Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 390 (14.8.1934)
- Date
- 1934-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712013--4538-2718033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 390 DIE NEUE WfcLl Seite 3 daß die Partei des mächtigen und einflußreichen Nashashibi sich gegen die einzige große Partei in Palästina, die einzige sozialistische Partei, die jüdischsozialistischc Arbeiterpartei fAlapaj, bzw. Histadruth) wenden wird. Sozialismuß und linke jüdische Arbeiterpartei sind in Palästina identische Begriffe, denn es gibt keinen arabischen Sozialismus: Der Feind der neuen faschistischen Partei ist also der Jude. Schlußprögnööe: Eine, neue antisemitische Partei, weil in Palästina die „Linke ti" die „Repräsentanten" des jüdischen Volkes sind. Aktion für Frieden In der sionistfsdien Bewegung iftiss Jerusalem: Die Exekutive der Jcwlsh Agency hatte mit den Parteien der Mitte eine längere Bertttiitig, In der die innerzionistische Situation und die Möglichkeiten der Befriedung der zionistischen Bewegung und des palästinensischen Jlschtnvs erörtert wurde». An diesen Beratungen hatten sich die Arbeiterpartei und die Revisionisten nicht beteiligt. Kolossen für Getaufte Aus London wird unter dem 10. August berichtet: Vor einigen Tagen fand hier eine Täuflingen- Konferenz statt, auf der zahlreiche Länder vertreten waren. Der Zweck der Konferenz bestand darin, die Idee der Taufe zu verbreiten und Kirchen für Uebergetretene zu gründen, weil sich die Getauften in den gewöhnlichen Kirchen nicht wohl fühlen. Es wurde beschlossen, eine Kolonie für Getaufte in Palästina zu gründen, wo diejenigen untergebracht werden, die infolge ihres Ucbertritts arbeitslos geworden sind. Zu diesem Zweck wurden bisher 15.000 Pfund aufgebracht. Eine Zweite Kolonie derselben Art soll .vn Polen gegründet werden. Selbstverständlich geht es nicht nur darum, die Getauften zu .zentralisieren, sondern auch, die Taufidee unter den Juden zu verbreiten. Nach altem Muster setzt die Tätigkeit der christlichen Missionäre dort ein, wo das Elend und die Not der Juden den Verlockungen der Taufe, die mit Versprechungen auf Verbesserung des Loses verbunden ist, in weitem Maße entgegenkommen. Die Gründung der Täuflings-Kolonien kann also nur als eine neue Art missionarischer Versuche angesehen werder. Der südafrikanische Prozeß um die „Zionistischen Protokolle4« Aus Johannis bürg (J. T. A.): Der Herausgeber der Grauhemden-Zeitschrift „Rapport", David Hermanus 01 i v i e r, einer der drei Grauhemden-Führer, die sich vor dem Gericht in Grahamstown gegen die Beschuldigung der Verleumdung, begangen durch Veröffentlichung eines angeblich aus der Synagoge von Port Elizabeth entwendeten Dokuments, zu verantworten haben, das mit den sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion" in Zusammenhang gebracht wurde und aus dem das Vorhandensein eines Plans zur Erringung der Weltherrschaft hervorgehen soll, veröffentlicht eine Erklärung, in der er sich von der antisemitischen Grauhemden-Bewegung lossagt. In einer der letzten Gerichtsverhandlungen in dem Prozeß hatte Olivier erklärt, die ganze Geschichte mit dem Dokument erscheine ihm nunmehr lächerlich, früher aber habe er an sie geglaubt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Olivier die ehrliche Ueberzeugung habe, daß Inch (einer seiner beiden Mitangeklagten) kein Fälscher, Meineidiger und Intrigant sei, daß er diese Dokumente nicht selbst zusammengebraut habe, sondern daß sie echt seien, hatte Olivier geantwortet: „Ich darf