Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 389 (10.8.1934)
- Date
- 1934-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712012--4530-2718024- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 4 DIE NEUE WELT Nr. 389 Die Kt J '^■r ••"<•' A ' KA 1 J tl 1 guten Neud« Q^g^^uio^^Qtorrßß^Jcn u len billige* v /v iVIlljJ-'y^e^^ergaijg' Iflf; tetepKofi .■ B-46-5-72 und ln»-i '.Höh Wien, Niea»i8ilerr*fdi- fclfeMfitth«»* LehH.'nwt ■•'V ' •"• .<■ ■■' . . Zionistische Parteien mi'l doppelter Buchhaltung! Von N. Vardi Herr Ben-Gurion, Führer der sozialistisch-zionistischen Arbeiterschaft und Mitglied der Zionistischen Exekutive, veröffentlichte vor kurzem ein Kommunique, in dem er in überaus warmen Worten an das jüdische Nationalgefühl appelliert. Er führt darin bittere Klage gegen diejenigen jüdischen Kolonisten, welche statt jüdischer arabische Arbeiter beschäftigen. Fremde Arbeit, aagt Ben-Gurion in seinem Kommunique, bedeutet die Sistierung der jüdischen Einwanderung. Unsere Zukunft in Palästina sei davon abhängig, ob jüdische Einwanderer in Palästina Beschäftigung finden. Die Einführung arabischer Arbeit in jüdischen Kolonien würde die Einwanderung aus den benachbarten arabischen Ländern nur fördern . . . So viel — Ben-Gurion. Und nun ein kleiner Auszug aus der Wochenschrift des palästinensischen Kolonistenverbandes ,,B u s t e n a i" (vom 20. Juni d. J.). Das jüdische Palästina, führt „Bustcnai" aus, sei bereits so weit, daß jugendliche jüdische Arbeiter, deren erfolgreiche sozialistische Erziehung aus der Tasche der zionistischen Landesorganisationen bezahlt wurde, ihre arabischen Klassengeiiofsen durch intensive Propaganda dahinbringen, Klassenkämpfe in den jüdischen Kolonien zu proklamieren. Diese arabisch-jüdischen Klassenkämpfe seien durch nichts von den bewährten Klaesenkampfmustern zu unterscheiden: Streiks, Streikposten, Zeitvergütung usw. Hiebei «jört man vom „Dawar", dem Organ der Histadruth, kfiu eindeutiges Wort. Doch ist zu sehen, daß seine wirklichen Sympathien auf seiten der streikenden Araber liegen. Noch interessanter ist die Stellung des „Haschomer Hazair" und der linken Poale-Zion, die beide zu den Verbündeten des „Dawar" gehören. Diese tragen ihre Freude über die arabischen Kämpfe in jüdischen Kolonien offen zur Schau, indem sie die streikenden Araber durch finanzielle Unterstützung kräftigen. Die „Erziehung des arabischen Arbeiters, unseres Leiden»sbruder3", liegt scheinbar im direkten Aufgabenkreis dieser Zionisten. So der „Bustenaz", aus dem zu ersehen ist, daß die proletarische, klassenbewußte jüdisch-arabische Kampfgemeinschaft im Kommen ist. Dieses Dopelspiel des „Mapaj" (Jüdische Arbeiterpartei Palästinas) darf ruhig als unsaubere Machenschaft bezeichnet werden. Während er in Palästina eine einseitige Klassenpolitik führt, mit dem arabischen Arbeiter paktiert, ihn organisiert, erzieht und „aufklärt", seine Streiks in den jüdischen Kolonien bezahlt, für die antizionistische Losung des „Irgun Meschutaf" (gemeinsame Kampforganisation der jüdischen und arabischen Arbeiter) eintritt, legt er gleichzeitig die Dreistigkeit an den Tag, an die „nationalen Gefühle" und das „nationale Einheitsbewußtsein" der gesamten jüdischen Öffentlichkeit zu appellieren, wie es neulich Herr Ben-Gurion tat... Ein unwürdiges Spiel. Die Herren sollten sich einfür allemal entscheiden. Wenn sie wirklich eine nationale Einheitsfront mit den anderen Volksschichten haben wollen, so müßten sie das Liebäugeln mit der Internationale und die systematische Aufhetzung arabischer Arbeiter gegen die jüdischen Arbeitgeber aufgeben. Wollen sie umgekehrt eine Klassenfront mit den Arabern, so mögen sie Worte, wie „nationales Gefühl" und „nationales