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Die neue Welt · 1934-08-21 · Heft 392 (21.8.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 392 (21.8.1934)
Date
1934-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 8 Dfensfag, den £1* Auqmt 1934 Nr« 392 V.!>♦ b. DIE NEUE Zeitung vom Verleger versende^ „Journal expediG par rfedlteur" ItfPI 185 Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig_ Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1,—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—. vierteljährig Lewa 120.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.-*! Schwel« und die Übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Für eine Tagung des Aktionskomitees Das Organ der Judenstaatspartei, „Iton Mejufchad", teilt mit, daß eine Anzahl vo Mitgliedern des Aktionskomitees, die den Mittelparteien angehören, Bich entschieden für die Einberufung einer außerordentlichen A.-C.- Tagung einsetzt, die sich mit der Lage im Zionismus und in der jüdischen Welt im Zusammenhang mit den Parteispannungen beschäftigen soll. Vom A. C. soll außerdem die Stellung der Jewish Agency im Licht der Entwicklung der letzten Zeit behandelt werden. Als besonders wichtige Verhandlungsfrage gilt die Angelegenheit des projektierten Gesetzgebenden Rates in Palästina. Nach „Iton Mejuchad" soll das A. C. noch für September 1934 einberufen werden. Weitere Verhaftungen „illegaler" jüdischer Einwanderer Die arabische Presse bringt weitere Berichte über Verhaftungen illegaler jüdischer Einwanderer und erzählt u. a, daß das Gericht in Gaza acht Juden wegen Uebertretung der Eimvanderangsvorschritfenzu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt hat und daß zehn Juden an der südlichen Libanon-Grenze beim Versuch, diese zu überschreiten und nach Palästina zu kommen, verhaftet wurden. Eine Gruppe moslemi tisch er -PJadfinder schlug ihr Lager am Strande in der Nähe von Jfebi Rubin, südlich von Jaffa, auf, um jüdische Reisegesellschaften an der Landung zu verhindern. In Saf ed wurden elf Juden, unter ihnen eine Frau und ein Kind, wegen illegaler Einwanderung vor Gericht gestellt. Zwischen Deir el Belah und Gaza versehen zwei arabische Reiter einen Wachtdicnst gegen jüdische Einwanderer. a Eine Beiruter Zeitung meldet, daß die Grenzkontrolle im Libanon gegen Palästina verstärkt wurde und daß im Verlauf des Monats Juli 45 Juden beim Versuch, diese Grenze zu überschreiten, verhaftet wurden. In Beisan sollen Juden, die in Verkleidung von Hauran-Bewohnern ins Land kamen, verhaftet worden sein. Die arabische Presse berichtet mit Genugtuung, daß arabische Jugend nach wie vor den Wachtdienst gegen illegale Grenzüberschreitung durch Juden versieht. In Bosch Pinah ereignete sich der folgende Vorfall: Drei Mitglieder eines jüdischen Arbeiter-Kibbuz wurden bei einem Spaziergang in der Nähe der Nordgrenze von einem Araber aufgefordert, ihm zur Polizeistation zu folgen, um sich wegen illegaler Grenzüberschreitung m verantworten. Die jüdischen Arbeiter erklärten, sie seien rechtmäßige Landeseinwohner. Auf einen Pfiff des Arabers erschienen nun zehn weitere Araber und zwangen die Juden, sich zur Polizeistation zu begeben. Dort verlangten die Araber vom Polizeikorporal die Auszahlung einer Fängerprämie von drei Schilling. Der Polizeibeamte stellte jedoch fest, daß die drei jüdischen Arbeiter Residenten seien, und verweigerte die Prämie. (J. T. A.) * Antijüdfcdie Boykollpropaganda in Palästina Aus Palästina wird uns unter dem 15. August gemeldet: In Jerusalem und Haifa sind dieser Tage in Schaufenstern und auf Wänden arabische Plakate mit Hakenkreuz-Abzeichen erschienen, welche die Bevölkerung zum Boykott jüdischer Geschäfte aufrufen. Wer die Plakate angebracht hat, konnte