Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 389 (10.8.1934)
- Date
- 1934-08-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 380 DIÄ NEUE WSL'x. Seite 5 AUS PALÄSTINA Traitijordanfen und Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Man erfährt hier aas sicherer Quelle, daß ein Teil Transjordaniens wieder mit Palästina vereinigt und für die jüdische Einwanderung geöffnet werden soll. Dieser Beschluß soll in London während des Besuches Emir Abdallahs von Transjordanien gefallen sein. Jetzt werden sensationelle Einzelheiten Uber die Unterhandlungen bekannt, welche der Emir mit der britischen Regierung geführt hat. Der Plan des Emirs Abdallah, Palästina mit dem ganzen Transjordanien zu vereinigen und Ihn zum König über beide Länder zu erklären, ist abgelehnt worden. Die britische Regierung war bloß einverstanden, ihm eine Anleihe zur wirtschaftlichen Verbesserung Transjordaniens zu geben. Hingegen mußte Emir Abdallah die Zustimmung geben, daß ein Teil seines Gebietes mit Palästina vereinigt werde und Transjordanien selbst neur Grenzen erhalte. Dienstag/ den 14. August (Abschluß der Scheloschirn), halb 8 Uhr abends, findet im Tempel, XX, Kluckygasse 11, ein feierlicher Trau ergotfesdien§t €h* N* Bialik statt Gegen die yemenitischen Jaden Der Imam von Yemen hat eine Verordnung veröffentlicht, laut welcher den yemenitischen Juden verboten wird, nach Palästina zu reisen. Die Verordnung wurde dem Großrabbiner von Yemen, Jechia Abiad, mitgeteilt. Die yemenitischen Juden, welche im Laufe der letzten Woche gefahren sind, werden zurückkehren müssen. Man nimmt an, daß das Einwanderungsverbot für die yemenitischen Juden auf die Propaganda des Großmufti von Jerusalem zurückzuführen ist. . Arabischer Geheimdienst gegen „illegale" jüdische Einwanderung Aus T e 1 - A w i w (J. T. A.): Die Zeitung „Davar" wendet sich schärfstens gegen die von den p a i ä s t inensischeh Behörden geduldete Tätigkeit eines arabischen „Geheimdienstes", der aus Jugendlichen besteht, die freiwillig die Grenzen bewachen, um alle als „i 11 e g a 1" eingewanderten Juden anzuzeigen. Diese meist ungebildeten Jugendlichen versucnen auch die Bewohner der Grenzgebiete zu überreden, sich der Menschenjagd anzuschließen. Die Duldung dieser Aktion seitens der Behörden könne die unliebsamsten Folgen hervorrufen. Die Tätigkeit dieses arabischen „Geheimdienstes" entwickelt sich, wie die J. T. A. erfährt, zu einem regelrechten Geschäft für seine Mitglieder. Kürzlich wurden 75 Juden, die in der Nähe von Wadi Hawarith von einem Segelschiff aus landeten, von Beduinen in Begleitung von Küstenpolizei gefangengenommen. Als Gegenmaßnahmen gegen den arabischen „Geheimdienst" wurden jüdische Jugendliche ersucht, Im ganzen Lande ein Freiwilligenkorps zusammenzustellen, um die große illegale arabische Einwanderung zu verhüten. Jüdische Sportler ohne ^Unterschied der Partei wurden aufgefordert, dem jüdischen Dienst beizutreten, der die Aufgabe hat, die Grenzen zu bewachen und die „beunruhigend hohe unerlaubte arabische Einwanderung" zu verhindern. Die Freiwilligen müssen Arabisch verstehen. Die hebräischen Zeitungen mißbilligen zwar diese Maßnahme, die ihrer Meinung nach zu Provokationen und unerwünschten Resultaten fuhren muß, meinen aber doch, daß keine andere Alternative möglich war; sie weisen darauf