Selbstbewußtsein", aus ihrem Lexikon entfernen. Denn es geht wirklich nicht an, eine Einheitsfront mit dem arabischen Arbeiter gegen den jüdischen Arbeitgeber zu schließen und gleichzeitig eine Einheitsfront m i t dem jüdischen Arbeltgeber gegen den arabischen Arbeiter anzustreben ... Mit dieser „doppelten Buchhaltung" müßte Schluß gemacht werden. * Seit Jahren legt Herr Jabotinsky, das Haupt der revisionistischen Gemeinde, demokratische Bekenntnisse ab. Er erachte die Demokratie als die „immerhin beste Verwaltungsform": FaBChjsmu« »ei Götzendienst; „das liberale Zeltalter, dem i c h angehöre", würde seinerzeit alle vom unglückseligen „Fuhrer"-Prinzip Besessenen aus dem öffentlichen Leben verjagt haben, weil e« sich hier um ein „schädliches Prinzip handelt, das imstande ist, ein ziviliertes politisches Leben zu vergiften", und weil „nur eine wilde Oqhsenherde «inen Führer benötigt". (V, Jabotinsky, „Aleph-Beth", in der „Zukunft" vom 20. Juni 1027.) Alles wäre soweit in Ordnung. Aber es stellt sich Die schönsten Palästinareisen zu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landarrangement allmonatlich Einzelreisen zu Qriginalprillen Auskünfte und Prospekte; RlflSCBÜRQ „MAItlfNtltUCKI" (Palastinadienst. Leitung: BERTA TAUBES WIEN,!„ ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R 2^2«86, R-24-2,87 heraus, daß im demokratischen Schrank des Revisionismus manches waschecht faschistische Stück zu finden ist. Nr. 1: Herr Dr. Wolf gang Weisl verlangt, daß die revisionistische Bewegung nach den Grundsätzen faschistischer Verfassung umgebaut werde, daß dem „F (Ihre r" das Recht gegeben werde, gegebenenfalls selbst die Parteikonferenz aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben; daß ferner die Landesführer der Union vom höchsten Führer („Volksführer") und die Ortsgruppenführer vom Landesführer in ihren Aemtern bestätigt zu werden hätten usw. Eis handelt sich hier somit um jenes „Führer"-Prinzip, das „ein zivilisiertes politisches Leben zu vergiften imstande ist", weil es eher der Mentalität einer „wilden Ochsenherde" entspricht. Die revisionistische Presse („Moment" usw.) bringt aber die Propositionen VVeisls in großer Aufmachung, ohne daran irgend welche Bemerkungen oder Reservationen zu knüpfen. Nr. 2: In der revisionistischen Union finden Gruppen Platz, die den vollen Verzicht auf Demokratie und Volksherrschaft zugunsten des „Führers" in aller Offenheit predigen. Herr Achi-Meir, der ein begeisterter Anhänger des europäischen Faschismus ist und für die Einführung faschistischer Methoden im Zionismus plädiert, ist das geistige Haupt dieser Gruppen. Er hatte seinerzeit dadurch Aufsehen erregt, daß er die faschistische These in einer Artikelserie („Aus dem Tagebuch eines Faschisten"} im .Jerusalemer „D o a r Hajom" zu begründen versuchte. Nun ist es bemerkenswert, daß gerade dieser Herr Achi-Meir in der revisionistischen Union weiter bleiben darf und vom Führer mit dem Titel „Unser Schweden-Kino, II. Bezirk, TaborstroB« Nr. 1 Ab Samstag, den 11. August, täglich: Das große Eröfffnungsprogramm Stan Laurel und Oliver Hardy so lusiig wie noch nie und das besonders reichhaltige Vorprogramm BeaJnn: 1 4, V26, MO Uhr Lehrer und Wegweiser" („Morenu we-rabenu Achi-Meir") beschenkt wird. Daraus kann nur die Schlußfolgerung gezogen werden, daß sich die revisionistische Praxis von manchen revisionistischen Bekenntnissen wesentlich unterscheidet. Nr. 3: Die J. T. A. meldet, daß eine Delegation des palästinensischen Betar dem faschistischen Jugendstab in Rom einen Besuch abgestattet habe. Die faschistische Jugendorganisation Italiens ließ der Betar- Delegation die allergrößten Ehrungen zuteil werden und stellte den Gasten einen