Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 392 (21.8.1934)
- Date
- 1934-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT l!lillllK>2 -Hli Restaurant ROTH " %SSÄ'iÄ empfiehlt seine reichhaltigen Menüs. Stippt, Brat«n, Gemüse, Mehlspeise............S1.30 Suppe, Braten od«? < , Huhn, CemUte, Kompott, Mehtipclie S 1.40 Kalb«, und Rindjbraten d ta carte.........90 Cretchen vt dlcg. gebratenes Ganjl..............60 Crotthen II r gegen Die letzte M ü n e h e n e r Predigt des Kardinals Faulha'ocr wurde von einigen deutschen Zeitungen gebracht und dann von der Zensur unterdrückt. Laut den Berichten der erwähnten Zeitungen hat der Kardinal u. a. folgendes gesagt: „Als ich vor einigen Monaten gegen die A iissaat nnmenschlichon Kassenhasse s aufgetreten bin, wollte man mich steinigen. Mein Leben war in größter Gefahr. Aber ich fürchtete nicht für mein Leben. Juden werden in der ganzen Welt verfolgt, aber die Methoden, die in unseren: Vaterland angewendet werden, sind eine Scha n d e für uns. Die Geschichte lehrt uns, daß Gott immer die Verfolger des jüdischen Volkes bestruft hat. und kein Katholik hat diese Verfolgungen der Juden in Deutschland gebilligt. Wenn Gott den 30. Juni als Strafe für einen Teil der Judenpeiniger herabgesendet hat, so war das wohlverdiente Strafe. Mit Haß und mit Verfolgungen wird man das jüdische Volk nicht vernichten. Das älteste Volk der Welt hat schon viel gelitten, leidet und wird noch viel leiden, weil es seinem Glauben immer treu geblieben ist. Wir aber wollen es ehren und schätzen, weil es der Welt das Schönste und Teuerste gegeben hat: die Heilige Schrift. Saget euren Brüdern, daß der Rassenhaß ein Gift und Grauen in unserem Leben ist. Tretet auf gegen die schrecklichen und unmenscIüicJien Verfolgungen des Volkes der Ewigkeit." Schwere Besorgnis Der Berliner Korrespondent der „Time s" berichtet seinem Blatte über die Ergebnisse seiner Untersuchung der neuesten Entwicklungen in Deutschland. Er teilt u. a. mit, daß die maßgebenden jüdischen Kreise in Deutschland, die noch vor etwa sieben Monaten mit Bezug auf die jüdische Situation im Dritten Reich etwas Zuversicht zu fassen begannen, jetzt reservierter geworden und zweifellos von tiefer Besorgnis erfaßt sind. Der Korrespondent berichtet weiter, daß sich nunmehr die Kritik an dem Regime unter den Deutschen an die Oeffentlichkeit wagt. Der Hitler-Gruß wird immer weniger angewandt. Die armen Leute führen den Niedergang'der Wirtschaft und besonders des Exports auf den Boykott Deutschlands seitens der Juden im Ausland zurück, während die Vertreter der bemittelten Gesellschaftskreise die Stellung Deutschlands in der Welt für diese Erscheinungen verantwortlich machen; alle aber s!nd verzagt und unglücklich. (J.T. A.) Frauenleichnam in Nürnberg gefunden Wie aus Nürnberg gemeldet wird, wurde unter dem alten jetzt nicht mehr benutzten jüdischen Schlachthaus in Nürnberg, wo jetzt zwecks Errichtung einer katholischen Kirche Ausschachtungsarbeiten vorgenommen werden, der Leichnam einer Frau gefunden. Die Polizei vermutet, daß die Frau einem Mord zum Opfer gefallen ist. Man befürchtet, daß dieser Fall in der Stadt Julius Streichers zur Ritualmortlpropaganda ausgebeutet werden wird. (J. T. A.) Die Ermordung des Dr. Lindemann in Glogau Die Ermordung des jüdischen Arztes Dr. L i ndemann in Glogau (Deutsch-Schlesien) am 1. Juli hat, wie uns mitgeteilt wird, in Schlesien großes Aufsehen erregt. Lindemann war 38 Jahre alt, Inhaber des Eisernen Kreuzes I. und II. Klasse und Vorsitzender