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Die neue Welt · 1934-08-17 · Heft 391 (17.8.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 391 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 391 DIE WEUE WELT Seite 5 POLEN-SONDERFAHRT 27. August bis 6. September oder 27. September Wien-Krakau-Wien......S 50.- Wien-Lemberg-Wien......S 78.- »FRANCOPOL« Wien, III., Rennweg 1 Telephon U-16-490 Neue antisemitische Agitation in der Türkei Aus Saloniki (J. T. A.): Aus Istanbul und anderen türkischen Städten hier eintreffende Briefe enthüllen die kritische Lage der Juden in der Türkei. Der Antisemitismus hat eine latente Form angenommen und führt zu häufigen Zwischenfällen. Die türkische Jucionheit ist verzweifelt und sucht Wege und Mittel, um auszuwandern. In den Städten Istanbul. Couscoudjouk, Haskeuy, Balat und Orta-Keuy, die eine große jüdische Bevölkerung aufweisen, haben viele jüdische Familien Drohbriefe erhalten, in denen gesagt wird, daß alle Juden Vorbereitungen zum Verlassen des Landes treffen müssen. Die jüdische Bevölkerung dieser Städte lebt in ständiger Panik. Verfolgung ausländischer Juden in der Türkei Aus Saloniki: Das neue türkische Gesetz für Handels- und Gewerbebetriebe hat viele Hunderte griechischer und bulgarischer Gewerbetreibender ihrer Existenz beraubt. Hunderte von Griechen kommen täglich aus der Türkei, wo sie ihren Unterhalt nicht mehr verdienen können, in Griechenland an. Auch zahlreiche Juden griechischer, bulgarischer, äthiopischer, spanischer, portugiesischer, italienischer und anderer Staatsangehörigkeit können keinerlei Arbeitsmöglichkeit in der Türkei mehr finden. Sie sind zur Auswanderung gezwungen und, da es sich hauptsächlich um arme Leute handelt, sind sie genötigt, ihren Hausrat zu verkaufen, um das Geld für die Reise aufzubringen. Eine Anzahl griechischer Juden in Istanbul und anderen Städten befindet sich in besonders schwieriger Lage. Wie alle griechischen Bürger, haben sie sich an das griechische Konsulat in Istanbul um Hilfe gewandt, die ihnen jedoch verweigert wird, wenn sie gewisse Gebühren nicht entrichten können; manchen wurden sogar die erforderlichen Rei3epapiere verweigert. Führer der griechischen Judenheit wurden auf diese Verhältnisse aufmerksam gemacht. Senator Isaac S z i a k y hat entsprechende Schritte bei der griechischen Regierung unternommen. Der „Internationale Studentendienst" gegen die Hakenkreuzler Aus London wird berichtet: Auf einer hier abgehaltenen Sonderkonferenz des Internationalen Studentendienstes (I. S. S.) teilte der Leiter des Genfer Zentralbüros Dr. Walter Kotschnig namens der Weltleitung mit, daß infolge der letzten Ereignisse in D c u t s c h 1 an d, die zur Ermordung, Verschwinden oder Gefangennahme einiger seiner verdienten Mitarbeiter geführt haben, der Internationale Studentendienst beßchlossen hat, alle BeZiehungen zu Organisationen, die direkt oder indirekt mit der jetzigen deutschen Regierung in Verbindung stehen, einzustellen. Alle Projekte betreffend Konferenzen, Touren usw., die eine Beziehungnahme zu deutschen Behörden bedingen würden, sind infolgedessen fallen gelassen worden. Palästina-Bericht vor dem Völkerbundrat Aus Genf (J. T. A.): Die provisorische Tagesordnung der 81. Session des Völkerbundrates, die am 7. September beginnen wird, enthält u. a. die Entgegennahme des