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Die neue Welt · 1934-08-10 · Heft 389 (10.8.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 389 (10.8.1934)
Date
1934-08-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 38Ö Reich zu werden Ist heutzutage leichter als früher. Das letzt« Geheimnis des Erfolges der Millionare, der sicherste Wegweiser au Reichtum, Macht und Ist die Knergie. Ansehen ist tue r.nergic. Dazu bedarf es stählerner Nerven, einer widerstandsfähigen und wider.^tandskräftlgen Konstitution und einer kampffreudigen Ausdauer. Wer von Kindheit auf DIANA- Franzbranntwein mit Menthol gebraucht, stärkt seine Nerven, macht die Konstitution widerstandsfähig, kraftvoll und schafft eine kampffreudige Ausdauer. In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich ,,Dian*J' und nehmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen 9ind energisch zurückzuweisen. RUNDSCHAU Hamsun, für und gegen Am 75. Geburtstag des norwegischen Dichters Knut Hains u n begnügte sich die Presse nich t mit der Fest- Stellung seiner Größe und seines Ruhms; sie setzte ihn in den Rahmen aktueller rassischer Kulturpolitik. Um den J u de n p u nkt kam sie nicht herum. Auf der einen Seite wurde eine Antwort Hamsuns an die antisemitische Zeitschrift „National Tikkerift" aus dem Jahre 1928 zur Charakteristik der Hamsunschen Jude>\einstellung zitiert, eine Antwort, die lautet: „Die Juden sind eine sehr fähige Nation, Ich spreche hier nicht von meinen tapferen und sympathisclien jüdischen Freunden. Im allgemeinen hat sich die jüdische Nation durch ihren bedeutenden Intellektualismus ausgezeichnet. Wo werden wir etwas finden, das sich verleichen ließe mit dem Geiste ihrer Propheten, ihrer Poesie und ihrem Lied?" Auf der anderen Seite bemühen sich die Haken- Kreuzblätter zu beiceisen, Hamsum sei Antisemit ä Id Goebbels und Streicher. So zitiert beispielsweise die „Berliner Illustrierte Nachtausgabe" eine Aeußerung Hamsuns, wonach die Juden ihrer Machtstellung in Deutschland enthoben werden müßten, da diese für das Deutsche Reich äußerst schädlich sei usw. Die günstige Beurteilung der Juden stammt aus dem Jahre 1928, die gehässige aus dem Jahre 1934. Ob hier eine Erfindung aus propagandistischen Motiven vorliegt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls wäre es trauAg, konstatieren zu müssen, daß ein Knut Hamsun der Hakenkreuzpropaganda, diesem gefährlichen Gift erlegen ist. Ausgewiesene Alibi-Zeugen Die Familie Borochow hatte durch Zufall den des Mordes an Dr. Arlosoroff beschuldigten Abraham Staxosky am Abend des Freitag, 16. Jicnl 1933, in Jerusalem gesehen. Die Familie, das Iwißt die Mutter und zwei Kinder, sagten aber nicht im Vorverfahren, sondern erst in dem Hauptverfahren aus, denn sie hatten Angst: Sie waren „illegal" im Land, im Jüdischen Nationalheim. Tatsächlich erreichte sie ihr Schicksal. Bei ihrer Zeugenaussage trat zutage, daß sie sich ohne gesetzliche Visa in Palästina aufhalten. Das Auge des Gesetzes wachte über diese Illegalität und bewirkte, daß die Familie ausgewiesen vnrd. Die Borochows sind bulgarische Untertanen gewesen und es geht jetzt darum, daß die bulgarische Regierung sie v u r ü c ke m p } än g t. Man sieht, bis wohin die Folgen der „Illegalität" reichen. „Illegal" sein in Palästina ist fast gleichbedeutend mit „hefker", das ist vogelfrei. Eine heikle Frage Jetzt streiken auch schon die u r u b i s c h e n Arbeiter in Palästina. In Petach l'ikiou und iV<?