Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 390 (14.8.1934)
- Date
- 1934-08-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 390 Die Jarkomfadt Von Dr. Israel Zwi Kanner (dzt. Tel-Awiw) Den Namen Tel-Awiw hat bekanntlich Nachum Sokolow zur Uebersetzung des Herzischen „Altneuland" verwendet. Später wurde davon der Name der neugegründeten Stadt bei Jaffa genommen. Aber nur wenige haben beachtet, daß der Name Tel-Awiw bereits In der Bibel vorkommt. Am Strom Chebar, wo Jecheskel die Weggeführten Israels aufsuchte, lag Tel-Awiw, die Stadt der zehn Stämme Israels (Jech. 3/15). Der Stadt Tel-Awi In Georgien liegt das historische Tel-Awiw zugrunde. Vor wenigen Jahren noch war Tel-Awiw eine Kleinstadt, in der die weißen Arbeiterblusen und die kurzen Hosen der Chaluzim vorherrschten. Ein Jude aus Odessa war hier der erste Bürgermeister, nach ihm ist heute die größte und breiteste Straße benannt. Die erste Straße bekam den Namen H e r z 1 s und das erste öffentliche Gebäude war ein Gymnasium. Das Wappen der Stadt trägt die Inschrift: Ewnejch w' niwnejt (Jir. 31/3, Kaum begonnen, schon erbaut). Ein Spaziergang durch die Straßen der Stadt. Jedes Haus hat eine besondere Bauart. Man glaubt, daß dies etwas zu bedeuten habe und ist erstaunt, wenn man erfährt, daß es sich bloß um irgendwelche Privathäuser handle. Tel-Awiw entwickelt sich in amerikanischem Tempo und wirkt durchaus als Weltstadt. Jede Hauptstadt hat ihren Fluß. Wenn man von der Donaustadt spricht, versteht jeder ohne Zweifel Wien darunter, die Hauptstadt Oesterreichs, durch deren Mitte die Donau fließt. Was ist die J a r k o n s ta d t? Nun, der Jarkon liegt im Norden von Tel-Awiw. Zur Zeit der Tarucha (Messe) hatte das Ausstellungsgebäude seine Ufer bereits erreicht. Schon beginnt man jenseits des Flusses Boden anzukaufen. In einigen Jahren wird man zu beiden Seiten des Jarkonflusses am Kai spazieren gehen. Die Jarkonstadt ... Und wenn einst Tel-Awiw die erste Einwohnermillion erreicht haben wird, dann ist Jaffa nur mehr das arabische Viertel einer jüdischen Stadt. Tel- Awiw ist schon heute imstande, Jaffa zu verschlingen. Einige Theaterstücke haben bereits die Austrocknung eines Teiles der angrenzenden Meeresfläche zum Motiv. Niemand hat hier den Beruf, den er in der Galuth ausgeübt hat. Ein gewesener Holzhändler ist Hotelbesitzer, ein Bankbeamter sein Portier. Kurz: eine vollständige Umwertung der Werte. Trotzdem merkt man den Menschen Glücksgefühl, Selbstbewußtsein und Zukunftshoffnung an. Die Jugend ist selbstbewußt, stolz in ihrem Auftreten, nicht schamhaft. Der Neuankommende hält 3ie im ersten Augenblick für trotzig und keck, später aber merkt er, daß all die Jungen in ihrem Innern gutmütig sind und nennt sie scherzhaft Zabres (Kakteen), die stachelig sind, deren Frucht aber äußerst gut ist. Das Tragen von Kopftüchern ist eine bereits ausgeprägte Erscheinung in der Kleidung jüdischer Backfische, wie das Tirolerhütchen in den Alpenstädten. Vereinzelt tragen auch jüdische Frauen Schleier. Nachahmung arabischer Sitten? Schutz der Keuschheit? Nein, Schutz vor der Sonne. Das wird auch der ursprüngliche Grund des Schleiertragens im Orient gewesen sein. Tel-Awiw ist eine Stadt, in der der Jude am freiesten seinem Unmut gegen die Mandatarmacht Ausdruck geben kann. So konnte ein englischer Richter im Zusammenhang mit der Feststellung, daß neunzig Prozent aller Fälle sich auf politische Zusammenstöße beziehen, in einem Urteilsspruch sagen: „Tel-Awiw ist die schlimmste Stadt am Mittelmeer". Jüdisches Temperament, jüdisches Zelotentum ... Im Anfang war Tel-Awiw als Gartenstadt gedacht. Und tatsächlich wurde vor jedem Haus ein Garten angelegt. Seitdem aber die Bodenpreise in die Höhe geschossen sind, verkaufte jeder seinen Gartenplatz als Bauplatz. So ist Tel-Awiw um etwas geplant Schönes gekommen. Die Benennung eines der schönsten Plätze in Tel- Awiw nach Herbert Samuel, der die jüdischen Interessen in Palästina in schändlicher Weise verraten hat, zeugt von Ghettogeist im jüdischen Nationalheim. Berliner, die ihr gewesenes Wohnland nicht vergessen können, nennen die verkehrsreichste Kreuzung der Stadt einfach Potsdamer Platz. In ganz Tel-Awiw gibt es einen einzigen öffentlichen Anstandsort. Diesen Platz auf der Kreuzung Allenby und Nachlath-Binjamin-Straße nennt der Volksmund scherzhaft nach dem Bibelwort „Wajitapek Haman" (Haman hielt sich zurück). Hier ist der Sabbath das, was er sein soll, nicht religiöses