der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Er wurde von SA-Leuten aus seiner Wohnung entführt und unterwegs erschlagen. Seine Leiche wurde den Angehörigen bis heute noch nicht ausgeliefert. (J. T. A.) Nicht „beweisen", sondern „behaupten" Hellmuth v. G e r 1 a c h befaßt sich in der „Neuen Weltbühne" (Prag) mit dem seinerzeit berüchtigten deutschen Antisemitenführer Hermann Ahlwardt, der u. a. behauptete, eine jüdische Firma hätte dem deutschen Heer absichtlich unbrauchbare Gewehre geliefert: ,,Als Ahlwardt auf der Höhe seines Ruhmes stand, suchte ihn mein antisemitischer Freund Dr. Wolf v. Dallwitz auf, da ihm Ahlwardts Agitationsmethode die ganze antisemitische Bewegung zu gefährden schien. Er bat, ihm die Beweise für die Richtigkeit der .Judenflinten' vorzulegen Ahlwardt zeigte ihm einen wirren Haufen belangloser Zeitungsauaschnitte. Nachdem Dallwitz gewissenhaft alle3 durch mustert, hatte, sagte er: ,Aher, Herr Rektor, das sind doch wirklich keine Beweise.' Worauf Ahlwardt mit breitem Lachen antwortete: ,.Ta, lieber Herr Doktor, wenn ich etwas nicht beweisen kann, dann behaupte ich es eben.'" (J. T. A.) Slowakischer Jude schwer mißhandelt Aus Mähr. - Os trau wird unter dem 17. August mitgeteilt: Gestern erschien in der Polizeidirektlon Mähr^- Ostrau der 26jährige Alexander Großmann aus Groß- Polany in der Slowakei und ersuchte um eine kostenlose Fahrkarte für die Weiterreise in seine Heimatgemeinde. Großmann war his vor kurzem als Zahntechniker in Paris tätig. Als er seinen Posten verlor, trat er die Heimreise nach der Tschechoslowakei an, die ihn über Deutschland führte. In Köln stattete er reichsdeutschen Bekannten einen Besuch ab und nahm mit ihnen an einem Gottesdienst in der Kölner Synagoge teil. Die Synagoge wurde an jenem Tage von Hakenkreuzlern überfallen, die einige Männer, darunter Großmann, auf die Straße trieben, mißhandelten und zwangen, eine Tafel mit der Aufschrift ,,W ir wollen nicht mehr Narren, sondern Hakenkreuzler sein" durch die Straßen zu tragen. Großmann wnrde dabei derart verprügelt, daß or ein Auge verlor. D'e'ser Tage wurde er nun mit 20 Glaubensgenossen an die tschechoslowakische Grenze abgeschoben. Er wurde an die jüdische Gemeinde in Mähr.-Ostrau verwiesen, die ihm die Weiterreise nach der Slowakei grmöslichen wird. (J.T. A.) Die iifetorisdie Aufgabe de? jüdi§dien Weltkonfei»ens Bei der Eröffnungssitzung der Jüdischen Weltkonferenz in Genf am 20. August abends hielt Dr. N. Goldman n. Präsident des Görnitz des Delegation« Juives ein großangelegtes. Referat über die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes, worin er sieh unter anderem mit dem hitlerlstischen Deutschland, dem osteuropäischen Judentum, Sowjetrußlnnd, der Luge der Juden in Oesterreich, Italien und Westeuropa nrschiinigte und auf Palästina ata Lichtblick bimvies. Welche Bedeutung gewisse Faktoren der Genfer Konferenz beilegen, rrsieht man aus großartigen zustimmenden Erklärungen des französischen Außenministers und des Präsidenten Justin Godart. Eine Botschaft Barthous Aus Bukarest wird gemeldet: „Renasterea", das Blatt der Jüdischen Reichspartei, bringt an der Spitze ihrer demnächst erscheinenden Nummer eine Botschaft des franzüs'schen Außenministers und früheren Ministerpräsidenten Louis B a r t h o u an die Jüdische Weltkonferenz Genf. Der französische Außenminister hat diese Botschaft dem Pariser Vertreter der ,,R enasterea" zur Veröffentlichung übermittelt. Das eigenhändige Schreiben Barthous lautet: „Es gibt für einen Jüdischen Weltkongreß keine