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Die neue Welt · 1934-08-03 · Heft 387 (3.8.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 387 (3.8.1934)
Date
1934-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 387 NDSCHAU Wege zum Burgfrieden Ende August wird der Welt verband der Allgemeinen Zionisten in Krakau eine außerordentliche H eltKonferenz abhalten, die sich mit der Wiederherstellung des inneren Friedens in der Zionistischen Organisation beschäftigen soll. Niemand kann leugnen, daß das Ziel der Allgemeinen. Zionisten Frfolg verdient und daß auch die Mittel zu diesem l.rfolg gefunden werden müssen. Aber hier gehen die JJ ege der Allgemeinen Zionisten (in ihrer Mehrheit) und der nationalen-judenslaatlerischen Gruppen auseinander. Aus keiner der von den Allgemeinen Zionisten bisher ausgegebenen Enun/Jationen geht hervor, in welch er Weise sie den vielersehnten Burgfrieden herbeiführen loollen. Noch nie haben sie in diesem Punkt klare Worte gesprochen. Deutlicher ist der Misruchi geworden. Der Zentralrat des M i s r u c h i - ]\ e 11 o e r b u n d e s, der knapp vor der Konferenz: der Allgemeinen Zionisten eine Tagung in Lemberg abhalten wird, hat durch seinen Vorsitzenden Rabbi Meir Berlin die misrachisdsche Stellungnahme klarer präzisiert, indem er als J oraussetzung für die Besserung der Lage eine Exekutive verlangte, die Vertreter aller zionistischen Gruppen umfasse, also eine Koalition s r e g i e r u n g propagierte. Allerdings berücksichtigt der Misrachi nicht den Umstand, daß die Mentalität der Linken sich auch nach dem Arlosoroff-Prozeß nicht geändert, ja sich in ihrem Radikalismus gegenüber den nationalen Zionisten noch verschärft hat. Auch die Berliner S l n a i s z i o n i s t e n Selzen sich dem Terror der jüdisch-sozialistischen Gruppen entgegen. In einer kürzlich stattgehabten Kundgebung wurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, „daß der Parteikampf in Zukunft mit Methoden geführt werde, wie sie sich für Gruppen ziemen, die bei aller Verschiedenheit der weltanschaulichen Einstellung letzten Endes doch dasselbe erstreben". Diese Deklaration der deutschen Staat szionisten geht im Bestreben, nirgends Anstoß zu erregen, so weit, daß sie die den Linken zugrundeliegenden Tendenzen mit denen der sogenannten ..bürgerlichen' Zionisten identifiziert. Dieser Irrtum, dieses wohlwollende Entgegenkommen, trägt zu großem Teil Schuld au der Hegemonie der Gruppen, die sich zionistischsozialistisch nennen. Das Endziel der ..Zionisten- Sozialisten" und der anderen zionistischen Gruppen ist nicht dasselbe. Diese lehnen aufs schärfste den Kardinalpunkt ab, den die Histadruth-Herren von der IL Internationale übernommen haben und als heiliges Dogma gegen die Interessen des jüdischen Palästina hüten, nämlich die D i k t a l u r de s P r ol e t ar i u t s. Ein Burgfriede mit den Herolden des Klassenkampfes ist nicht möglich. Die ..bürgerlichen" Zionisten mögen sich hier keiner Illusion hingeben. Ein pan-arisdner Weltkongreß In ]\ ien erscheint, scheinbar nur den doppeltgeeichten Ariern zugänglich, eine Halbmonatsschrift ..A r i sehe R u n d s c h a u". Mitteilungen der Völkischen Arbeitsgemeinschaft, als deren Eigentümer, Herausgeber und Verleger ein Herr Hans Misur (Druck: ..Freiland". I II.. Halbg. 23) zeichnet. Mit dem Attribut „arisch'' belastet, segelt es im Fahrwasser der ..kulturantiseinilischen" Blätter a la ..Stürmer". ivobei es unter ..arisch"' alles Nichtjüdivehe versteht:; denn sonst könnte es wohl kaum den Magyaren Komplimente machen. Der antisemitische Teil der Rundschau ist an sich uniideressunt. Damit braucht man sich nicht zu beschäftigen. Pikanter ist die bisher unbekannte Miltcilunü. daß ..vor kurzer Zeit sich die Delegierten i -ts 24 Ländern der pan-arischen Weltbewegung in der Südschweiz zusammengefunden und eine Konfei enz abgehalten haben, auf der die organisatorischen und propagandistischen Richtlinien zur überstaatlichen und überkonfessionellen Lösung der Juden frage festgelegt worden sind". Wir erfahren weilers. daß der I. P an-arische Weltkongreß für Ende Oktober nach Frankreich oder Belgien einberufen werden soll. Die schönsten Palastinareisen zu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landarrangement allmonatlich Einzelreisen zu Originalpreisen Auskünfte und Prospekte: REISEBÜRO „MARIENBRÜCKE" (Palästinadienst. Leilung: BERTA TAUBES WIEN,!., ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R 24-2-86, R-24-2-87 Auf der Konferenz haben, wie der „Arischen Rundschau"' (Heft >, Juni 1934) zu entnehmen ist. ..Diplomaten. Industrielle. II och schul professoren, Geistliche und Politiker" Referate gehalten. Man erfährt zwar die Namen dieser Referenten nicht, aber man erfährt, daß auf dem Weltkongreß das pan-nrische Manifest verlautbart werden soll, „das die Ausgliederung der Juden aus allen Staaten und ifire kollektive Zivangsansicdlung im neu zu errichtenden, jüdischen Nationalstaat vorsieht. Juden und Judenstümmlinge sollen nur mehr Staatsbürger dieses neuen Nationalstaates sein". Dieses Programm, das, wie man sieht, noch Uber das des Dritten Reiches hinausgeht, bezieht seine Basis — e.-i ist nicht anders möglich — aus den „Protokollen der 11 eisen von Zion"". die mit Eifer zitiert werden. Hier gibt sich der Antisemitismus in neuem, wissenschaftlichem Gewand, Er zeichnet eine Gefahr und gibt das Rezept, sie zu bannen. Die Idiotie der ganzen Art ideologischer Betrachtungen zur Juden frage enthebt uns der Möglichkeit jeder Polemik. Aber es ist wieder ein Beweis dafür, daß der antijüdischen Hetze und Verleumdung mit theoretischer Abwehr nicht beizukommen ist. Die Herren Pan-arier schlagen als Lösung der Judenfrage die Errichtung eines jüdischen Nationalstaates vor. auf daß das Arier tum vor Juda beschützt werde. Wir Aationaljuden haben diese Lösung längst schon erkannt, aber toir werden sie aus eigenem Willen, nicht als Zw an gsn ahme durchführen. Ah Motto dient dem lieft 3 ein revolutionärer l ers des deutschen revolutionären Schriftstellers Georg II e r w e g h, den Heinrich Heine die „eiserne Lerche" nannte. Die „Arische Rundschau" zitiert dieses Kämpfers Vers: Reißt die Kreuze aus der Erden, Alle sollen Schtverler werden ... Er war in den vierziger Jahren der Auftakt zur deutschen Freiheit. Ob die vaterländischen Verbände Oeslerreichs mit dieser Aufforderung zufrieden sein werden, ist nicht unsere Sache. Zwei aufschlußreiche Ziffern Zwei aufschlußreiche Ziffern, zwei schmerwiegende Tatsachen: Aus D um us k us wird gemeldet, daß das diesjährige Budget der syrischen Regierung mit einem Defizit von 100.000 syr. Pfund abschließt. Zur gleichen Zeit hat die Regierung P al äs tili a s, des nächste Nachbarstaates Syriens, einen l eher s c h u // von 2,800.000 Pfund zu oerzeichnen. Dieser ungeheure Unterschied in der finanziellen Lage der beiden Länder ist ausschließlich auf den Geldstrom zurückzuführen, den die j ü d i s che Einwanderung nach Palästina führt. Nichtsdestoweniger beschränkt die Mandatarmacht die jüdische Einwanderung, kargt mit Zertifikaten, schafft „Illegale" und bestraft sie mit den grausamsten Mitteln. Die Mandatarmachl beruft sich in heuchlerischer Weise auf die Aufnahmsfähigkeit des Landes, die eine größere Anzahl Einwanderer als die der Agency bewilligte nicht zulasse. Indessen machen die Syrer Versuche, jüdische Menschen ins Land zu bekommen, um sich wirtschaftlich zu regenerieren. Zwei Tatsachen, denen man schließlich wird Rechnung tragen müssen ... Ein „Freisprudt" Die Art. ivie die „Iiistadruth" in Palästina auf den Freispruch Staivskys reagierte, bleibt unvergessen. Die Erklärung der politischen Organisation der jüdisch-sozialdemokratischen Arbeiterschaft Palästinas „Mapaj'\ wonach die zwei freigesprochenen Juden die Mörder Arlosoroffs seien, bleibt nach wie vor ein Dokument niedrigster Gesinnung. Insbesondere die M o t i v i e r u n g, daß die zwei jugendlichen Zionisten. n u r i n f o l g e Mangels an Beweisen freigesprochen wurden, hat die Empörung der jüdischen Welt heroorgerufen. Sollen wir die „Mupuj" mit ihren eigenen, schmutzigen Waffen schlagen? Aus Tel-Arnim meldet die J. T. A. unter dem 3t. Juli: „Vor dem Polizeirichter oon Ramleh hatten sich mehrere jüdische Arbeiter, Mitglieder der Histudruth Haowdim, unter der Anklage zu verantworten, einen Teil eines Hauses in der jüdischen Kolonie R e cho w o l niedergerissen zu haben, weil es von nichtgewerkschafisangehörigen revisionistischen Arbeitern erbaut Voraus muß man denken; sich sichern — versichern Phönix Atfgemeino VcnfcherungcGe*. Wien IX. 8esn aiterptalx Nr. 3 W worden war. Sämtliche angeklagten Arbeiter wurden mangels Beweisen freigesprochen." Daß revisionistische