// Zionah ist es ihnen durch den Streik gelungen, ihre Löhne erheblich zu erhöhen. Und gleich nach dem Streik haben sie sich organisiert: Arabische Arbeiter in einer j udi s c h e n Kolonie. Diese Organisation soll einen Wall schaffen gegen die Einlounderung arabischer Massen aus Trans Jordanien. Das Organ der Unken palästinensischen Arbeiterschaft „Duoar" schreibt hiezu: „Der Streik in Neß Zionah hat vom neuen bewiesen, daß es einen gemeinsamen Gegensatz gibt zwischen dem jüdischen Arbeiter, Einwanderer und dem ständigen arabischen, einheimischen Arbeiter einerseits und dem arabischen billigen Wanderarbeiter aus den Nachbarländern Palästinas andererseits. Letzterer bedroht gleichzeitig den Lebensstandard des jüdischen und arabischen Arbeiters Palästinas und untergräbt ihre Herrschaft auf dem Arbeitsmarkt. Diese Tatsache äußerte sich deutlich in dem schweren Konflikt zwischen den arabischen Arbeitern im Hafen von Haifa und den nach Haifa gekommenen Arabern aus dem Hauran." Iiis jetzt richtet sich, nach dem „Danur" die Organisation der Araber gegen ihre „ausländischen''' J'olksgenossen. Wan wird der ..Daoar1 schreiben, wenn sich die arabischen Arbeiter in den jüdischen Kolonien gegen die jüdischen Arbeiter in den jüdischen Kolonien organisieren werden? Hegen Hitler*Waren in Palästina Aus London wird berichtet: J. B. Steinberg:, Herausgeber der linken jüdischen Wochenschrift „Dos freie Wort" (London), hat in seinem Blatt einen Artikel veröffentlicht, der sich mit dem neuen Transfer-Abkommen beschäftigt, das die j „Nir" (eine von der „Histadruth" und von der Poale Zion in Palästina gegründete Handels- und Konsura-! gesellschaft mit der Hitler-Regierung abschließen will. Der Artikel schildert die Sachlage und kommt zu folgendem Schluß: „Wir wenden uns nicht an den einfachen Juden in Palästina, sondern an die offiziellen Führer des Jischuws. Der Jude von der Gasse erlaubt sich nur deshalb das und jenes zu tun, weil es die Führer und Persönlichkeiten zulassen. Wir wenden uns an jenes Lager in der zionistischen. Bewegung, welches heute darin den größten Einfluß hat — an die sozialistischen Zionisten, an die Histadruth. Ist es wahr, daß der ,Nir< im Begriffe Ist, ein neues Abkommen mit der Hitler-Regierung zu treffen? Ist es wahr, daß sich Palästina in einen der grüßten Absateplatze für deutsche Waren verwandelt hat? Ist es wahr, daß mit Wissen und Willen der Histadruth die jüdische und deraokratiseh-fortschrittllche Weltfront im Kampf gegen Nazideutschland durchbrochen wird. Ist es nicht an der Zelt, mit dieser unerträglichen Lage ein Ende zu machen?" * Wir haben in unserer Ausgabe vom 3. August unter dem Titel „Palästinas Sozialisten propagieren Hitler-Waren" auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß die. Linken in Palästina viele Firmen zwingen, die im Rahmen des Transfer-Abkommens eingeführten deutschen Waren zu kaufen. Die Kritik des jüdischen Sozialisten J. B. Steinberg bestätigt unsere Darstellung. Neue Hefze in Palästina Die von der Judenstaat3partei angeregte Befriedung des innerzionisti3chen Lebens wurde, wie wir bereits gemeldet haben, zunächst auf die hebräische Presse Palästinas ausgedehnt. Tatsächlich hat sich der Vorschlag Meir Großmanns günstig ausgewirkt und die Beratung, welche