hin, daß die Regierung diese jüdische Maßnahme abwenden könnte, wenn sie die Hauptursache des Uebels, die arabischen Frelwilligentrupps, ausheben würde. * Zwei Fliegen mit einem Schlag! Durch die Einschränkung der jüdischen Einwanderung und Duldung der arabischen Einwanderung Uber die „freie" Grenze Transjordaniens ist der antizionistischen Palästina-Regierung nicht nur gelungen, unerwünschte Juden vom Lande fernzuhalten. Sie hat auch bewirkt, daß die von ihr aenr erwünschte Spannung zwischen den Arabern und Juden größer und gefährlicher geworden ist. Salman Schooken stiftet einen Bialik-Literaturprels Aus Jerusalem: Salman Schocken, der bekannte Zionist und Warenhausbesitzer in Deutschland, der sieh jetzt definitiv in Palästina niederließ, bat einen Bialik-Preis in der Höhe von 300 Pfund jährlich für hebräischo Schriftsteller gestiftet, die eine Dichtung oder eine Abhandlung über jüdisches Denken oder jüdische Forschung verfassen, Originalität und neue Beiträge zur hebräischen Literatur oder Sprache werden als die Hauptfaktore» erachtet werden. Die Preisverkündung wird jährlich am 31. Tamm«»» dem Todestage Ohaih» Nachman Bialtks. stattfinde» Paläslmen§i§die Wirtschaft Zuviel Kapital, zu wenig jüdische Arbeiter Im ersten Drittel 1934 sind 11.500 Personen eingewandert, unter denen sich 326 Nichtjuden befinden. Die illegale arabische Einwände« r u n g aus dem Hauran, Transjordanien imd der Sinaihalbinsel, die einen außerordentlich beträchtlichen Umfang hat, ist hierbei natürlich nicht in Betracht gezogen, sie entzieht sich jeder exakten Feststellungsmöglichkett und wird von der Regierung kaum irgendwo in wirkungsvoller Weise bekämpft. Hingegen hat die Regierung in den Monaten Jänner bis April 398 „verdächtigen" jüdischen Touristen die Landungserlaubnis trotz der Kautionsforderung bei der Visumerteilung verweigert. Von den 11.500 Einwanderern sind ungefähr 5500 selbständig Erwerbstätige, zirka 6000 deren Angehörige, Stundenten und Angehörige palästinensischer Einwohner. Von den 5500 beruflich selbständigen Einwanderern entfallen rund 1400 auf die Kapitalistenkategorie (1000-pal.-Pfd.-Zertifikate, einige Kleinkapitalisten und Rentner), annähernd 4000 auf die Arbeitergruppe. Auf einen kapitalistischen Einwanderer entfallen also knapp drei Arbeitsuchende. Wenn man berücksichtigt, daß von den Chaluzim noch ein erheblicher Teil in den Kolonien Unterkunft findet so wird ohne weiteres klar, daß die Einwanderung von Arbeitsuchenden vielleicht gerade ausreicht, den Arbeiterbedarf der gleichzeitig einwandernden Kapitalisten zu decken. Sie kann in ihrer gegenwärtigen Höhe aber nicht dazu beitragen, das im Lande bestehende Defizit, an Arbeitskräften in der Industrie — und in der Landwirtschaft auszufüllen, das sich aus der Expansion der Industrie, Landwirtschaft, wie des Bau- und Verkehrswesens ergeben hat und ständig weiter ergibt. Die unverhältnismäßig starke Einwanderung von Kapitalisten, bei der noch zu berücksichtigen ist, daß überdies sehr erhebliche Kapitalien ohne persönlichen Träger einwandern, setzt geradezu eine proportionale Arbeitereinwanderung voraus. Andernfalls müssen sich in der palästinensischen Wirtschaft schwere Strukturschäden ergeben: Relatives Kapitalüberangebot mangels ausreichender Arbeitskräfte, U,e b erhöh ung der Löhne und Verlust der