Berichtes der Ständigen Mandatskommission von ihrer letzten Tagung, während welcher auch der Jahresbericht der Mandatarmacht über Palästina behandelt wurde. Das Verhandlungsprotokoll und der Bericht der Mandatskommission an den Rat sind noch nicht veröffentlicht worden. Die Juden Mexikos organisieren sich Aus New York (J. T. A.): In Mexiko City wurde ein aus acht Mitgliedern bestehendes Komitee gebildet, zu dem Zweck, einen Mexikanischen Jüdischen Kongreß zu konstituieren. Das Komitee wurde auf einer Versammlung ernannt, auf der Herr Bernard S. Deutsch, der jetzt in Mexiko weilende Präsident des American Jewish Congress, eine Ansprache hielt. Das Komitee wird regelmäßig zusammentreten, um die Arbeitsmethoden zur Stärkung der mexikanischen Judenheit und Verteidigung ihrer Interessen festzusetzen. Die Versammlung ist auch darum von Bedeutung, weil auf ihr zum erstenmal eine Zusammenarbeit zwischen Sephardim und Aschkenasim in Mexiko stattfand. Samstag, den 18. August 1934, eröffnet Herr Karl Spitz im 20. Bezirk, Wallensteinplatz, das auf das modernste eingerichtete Caf6 Mirabell. — Für gute Bedienung und gute Speisen bürgt der Inhaber. Der Fall Mac Fadden Von unserem New-Yorker Mitarbeiter New York, Anfang August. In der amerikanischen, vor allem aber in der jüdisch-amerikanischen Oeffentlichkeit wird jetzt der Fall Mac Fadden lebhaft besprochen. Antisemitische Ausfälle sind im Verlaufe der Debatten im Parlament der Vereinigten Staaten höchst selten zu verzeichnen. Damit ist nicht gesagt, daß alle Abgeordneten von jeglicher Animosität gegenüber den Juden frei sind. Aber beide großen Parteien, Demokraten und Republikaner, vermeiden es, den Judenpunkt in irgend einer Art, und gar in antisemitischer, politisch hervorzukehren. Um so begreiflicher, als sowohl in der demokratischen als auch in der republikanischen Organisation die Juden ein bedeutendes Kontingent mitunter sehr rühriger Mitglieder stellen. Sofern sich eine Gelegenheit zu programmatischen Erklärungen gibt, besonders vor Wahlen, halten es die Führer für angebracht, jede „Rassen- oder Glaubenspolitik" und insbesondere den Antisemitismus nachdrücklich abzulehnen. Eine Ausnahme in dieser Hinsicht bildet durch sein Gehaben der Abgeordnete Louis T. Mac Fadden, Mitglied der Republikanischen Partei. Wenn er im Kongreß oder auf einem Meeting das Wort zu irgend einem Gegenstand ergreift, unterläßt er es nie, in gehässigster Weise die Juden anzugreifen. Er macht sie für alle üblen Erscheinungen auf dem Gebiete der Politik, Wirtschaft und Kunst verantwortlich, ganz nach dem Muster der deutschen Hakenkreuzler. Er macht aus seiner Bewunderung für die Judenpolitik Adolf Hitlers kein Hehl und bemühte sich gerade im letzten Jahre, diese Politik in den Vereinigten Staaaten populär zu mchen und ihre Uebertragung ins Amerikanische begeistert anzupreisen. Kein Wunder, wenn-Mac Fadden in gewissen deutschamerikanischen Kreisen sehr populär geworden ist und in einem Teile der amerikanischen Presse über den grünen Klee gelobt wird. Hingegen hat ihm sein oft rüder Antisemitismus im Parlament selbst und bei der eigenen Partei bisher wenig Erfolg gebracht. Die Führung seiner Partei hat es nie unterlassen, nach antisemitischen rednerischen Exzessen Mac Faddens Empfindliche erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe durch ihren Sprecher