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Die neue Welt · 1934-08-17 · Heft 391 (17.8.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 391 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 391 Wie die Maschine den Dampf so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden. FRANZBRANNTWEIN mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege, und deshalb soll jeder DIANA- Franzbranntwein ständig benützen ÜBERALL ERHÄLTLICH! Der Kampf gegen das Parlament Die Judenstaatspartei Polens gibt ein Signal. Sie hat für den 14. August eine Tagung einberufen, auf der eine organisierte Aktion gegen den geplanten Gesetzgebenden Rat, das Parlament in Palästina, besprochen werden soll. Dieses Signal ist von eminenter Wichtigkeit. Es kündigt die Gefahr an, die dem jüdischen Jischuw in Palästina droht, und gibt gleichzeitig die Methode an, deren sich die zionistische Politik zu erfolgversprechender Abwehr bedienen kann Schon vor elf Jahren, während der Aegide des jüdischen Oberkommissärs Herbert Samuel, wurde die Idee der Errichtung eines Legislative Council für Palästina aufgeworfen. Damals waren es die Araber, die einem Parlament ohne konstitutionelle Rechte und mit Regierungsbeamten als ernannten Mitgliedern ablehnend gegenüberstanden und zum Beiseitelegen des Projekts beitrugen. Lord Chancellor ist im Jahre 1929, gleich bei seinem Amtsantritt, an die Vorbereitungen zur Parlamentsinstallierung geschritten. Die blutigen Augustereignisse machten einen Strich durch die Rechnung. Drei Jahre später erklärte der gegenwärtige Cberkommissär Sir Arthur Wauchope vor der Mandatskommission des Völkerbundes, daß die Einführung des Gesetzgebenden Rates beschlossene Sache sei. Auch sprach er von einem Termin nach den Stadtratswahlen. Die Verordnung betreffs der Stadtratswahlen erschien und tatsächlich haben bis auf Jerusalem und Haifa alle palästinensischen Städte die Wahlen durchgeführt. Die Angelegenheit des Parlaments ist also bereits höchst aktuell und die arabische Presse will wissen, daß im Mai 1935 das Parlament eingeführt werden wird. Diesmal stehen die Araber dem englischen Parlamentsprojekt nicht mehr ablehnend gegenüber. Die nationalistischen Führer erklären offen, daß das Parlament auch ohne Zustimmung der Juden installiert werde. In diesem Fall würde die Regierung die Vertreter jüdischer Interessen ernennen und über die jüdische Nichtteilnahme zur Tagesordnung übergehen. Wenn also die arabischen Führer im Begriff sind, ihre Non-cooperation-Politik aufzugeben, obwohl von einer konstitutionellen Form des Parlaments nicht die Rede sein kann, ja, wenn sie sich für eine aktive Politik entschlossen haben, so bedeutet das, daß sie sich im Rahmen der gesetzgeberischen Körperschaft einen weitgehenden Einfluß auf die Verwaltung Palästinas versprechen. Versprechen? Eher ist anzunehmen, daß die englische Palästina-Regierung den Arabern bereits Zusicherungen in diesem Sinne gegeben, sich sozusagen deren Zustimmung erkauft hat. Die positive Einstellung der Araber zum Gesetzgebenden Rat läßt nichts Gutes erwarten. In dem Stadium, in dem sich die Angelegenheit des Parlaments befindet, gibt es kein Bagatellisieren mehr. Zweifellos wird die endgültige Entscheidung schon in den nächsten Wochen fallen. Man weiß, daß der Oberkommissär eine diesbezügliche Beraatung mit dem britischen Kolonialamt in London haben wird. Das palästinensische Organ der Judenstaatspartei, „Iton Mejucha d", teilt mit, daß alle Vorbereitungen zur Errichtung des Parlaments getroffen sind. Ein Parlament, in