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Die neue Welt · 1934-08-10 · Heft 389 (10.8.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 389 (10.8.1934)
Date
1934-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 389 DIE NEUE WELT Seite 3 Neue §dhurken§*rei'die des Hi'llerfreundes Streicher Er besudelt den Präsidenten Die Nürnberger Zeitung „Der Stürmer", welche vom intimsten Freunde Adolf Hitlers, dem bekannten Pogromantisemiten J u I i u -? Streicher, herausgegeben wird, hat nach der in der ganzen Welt Aufsehen und Abscheu erregenden Ritualmord- Nummer nunmehr eine Ausgabe veranstaltet, welche den Titel „Geheimnisse" trägt.- Diese Nummer befaßt sich im Zusammenhang mit der JudenfragÄ auch mit der Person des Staatsoberhauptes der Tschechoslowakei Präsidenten Th. G. Masaryk. Dieser, von der ganzen Welt mit größter Ehrfurcht betrachtete Mann wird in der schmählichsten Weise beschimpft. Anlaß bietet die Besprechung eines Buches von Bruno Adler „Kampf um Polna", in welchem selbstverständlich auch der Rolle des Präsidenten Masaryk gedacht Nach en Gesellschaftsreise und Einzelreisen mit Schnelldampfern der S. M. R. Reisedauer Wien-Haifa 4 Tage, mäßige Preise erster, zweiter und dritter Klasse. P A S S A G v B Ö R O, Wien IV, Wiedner Gürtel 1B gegenüber dem üiidbahnhof wird, welcher damals unerschrocken gegen eine verhetzte große Majorität des eigenen Volkes den Kampf für die Wahrheit, das heißt gegen die B 1 u tmordlüge geführt hat. Im „Stürmer" heißt es: „Dieser Märtyrer — um es gleich vorwegzunehmen — ist der Polnaer Jude H i 1 s n e r, der 7Avei Christenmädchen schachtete und deren Blut die Polnaer Judenge mein de zu rituellen Zwecken mißbrauchte. Hilsner wurde von einem Gericht, dem man nichts weniger als Judenfeindlichkeit nachsagen konnte, infolge erdrückender Indizienbeweise eines nach allen Regeln der Kunst verübten Ritualmordes zum Tode verurteilt, und das in jeder Hinsicht gerechte Urteil wurde, obgleich der Prozeß alle Instanzen durchlief, nicht aufgeh o b e n." „Erst als es dem Judentum gelang, den damaligen Abgeordneten Th. G. M a s a r y k zu kau f e n (heute ist dieser halbjüdische Heldengreis Präsident der Tschechei) und dieser wiederum maßgebende Wiener Kreise zu b e s t e c he n wußte, wurde das Todesurteil in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Als die Tschechei ausgerufen wurde, holte Masaryk seinen Freund selbstverständlich aus dem Gefängnis, ernannte ihn zum Rabbiner einer kleinen tschechischen Stadt und entschädigte ihn mit rund einer Million DL' Schechen krönen. In einem Wiener Sanatorium starb Hilsner später an Paralyse. Dies die kurz urarissenen Tatsachen." „Aber Adler weiß es besser. Nicht der Mörder, nein die ermordeten Opfer waren die Schuldigen. Er schüttet Unratkübel über Unratkübel über sie aus, schmäht, verleumdet ihre Familien, verdächtigt den Pfarrer des Orts und verbraucht dreihundert Seiten Seife, um Hilsners Seele rein, blütenrein zu waschen. Thomas Garrigue Masaryk, diesen jüdischen Siegfried, lobpreist er, weil er gegen den Drachen des Antisemitismus so tapfer zu Felde zog." „Da gibt es nun in Prag ein übles Blättchen, das sich die „Neue Wcltbülmo" nennt, und dieses bezeichnet den Roman als literarisches Weltereignis., und bringt auf Seite 683 bis 688 seiner Folge vom 31. Mai 1934 sogar einen Kapitelabdruck, der jene stürmische Studentenszene schildert, in der die Hörer gegen den gekauften Halbjuden Masaryk demonstrieren, dessen damals zutage tretende Feigheit Adler in makkabäischen Mut umzufälschen sucht. Die Mohrenwäsche mißlingt ihm gründlich. Masaryks eigenhändig geschriebene Broschüre, die das Judentum enthusiastisch verherrlicht, zeugt wider ihn selbst. Zwei Tatsachen stehen unwiderleglich fest: 1. Jude Hilsner hat zwei Morde begangen, an denen das gesamte Judentum schuldig ist. Für diese einwandfrei bewiesenen Ritualmorde wurde er zum Tode verurteilt. 