nützlichere, keine wichtigere und kerne edlere Rolle, als die menschliche und gesetzliche Gleichheit aller Religionen und aller Rassen zu proklamieren. Es ist peinlich, darauf zurückkommen zu müssen nach der Emanzipation, die das Werk der Französischen Revolution gewesen ist. Aber die Ereignisse fordern es und es ist nötig, die Zivilisation zu retten vor der rückläufigen Bewegung, die sie bedroht. Möge der Jüdische Weltkongreß zur Vernunft und zum Herzen der Welt sprechen. Seine Stimme v/ird gehört werden." Ein Schreiben Justin Godarts Der ehemalige französische Minister, Senator Justin Godart, Präsident des französischen Pro-Palästina- Komitees, hat aus gleichem Anlaß das folgende Schreiben an die „Renasterea" gerichtet: „Sowohl für die jüdische Einheit, als auch für den Weltfrieden habe ich immer die Einrichtung eines .Jüdischen Weltkongresses' — mit regelmäßigen Versammlungen und einem ständigen Büro — für wichtig gehalten. Die bevorstehende Sitzung in Genf wird eine historische Aufgabe zu erfüllen haben. Sie fällt in eine Zeit, da der großartige Versuch des Zionismus Gefahr läuft, durch jüdische Zwietracht zersplittert zu werden. Diese Versammlung darf nicht nur Waffenruhe, sie muß die Einheit schaffen. Man streitet sich nicht auf der Baustelle, ohne daß der ganze. Bau darunter leidet. Die Ehre Israel verlangt es, daß dieser Bau sich reich erhebt, zu gleicher Zeit Tempel der Tradition und Heim der dreien und würdigen Arbeit, einer befruchtenden Arbeit, die eine Leuchte ist, wo, ohne zu erlöschen, ewige Hoffnung und, kraftvoller Wille strahlen." Aug Jerusalem wird gemeldet: Die Bildung illegaler Trupps aus jungen Araber n, die sich die Machtbefugnis von Gendarmen anmaßen und jüdische Palästina-Wanderer am Betreten palästinensischen Bodens hindern, hat ihre ersten blutigen Früchte getragen. In der Nähe der jüdischen Kolonie Nathania und in Chederah kam es zu sehr ernsten Zusammenstößen zwischen solchen arabischen Trupps und jungen Juden. Am 14. August abends versuchten in der Nähe von Nathania freiwillige arabische Grenzwachen jüdische Einwanderer, die angeblich ohne gesetzliche Erlaubnis in das Land kommen wollten, am Betreten palästinensischen Bodens zu hindern. Dabei entwickelte sich ein ernster Kampf zwischen arabischen und jüdischen Jugendlichen. Die Kampfhandlung wird von der Jerusalemer Leitung der palästinensischen Polizei auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur zugegeben; es wird angenommen, daß die, Regierung über diesen Vorfall ein Communique herausgeben wird. Noch ernster scheinen Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden in der jüdischen Kolonie Chederah gewesen zu sein. Wie es heißt, sollen dort zwei junge Araber, die sich unter dem angreifenden Trupp befanden, ernstlich verletzt worden und einer soll am 17. August den Verletzungen erlegen sein. Polizeiverstärkungen gingen von Jerusalem nach Chederah, um weitere arabischjüdi>?he Zusammenstöße zu verhindern. Ben Gurion, Mitglied der Exekutive der Jevvish Ageney, hatte bereits am 14. August abends eine lange Unterredung mit dem High Commissloncr Sir Arthur Wauchope über die Angelegenheit der illegalen arabischen Grenzwachen, in deren Verlauf er auf die Möglichkeit von Zusammenstößen aufmerksam machte. Es wird angenommen, daß die Regierung nunmehr der E i nralschung unbefugter Personen in die offiziellen Handlungen der Behörden Einhalt gebieten und daß es zur Verhaftung einwandernder Juden seitens arabischer Jugendlicher, die sich Polizeibefugnissc anmaßen, nicht mehr