keine Lüge in diesem Prozeß sagen. Glauben Sie nicht, daß bloße Gefühle sprechen können? Warum muß ich sie zum Ausdruck bringen?" Schon früher hatte der Angeklagte Inch, der behauptet hatte, das angebliche „Dokument" aus der Synagoge geholt zu haben, versucht, sich von dem Prozeß zurückzuziehen, indem er erklärte, die ganze Bewegung sei auf die' „überhitzte Atmosphäre" zurückzuführen. Der Vorsitzende erklärte jedoch, daß eine solche Zurückziehung in diesem Augenblick nicht mehr möglich sei. Das Urteil wird für die nächste Woche erwartet. 800. Geburtstag des Maimonides Aus Kairo: Jüdische Kreise in Kairo haben Vorbereitungen getroffen, um den 800. Geburtstag des Rambam (Rabbi Moses ben Maimon oder Maimonides) festlich zu begehen. Es wurde ein Organisationskomitee gebildet, das die Vorbereitung für die im März 1935 stattfindende Feier durchführen soll. Die Feier wird im Königlichen Opernhaus oder einem anderen großen Saal in Kairo stattfinden; es werden auch Gottesdienste in den Synagogen abgehalten werden. Rambams berühmtes Manuskript über „K i t a b A 1 - A k a k i r", das sich mit medizinischen Fragen beschäftigt, und andere seiner Werke sollen neu herausgebracht werden. Die „Soeiete d'Etude Historique de .Tuives d'Egypte", 12, Rue Zakki, Kairo, ersucht um diesbezügliche Vorschläge seitens jüdischer wissenschaftlicher Gesellschaften in der ganzen Welt. Kuba schickt einen Juden als Konsul nach Palästina Aus Havanna (J. T. A.): Roberto Namer, ein sephardischer Jude, wurde zum kubanischen Konsul in Haifa ernannt. Er ist der erste Jude, der im Dienste Kubas einen diplomatischen Posten bekleidet. Die fihlfoihen Frauen im Kerker von Bethlehem Aus Jerusalem: Nach Verhandlungen zwischen dem Jerusalcmer Komitee für Rechtshilfe an Einwanderer (Legal Aid for Immigrant» Cömmlttce) und dem Gencral- Inspektor der Polizei Roy S p i c e r wurden nunmehr den 32 jüdischen Mädchen, die Im Frauettgefäflgrtfs von Bethlehem untergebracht sind, Betten und Koscher- HOTEL EDEN ISCHL Lindaustraße Nr. 3 Balkonzimmer, Herrliche Lege / 3 Mahlzeiten S 7.50 inklusive Abgaben n a h f u n g gegeben. Die Mädchen haben alle höhere Bildung. Man halt oie für polnische Staatsangehörige, aber sie weigern sich, Ihre Nationalität zu nennen, in der Hoffnung, daß das völlige Fehlen von Dokumenten, aus denen Ihre Herkunftsländer ersichtlich sind, die Regierung zwingen wird, Ihnen zu gestatten, in Palästina zu bleiben. * Wochenlang schmachten die Mädchen in schmutzigen Löchern, zusammen mit gemeinen Verbrecherinnen, dem Abschaum des Orients, im Weibergefängnis in Bethlehem. Auf laueigem Stroh, elend verköstigt. Für welche Untat haben sie zu büßen? Daß sie als J U d i n n e n ins jüdische Land gekommen sind, das ist ihr Verbrechen! Jetzt, nachdem der Skandal ihrer Behandlung zum Himmel Schrie, gibt man ihnen Betten und für sie genießbares Essen. Aber, man läßt sie weiter im Kerker. — Welche Gnade! Die Juden und die LibanomRepublik Plan einer großen jüdischen Siedlung Die Libanon-Republik grenzt an den Norden Palästinas und umfaßt das alte Phönizien. Die Republik steht als Mandatsland unter französischer Oberhoheit. Die Möglichkeit einer jüdischen Kolonisation in diesem Gebiete wurde schon oft diskutiert. Nunmehr schreibt die in Jerusalem erscheinende englische Tageszeitung „Palestine Pos t", welche der britischen Palästina-Regierung nahesteht, über diese Frage: ,,In politischen und Wirtschaftskrisen der libanesischen Republik wird jetzt die Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung nach