oder rituelles Gebot, sondern ein wirkliches Bedürfnis, nach sechs Wochentagen — ein Innehalten, ein Sichbesinnen, ein Ruhetag. Tel-Awiw ist der Mikrokosmos eines jüdischen Nationalheims. Ein zufälliges Symbol dafür sind die Initialbuchstaben der Stadt T. A., die Anfangs- und Endbuchstaben des hebräischen Alphabets. Eine jüdische Werft in Haifa Aus Haifa: Zwei vor kurzem aus Java nach Palästina eingewanderte Juden, I. Goldberg und Hillel Frankel, beabsichtigen, in Haifa eine Werft für Renn- und Motorboote für Handels- und Luxuszwecke sowie für Fischerboote zu errichten. Die vorbereitenden Arbeiten zu diesem neuen Unternehmen, In dem voraussichtlich viele Arbeiter Beschäftigung finden Verden, wurden bereits in Angriff genommen. Nur noch 4 Tage Seltene Gelegenheitskäufe: für sparsame Hausfrauen, Wirte, Hotellers usw. Verkauf — soweit Vorrat i Küchcnscräte: Kaffeemühle mit Messinjrtriehter S 2'00, BröSelmUhle mit Doppelreiher, weiß oder blau lackiert. . J . r'tf , . , , S Wassereimer, feaerverzinnt, W «u 7 T *' v •'. S Mop (Wollbesen) mit langem Stiel S 3-90, Handmop............,», S Fleischmaschinen „Darling Nr. 1", feinst verzinnt V S KÜChenWaage mit Messingschalen A 5 Kilogramm S 5*90, 8 Kilogramm S * Wandkaffeemllhle, modern dekoriert, gute Qaalttlt. . S (bis Samstag, 18. 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Die neue Strumpffabrik „Gerev" hat in den letzten Wochen die Produktion zunächst in kleinerem Maßstab mit vier Maschinen aufgenommen. Zurzeit werden 24 Arbeiterbeschäftigt. Die Produktionskapazität soll aber zum Winter wesentlich erhöht werden( die Arbeiterzahl soll auf zirka 60 steigen. Die Färberei erfolgt durch die Textilfärberei „Keshet". In das Unternehmen sind 14.000 pal. Pfd. investiert. Automobilverbindung Bagdad—Haifa — 36 Stunden Fahrzeit Haifa (Palnews). Nach einer Reihe von Versuchsfahrten wird, nunmehr der Autodienst Haifa—Bagdad mit einem lXO-PS-Spezialwagen aufgenommen. Das Auto fährt Montag 6 Uhr vormittags von Bagdad ab und trifft nach 36stlmdiger Fahrzeit in Haifa ein, die Abfahrt in Haifa findet Donnerstag eine halbe Stunde nach Ankunft des Zuges von Kantara statt. Das Auto trifft Freitag zwischen 8 und 9 Uhr in Bagdad ein. Die 640 Meilen lange Strecke führt über Tiberias—Samakh— Jisn al Majami'l—Erbid—Mufraq—Rutbah. Die Palästina-Regierung hat zugesagt, den Straßenabschnitt zwischen Erbid und Mufraq, der sich zurzeit noch nicht in gutem Zustand befindet, sofort in Ordnung bringen zu lassen. Das für diese Linie gebaute Spezialfahrzeug enthält 6 Pullman- und 10 I.-Klasse-Sitze und Kühlanlage für Wasser und Lebensmittel, die Bedienung erfolgt durch einen Steward. Der Fahrpreis beträgt 6 pal. Pfd. für den Pullmansitz, 5 pal. Pfd. für die I. Klasse. Die jugoslawische Holzausfuhr nach Palästina steigt Aus Belgrad: Das Institut zur Förderung des Außenhandels und das Jugoslawisoh-levantinische Wirtschaftskomitee haben durch ihre Vertreter auf der Lcvante-Messe in Tel-Awiw die dortigen Importeure füc das Holzgeschäft mit Jugoslawien interessiert. Jugoslawien hat tatsächlich bedeutende Aufträge für Bauholz und Orangenkisten bekommen. Auf Vorschlag des Jugoslawisch-levantinischen Wirtschaftskomitees wurde die Firma Jugolevant A.-G. in Zagreb als jugoslawische Verkaufs- und Vermittlungsstelle für die Ausfuhr nach der Levante gegründet. Sie ermöglicht den jugoslawischen Exporteuren einen ebenbürtigen Wettbewerb. 1932 betrug die jugoslawische Holzausfuhr nach Palästina 578 Pfund, 1933 betrug sie bereits 10.000 Pfund! Sie hat sich also in einem Jahre verzwanzigfacht. Die „Jugolevant" hat bereits eine Filiale in Palästina. Wahlvorschlag zu den Jerusalemer Stadtratswahlen Aus Jerusalem: Für die bevorstehenden Wahlen zum Stadtrat von Jerusalem ist eine provisorische jüdische Einheitsliste von sechs Kandidaten zusammengestellt worden. Für die Wahl werden vorgeschlagen: A. Elmaleh (Sepharde), J. Ben Zwi (Arbeiterpartei), Bankdirektot Josef Hachmaschwili (Sepharde, Agudath Israel), Rechtsanwalt Daniel Auster (AUg. Zioniat), Samuel Eden (Agudath Israel) und eine noch zu benennende Persönlichkeit. Wie es heißt, wird die Arbeiterpartei sich an der Einheitsliste nicht beteiligen, falls ihr nicht ein zweiter Vertreter zugestanden wird. Eigentümer, Verleger, Herausgeber uod verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat ^?^^trlck^V~ Druck": Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide WJei 2j^^t£ 5^ÄfciV^4rÄ^fc4e,4d(Äi4VÄi^Ä