welchem außer den englischen antizionistischen Beamten die arabischen nationalistischen Führer einen dominierenden Einfluß haben — abgesehen von der rein ziffernmäßigen Majorität der antijüdischen Elemente — ist natürlich für uns nicht annehmbar. Der Widerstand, der diesem Projekt entgegenzusetzen ist, muß in großem Maßstab organisiert werden. Denn es geht hier nicht allein um die Einschnürung, ja Bedrohung der jüdischen Interessen in Palästina, sondern um die Frage der ganzen Judenheit. Die Mandatsverpflichtung Englands berührt nicht bloß den jüdischen Jischuw in Palästina. Sie umfaßt alle Juden, die gewillt sind, sich Palästina als Nationalheim auszubauen. Ein Parlament im gegenwärtigen Stadium setzt Schluß der Einwanderung, Schluß dem Aufbau, Schluß jeder Hoffnung. Darum ist das Signal der Judenstaatspartei Polens die Einleitung einer Aktion von ungeheurer Bedeutung für die. Judenheit. der Welt. Ob die Juden wollen oder nicht Aus Jerusalem: Die arabische Zeitung „F a I astin" berichtet, daß der High Commissioner bereits Pläne zur Errichtung eines Legislative Council (Parlaments) im Laufe des nächsten Jahres, der Wahlen vorangehen werden, vollendet und daß das englische Kolonialamt seine Billigung hierzu bereits erteilt hat. Die Behörden warten nur auf die Beendigung der Wahlen zu den Jerusalemer und Haifaer Munizipalitäten in diesem Monat, um zum Entwurf der Abstimmungslisten zu achreiten, was Anfang September geschehen wird. Der Council, versichert die Zeitung, wird errichtet werden, ob die Juden es wollen oder nicht. Wenn die Juden sich weigern, Mitglieder in den Council zu wählen, werde die Regierung diese Mitglieder ernennen. Der Council wird sich wie folgt zusammensetzen: acht Moslems, vier Juden, zwei Christen und sechs ältere britische Beamte. Vorbereitungen für ein Palästina-Parlament Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Während sich hier die zionistischen Gruppen in unseren Kämpfen erschöpfen, geht die Regierungdaran, die Einrichtung eines Parlaments mit arabischer Majorität vorzubereiten. Sie arbeitet der Ausführung ihres Planes, welche wohl den schwersten Schlag gegen die jüdische Kolonisation bedeuten würde, systematisch vor. Wie die v om Führer der Juden staatspar tei Meir Großmann redigierte Tageszeitung „Iton Mejuchad" berichtet, ist die Regierung jetzt im Begriffe, einen aus ernannten Vertretern der Bevölkerung zusammengesetzten Advisory Council (Beratende Körperschaft) zu bilden. Er soll mit dem bereits bestehenden offiziellen Advisory Council, der nur aus Beratern (und zwar aus dem High Commissioner als Präsidenten und dem Chefsekretär, dem Oberstaatsanwalt, dem Sehatzmeister, dem Bodenkommissar, dem Polizeichef, den Direktoren der Regierungsdepartments und den Distriktskommissaren) gebildet ist, zusammenarbeiten, wie etwa das englische Unterhaus mit dem Oberhause. In kurzer Zeit soll an die Stelle des Advisory Council eine Legislative Assembly (Gesetzgebende Versammlung) auf Grund von Wahlen treten, also ein Parlament mit arabischer Majorität. iiepfiaslll ladet Sie höflichst ein! am Proterstem // // und Menschlichkeit Die französische Presse ist wegen der blutigen antijüdischen Ausschreitungen in Constantine in Verlegenheit. Es fällt ihr schwer, die Schuld der französischen Verwaltung Algiers festzustellen; aber ebenso schwer, sie von dieser Schuld freizusprechen. Im großen und ganzen macht sie den Militärgouverneur verantwortlich, verlangt strengste Untersuchung und Bestrafung der arabischen Pogrombanditen und Entschädigung an die Juden. Die