2. Thomas Garrigue Masaryk, heute Präsident der tschechischen Republik, hat das tschechische Volk an die Juden verraten! Verraten und verkauft!" „Wir glauben nicht, Aaß Adler seinem Blute mit diesem „Schrieb" einen guten Dienst erwies. Der Inhalt stinkt zu sehr!" Es erübrigt sich wohl, über dieses Pamphlet, soweit es Präsidenten Masaryk betrifft, etwas zu sagen. Nur um die Verlogenheit zu charakterisieren, sei bemerkt: Leopold Hilsner ist nicht vom Präsidenten Masaryk, sondern zwei Jahre* bevor e§ überhaupt einen tschechischen Staat gab, von Kaiser Karl von Oesterreich begnadigt worden. Er war selbstverständlich nie Rabbiner, und hat nie eine Entschädigung erhalten. Der arme Mann mit höchst primitiver Vorbildung, er war Dorfgeher, hat nach seiner Freilassung in Wien einen kleinen Hausierhandel betrieben, hat von diesem und Almosen o^iebt und ist auf der Armenabteilung des Spitals der Wiener Judengemeinde an einer Lungenentzündung gestorben. Nun im Zusammenhang ein Charakterbild der Hitler-Regierung: Diese unflätige Beschimpfung eines Staatsoberhauptes schien auch der Hitler-Regierung als etwas zu gewagt und kurz nach Erscheinen des Blattes ließ Herr Hitler in der ganzen Welt verbreiten, daß die Ausgabe des „Stürmers" wegen Beleidigung des Oberhauptes eines fremden Staates beschlagnahmt und ihre Verbreitung verboten worden sei. Das wurde auch dem tschechischen Gesandten in Berlin offiziell mitgeteilt. Alles erlogen! Daas uns vorliegende Exemplar des „Stürmer" wurde acht Tage nach der „Beschlagnahme" von einem Freunde unseres Blattes in Leipzig bei einer öffentlichen Kolportagestelle gekauft und uns übermittelt! Streicher fälscht frech neue „Protokolle" In derselben Nummer des „Stürmer" beginnt Streicher unter dem Titel „Geheimnisse des Prager Ghettos und seine Verbrechen" eine Serie von bisher unbekannten authentischen „Protokollen" aus dem Prager Ghetto. Die erste Veröffentlichung betrifft die Geschichte des Prager jüdischen Augenarztes Dr. Wassory. Sie lautet: ^eben dem Tor ist ein porzellanenes Schild angebracht : M. U. Dr. Sally Wassory, Augenarzt, Sprechzeit 10—5 Uhr. Dr. Wassory ist vornehm gekleidet* seine Anzüge sind teuerstes englisches Tuch, sein krötengleiches, aufgedunsenes Gesicht mit der platten Nase und den froschartigen Lippen aber ist jüdisch, erzvaterhaft jüdisch, wenngleich er sich einen anderen Namen gekauft! Die Menschen, die bei ihm Hilfe suchen, sind augenkrank. Ein Schleier hat sich vor ihren Blick gelegt, sie sehen doppelt, die Umrisse der Gestaltung verschwimmen ihnen mit einem Male, sie sehen farbige Silhouetten. Es sind nur reiche Patienten, die den Weg zu Dr. Wassory finden, denn er verlangt fünfzig Gulden für die Ordination. Aber die Angst, zu erblinden, läßt sie diese hohe Summe gern zahlen. Ein anderer Arzt würde ihnen eine Brille verschrieben haben oder eine Salbe, wenn es sich um eine Verdickung der Hornhaut handelte, denn die Mehrzahl der Fälle sind harmlos. Kurz- und Weitsichtigkeit des Auges, angeborener Astigmatismus. Doktor