Libanon viel erörtert. Die Presse und die Bevölkerung sind scharf in zwei Lager geteilt, jedoch mehr aus nationalen und wirtschaftlichen als aus religiösen Gründen. Die eine Gruppe behauptet, daß jüdische Einwanderung der bereits heterogenen libanesischen Bevölkerung ein neues Element zuführen würde, das die Einheit und Solidarität stören könnte, die gegenwärtig für die Bildung eines nationalen Staates so notwendig sind. Sie spricht auch die Befürchtung aus, daß jüdische Kolonisation im Süd- Libanon (der die libanesisch-palästinensische Grenze bildet) einen Vorwand für diese Einwanderer geben wird, in Zukunft eine Vereinigung mit Palästina zu fordern. Hingegen meinen die Anhänger der jüdischen Einwanderung, daß das Land an Kapitalmangel leidet und der Zustrom von .50.000 Juden eine starke Belebung von Handel, Gewerbe und Industrie bedeuten würde. Durch die jüdische Einwanderung könnten Kapital und gelernte Arbeiter ins Ausland gebracht werden. In diesem Zusammenhang wird auf Palästina als ein Muster an Prosperität und auf den gegenwärtigen Budgetüberschuß der Palästina- Regierung' hingewiesen. Diese Gruppe ist auch der Ansicht, daß jüdische Einwanderung keine Gefahren mit Sich bringen würde, da die Balfour-Deklaration auf Palästina beschränkt ist und die Einwanderer in Libanon keine politischen Ziele verfolgen würden." „Die Geschäfts- und Bankkreise scheinen die jüdische Einwanderung zu begünstigen. In ihren Reihen ist keine Besorgnis Über eine zu erwartende wirtschaftliche Konkurrenz seitens der Juden; sie behaupten, datt erhöhtes Kapital und Arbeiter erhöhte Produktion und allgemeine Prosperität bedeuten werden. Die Bankiers weisen auf die Tatsache hin, daß libanesische Farmer und Hausbesitzer lokalen Banken über 220 Millionen Franken schulden. Wenn die3e Situation anhält, wird den französischen Bankiers nichts anderes übrig bleiben, als durch Beschlagnahme von mit Hypotheken belegtem Boden dieses Kapital zurückzugewinnen. Für den Plan der Einwanderung haben sich jetzt auch der Präsident der Republik, Habib Pascha Saad, sowie der maronitische Patriarch ausgesprochen." „Die Gegner der jüdischen Einwanderung sind hauptsächlich extreme Nationalisten, junge Aerzte, Anwälte, Ingenieure und Angehörige anderer freier Berufe, die jetzt arbeitslos sind und fremde Konkurrenz fürchten. Um die Befürchtungen dieser Opponenten zu besänftigen, haben die französischen Behörden ein Gesetz angenommen, das den Verkauf von Boden an der palästinensisch-libanesischen Grenze an alle Fremden verbietet, die nicht von den zuständigen Behörden Erlaubnis hierzu erhalten haben." „Palestine Post" meint abschließend, daß das Stimmungsbarometer jetzt zugunsten einer jüdischen Einwanderung steigt. Arahisdie Masseneuiwanderung in Palästina Aus Tel-Awiw: Auf der hier tagenden Konferenz des Rates der Histadruth Haowdim, des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverbandes Palästinas, wurde auch die Frage der illegalen Einwanderung von Arabern aus den. Nachbarländern eingehend erörtert. Der Leiter des Hauptarbeitsvermittlungsamtes, H. Frurakin, berichtete über die Zahl arabischer Arbeiter aus anderen Ländern. Die in der arabischen Presse genannte Zahl von 30.000 bis 35.000 ist nicht zu hoch gegriffen. Es handle sich hier um eine illegale Einwanderung. Hierzu führte der Referent noch folgende Einzelheiten an: In P e ta ch- Ti k w ah arbeiten 1400 Hauranier (Araber aus Syrien), die in den arabischen Dörfern der Umgebung wohnen. In Haifa arbeiten beim Straßen- und Häuaerbau allein 1200 