einzige Ausnahme von dieser vernünftigen und anständigen Haltung macht die kommunistische Pariser Zeitung „Humanit e". Zunächst behauptet sie, daß der französische Imperialismus die Araber gegen die Juden aufgehetzt habe, damit er später die schärfsten Repressalien gegen die Araber anwenden könne. Es ist dies ein Gedankengang, der nicht sehr viel Logik bezeugt. Aber die „Humanite" geht noch weiter. „Kaum hat die Provokation eingesetzt", schreibt sie, „und kaum sind die Judenviertel zerstört und angezündet worden, erleiden schon die Araber von Constantine die schweren imperialistischen Repressalien. Die arabischen Viertel stehen sozusagen unter Belagerungszustand. Araber sind vom Militär getötet worden. Die Exekutive gibt einen Fall zu. Sicherlich gibt es mehrere." Mit welcher Fürsorglichkeit sich die „Humanite" des mordenden arabischen Mobs annimmt, während sie die zahlreichen jüdischen Opfer, die Kinder und Frauen mit den durchgeschnittenen Kehlen, nicht einmal der Erwähnung wert findet! Schließlich, in der Ausgabe vom 12. August, fordert die „Humanit6" unter dem Aufwand einer riesigen Text- Ueberschrlft die Freilassung der verhafteten 144 Araber, also auch derjenigen, die ihre Raubmorde bereits gestanden haben. Ob diese Haltung der sittlichen Weltanschauung der Humanite-Kommunisten entspricht oder ob sie hier nur Propaganda gegen die französische Regierung betreiben wollen, ist einerlei. Gewisse Teile der jüdischen Jugend, die allzu gern mit den kommunistischen Idealen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und — Menschlichkeit kokettieren, haben Gelegenheit,, diese Parolen mit der bolschewistischen Praxis zu konfrontieren. Ein katholischer Priester warnt In der „Jüdische Preßzentrale Zürich" schreibt unter dem Titel „Wege zur Ueberwindung des Antisemitismus" der Schweizer katholische Pfarrer Doktor Platzhoff-Lejeune Uber die Gefahr des Uebergreifens der deutsch-antisemitischen Bewegung auf die Schweiz. Br weist auf die große Gefahr hin, welche darin liegt, daß man überhaupt die Schule und die Jugend der Hakenkreuz-Agitation preisgibt. Wenn man d<Mi Dingen freien Lauf läßt, dann wird die nächste Generation die Entrechtung der Juden auf demokratischem Wege durchfühlen. Er schreibt u. a.: „Eine kürzlich ausgeführte Deutschlandreise hinterließ in mir den Eindruck, daß der Vernichtungskampf gegen das deutsche Judentum unentwegt weitergeführt wird . . . Weiter und weiter steckt man sich das Ziel der völligen Ausmerzung des Judentums aus allen Berufen . . . Noch schlimmer ist es, daß die so geschaffene Stimmung an der Grenze nicht halt macht, sondern in die Nachbarländer eindringt. Davon kann man in der Schweiz längst ein Liedchen singen. Es ist nicht damit getan, daß wir sagen, wir würden solche behördliche Maßnahmen niemals ergreifen. Wissen wir doch, daß in gewissen Kreism politischer Jugendorganisationen heute schon bestimmte Forderungen an die kantonalen Gesetzgeber gestellt werden. Eine Stimmung, wenn sie im Volke überhandnimmt, verlangt mit der Zeit ihre gesetzliche Sanktion und Fixierung. Gegen diese Stimmung müssen wir also ankämpfen, damit sie eingedämmt wird und keine Verheerungen anrichtet." „Es wird jetzt nötig sein, in der Schule gegen den Antisemitismus anzukämpfen, ihm in Lesebüchern, Diktaten, Aufsätzen, zumal in den Oberklassen, den Fortbildungsschulen, dem staatsbürgerlichen Unterricht usw. entgegenzutreten. Aber die Hauptaufgabe der Bekämpfung einer überhandnehmenden antisemitischen Stimmung in der Schweiz wird doch den Geistlichen katholischer