Wassory legte bei diesen Untersuchungen, die er für die Patienten stets möglichst schmerzhaft gestaltete, die Stirn in ernste, besorgte Falten. „Glaukom! Grüner Star!" —- „Das bedeutet?" — „Das bedeutet Erblindung in kürzester Zeit!" „Die Kranken erbleichen. „Sichere Erblindung in kürzester Zeit? Gibt es gar keine Rettung?" Da nickte Doktor Wassory. „Doch, es gibt Verwöhnte Strohwitwer speisen vorzüglich im Re§taurant Höfel Sl efaraie i»a II, Taborstraße 12. Tel. R-46-5-57 iw Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts Täglich frische Fische Speisen am Rost / Schöner schattiger Garten eine Rettung! Schleunigste Operation! Durch mich ausgeführt! Diese Operation kostet dreitausend Gulden!" Manche Kranke erschraken. Manche zögerten. Wollten zuvor doch noch einen anderen Arzt konsultieren. Doktor Wassory lächelte gefroren. Setzte seine eisigste Miene auf. „Bitte. Aber ich mache Sie aufmerksam, daß Ihr Auge eine zweite Spiegeluntersuchung nicht aushält und eine sofortige Erblindung die Folge ist!" Da ließen sich die Geängstigten widerstandslos zur Operationsbank führen. Nun ruft diese Operation einen Zustand des Geblendetseins hervor, der das Leben zur steten Qual gestaltet, wenngleich eine völlige Erblindung nicht eintritt. Zudem kann nach erfolgter Operation kein Arzt den Nachweis erbringen, ob das Auge vorher glaukomkrank war oder nicht. So schien Wassory also vor jeder Entdeckung geschützt, mordete Hunderten ihre gesunden Augen — mit dem stets gleichen, krötenartigen Grinsen. Und das Bankkonto, bei seinem Onkel K i s c h angelegt, wuchs und wuchs. Kurzsichtige, Augenschwache, solche, denen «ine •JllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU; Iii | sucht Stundenbeschäftigung § 5 ab 3 Uhr nachmittags 5 E Zuschriften unter „Beste Referenzen" an dir Adm. E E diesem Blattes 5 nilllllllllllllllllllllirtrtllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll? BrVigenügt hätte, wurden seine Opfer. Bis ein deutscher Arzt auf Wassorys Treiben aufmerksam wurde, sich selbst als Patient in seine Behandlung begab. Auch bei ihm stellte der Verbrecher „Grünen Star" fest, auch bei ihm riet er zur Operation. Der Arzt benachrichtigte den Staatsanwalt. Aber Staatsanwalt und Juden waren im alten Oesterreich stets gute Freunde. So wurde Wassory gewarnt und bereitete sich zur Flucht. Da aber stellte sich ihm seine Wirtschafterin entgegen, eine Tschechin, die er vor Jahren vergewaltigt und dann zu sich ins Haus genommen hatte. Sie, die Mitwisserin seiner ungezählten Verbrechen, wollte nicht, allein zurückbleiben, wollte mit ihm fliehen. Wassory war Jude! Was galt ihm das Leben einer Goja? Nichts! Denn der Talmud lehrt es ja, daß ein Nichtjude weniger gilt als ein Stück Vieh. So beschloß er, sich ihrer zu entledigen. Goß zwei Gläser voll Wein, tropfte in das eine Amylnitrit. Schob dieses Glas seiner Haushälterin zu. Die mochte die Absicht Wassorys durchschaut haben, vielleicht war es auch nur eine schicksalhafte Fügung1, daß der Jude nach dem falschen Glas griff und es. mit einem Zuge leerte! Die eindringende Polizei fand ihn tot am Boden liegen." * Diesen dramatischen „authentischen" Bericht über die Mordgeheimnisse des Prager Judenghettos bringt Streicher in einer Form, als handelte es sich um Auszüge aus Polizeiprotokollen, zeitgenössischen Berichten usw. Woher stammt aber diese ganze Geschichte von dem dämonischen jüdischen Augenarzt Dr. Sally Wassory in Wirklichkeit? Im Jahre 1917 ist