und nach den Traktaten geordnete Zusammenstellung der in Bibel, Talmud und Midrasch vorkommenden Trauer- und Trostreden über hervorragende Männer Israels aus der biblischen und talmudischen Epoche (mit den dazugehörigen berühmten Kommentatoren) erscheinen lassen. Das Werk ist auch von einem neuen Kommentar unter dem Namen „Or-Chadasch" begleitet. Herr Dr. Z. Rabbiner (Sofia, Ul. Isker 37) ist bereit, Buchhändlern und Wiederverkäufern auf das Werk, das im Original 3 Dollar kostet, einen entsprechenden Rabatt zu gewähren. Dieses Buch von dem genannten Verfasser wird von den größten talmudischen Kapazitäten als ein äußerst nützliches, ideenreiches und für jeden Prediger unentbehrliches Handbuch warm empfohlen. Zum Ableben der Frau Berta Taubes. In den Wiener jüdischen Kreisen hat der Freitod der Frau Berta Taubes regste Teilnahme hervorgerufen. Als Schwiegertochter des im Vorjahr verstorbenen populären Zionisten Löbel Taubes betätigt sich Frau Taubes, die so tragiseft mit dem Leben abschloß, verschiedentlich an der zionistischen Frauenarbeit und leitete in den letzten Jahren großangelegte Palästina-Reisen, die sie mehrmals im Jahr nach Erez Israel führten. Der materielle Mißerfolg der letzten Reisen brachte es mit sich, daß Frau Taubes in Schwierigkeiten geriet, die sie scheinbar aus eigenen Kräften nicht bewältigen konnte. — Die Beerdigung der unglücklichen Frau, die zwei unmündige Töchter hinterläßt, fand Sonntag, den 19. August, auf dem Wiener Zentralfriedhof statt. Eine überaus große Anzahl von Freunden und Bekannten nebst Mitgliedern der Verwandtschaft war erschienen, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen; ein Beweis, daß das tragische Ende der Frau Berta Taubes viel Mitgefühl in den jüdischen Kreisen Wiens erweckte. — Kantor Feuer nahm die rituellen Funktionen vor. Mannschaftsmeisterschaft im Bingen. Mittwoch, den 2 2. d. M., finden interessante Ringkämpfe statt, an welchen die H a k o a h teilnimmt. Die jüdische Mannschaft hat das Wagnis auf sich genommen, an einem Tag gegen zwei Mannschaften im Rahmen der Mannschaftsmeisterschaft zu ringen. Während die Hakoah um 8 Uhr gegen Herkules antritt, wird sie nach Beendigung dieses Kampfes mit derselben Mannschaft gegen die Slovan-Ringer antreten. Hakoah stellt folgende Mannschaft: Buczesta, Finczus, Schlanger, Dr. Gottlieb, Ochshorn, Müller, Bergmann. — Die Kämpfe finden im Saale des Hotels Barischer Hof, II., Taborstraße 39, statt. Karten von Hotels Bayrischer Hof, II., Taborstr. 39, statt. Karten von S 1 bis 2. Es lohnt sich jetzt ... mehr denn je, seinen Warenbedarf im bekannten „Warenhaus der Sparsamen", bei Schiff mann auf der Taborstraße 48, zu decken. Neue Herbst-Mäntel und Kostüme für die kommende Uebergangszeit bringt Schiffmann in den modernen Farben und Fassons zu erstaunlich niedrigen Vorsaison-Preisen. Die Restbestände der „Wirtschafts-Woche" und „Sommer-Kleider" werden gleichzeitig ganz besonders preiswert abgegeben. Sparsame kommen zu Schiff mann, II., Taborstraße 48. e Austritte aus dem Judentum Hermine Fuchs, geb. 31. Dezember 1895 Wien, ledig, XVI., Habichergasse 48. — Bernhard Hastcrlik, geb. 18. Dezember 1886 Wien, ledig, VI., Kopernikusgasse 10. — Mali Leonoro Kalt, geb. Sonne, geb. 30. August 1877 Wien, verw., II., Stuwerstraße 20. ■— Helene Hauschke, geb. 1. November 1919 Wien, ledig, II., Taborstraße 108. — Dr. Viktor Fischer, Arzt, geb. 30. Dezember 1893 Novisad, verh., III., Barichgasse 2. — Margarete Bronner geb. Krieger, geb. 10. September 1903 Wien, verh., XVTTI., Dempschergasse 3. — Bela Bronner, Bautechniker, geb. 24. Dezember 1899 Budapest, verh., XVIII., Dempschergasse 3. — Hermine Sedivy, geb. 19. Dezember 1901 Wien, ledig, VI., Mollardgasse 42. — Dr. Benno Großmann, geb. 18. August 1884 Wien, verh., IX., Alserbachstraße 1. — Gltel recte Olga Bombach recte Robinsohn, geb. 5. Februar 1861 Krakau, verh., VIII., Josefstädterstraße "9. _ Laser Mayer Bombach, geb. 30. November 1854 Lemberg, verh., VIII., Josefstädterstraße 79. — Melitta Bombach, geb. 28. April 1899 Wien, verh., VTII., Josefstädterstr. 79. — Dr. Josef Oetvös, geb. 27. Juni 1895 Tocsendorf, verh., VII., Kenyongasse 27. — Kreyla Osmann, geb. 11. Juni 1913 Radomsk, ledig, XV., Hanglüßgasse 4. —- Hedwig; Dlouhy geb. Günser, geb. 24. Mai 1898 Wien, verh., XV.. Turnergasse 11. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann beide Wien. IXt Universitätsstraß« * '

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