offiziellen Cicerone zur Verfügung, der sie auf ihrer weiteren Reise durch Italien begleitete. Was bedeutet das? Wohl eine Demonstration faschistischer Gedankengänge, die „das liberale Zeitalter, dem ich angehöre", aus dem öffentlichen Leben getilgt haben würde. Auch hier „doppelte" Buchhaltung, die einen Krebsschaden am Zionismus bedeutet. Von der tsdheshoslowakfisdten ludenslaalsparlea Die Landesleitung der Judenstaatspartei für die Tschechoslowakei teilt mit: Das geschäftsführende Mitglied unserer Landesleitung, Herr Oskar He r l i ri g e r, hat Mör. Ostrava verlassen, um sich nach Erez Israel zu begeben. Wir benützen diese Gelegenheit, um Herrn Herlinger für seine ununterbrpehenen Bemühungen im Dienste der Judenstaatspartei und somit des Zionismus auf dem Gebiete der Tschechoslowakischen Republik unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Herr Herlinger hat in musterhafter und vorzüglicher Weise die gesamte Propaganda und Organisation geleitet. Die Landesleitung hat Herrn Oskar Herlinger mit Rücksicht auf seine Abreise über »ein Ersuchen von der Geschäftsführung Dispens erteilt. Mit dem gleichen Eifer wie bisher wird die Landesleitung ihre weiteren, bereits angekündigten Aktonen durchführen, damit die Werbe- und Aufbauarbeit des Herzl-Zionismus, dessen Repräsentantin unsere Partei ist, auch weiterhin von Erfolg begleitet ist, Wir wünschen unserem Freunde Oskar Heriingcr viel Glück in unserer alt-neuen Heimat. Gleichzeitig geben wir unsere neue Adresse bekannt: Mor, Ostrava, Grünwaldova 27, c. o. Dr. E. Fischel. Frau Dr* Blauer gestorben Mittwoch, ,am 8. August, wurde in Wien Frau Doktor Gisela Blauer zu Grabe getragen. Die Verbliohene hat mit größter Hingabe der zionistischen Sache gedient und gehörte zu den unermüdlichsten und opferwilligsten Arbelterinnen in der zionistischen Frauenorganisation. Ihr Hingang bedeutet für ihren Gatten, unseren Gesinnungsgenossen Dr. Nfthum Blauer, einen überaus ßchmerzlichen Verlust. Wir nehmen Anlaß, ihm unser herzlichstes Beileid auszudrucken. Josef Löwenherz SO Jahre alt Es gibt in jüdischen und zionistischen Kreisen wohl niemand, der die Verdienste des jetzt 50 Jahre altgewordenen Dr. Josef Löwenherz nicht voll anerkennt. Denn hier geht es nicht um eine anonyme Kleinarbeit, sondern um die Tätigkeit eines Mannes, der seit Jahren im vollen Licht der Oeffentllchkeit steht. Als Organisator, als Fachmann auf dem Gebiet der Fürsorge und des Kredit- und Finanzwesens hat Doktor Löwenherz als Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde seinen Mann gestellt. Vorbildlich sind seine Bemühungen um die Führung der Wiener Judengemeinde. Dr. Löwenherz hat sich seine Arbelt nicht leicht gemacht. Sein Arbeltseifer half viele Hindernisse, Schwierigkeiten, ja Krisen überwinden, und wenn heute allseits das Vertrauen zu ihm und zu »einer Arbeit in der Gemeinde anerkannt wird, so kann dies nur das Resultat seines eigenen Wirkens sein. Dr. Löwenherz, zionistischer Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, hat in allen Kreisen der Wiener Judenheit Freunde zu verzeichnen. Sein Optimismus, verbunden mit dem Blick aufs Ganze, hat ihm die Kraft bewahrt, auch im 6. Dezennium seines Lebens unverbraucht der jüdischen und zionistischen Sache zu dienen. Wir wünschen ihm für seine Arbeit vollen Erfolg. wm sm 10 Tribüne Unheilvolle Zersplitterung. Wir erhalten aus Marienbad folgende Zuschrift: „Die Veranlassung zu diesem Schreiben gab mir ein Besuch des Tempels hier in Marienbad. Es wirkt erhebend, wenn man sieht, daß der Tempel — er faßt zirka tausend Personen — nicht nur voll besetzt ist, sondern daß viele Männer und Frauen dem Gottesdienst stehend beiwohnen müssen. Aber es überkommt den Beschauer