im Verlage Kurt Wolff in Leipzig der abenteuerliche Roman „Der Go 1 em" des durch seine phantastischen Darstellungen berühmten, vor drei Jahren gestorbenen Prager Dichters Gustav Meyrink erschienen. Eine der Hauptfiguren dieses Romans heißt Dr. Sally Wassory und die ganze Geschichte im „Stürmer" ist eine Abschrift aus dem. Roman. Streicher hat sich nicht einmal die Mühe genommen, den Namen und die im Roman geschilderten Vorgänge zu variieren. Buchstäblich abgeschrieben hat er und präsentiert ganz unverschämt dem 70-Millioneu-Volk der Deutschen ein Kapitel aus einem phantastischen Roman als „Prot ok o 11 e" und „Enthüllte Geheimnisse und Verbrechen aus dem Prager Judenghetto"! Hier scheint die schurkische Frechheit der Fälscher der „Protokolle der Weisen von Zion" übertroffen. // IVfasaiyk und der //Kampf um Polna Der J. T. A. (Prag) wird geschrieben: „In nächster Nähe eines Landstädtchens an der böhmisch-mährischen Grenze wird die Leiche eines Mädchens gefunden. Ihr Verschwinden, die häuslichen Verhältnisse, allerlei auffällige Umstände bei der Entdeckung des Verbrechens deuten darauf hin, daß der Bruder und die Mutter der Ermordeten mit der Untat in Verbindung stehen. Aber die Leiche hat neben anderen Verletzungen auch einen Schnitt durch den Hals, und schon — es ist um Ostern des Jahres 1898 — steht es fest: ein Ritualmord! Als Täter bezeichnet man — ohne daß auch nur der Schatten eines Beweises vorliegt — einen jungen jüdischen Lumpenproletarier: Leopold Hilsner in Polna. Das Volk droht mit Lynchjustiz und nimmt, vertreten durch den Ortsgendarmen, die Verhaftung vor. Und nun hebt ein Treiben an, das in der Geschichte der Justizmorde nicht seinesgleichen hat. Die kleine Stadt, fanatisch hinter ihrem Opfer her, erhält Sukkurs aus Prag und Wien. Journalisten und Politiker wittern die Chance und stürzen sich kopfüber in die Affäre. Pogrome werden inszeniert, ein privates Nebengericht etabliert sich und reißt die Führung der Untersuchung an sich, Aussagen werden beeinflußt, erschlichen und diktiert, im Reichsrat und in den Landtagen häufen sich die Skandalszenen, auf den Straßen der Städte, in den Dörfern, in Zeitungen und in Versammlungen, von Kanzeln und Kathedern hallt es mit tausend Stimmen: Ritualmord! Ein Mördervolk lebt unter uns! Jeder ist ihm preisgegeben! Als eine organische Konsequenz ergibt sich aus dieser Kampagne das Todesurteil, das die Geschwornen in Kuttenberg fällen. . Jetzt aber steht ein Mann auf und spricht. Ein Einzelner gegen ein ganzes verhetztes Volk, gegen ein ganzes verdummtes Weltreich. Es ist der Universitätsprofessor T. G. Masaryk, der noch nie die Gelegenheit versäumt hat, sich für die Wahrheit einzusetzen, auch wenn sie ihr» bei seiner Nation unbeliebt machte. Immer tiefer wird er in den Wirbel der Affäre hineingezogen, immer fester verbeißt er sich in das juristische, kriminalistische und soziologische Problem. Mit dem Erfolg, daß das ganze Volk sich gegen ihn stellt, daß die Studenten ihn boykottieren und ihn und seine Frau insultieren. Seinem Eingreifen und einer Kabinettsumbildung in Wien in die Revision des Urteils zu verdanken. Nun, vor dem zweiten Prozeß, lodert der Paroxysmus um so gewaltiger auf. Ein älterer Mordfall wird aus den Akten ausgegraben und gleichfalls Hilsner zugeschrieben ... Man lese all dies in dem soeben erschienenen Bucha Bruno Adlers „Kampf um Polna", M. Kacba.-Verlagi, Prag, nach.

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