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Die neue Welt · 1934-08-17 · Heft 391 (17.8.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 391 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 391 DIE NEUE WELT Seite 5 Wird die iCoBijunktur im Faici§6sisa awdeiMera? Der ehemalige Unterstaatssekretflr der syrischen Mandatsregierimgfür wirtschaftliche Angelegenheiten, Mc. Gabriel M e n ass a, äußert sich im „Commerce du Levante" Uber das Problem der palästinensischen Konjunktur. Beirut (Palnews): Palästina von 1934 ist das Land, wo man keine Krise und Arbeitslosigkeit kennt, sondern wo man im Gegenteil trotz der großen jüdischen Einwanderung aus Mittel- und Osteuropa und daneben der Einwanderung aus Damaskus, dem Hauran und Transjordanien unter einem Mangelan Arbeitskräften leidet. Der Arbeiter erhält einen mehr als doppelt so hohen Lohn wie normal, die fieberhafte Bautätigkeit kann kaum den Wohnungsbedarf decken, die Bodenprei3e sind schwindlig in die Höhe getrieben, mehr als ein Dutzend Millionen Pfunde liegen zinslos in den Banken, 4'/y Millionen Pfund sind in industriellen Unternehmungen investiert, die Warenlager schwellen an, die Orangenu. a. Pflanzungen werden in stürmischem Rhythmus ausgedehnt, der Hektar wird mit 20.000 bis 30.000 Pres, bezahlt. Palästina hat 1933/34 5Va Millionen Kisten Orangen exportiert, 1935 werden es 8, 1938 sogar 12 Millionen Kisten sein. Mit einer Jahresproduktion von 180.000 Tonnen kann „Nesher" den Zementbedarf nicht mehr decken, von 1935 an wird i.Nesher" 350.000 Tonnen produzieren. Die palästinensische Industrie prosperiert, obwohl die Löhne fünfmal so hoch wie die syrischen sind. Der Import .1.933 hat 11 Millionen Pfund überschritten und wird 1934 weiter steigen. Die Landwirtschaft bildet einen Hauptfaktor seiner Zukunft, die Getreideproduktion reicht zwar nicht aus, aber die Orangenpflanzungen bilden eine große Reichtumsquelle. Die Industrie entwickelt sich zusehends. Tel-Awiw, eine große Stadt von 100.000 Einwohnern, wird zu einem bedeutenden Industriezentrum. Wer die letzte Messe besuchte, konnte sich Rechenschaft von der Vielfältigkeit der palästinensischen Industrieprodukte und der Bedeutung der Industrie ablegen, per palästinensische Handel prosperiert ebenfalls stark. Die Waren fließen in das Land selbst hinein und weiter nach Syrien, Libanon, Transjordanien, Irak, Persien. Endlich verfügt Palästina über ein modernes Eisenbahn- und Straßennetz, das — wenn auch nicht so ausgedehnt — besser ausgebaut ist als die Straßen in Syrien. Der Haifaer Hafen wird zu einem großen Handels- und Transitzentrum, die Eisenbahn Haifa—Bagdad wird Haifa zum Hafen des Irak und Persiens machen. Es bleibt schließlich noch der hohe Budgetüberschuß, die Prosperität der öffentlichen Finanzen und die Bildung einer Reserve von mehreren Millionen pal. Pfund zu erwähnen. Unglücklicherweise verdunkelt sich dieses BÄld, wenn man das Problem der palästinensischen Prosperität tiefer untersucht: Die palästinensische Landwirtschaft, die nur auf der Orange basiert, hat mit der Gefahr zu rechnen, die jeder Monokultur droht. Die Orange beginnt, sich schwerer zu verkaufen, die Pflanzungen werden aber immer zahlreicher. Was wird man von einem Palästina zu halten haben, das in zehn Jahren 15 bis 20 Millionen Kisten Orangen jährlich zu exportieren hat? Das Beispiel der ägyptischen Baumwolle und des brasilianischen Kaffees gibt uns das Beispiel einer Preisentwicklung, die nicht mehr die Kosten der Ernte deckt, geschweige denn die Anlagekosten amortisiert. Die palästinensische Industrie krankt an einem doppelten Uebel: der außerordentlichen