mitteilen zu lassen, daß sie die Reden dieses Herrn rückhaltlos ablehnt. Ja, sie ist noch weiter gegangen. Mac Fadden, dem Fähigkeiten auf gewissen Spezialgebieten nachgerühmt werden, war Mitglied der Leitung der Republikanischen Partei. Bei einer der letzten Neuwahlen der Leitung wurde die Kandidatur Mac F a d d e n s mit der ausdrücklichen Begründung a bgelehnt, daß sein Verhalten in der Judenfrage den Parteigrundsätzen widerspreche und für die Partei untragbar sei. Diese Maßregel wurde in jüdischen Kreisen mit großer Genugtuung verzeichnet. Aber nun scheint ein Umschwung der Ansichten über Mac Fadden eingetreten zu sein. In einer ihrer letzten Verlautbarungen teilt die Republikanische Partei der Oeffentlichkeit mit, daß Abg. Mac Fadden wieder zu ihrem Leitungsmitglied gewählt und zum Hauptsprecher in der bevorstehenden großen Rundfunk-Kampagne der Republikaner bestimmt wurde. Nebenbei sei bemerkt, daß keine Anzeichen einer Aenderung der antisemitischen Ansichten des Herrn Abgeordneten festzustellen sind. Im Gegenteil. Er hat in letzter Zeit unzweideutiger gegen die Juden gesprochen als je, Sperre der jüdischen Einwanderung zugunsten des „nordischen" Elements, Ausbürgerung von Juden und ähnliches gefordert. Es ist begreiflich, und in der Zeit einer heftigen Kampagne der Hakenkreuzler in den Vereinigten Staaten begreiflicher als je, daß diese Handlung der Republikanischen Partei in der jüdischen Allgemeinheit und besonders in den Reihen ihrer jüdischen Mitgliedschaft Verwunderung und Empörung hervorruft. Auf einem Meeting des Jewish Congress, der politischen Organisation der nationalen Judenschaft Amerikas, nahm der Vizepräsident N. D. Perlmann, Abgeordneter und Mitglied der Republikanischen Partei, in heftiger Weise gegen die Wiederwahl Mac Faddens in die Parteileitung Stellung. Es wurde die Absendung eines Schreibens an den Präsidenten der PALÄSTINA, ÄGYPTEN, GRIECHENLAND Abfahrt: 2 September morgens mit der „ROMA" (36.000 f) Preis für die Schiffahrt Neapel-Neapel aufwärts von S ITTELMEER-REISE irt: 2 September morgens mit der „ROMA" Preis für die Schi O M PASS TO URS »X> SPITALGASSE 3, Tel. B-42-5-38 342.- Republikanischen Partei beschlossen, in welchem namens der jüdischen Mitglieder die sofortige Abberufung Mc Faddens gefordert wird. Eine Antwort auf dieses Schreiben ist bis heute nicht erfolgt. Die Bedeutung dieses Vorfalles soll gewiß nicht überschätzt werden. Man braucht nicht anzunehmen, daß nunmehr eine ausgesprochene Schwenkung der Republikanischen Partei zum Antisemitismus einsetzen wird. Aber der Fall Mac Fadden ist symptomatisch und verdient Beachtung. Die Republikanische Partei ist eine gewaltige Organisation. Jahrzehnte hindurch hat sie den Präsidenten der Vereinigten Staaten gestellt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie bei den nächsten Wahlen wieder zur Herrschaft gelangen wird. Der Umstand, daß ein radikaler Antisemit Führer und Sprecher dieser Partei wird, macht jedenfalls der Sorglosigkeit jener jüdischer Kreise ein Ende, welche sich jetzt und für immer vor anti- Verwöhnte Strohwitwer speisen vorzüglich im üe§tauranf Hotel Stefanie n» II, Taborstraße 18. Tel. R-46-5-57 ito Reichhaltig« Mendt von S 1.60 aufwärt! Täglich ftische Fische Spelten am Rott / Schöner schattiger Garten jüdischer Politik in den Vereinigten Staaten sicher glaubten und