Konkurrenzfähigkeit palästinensischer Waren auf fremden Märkten. — Beides ist schon in starkem Ausmaß zur Tatsache geworden. Gefährdung der palästinensischen Exportindustrie infolge erhöhten Inlandkonsums Aus Tel-Awiw: In palästinensischen Industriekreisen werden ernste Befürchtungen über die Folgen der gegenwärtigen Vernachlässigung der in vergangenen Jahren mühsam gewonnenen auswärtigen Märkte seitens palästinensischer Fabriken geäußert. Angesichts des erhöhten Verbrauchs im Inlande vernachlässigen die Fabriken, die kaum den gesteigerten RtSTAURÄNT BILLET TOS BESTREHOMMIERTE KÜCHE 1VD REICHHALTIG! MINÜS * S 1.90 UND 3.60 SCHWECHATER BRÄU II, Hammcr-Piirsitall-Gass« 3 (pIAsI Wrt»iMfti)«T«IJ-4l -0-25 Voraus muß man denken, sich sichern — versichern Ali0«ftieJn« V«nicheru«ai.Oei. Wien tX. Bei.. QUerplatx Nr. 3 1 Bedarf der palästinensischen Märkte decken können, den Exporthandel. Mehrere Fabriken in Tel-Awiw haben aufgehört, Exportaufträge entgegenzunehmen, und arbeiten doppelschichtig, um die Innenmärkte angemessen beliefern zu können. Auch aus Syrien und den Nachbarländern laufen Klagen in Palästina ein, daß die palästinensischen Fabriken die ausländischen Aufträge nur zum Teil durchführen. * Japanisches Konsulat Im Zusammenhang mit der Gewinnung des Textilmarktes in Palästina hat diajapanischeRegierung beschlossen, schon in der nächsten Zelt in Jerusalem ein japanisches Konsulat einzurichten. Da Japan in der letzten Zeit in Syrien und im Irak zahlreiche Kaufhäuser, hauptsächlich für Textilwaren, errichtet hat, ist auch die Installierung von japanischen Konsulaten in Beirut und Bagdad zu erwarten. «Zahlung» der ausländischen Araber in Palästina Per High-Commissloner hat eine Zählung der in Palästina arbeitenden landesfremden Araber, die verdächtig sind, in den letzten Monaten eingewandert zu sein, angeordnet. Die Presse von Damaskus veröffentlicht Berichte über die ernate Wirtschaftslage im Hauran und »t«Ht in diesem Zusammenhang fest, daß 30.000 bis 36.000 Einwohner dieses Gebietes nach Palästina gegangen sind, wo sie soviel verdienen, daß sie im kauf der letzten Monate an ihre zurückgelassenen Angehörigen etwa 40.000 Pfund senden konnten. Viele haben Übrigen« Frauen und Kinder mit sich gebracht. Auch unter den Bauern des Dschebel-Drus-Gebietes herrscht große Not. Es heißt, daß rund 10.000 von ihnen nach Palästina gegangen sind. Zu dieser Einwanderung von Arabern aus Syrien und dem Hauran kommt noch diejenige aus Aegypten und Transjordanien, von wo ununterbrochen neue Einwanderer unbemerkt die palästinensisch e Grenze überschreiten hinzu. (J.T.A.)J Wiedereröffnung des ,/BexaIeI" Die Reorganisation der Kunstgewerbeschule „B ez a 1 e 1" in Jerusalem, an der unter der Leitung des verstorbenen Professors Boris Sc h a t z eine Anzahl zeitgenössischer jüdischer Künstler ihre Ausbildung erhielt, steht vor dem Abschluß. Die Schule soll unter der Bezeichnung „Neuer Bezalei" in absehbarer Zeit wieder eröffnet werden. Dem Ausschuß gehören hervorragend« englische und jüdische Persönlichkeiten an. Zum Direktor wurde der bekannte Graphiker Josef B u d k o ernannt, der vor einem Jahre aus Deutschland nach Palästina eingewandert ist. Es werden zunächst eine Klasse für Graphik und eine für Metallarbeiten eröffnet. Der Keren Kajemeth hat der Schule das Gebäude des alten „Bezalei" übergeben, zu dessen Instandsetzung und Erweiterung die Regierung einen Beitrag von 1500 Pfund bewilligt hat. (J. T. A.) * Die Wiedereröffnung der berühmten Kunstgewerbe« schule ist auf jeden Fall zu begrüßen. Man kann annehmen, daß sie unter der Leitung von Josef B u d k o, dem hervorragenden Künstler, jene Rolle im palästinensischen Kulturleben spielen wird, die ihr sachgemäß zukommt. Die Wahl Budkos ist ein gutes Vorzeichen. Aus Deutschland Edelmensdien Aus Prag (J. T. A.): Wie bereits gemeldet, hat die Stadt Berlin die städtischen Vormundschaftsstellen für nicht arische Kinder niedergelegt und der Jüdischen Gemeinde angeboten. Dem Beispiel Berlins folgten binnen kurzem andere Städte, wie Dresden, Leipzig, ^Breslau, Nürnberg u. a. Unter dem Titel „Grausamkeit gegen jüdische Mütter" schreibt in seiner Nummer vom Sonntag, den 5. August, der „Neue Vorwärts" (Prag): „Es beginnt schon bei den Entbindungsheimen. Sie weigern sich selbstverständlich, eine Nichtarierin aufzunehmen. Darüber hinaus aber werden strenge Nachforschungen angestellt, ob die Wöchnerin in jeder Weise den nationalsozialistischen Rassegesetzen entspricht und ob das Kind nicht etwa yon einem nichtarischen Vater stammt. Daß diese Frage wichtiger ist als alle anderen medizinischen und hygienischen, geht aus dem Fragebogen hervor, den die Wöchnerinnen, die in das Entbindungsheim der Reichsversicherung in Berlin aufgenommen werden wollen, auszufüllen haben. Da steht an erster Stelle die Frage: Abstammung des Vaters (Rassezugehörigkeit j, Anerkenntnisunterschrift des arischen Vaterteils. Erst dann folgen die Fragen nach der ehelichen oder unehelichen Geburt, nach dem Gesundheitszustand der Mutter, den früheren Krankheiten der Elternteile und die rein medizinischen Fragen. Es ist kürzlich im Entbindungsheim der Stadt Erfurt vorgekommen, daß man eine Wöchnerin einen halben Tag vor der Entbindung entlassen hat, weil sich herausgestellt hatte, daß der Vater jüdischer Abstammung war. („Thüringische Landeszeitung" vom 16. Juni, Ueberschrift: Judengeburt in der Straßenbahn.) Die Wöchnerin wurde infolge der Aufregungen in der Straßenbahn von starken Wehen überfallen und gab einem Mädchen das Leben. Erst da griff die Polizei ein und brachte Mutter und Kind im städtischen Krankenhaus unter! Eine einheitliche Regelung für sämtliche Krankenhäuser besteht nicht. So kommt es auf die Einstellung der betreffenden Städto oder auch nur der Aerzte an, wie sie sich in solchen Fällen verhalten. In der Regel benehmen sie sich allerdings denkbar roh und brutal, wovon nicht allein der Vorfall in Erfurt Zeugnis gibt." Die „Kultfurwodte" der Hitlerjugend Aus Berlin: Auf einer großen Jugendkundgebung im Rahmen einer Kulturwoche der Hitler- Jugend hat der Gauleiter und Staatsrat Herr Gr oh 6 scharfe Angriffe gegen das Judentum gerichtet. Staatsrat Grohö erklärte, wenn das deutsche Volk den Rassenstandpunkt verfechte, so betrachte es deshalb doch nicht die anderen Rassen als minderwertig. Die jüdische Rasse müsse es als minderwertig ansehen. Der Jude sei der Feind jeder anständigen Gemeinschaft in der ganzen Welt, Der Jude sei der Feind der Arbeit; er lebt vom Profit, immer bestrebt, andere Völker zugrunde zu richten. So war es schon vor tausend Jahren, so war es schon seit Christus, der ja behauptet hat, der Satan sei der