Hausse der Löhne und dem Mangel an Absatzmärkten. Die Diktatur der Arbeiterorganisation (Histadruth) verhindert alle Lohnnivellierungs versuche durch Beschäftigung arabischer Abciter, die im letzten Winter in den Orangenplantagen in der Umgebung Tel- Awiws für den dritten Teil der Löhne jüdischer Arbeiter engagiert werden konnten. Dasselbe gilt für die Industrie. Die Araber sind von der Industriearbeit ausgeschlossen. Die Politik der Histadruth führt damit zu einem zweifach nachteiligen Resultat: zu einem sehr hohen Produktionskostenniveau der jüdischen Industrie und einer Niedrighaltung der Kaufkraft der eingeborenen Bevölkerung. Die hohen Produktionskosten hindern auch den Export: die Ausfuhr nach Syrien, Libanon, Aegypten, Irik usw. erreicht noch nicht % Million pal. Pfund, der industrielle Absatz ist zu etwa 75 Prozent auf die jüdische Bevölkerung Palästinas von rund 300.000 Menschen beschränkt. Man fragt sich, wie sich die palästinensische Industrie unter diesen Umständen entwickeln soll: Intensive Produktion, eingeschränkter Konsum, unbedeutender Export. Und von Monat zu Monat werden beträchtliche neue Kapitalien in der Industrie investiert! Wehn das Problem der hohen Löhne nicht gelöst wird, muß sich eine industrielle Ueberproduktionslcrise und daraus eine schwere Gesamtkrise ergeben. Schließlich ist der Handel nicht organisiert: der Bau des Haifaer Hafens kann nur durch den unverzüglichen Bau der Haifa-Bagdad-Bahn gerechtfertigt werden. Wird sich die britische Reichspolitik ändern? Jaffa und T c 1 - A \v i w beklagen sich bitter, von der Palästina-Regierung vernachlässigt zu werden. Die Bevölkerung dieses Bezirkes beläuft 3ich auf 180.000 Menschen, in 60 Kilometer Entfernung liegt Jerusalem mit 120.000 Einwohnern. Das 3üdliche Palästina umfaßt mehr als zwei Drittel der Bevölkerung des Landes. Warum vernachlässigt man sie zugunsten des Haifacr Hafens? Der südliche Teil Palästinas konsumiert mehr als drei Viertel des Imports. Trotz des Fehlens des Hafens und des stürmischen Wetters werden drei Fünftel des Orargenexports über Jaffa verladen. Die palästinensische Konjunktur wird dauern, solange eine große Einwanderung anhält. Handel und Industrie Palästinas beruhen auf dem inneren Markt, ihr weiteres Anwachsen setzt weitere Einwanderung voraus, Die Einwanderung ist die große Unbekannte der weiteren Entwicklung. Um die Krise zu vermeiden, braucht Palästina eine jährliche Einwanderung von mindestens 50.000. Nachdem Mr. Mena3sa die Frage einer eventuell einsetzenden Rückwanderung im Falle einer Aenderung der Judenpolitik erwähnt und Hitler als den größten Förderer des Jüdischen Nationalheims bezeichnet hat, betont er abschließend, daß das Andauern der Einwanderung und die Lösung des Arbeiter- und Lohnproblems die Voraussetzung für die Stabilisierung und Sicherung der an sich gesunden und fundierten Struktur der palästinensischen Wirtschaft bilden. Solange dieser Hauptfaktor eine unbekannte Größe bildet, kann man keine Voraussagen machen. Alle an der wirtschaftlichen Prosperität Palästinas Interessierten müssen bemüht sein, Lösungen für die gestellten Probleme zu finden. RESTAURANT BILLET BESTRENOMMIERTE KÜCHE "WD REICHHALTIGE MENÜS äS 1.90 UNO 2.60 SCHWECHATER BRÄU ll,Hammer-Purgstcill'Gasse 3 (nädist Sal7!fltbfö4e)©TeU-4l-0'25 Paläst i na-Wirtschaf tsbericht Aus Jerusalem (Palnews): Der letzte von Barel ay's Bank herausgegebene Bericht lautet: Die wirtschaftliche Aktivität hält allgemein an. Das heimische Kleinhandelsgeschäft ist etwas ruhiger als gewöhnlich geworden, da die Fellachen mit der Ernte beschäftigt sind, die inzwischen aber eingebracht