bisher nicht eruiert werden. Man nimmt an, daß diese Propaganda durch Nazi-Agitatoren in Szene gesetzt wird. Die Hauptparolen auf den Plakaten lauten: „Die Juden profitieren vom arabischen Schaden" und „Meidet jüdische Geschäfte!". Bisher hat die Palästina-Regierung gegen diese offensichtlich gefährliche Propaganda nichts unternommen. Nadi dem Pogrom in Constantine Der Bürgermeister von Constantine, Marinaud, hat der französischen Regierung die Forderung vorgelegt, eine Reihe von Maßnahmen zu treffen, durch die eine Wiederholung der antijüdischen Unruhen unmöglich gemacht werden soll. Ein militärisches Luftgeschwader von 500 Flugzeugen soll dauernd in Algerien stationiert werden. Die anläßlich der Unruhen vergrößerte Garnison von Constantine solle in ihrer jetzigen Stärke aufrecht erhalten werden. Eine amtliche Kommission möge eingesetzt werden, die eine offizielle Schätzung der Verluste vorzunehmen und einen großen Hilfsfonds zu schaffen hätte. Den jüdischen Kaufleuten, deren Läden zerstört wurden, soll sofort ein Moratorium eingeräumt werden. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, haben Generalgouverneur Carde und die Regierung diese Forderungen gebilligt. Von den wegen Beteiligung an den antijüdischen Unruhen in Constantine Verhafteten stehen vier unter Mordanklage. Die Verhaftungen dauern an. Mehr als 200 Versicherungsansprüche wurden von geschädigten Ladenbesitzern erhoben. Zwischen jüdischen und arabischen Führern finden Versöhnungsaktionen und Austausch gegenseitiger Sympathie-Erklärungen statt. Sämtliche mohammedanischen Mitglieder des Gemeinderates von Oran, Algerien, haben die folgende Kundgebung erlassen. „Die moslemitischcn Vertreter im Gemeinderat von Oran bekräftigen nach den Ereignissen von Constantine noch einmal ihren Willen, daß Frieden zwiscb.on den Rassen und Religionen herrsche. Sie erfahren init •Bedauern den Entschluß des Generalrats Ghighl, des einzigen jüdischen Stadtrats von Oran, bei den nächfiten Wahlen nicht wieder zu kandidieren. Sie versichern ihn ihrer Dankbarkeit für die von ihm uneigennützig geleistete Arbeit und sprechen den Wunsch aus, daß ein jüdischer Kandidat mit echt menschlichem und französischem Geist für den frei werdenden Posten des Generalrats sich zur Verfügung stelle." Da Ghighi bei seiner Weigerung verblieb, wurde der jüdische Advokat Karsenty zum Mitglied des Stadtrats nominiert. # Wie das „Pariser Tageblatt" meldet, wurde der in Frankreich weilende jüdische Friseur aus Constantine Adolphe Guedj bei Erhalt der Nachrichten über die Vorgänge in Constantine wahnsinnig. Als ihm mitgeteilt wurde, daß die Pogromisten seinen Friseurladen ausgeplündert und zerstört haben, verließ er Paris, um nach Constantine zurückzukehren. In Marseille wurde er vom Wahnsinn befallen. Er zertrümmerte mehrere Fensterscheiben. Er wurde überwältigt und in eine Anstalt gebracht. Von der jüdischen Weltkonferenz Zur Dritten Jüdischen Weltkonferenz vom 20. bis 23. August in Genf sind eine ganze Reihe weiterer Beteiligungen angemeldet worden. Der Board of Deputies der südafrikanischen Judenheit hat Herrn Harry L o u r i e zu seinem Vertreter bestellt, der bereits in Genf eingetroffen ist. Die Union der Jüdischen Gemeinden Italiens hat den Oberrabbiner von Rom, Dr. Angelo Sacerdoti, delegiert, die Jüdische Gemeinde Cairo wird vertreten durch die Liga gegen den deutschen Antisemitismus, die u. a. Herrn Leon Castro delegiert hat. Der Verband der jüdischen Gemeinden Griechenlands hat Herrn Sam Mordon delegiert. Die Judenheit Algiers hat Herrn Elie Gozlan entsendet. Der Verband der Allgemeinen Zionisten hat die Herren Dr. Benzion Mossinson und Dr. Henryk Rosmarin, die Zionistische Organisation Westgaliziens Dr. I. Schwarzbart delegiert. Den