Arbeiter ihren, eigenen Bau niedergerissen haben, wird man wohl niemandem glauben machen wollen. Unter den Terrorakten, die die Histadruth-Leule gegen ihre politischen Gegner begehen, würde das Niederreißen oon Bauten nicht gerade als außergewöhnlich figurieren. Mangels Beweisen ... Eine bezeichnende Meldung kommt aus London. Sie lautet: „Mit Rücksicht darauf, daß zur Zeit zahlreiche hervorragende Nichtzionisten Amerikas sich in Europa aufhalten, hat. die zionistische Exekutive beschlossen, für den 16. August eine nichtoffizielle Konferenz mit den Nicht zionisten nach Zürich einzuberufen. Die Konferenz wird der Frage gewidmet sein, wie der nichtzionistische Teil der Jewish Agency im Einklang mit den Beschlüssen der Prager Session der Jewish Agency (August 1933) reaktiviert und reorganisiert werden kann."" Die Frage ist seil dem Bestand der erweiterten Jewish Agency, also seit August. 1929, aktuell. An die goldene Feder, mit der beim Züricher Kongreß der Pakt mit den Nichtzionisten geschlossen wurde, hat sich Rost angesetzt, und es bedarf energischer Arbeit, um ihn zu beseitigen. Wir glauben, daß bei dieser Arbeit auch die Feder kaputtgehen toird. Es gibt eine Möglichkeit, die erweiterten Agency* Nichtzionisten zu reaktivieren: sie nach Hause zu schicken. Dieses Rezept haben die Judenstaatszionisten vom ersten Augenblick an den Herren der zionistischen Agency empfohlen. Aber wie in vielen anderen Dingen, waren diese Herren den patriotischen Vorschlägen der Herzl-Zionisten unzugänglich . Jetzt stehen sie dort, wo sie anfangs standen. Dia erweiterte Agency war und ist eine Totgeburt. Mit Injektionen ist da bekanntlich nicht gedient. Vom Wiener Pa1ästtaa*Amt In unserer Ausgabe vom 27. Juli haben wir be* richtet, daß die Zionistische Exekutive das Wienef Palästina-Amt aufgelöst und sämtliche Funktionen in die Hände des Herrn Dr. Alois Rothenberg gelegt hat. Zunächst sei festgestellt, daß die Auflösung des Wiener Palästina-Amtes eine widerrechtliche Handlung der Exekutive darstellt, da ja dieses Amt auf Grund von Kongreßbeschlüssen zusammengestellt worden ist. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Herren der Histadruth und der Poale Zion, daß sie ihre Hegemonie in der Exekutive dazu benutzen, demokratische Einrichtungen zu zerstören und dann die Geschäfte unkontrollierbar weiterzuführen. Als Motiv für die Auflösung wird der Umstand angegeben, daß die revisionistischen Vertreter in ihrer übrigens von den Behörden erlaubten Adjustierung zu den Sitzungen des Palästina-Amtes erschienen sind. An dem famosen Herrn Vizepräsidenten Schnittlich, von dem bekannt ist, daß er bei Gottlosentoanketten am Jörn Kippur Schmähreden gegen den Zionismus und den verstorbenen Oberrabbiner Dr. C h a j e s losließ, haben die Herren der Exekutive keinen Anstoß genommen. Die Art der Zertifikatsverteilung, gegen welche die Judenstaatspartei Oesterreichs bereits schärfsten Protest erhoben hat, haben die allgemeinen Zionisten zweifellos mitverschuldet. Sie begnügen sich nicht allein damit, den Klassenkampfgruppen die Mauer zu machen, sondern liefern unsere jüdische Jugend unter dem Vorwand allgemein-zionistischer Erziehung direkt den linken Parteien aus. Trotz der energischen Warnungen dei Judenstaatspartei an die Führer des allgemeinen Zionismus hat sich die sogenannte allgemein-zionistische Jugend dem klassenkämpferischen Hechaluz angeschlossen und dadurch in weiterer Folge verpflichtet, in Palästina der Histadruth beizutreten, was mit de? Teilnahme am Klassenkampf gleichbedeutend ist. Unter dem Einfluß des Emissärs der linken Exe-< kutive, Herrn Josef Baratz, mit welchem die hiesigen allgemeinen Zionisten einen förmlichen Kult getrieben haben, sind über hundert Mitglieder des „Gdud Zeirim" (Allgemein-zionistischer Jugendverband) ausgetreten und zum Hechaluz übergegangen. Herr Baratz hat also seinen Brotgebern von der palästinensischen Histadrutü „patriotische" Dienste geleistet. Vor uns liegt ein Aufruf, dem zu entnehmen, ist, daß die von den allgemeinen Zionisten mit allgemein-« zionistischen Geldern gegründete Kwuzah „Wien" in, Palästina aus dem Verband der allgemeinen Zionisten ausgetreten und sich den Linken angeschlossen hat. Das sind die Früchte der Erziehung unserer Jugend durch dit allgemeinen Zionisten,

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