ist. Neuerdings macht sich daher wieder ein lebhafteres Geschäft bemerkbar. Die Weizen- und Gerstenernte wird für 4 bis 5 Monate für den lokalen Bedarf ausreichen, der Einfuhrzoll auf australisches Weizenmehl ist auf pal. Pfund 4,750 pro Tonne erhöht worden. Kolonialwaren weisen einen flotten Geschäftsgang auf, die Preise sind im wesentlichen unverändert geblieben. Die lebhafte Bautätigkeit hält besonders in Tel- Awiw und den jüdischen Kolonien an, alle Arten von Baumaterialien werden importiert. Das W o 11- Warengeschäft hat sich ebenfalls belebt, auch in Baumwollwaren hält die Aktivität an. Nach Maneheste r-Artikeln besteht stärkere Nachfrage, japanische Waren stehen aber immer noch im Vordergrund. Russische Waren erscheinen jetzt auf dem Markt. Die Misrachi-Bank im Geschäftsjahr 1933 Jerusalem. (Palnews.) Der Abschluß der Misrachi-Bank per 31. Dezember 1933 weist auf der Aktivseite einen Kassenbestand von pal. Pfund 76.989 aus, Immobilien werden mit Pfd. 10.000, durch Grundbesitz gesicherte Debitoren mit Pfd. 21.038, diskontierte Wechsel mit Pfd. 87.866, Debitoren in laufender Rechnung mit Pfd. 90.349 ausgewiesen. Auf der Passivseite erscheint das eingezahlte Kapital mit Pfd. 19.577 (nominelles Shares-Kapital Pfd. 60.000), der Reserve- und Speziaireservefonds (einschließlich der Zuweisung aus dem Jahresgewinn) mit Pfd. 3073, Depositeneinlagen und Gläubiger in laufender Rechnung Pfd. 253.855, lokale Banken und Korrespondenten Pfd. 4590. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist G ewinne aus Zinsen und Kommissionen mit Pfd. 11.527, aus vei-schiedenen Transaktionen mit Pfd. 5182 aus. Die Zins- und Kommissionsverpflichtungen belaufen sich auf Pfd. 5435, Geschäftsunkosten auf Pfd. 5585, Abschreibungen auf Pfd. 852. Der Reingewinn beträgt Pfd. 4836 (zu denen noch der alte Gewinnvortrag von Pfd. 541 kommt. Pfd. 484 sind der Reserve überwiesen. In der Generalversammlung wurde auf Vorschlag des Verwaltungsrates beschlossen, eine Sprozentige Dividende zu verteilen, weitere Pfd. 1979 der Reserve, Pfd. 750 einem Sonderkonto für dubiose Schuldner zuzuführen und den Rest nach Abzug; gewisser Ueberweisungen an nationale und misrachistische Fonds auf neue Rechnung vorzutragen. Die Bilanzsumme hat sich gegenüber derjenigen per 31. Dezember 1932 von Pfd. 161.000 auf Pfd. 388.000, der Kreditumsatz von Pfd. 195.000 auf Pfd. 518.000, Depositen- und Kontokorrentumsatz von Pfd. 348.000 auf Pfund 1,035.000, der Gesamtumsatz von Pfd. 2,094.000 auf Pfund 5,415.000 erhöht. Das Geschäftsvolumen hat sich also auf das Doppelte bis Dreifache erhöht. Nach Mitteilung der Verwaltung in der Generalversammlung hat sich der Geschäftsumfang 1934 weiter erhöht. Von Aktionärseite wurde der Wunsch geäußert, in Haifa eine Filiale zu eröffnen, die Verwaltung will diesen Wunsch in Erwägung ziehen. Einwanderung Jänner bis April 1934 Aus Jerusalem: Nach den von der Palästina- Regierung jetzt veröffentlichten Ziffern stellt sich die Einwanderung im ersten Dritteil (Jänner bis April) des Jahres 1934 nach Kategorien gesondert (die Ziffern in Klammern beziehen sich auf Nichtjuden) wie folgt; Personen mit Pfund 1000.— Eigenkapital und darüber............ 1342 ( 9)', deren Angehörige........ . 1361 ( 2)' Freie Berufe mit mindestens Pfund 500.— . — (—)] deren Angehörige.......* . — (—)i Personen mit Pfund 4.— Monatsrente . « « 27 ( 4)' Handwerker mit mindestens Pfund 250.— . . 38 (—)'; deren Angehörige......... 70 (—)', Personen mit mindestens Pf. 500.— Kapital 12 (—); deren Angehörige ......... 12 (—)] Waisen......4 ( 4)j Geistliche Berufe ..... 84 (53), deren Angehörige 56 ( 2)| Studenten .......