vorige Woche in Tel-Awiw unter Teilnahme der in Palästina wohnenden Mitglieder der zionistischen Aktionskomitees (Misrachi, Allgemeine Zionisten, Hapoel Hanisrachi, Judenstaatspartei) stattgefunden hat, kann als erster Schritt zum Burgfrieden angesehen werden. Allerdings ist es der palästinensischen Arbeiterpartei nicht gelungen, ihre Anhänger zu der D i s z i p 1 i n, welche die Voraussetzung jedes inneren Friedens ist, zu verhalten. Die J. T. A. meldet nämlich unter dem 2. April aus Tel-Awiw: John Simons Ablehnung des Antisemitismus Der englische Außenminister Sir John Simon ersuchte die Jüdische Telegraphen-Agentur in einem Schreiben, * die irrige Annahme, daß er Jude sei, richtigzustellen: „Ich bin kein Jude und habe nicht einen Tropfen jüdischen Blutes in meinen Aftern. Da die unrichtige Annahme nur zu Mißverständnissen und falscher Darstellung führt, wäre ich dankbar, wenn Sie sie berichtigen würden. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Brite arischer Abstammung, und meines Vaters Name ist der einer walisischen Bauernfamile. „Ich zögere um so weniger, die jüdische Presse um diese Richtigstellung zu ersuchen", schließt Sir John Simon, „als meine Frau und ich unser ganzes Leben lang die schärfsten Gegner des Antisemitismus waren und einer alten und ehrwürdigen Rasse, der keiner von uns angehört, nur Gutes wünschen." Kürzlich hatte auch Sir John Simon in einem Antwortschreiben an Sir Archibald Hurd den gleichen Gedankengang zum Ausdruck gebracht. Es hieß dort u. a.: „Der einzige Grund, warum ich bisher nie versuchte, öffentlich das Gerücht von meiner jüdischen Abstammung abzuleugnen, ist, daß ich glaube, die gleiche Torheit oder Böswilligkeit, die meine jüdische Abstammung behauptet, könnte versuchen, ein Dementi als Sympathie mit dem Antisemitismus auszulegen, einer Geisteshaltung, die ich aüfs schärfste verurteile. Unter meinen Freunden sind einige englische Juden, deren britische Einstellung und patriotische Verdienste ihre Kritiker beschämen sollten, und ich möchte nicht um die Welt ihre Gefühle verletzen. Aber wenn, unter den von Ihnen erwähnten Umständen, Sie es für richtig und im öffentlichen Interesse gelegen halten, dies zu tun, so begrüße ich es, wenn Sie diesen Brief veröffentlichen." „Daily Telegraph" kommentiert den Brief Sir John Simons, indem er erklärt, nichtjüdischer Abkunft zu sein, als in Wirklichkeit an Berlin gerichtet. Die neuen diplomatischen Kreise dort können > es nicht glauben, daß ein Mann mit einem solchen Namen arischen Blutes sein kann. Mit diesem Kommentar soll wohl auch angedeutet sein, daß einen Anlaß zu diesem Schreiben wohl auch die Haltung vieler reichsdeutscher Blätter gegeben hat, die die Ihnen nicht genehme Außenpolitik der englischen Regierung einfach mit einer Hetzkampagne gegen Minister Simon beantworteten, den sie als Juden bezeichneten. Japan wünsdotf Ansacdlung deutscher luden in Mandsdtukuo Aus Tokio: In einem Gespräch mit Pressevertretern erklärte der führende japanische Diplomat Sugimuro, Japan würde es begrüßen, wenn ö 0.0 00 Juden aus Deutschland sich in dem neuen unter japanischem Einfluß stehenden Staat Mandschukuo dauernd niederließen. Die Erklärung des japanischen Diplomaten erhält eine besondere Bein den letzten Tagen fand man an zahlreichen Hausmauern und Schaufensterscheiben die Aufschrift „Arbeiter, rächt Euch, nehmt