in Konsequenz dieser Ansicht jede politisch-jüdische Aktion und Organisation ablehnten. Der Fall Mac Fadden zeigt augenfällig, daß das Schicksal der amerikanischen Juden mit dem des jüdischen Volkes außerhalb Amerikas eng verbunden ist. Wohl geht es den amerikanischen Juden heute wirtschaftlich und politisch noch besser als allen anderen. Aber es ist gar keine Gewähr dafür vorhanden, daß es immer so bleiben muß. Der antisemitische Sturm, der über Europa tobt, kann morgen Amerika erfassen. Es ist blinder Leichtsinn, wenn noch immer ein Teil der amerikanischen Judenschaft von einer Bereitschaft für schlimme Tage, von einer jüdischpolitischen Organisation auf nationaler Basis, wie sie der American Jewish Congress darstellt, nichts wissen will. Der Boykott gegen judisdie Firmen Allen ans Ausland gerichteten Versicherungen der Hitler-Regierung, daß man die Juden auf wirtschaftlichem Gebiete unbehelligt läßt, zum Trotz, setzen die Regierungsorgane den Boykott fort. Aus Frankfurt a. M. (J. T.-A.): In der ersten Augustausgabe des „Deutschen Mittelstande s", des offiziellen Mitteilungsblattes des Landeshandwerksführers, der Kreishandwerkerschaften und der amtlichen Berufsvertretungen des gewerblichen Mittelstandes irn rheinisch-mainischen Wirtschaftsgebiet, werden, nachdem das"Blatt in seiner vorigen Ausgabe eine Liste der jüdischen Firmen, Aerzte und Anwälte in Frankfurt gebracht hatte, abermals Listen jüdischer Firmen veröffentlicht, diesmal für Wiesbaden und Darmstadt. Gleichzeitig bringt das Blatt auf Veranlassung der Kreisamtsleitung der NS.-Hago, Frankfurt a. M., eine Berichtigung seiner „Frankfurter J u d e n 1 i s t e", in der die Namen von 24 Firmen und Personen angeführt werden, die rein arischer Abkunft, zum Teil Mitglieder der NSDAP, sind. Die Zusendung der Berichtigung an die Zeitschrift „Deutscher Mittelstand" beweist, wie stark die Befürchtung wirtschaftlicher Schädigung durch irrtümliche Einreihung in die „Judenliste" bei den Betroffenen ist. Der Anzeigenteil der Nummer enthält über die ganzen Seiten laufende Schlagzeilen „M e i d e t die Juden!" und „Wer bei Juden kauft, ist ein Volksverräter!". Dem Geist dieser Parole entsprechen zwei Aufsätze, von denen der eine sich gegen die „Tarnun g" jüdischer Firmen durch die sogenannte Gleichschaltung, der andere dagegen wendet, daß nach Ausschaltung jüdischer Vertreter der schönen Literatur in den großen .Verlagsanstalten noch immer Werke jüdischer Wirtschaftsschriftsteller erscheinen. „Der Nationalsozialismus", heißt es in dem Artikel, „fordert von den deutschen Verlegern, daß sie auch auf dem Gebiet der Wirtschaft eine anständige Literatur hervorbringen"! Der Ueberschrift der anderen Notiz, ^Gleichschaltung, das beliebte jüdische Versteckspie 1", wird bezeichnenderweise der Untertitel „Auf Gleichschaltung aber folgt Nachschaltung!" beigefügt. Im Text heißt es u. a.: „Nach der Machtübernahme wurde in Deutschland die sogenannte Gleichschaltung jüdischer Firmen vorgenommen, eine durch Gesetzeskraft legitimierte wirtschaftliche Maßnahme, die das deutsche Volk von der jüdischen Ausbeutung, Gaunerei und Geschäftemacherei befreien sollte, Durch das deutsche Volk ging ein Aufatmen, glaubte es doch, daß Juden und Judenfreunden jetzt endlich die Möglichkeit genommen sei, das Volk

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