Waad Leumi wird Dr. Benzion MessinsoDt Tel-Awiw, repräsentieren, Der Blick nach Genf Wien, 20. August. Heute sind in Genf die vom Comite des Dele« gations Juives einberufenen Delegierten der Jüdischen Weltkonferenz zur ersten Sitzung zusammengetreten. Einen Tag vorher, am 19. August, wurden das Datum und die Modalitäten des Weltkongresses beschlossen, Bis zur Stunde liegen über das Resultat dieser Besprechung noch keine Berichte vor. Aus fast allen Ländern der Zerstreuung sind Delegierte nach Genf gekommen, und da diese auf dem Boden des Weltkongreß-Gedankens stehen, so ist anzunehmen, daß die Genfer Tagung fruchtbar sein wird. Die Weltkonferenz ist in einem Augenblick zusammengetreten, da das jüdische Volk Verfolgungen in einem Maße ausgesetzt ist, die alles bisher Dagewesene weit übertreffen. Die Brutalität der Methoden zur Verfolgung der Juden hat Formen angenommen, die mit der neuen, von Hitler-Deutschland erfundenen und praktisch angewendeten antisemitischen Propaganda Hand in Hand gehen. Gebiete, die bisher von einer großangelegten antijüdischen Hetzpropaganda verschont waren, die mohammedanischen Länder, sehen sich jetzt in den Kreis des Hakenkreuzlertumsmiteinbezogen. Zu dieser Situation muß die Weltkonferenz zunächst Stellung nehmen. Man weiß, daß die deutsche Judenfrage in ihrer vollen tragischen Schärfe fortbesteht. Man weiß aber auch, daß mit dieser Frage der antideutsche Boykott im engsten Zusammenhang steht und daher einer besonderen Behandlung bedarf. Jeder energische Beschluß auf diesem Gebiete ist wärmstens zu begrüßen. Er würde im Einklang mit den Wünschen der jüdischen Massen der ganzen Welt stehen und die großen Aktionen stützen, die in England unter Führung von Lord Melchett, in Amerika unter Führung von Stephen Wise und Untermeyer ins Werk gesetzt wurden. Bei dieser Gelegenheit muß, will die Weltkonferenz der lebendige Ausdruck der jüdischen Wünsche sein, die Frage des —* Transferabkommens behandelt werden. Es handelt sich darum, die zwiespältige Auffassung dieser Frage zu beseitigen, die jetzt, da ein neuer Transfervertrag mit der Hitler-Regierung abgeschlossen wurde, aktuell geworden ist. Was soll sich der Jude von der Gasse denken, wenn er hört, daß auf der einen Seite Hitler-Waren boykottiert werden, auf der anderen Seite sie nach Palästina, ins jüdische Nationalheim, eindringen, bzw. durch ein Tor einströmen, das Juden, die Herren der Linken, breit geöffnet haben? Niemand wird an den Ernst unserer Vertretung jüdischer Interessen glauben, wenn wir in diesem wichtigen Punkt versagen — durch Vertuschen, Verschweigen oder Beschönigen. Als weiteres Thema steht der von der polnischen Regierung angekündigte Antrag bezüglich der G e n eralisierung des Minoritätenschutzes (für die bevorstehende Tagung des Völkerbundes) zur Diskussion. Wir müssen uns, abgesehen von der ethischen Pflicht und dem moralischen Recht, infolge der eigentümlichen Lagerung für die Minoritätenrechte einsetzen, um so mehr als hier die Assimilation für sich noch den letzten Rettungsanker sieht. Die deutsche Judenfrage im besonderen, der Schutz der jüdischen Rechte im allgemeinen, der antideutsche Boykott, das Transferabkommen, die Minoritätenrechte, die neue antisemitische Welle — das ist ein reiches Programm. Die Jüdische Weltkonferenz hat ein großes Pensum vor sich. Die Namen der Delegierten und der Ernst der Zeit bürgen dafür, daß ganze Arbeit geleistet werden wird. Millionen Juden blicken hoffnungsvoll nach Genf. * Aus Oesterreich nehmen an der Genfer Konferenz die Herren Oberbaurat Robert Stricker (Exekutive der Judenstaatspartei), Theodor Grubner (Jüdischer Volksbund) und Dr. Israel Wald« mann (Radikale Zionisten) teiL

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