arabische Ausländer; einschließlich der Träger, Hafenarbeiter usw. sind es mindestens 2000. In letzter Zeit hätten diese illegal eingewanderten Araber begonnen, auch ihre Frauen und Familien mitzubringen. In Tel-Awiw habe eine Zählung von 357 arabischen Arbeitern in der Baustoffindustrie ergeben, daß 273 von ihnen Hauranier sind. Der Redner kritisierte die Untätigkeit der Regierung gegenüber dieser illegalen Ein wander u ng und die Art, wie sie den Spieß gegen die illegal einwandernden Juden umdrehe. Er widerlegte auch das von der Regierung zur Begründung ihrer Einwanderungspolitik benützte Argument, ea könne zu einer Wirtschaftskrise unter der jüdischen Bevölkerung kommen, als irreführend. In Pflanzungswirtschaft, Landwirtschaft und Industrie bestünden noch große Reserven an Arbeitsgelegenheit für jüdische Arbeiter. Verbot der Auswanderung jemenitischer Juden nadi Palästina Aus Jerusalem: In Palästina eingetroffenen Meldungen zufolge soll Im am Jachja vom Jemen eint? Verordnung erlassen haben, durch die jemenitischen Juden v erböte n wird, nach Palästina auszuwandern. Die jemenitischen Juden, die während der letzten Woche die Reise nach Palästina angetreten haben, sollen fcezwun^n werden, nach Jemen zurückzukehren. Es heißt, daß die neue Verordnung auf den Einfluß des Großmufti von Jerusalem Hadsch Amin el Hussein!, des bekannten antizionistischen Hetzers und Veranstalter der Pogrome in Palästina, zurückzuführen ist, dessen Prestige nach seinen erfolgreichen Bemühungen um den Frieden zwischen Jemen und dem Reiche Ibn Sauds bedeutend gestiegen ist. Orangenpflanzungen auf Cypern — Eine Bedrohung der palästinensischen Wirtschaft Jaffa (Palnews). Nach Berichten aus Cypern nimmt der Landerwerb durch jüdische Hände zum Zwecke der Anlage von Orangenpflanzungen einen beachtlichen Umfang an. Die „Cyprus Farming Co." hat ungefähr 12.000 Dunam, die ,,Cyprus-Palestine Plantations Co." 400 Dunam erworben, über weitere 650 Dunam schweben Kaufverhandlungen mit einer anderen jüdischen Gesellschaft, auch von privater Seite sind einige hundert Dunam erworben worden. Die wirtschaftliche Veranlassung zu dieser Tendenz, den Orangenanbau von Palästina aus auf Cypern auszudehnen, liegt in der Imperial Preference (Vorzugszoll) , die Cypern als britische Kolonie genießt, weiterhin in den niedrigen Bodenpreisen auf Cypern und drittens in den niederen Arbeitslöhnen begründet, die an die einheimischen Arbeiter gezahlt werden. Wenn diese Tendenz zur Anlage von Orangenplantagen auf Cypern auch noch in den Anfängen steckt und für die nächsten Jahre durchaus keine unmittelbare Gefahr für die palästinensische Citruswirtschaft entstehen kann, so stellt sie dennoch aur weitere Sicht eine ernsthafte Bedrohung der palästinensischen Wirtschaft dar, über die man sich klar werden muß, bevor es zu spät wird. Wissen Sie schon, daß Sie nur noch 5 Tage Zeit haben, die ungewöhnlich billigen Preise der berühmten „Wirtschafts-Woche" bei Schiff mann auszunützen? Er, wäre schade, diese große Kaufgelegenheit für Weißwaren, Haus- und Bettwäsche, Haus- und Küchengeräte, Vorhänge usw. zu versäumen. Sie ersparen bei jedem Einkauf viel Geld! Gleichzeitig wird in dieser Woche der große „R e s t e n - V e r k a u f" fortgesetzt. Tausende Reste in Uni- und Imprime-Wasch- und Seidenstoffen (Kretonne, Voile, Etamine, Dirndl-Zephire, Waschseide, Crepe-Mongol, Flamisol usw., Reste von 1 bis 5 Meter) werden tief unter Normalpreis abgestoßen. Mittwoch (Feiertag) kein Verkauf. Sparsame kommen zu Schiffmann, II., Taborstraße 48.