Rache für das Blut Arlosoroff s". Die Nachforschungen führten zur Verhaftung des Beamten der Arbeiter- Krankenkasse, Joschua Armoni, und eines B eamten der Histadruth, namens Meir Klein. Die Histadruth hatte zuvor energisch in Abrede gestellt, daß sie Racheakte und Repressalien im Zusammenhang mit dem Fall Stawsky begünstigt. Unter solchen Auspizien sieht sich die weitere „friedliche" Entspanung im zionistischen Lager und im jüdischen Leben Palästinas höchst ungünstig an. Die Histadruth kann, nachdem sie jahrelang den maßlosesten Kampf ihrer Mitglieder gegen alle Gegner des Klassenkampfes und gegen alle „Kapitalisten" favorisiert hat, die) eigenen Methoden nicht von heute auf morgen abstoppen* Die Erklärung, daß sie Racheakte und Repressalien int Zusammenhang mit dem Fall Stawsky nicht begünstige, besagt nichts. Sie muß klipp und klar' kundtun, daß die Angelegenheit der unschuldigen drei Zionistoa für sie restlos erledigt ist. deutung, wenn man daran denkt, daß die Mandschurei aa das von der Sowjetunion als autonomes jüdisches Gebiet proklamierte Biro-Bidschan grenzt. Bekanntlich wurde seinerzeit von der Auf- Stellung einer besonderen, für Grenzschutzzwecke be* stimmten jüdisch-russischen Truppe in Biro- BIdschan gesprochen. Diese Meldungen wurden später von; sowjetrussischer Seite dementiert. \ Genießen die Juden Rumäniens volle Redifs« gleidiheit? Aus Bukarest: Minister Jamandi, Staatssekretär des Innern, hat zur Juden frage Erklärungen abgegeben. Die Juden seien rumänische Vollbürger mit gleichen Rechten und Pflichten. Aus dieser These hat Minister Jamandi die verschiedensten Konsequenzen gezogen und erklärt, die spezifisch jüdischen Organisar tionen und Parteien hätten keine Existenzberechtigung. Jamandis Erklärungen haben den, ehemaligen Deputierten der Jüdischen Partei, Dr. Meier Ebner, veranlaßt, in der „OstjüdischenZeitung'* die kritische Frage aufzuwerfen, ob die Juden auch de facto die bürgerlichen Rechte besitzen. Er fragt: „Warum kommen Neuansteilungen von Juden im Staatsdienste so selten und in der neueren Zeit gar nicht vor, wo doch die Konstitution in dieser Hinsicht keinen Unterschied kennt?" „Ist die theoretische Anerkennung der völligen Rechtsgleichheit schon faktischer Besitz dieser Rechtsgleichheit?" Dr. Ebner schließt: „Auf alle diese Fragen wird der Minister nicht antworten — aus dem einfachen Grunde, weil er eine zureichende Antwort nicht geben kann. Wir Juden müssen uns so lang in einer politischen Partei organisieren, als die Anerkennung unserer Rechtsgleichheit auch in der Verwaltung nicht vollständig erfolgt ist — bis unsero Rechte als Menschen, als Bürger und als Volk nicht nur gesetzlich, sondern auch praktisch anerkannt sind." 5000 polnische Juden wanderten im ersten Halbjahr 1084 nach Palästina aus Aus Warschau: Aus Informationen, die das Warschauer Palästina-Amt aus Jerusalem erhielt, geht hervor, daß von den im ersten Halbjahr 1934 nach Palästina eingewanderten 14.457 Juden 5 0 3 5 aus Polen stamnten. Für das zweite Halbjahr 1934 wird mit einer Verdoppelung dieser Zahl gerechnet, so daß im Laufe des Jahres 1984 über 15.000 Juden aus Polen nach Palästina einwandern dürften. An unsere p* u Leser! Beachten Sie <ken in unserer heutigen Ausgab« heiligenden Prospekt des „Dr.-Krliger-Helm", Wien, II., Malzgasse 7«

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