<»<«*< 461 (17)| Arbeitsuchende (Chaluzim) 3991 (80); deren Angehörige 3043 (15)j Angehörige palästinensischer Einwohner . . 934 (73); Von den Bestimmungen der Immigration Ordinance befreit 67 (67)j Insgesamt.....,.»*... 11.502 (326} Straßenbauten, durch die Wüste Aus Jerusalem: Unter den von der Regierung beabsichtigten Straßenbauten befinden sich Asphaltstraßen von Hebron nach Ani Jidi am Toten Meer und von Bethlehem nach dem Kloster Marsaba, die durch unbewohntes Wüstenge ibiet führen. Der Zweck, den diese Asphaltstraßen in der Wüste erfüllen sollen, ist unklar. Gerüchtweise verlautet seit einiger Zeit, daß eine englische Gesellschaft Minerallager am Toten Meer auszubeuten gedenke und der Straßenbau den Zwecken dieser Gesellschaft diene. Keine Einkommensteuer in Palästana! Aus Jerusalem: Bereits anfangs Mai, nach der Abreise des britischen Spezialexperten zur Einkommensteuerfrage, Mr. Huntington, wurde bekannt, daß es zwischen Mr. Huntington und dem Finanzsekretär der Regierung, Mr. Johnson, zu scharfen Meinungsverschiedenheiten gekommen ist. Mr. Huntington gelangte nach seinen dreimonatigen SpezialStudien im Lande zu der Auffassung, daß die Zeit für die Einführung einer Einkommensteuer in Palästina noch nicht gekommen ist. Mr. Johnson, der als Vater des Einkommensteuerprojekts anzusprechen ist, kämpfte dagegen mit aller Energie für die Richtigkeit seiner Auffassung. Die Regierung hat es bisher vermieden, eine offizielle Mitteilung über ihre Entscheidung zu machen. Nunmehr hat der Präsident der Jerusalemer Handelskammer anläßlich der am 30. Juni stattgefundeneu Jahresversammlung im Einverständnis mit der Regierung die Erklärung abgegeben, daß die Regierung beschlossen habe, von der Einführung der Einkommensteuer Abstand zu nehmen. Palästina sei kein Feld für eine dei*artige Steuer, da die bestehende Steuerunlust, die sich normalerweise jeder Besteuerung entgegenstemmt, der Einkommensteuer gegenüber in besonderem Maße in Erscheinung treten und zu einem geschickten Ausweichen vor der Steuerpflicht führen würde. Die Regierung, deren Entscheidung zu begrüßen ist, hat also die Schwierigkeit der Einkommensteuerbemessung und die zu erwartende Umgehungstaktik seitens der Steuerpflichtigen als ausschlaggebend angesehen. Ausgewiesene „illegale" Palästina-Einwanderer Drei jüdische Mädchen, die sich nicht über ihre Einwanderungserlaubnis ausweisen konnten, wurden in Haifa verhaftet und nach ihrer Ausweisung auf einen italienischen Dampfer gebracht. Die italienischen Behörden gestatten ihnen jedoch nicht, in Italien zu landen, so daß die drei Mädchen auf dem Dampfer dreimal die Reise zwischen Palästina und Italien zurücklegen mußten, bis der italienische Kapitän bei den palästinensischen Behörden die Landungserlaubnis für sie durchsetzte. Sie befinden sich jetzt im Gefängnis zu Bethlehem, wo über ihr weiteres Schicksal entschieden werden wird. Der „H a o 1 a m" setzt die Zahl der im Gefängnis in Bethlehem wegen illegaler Einwanderung untergebrachten jüdischen Frauen auf 50 fest. Die Zeitung fordert, daß die entsprechenden Schritte unternommen werden, um einem solchen unnatürlichen Zustand ein Endo zu machen. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, „Grabsteinaktion". Zwecks Vervollständigung der notwendigen Unterlagen werden Verwandte der am jüdischen Heldenfriedhof in Wien begrabenen Kriegsgefallenen ersucht, sich so bald wie möglich mit der Kanzlei der Bundesführung, Wien, I., Spiegelgasse 2/29, in der Zeit von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr in Verbindung zu setzen,

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