ein deprimierendes Gefühl. Hier im Tempel stehen wir zusammen .und draußen? In der Welt gibt es unter den Juden nichts als Zerwürfnisse, Zersplitterung. Warum?, Weil die Juden — leider Gottes — überall dort sein wollen, wo sie nicht hingehören. Früher bei der Assimilation, jetzt beim Klassenkampf. Sozialdemokraten, Revisionisten, Orthodoxe, Gemäßigte, Allgemeine und noch viele andere Gruppen gibt es. Alle behaupten, daß ihnen das gleiche Ziel vorschwebt, und jede behauptet, sie sei einzig und allein dazu berufen, uns Palästina zu erkämpfen. Aber solange der Geist des Klassenkampfes herrschen, solange der Kongreß nicht den Beweis erbringen wird, daß alle Zionisten an einem Strange ziehen, solange kann Palastina nicht unser Land werden. Es ist ja unleugbar, daß wir viel, sehr viel in Palästina erreicht haben. Aber wie weit sind wir noch von Herzls Judenstaat! Auch in Palästina sind wir heute nur geduldete Menschen, abhängig von der Laune dos jeweils Herrschenden. Wo bleibt der weise Führer, der die verblendeten Führer wieder auf den richtigen Weg bringt, auf den Weg zu Herzl, zum Judenstaat, zur nationalen Einigkeit? Natalie Kolb-Pollak. Landeskonferenz der Judenstaatspartei der Bukowina. Am s. Juli fand die Landeskonferenz der Judenstaatspartei statt. Es wurde die folgende Parteileitung gewählt: Als Präsident: Herr Adv. Josef Mann, Vizepräsidenten: Herr Dr. Chaim Gelber, Herr Leib Weidenfeld, Herr Jakob Rosenblatt, In die E x e k utive die Herren: Koppelmann Philipp, Rosenblatt, Benjamin, Prof. Sommer Israel. Adv. Steinmetz Siegmund, Leißner Hermann, Adv. Wolf Schalom, Sonnenfeld Willi, Keimer Samuel, Feder Emanuel, Hecht Osias, Fleischer Markus. In den Parteirat die Herren; Ing. Melzer, Dr. Hulles, Adv. Schmidt, Singer, Schwarz, Ing. Tisch, Reder, Dr. Reif, Birnbaum, Engler, Haber, Rosenkranz, Fläpan, Grünberg, Barasch L., Stein, Bader, Trebitsch, Sternberg, Mück, Pohoriles, Nachmann, Frl. Kinabrunner, Blum, Heitmann. In den Parteirat aus der Provinz: Wiznitz: Herr Redakteur Leßner, Storojineti: Herr Israel Lobel, Radauti; Herr Leo Neumann, Suceava: Herr Direktor Dechner, Dorna; Herr Markus Margulies, Kimpolung: Herr Ing. Katz, Herr Meth, Sereth: Herr Aron Landau, Herr Jakob Margulies, Herr Bolopolskl. Zu Revisoren die Herren: Leib Weidenfeid, Philipp Koppelmann. Ina Partaigericht: Vorsitz: Herr Max Kiwe. Mitglieder: Herr Prok. Jakob Keller, Herr Adv, Siegmund Steinmetz, Ing. Melzer, Herr Dr. Reis. Phantasien eines Wiener Realisten. Unter diesem Titoi veröffentlichten wir in unserer letzten Ausgabe eine Glosse, die sich mit der zum TeU unwahren, zum Teil Übertriebenen Berichterstattung eines Herrn Sch. Leonofsky (Wien) für das New-Yorker „Mor« ning Journal" beschäftigte, Herr Leon Schallt, der um der Urheber dieser Berichte zu sein schien, erklärte uns, daß er bereits seit zweieinhalb Jahren für das „Morning Journal" nicht mehr tätig ist. Das Pseudonym Sch. Leonofsky wurde also von einem Anonymus gewählt, dem eine Verwechslung mit Herrn Leon Schalit, dem Schriftsteller von Ruf, nicht unangenehm war. Dies© Feststellung wird nunmehr jedes Mißverständnis in dieser Sache) beseitigen. Jüdische ICuHiirstelle (KuiiHtritttlle), II., AspernbrUekongaHHe 2, Tel. A-48-2-91. Den Mitgliedern »tenen ermäßigte Karten für alle im Betrieb bfcl'indlleheu Theater zur Verfügung. ..... ReiseUienst tAgllch von 5 bis ö Uhr. * . REISSN der J-Ka: Wen - Warna - Konslaminopel - Atbsn - Belgrad -Wien Vh Wochen ABFAHRT 19. AUGUIT SV* W«dl«H Fahrt....................S139.- Canze Fahrt mit Verpfl, von WarncwBdlßrad S210»» PALÄSTINA /1. Sept. Witn~Haita~Wi«n S 380.. AuskUnftet Jud. Kulturstellt, II, AipernbrUcktngdsi« t van jOJ)is halb 1 und 5 bi* ß Uhr Telephon R-48-2-91