und evangelischer Konfession zufallen. Sie werden in erster Linie darauf hinzuweisen haben, daß die christliche Religion sich für sie al3 eine Fortsetzung und Entwicklung des iraelitischen Glaubens darstellt und daß das jüdische Volk, wie kein anderes im Altertum, religiös, sittlich und sozial auf der Höhe stand, Dazu gehört die selbstverständliche Forderung, daß es auch heute noch unsere Achtung und Liebe verdient. Ein Hinweis im religiöisen Unterricht und in den Lehrbüchern auf das Judentum der Gegenwart in Europa, Amerika und Palästina sollte nicht fehlen." Brith a Sdhalom nTone Die hebräische Presse in Palästina ist erregt überdie „Menschenjagd", die von den arabischen Nationalisten im Interesse der Eindämmung der jüdischen „illegalen" Einwanderung systematisch betrieben wird. Die Palästina-Regierung, welche der unerlaubten arabischen Einwanderung an allen Grenzen keinerlei Hindernis in. den Weg legt, bedient sich des sogenannten arabischen Geheimdienstes, um ein paar jüdische Einwanderer abzufangen, einzusperren und zu deportieren, Dieser arabische Geheimdienst ist ein Schrecken für die „illegalen" Einwanderer geworden und die jüdische Presse Palästinas nimmt gegen die arabischen Jugendverbände, welche Spietzeldienste für die Engländer betreiben, entschieden Stellung. Damit ist die Berliner „Jüdische Rundschau" nichti zufrieden. In ihrer bis zum Selbstmord gehenden „Objektivität und Loyalität" verlangt sie Verständnis für die: arabischen Spitzel. Sie schreibt in ihrer Ausgabe vom 10. Juli: „Die arabische Aktion erschwert die illegale Einwanderung noch mehr. Aber ob dies ein Grund ist, nun die arabischen Jugendverbände herabzusetzen? Daß die nationalen Araber Gegner der jüdischen Immigration sind, ist doch bekannt; gegen die legale, von der Regierung bewilligte Immigration können sie sich nicht) wehren, aber was die illegale Immigration betrifft, so ist das Gesetz auf ihrer Seite, und es ist b e g r ei fi Ii c h, daß sie davon Gebrauch machen." Die „Jüdische Rundschau" findet es also in Ord« nung, daß die arabischen Jugendverbände das Gesetz gegen die illegale Einwanderung, das von der britischen Palästina-Administration geschaffen wurde, schützen, daß sie also Polizei spielen. Darüber, daß dieses Gesetzt einen Bruch der Mandatsverpflichtungen darstellt, regt sich die „Jüdische Rundschau", die letzte Hüterin des Brith-Schalom-Geistes, nicht auf. Die Hauptsache ist, daßi das „Gesetz" gehütet werde, das gegen die Juden gemacht wurde! Freiwillige arabische »Landeswachen« vergewaltigen jüdische Mädchen Aus Tiberias: Wie die in Tel-Awiw erscheinende Tageszeitung (Judenstaatspartei) „Iton Mojuchod«* berichtet, wurden an der Nordgrenze Palästinas nahe Kapernaum zwei auf einem Spaziergang befindliche jüdi« sehe Mädchen von vier Arabern aus dem Hauran, die sie aufforderten, ihre Pässe vorzuzeigen, attackiert und vergewaltigt. Die Mädchen fluchteten sich in ein jüdisches Haus und erzählten weinend von dem Vorfall, Die Namen der Mädchen werden aus begreiflichen Gründen nicht genannt. — Die Zeltung weist auf die Gefährlichkeit der Tätigkeit der sogenannten „arabischen Miliz" (freiwilligen Wachen an den Landesgrenzen) hin, dlo sich zu Verbrecherbanden zusammenrotten, welche unschuldige Menschen berauben und mißhandeln und so die Sicherheit de» Landes bedrohen. Bekanntlich haben die extremnationalistischen Araber diese „Miliz" gegründet, um die „illegale" jüdische Einwanderung zu bekämpfen. Bisnun duldet die Regierung diese« Treiben,

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