kommen wird. (J. T. A.) unter NodMguden Tn einer von der revisionistischen Partei veranstalteten Presse-Konferenz wurde mitgeteilt, daß für die von der Revisionistischen Weltunion aufgelegte Petition bisher sechshunderttausend Unterschriften von Juden gesammelt worden sind, wobei die Ergebnisse der Unterschriften-Sammlung aus sieben größeren Ländern noch nicht berücksichtigt worden sind. Wladimir J a b ot i n s k y plane nunmehr, eine neue Petition zu verfassen, in der die englische Regierung und die Mitglieds-Staaten defi Völkerbundes gebeten werden sollen, sich für die Verwirklichung des zionistischen Endziels In schnellerem Tempo durch Ermöglichuug freier Einwanderung von Juden nach Palästina einzusetzen. Diese zweite Petition soll ausschließlich von Nichtjuden unterzeichnet werden. (.!. T.-A.) ^^♦♦♦^^❖^♦♦♦^♦^♦«♦^♦♦♦-♦♦♦^♦♦o«^«*^*»^* Tagung des Kuratoriums der Bfebväisdaen UniversaSäe Aus Zürich wird gemeldet: Wie bereits mitgeteilt, hat das Kuratorium in seiner ersten Sitzung einen Ausschuß mit der Ausarbeitung eines V e rfassungsent wurfcs fllr die Universität betraut. Die bisherige Verfassung, deren Normen schriftlich anscheinend niemals festgelegt worden sind, beruhte darauf, daß die Universität ,,von einem aus prominenten jüdischen Persönlichkeiten in verschiedenen Teilen der Welt zusammengesetzten Kuratorium (Board of Governors) verwaltet wird" und daß ,,die Verwaltung der Universität ihrem Rektor (Chancellor) und Professorenrat anvertraut ist". Zum Rektor der Universität wurde bei deren Eröffnung Prof. J. L. M a g n e s ernannt, ohne daß jedoch die Dauer seines Amtes, die Modalitäten der eventuell in gewissen Zeitabstünden vorzunehmenden Neuwahlen des Rektors usw., irgendwie festgelegt worden wären. Dieser Zustand findet seine Erklärung in der ganz eigenartigen Entstehungsgeschichte der Hebräischen Universität sowie in der Tatsache, daß die Geldmittel zur Erhaltung und zum Ausbau der Universität zu mehr als zwei Dritteln des Gesfimthudgets von einigen wenigen großen Spendern in Amerika zur Verfügung gesteilt werden. Dr. J. L. Magnes ist der unbestrittene Vertrauensmann der amerikanischen Spendergruppe. Die neuen, so sehr erweiterten Aufgaben der Hebräischen Universität haben jedoch in den Augen einer An::ahl, vielleicht der Mehrheit, der Mitglieder des Kuratoriums die Notwendigkeit einer Reform der bisherigen, etwas patriarchalischen Verfassung der Universität als notwendig erscheinen lassen. Man nimmt an, daß der vom Kuratorium eingesetzte Ausschuß einen neuen Verfassungsentwurf bereits in der jetzigen Tagung dem Kuratorium vorgelegt hat. Einer der wichtigsten Punkte dieses Verfassungsentwurfes ist die Schaffung eines neuen Organs d e r U n i v e r s i t ä t, nämlich eines aus vier Mitgliedern bestehenden Senat s, der für eine bestimmte Anzahl von Jahren vom Kuratorium zu wählen wäre. Dieser Senat hätte, ebenfalls für eine bestimmte Anzahl von Jahren, aus seiner Mitte den Rektor der Universität zu wählen. Mit welchen Veränderungen und ob Uberhaupt dieser neue Verfassungsentwurf angenommen werden wird, ist noch unerewiß, da die Debatte anscheinend gewisse Meinungsverschiedenheiten gezeitigt hat. Beschlüsse des Kuratoriums der Jerusalemer Universität Im Zusammenhang mit der Beratung den neuen Statutenentwurfs für die Hebräische Universität Jerusalem wurden von dem Kuratorium der Universität auf seiner Züricher Tagung wichtige Beschlüsse gefaßt. Der wichtigste Beschluß in organisatorischer Hinsicht betrifft die Schaffung eines Universität«- r a t es (University Council), dem vier Professoren der Universität und vier nichtakademische Mitglieder, ferner der Rektor (Chancellor) der Universität, der wie bisher auch Vorsitzender des Professorcnkullegiums (Senats) bleibt, sowie der Universitätn- •Schatzmeister und ein technischer Berater angehören. Das Kuratorium kooptierte drei neue Mitglieder: Salman Schocken, Berl K a t. ■/. e n c: 1 s o n und Richter F r u m k i n. Das Amt des Schatzmeisters wurde Herrn Salman S c h o c k e n Ubertragen. Das für das Jahr 193-1/35 vom Kuratorium beschlossene Budget, beläuft. sich auf 48.000 Pfund. Außerdem ist eine Summe von 10.000 Pfund für die Errnrtglichung der Anstellung früher In Deutschland tätiger Gelehrter und für ein Krebsforschun g s instiut vorgesehen. Ein anderer wichtiger Beschluß betrifft die Grün d u n g olnca H o c h s c h u I i n s t i t u t s für Medizin (Medical School or Cenire), bestimmt für medizinische Fortbildung (Poatgraduate teach'ng). Das Gebäude dieses neuen medizinischen Instituts wirrl auf Vorschlag fies Verbandes der indischen Aerztn in Amerika den Namen des Vorsitzenden und Begründers diese:) Verbandes Dr. Nathan Ratnoff tragen. Das Gebäude wird zum Komplex der Rothschild-Hadassah-Univei-sitütaklinik rehflren. ....._________________ (J. T. A.) Arabische Gewalttaten Drei Araber haben während der Nacht versucht, die Kolonie Tel Adaschim im Emek anzugreifen. Die Polizei wies den Angriff ab und im Verlauf des Gefechtes wurde ein Araber erschossen. Den übrigen zwei gelang es zu flüchten. Die arabischen Banditen waren gut bewaffnet. (J. T. A.) Polen für die algerischen Pogromopfer Alle Rabbiner Polens sind aufgefordert worden, am kommenden Sabbat Gebete für die Opfer des Pogroms in Algerien zu sprechen und Sammlungen zur Unterstützung der Pogromgeschädigten und zur Bekämpfung de3 Antisemitismus einzuleiten. Das aus allen Schichten des polnischen Judentums gebildete Komitee zur Bekämpfung des Hitlertums hat in einer Resolution zum Ausdruck gebracht, daß die ungeheuerlichen Geschehnisse in Algerien, wo zahlreiche Juden bestialisch hingeschlachtet und hunderte Juden verletzt, wurden, zweifellos eine, logische Folge der Welle der Nazi-Barbarei sind. Ea unterliegt keinem Zweifel, daß Agitatoren des Nazismus den Hauptanteil an der Organisierung der Pogrome in Algerien haben. Von der französischen Regierung darf erwartet werden, daß sie mit ihrer ganzen Macht und Autorität sich dieser zerstörenden Hetzarbeit entgegenstellen und eine Wiederholung solcher Geschehnisse unmöglich machen wird. (J. T. A.) 1274 Juden haben Köln verlassen Deutsche Zeitungen stellen fest, daß nach dem Regierungsantritt Hitlers 1274 Juden die Stadt Köln verlassen haben. Zur Zeit der Volkszählung im Juni 1925 lebten in Köln 16.093 jüdische Seelen, im Juni 1933, wenige Monate nach dem Durchbrueh des Nationalsozialismus, war die Zahl der jüdischen Einwohner Kölns auf 14.819 gesunken. Die Zeitungen behaupten, daß dio meisten Auswanderer „rechtmäßig ausgewiesene" galizische Juden waren. (J. T. A.) Zur Berliner Olympiade Samuel Untormyer, der Führer der antideutschen Boykottbewegung, hat an alle jüdischen Sportler einen Appell gerichtet, in dem er sie aufferdert, sich nicht als Mitglieder der amerikanischen Nationalmannschaft an den kommenden Olympischen Spielen, die 1936 in B c r 1 i n stattfinden sollen, zu beteiligen. Die jüdischen Sportsleutc wären, wenn sie nach Berlin gingen, gezwungen, die Gastfreundschaft der Nazi* anzunehmen, und das sei für einen Juden eine Unmöglich« keit. (J. t. A.)