Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 387 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 387 DIE NEUE WELT Seite 3 Der Jude Hitler it // Aus New York wird uns geschrieben: Die Blutnacht des 30. Juni in Deutschland hat eine unerhörte Verwirrung in die Reihen der Hitleristen Amerikas gebracht. Es ist keine Uebertreibung zu sagen, daß die Nazibewegung in den Vereinigten Staaten einen Todesstoß erhalten hat. Das, was die öffentliche Meinung nicht erzielen konnte, haben die Anhänger Hitlers selbst besorgt. Nicht nur ist die Nazibewegung in kleine Gruppen zersplittert worden, sondern es wurden auch tausenden Deutschen, welche bisher an den Hitlerismus glaubten, die Augen für die Wahrheit geöffnet. Abgesehen davon sind den hiesigen Deutschen Dinge zum Bewußtsein gekommen, die sie bisher nicht kannten oder von denen man ihnen •«inredete, daß sie von Feinden Deutschlands erfunden worden seien. Jetzt hat Hitler selbst erklärt, daß zahlreiche nationalsozialistische Führer degenerierte, homosexuelle und verbrecherische Individuen seien, welche den Tod verdient haben . . . Wie weit die Spaltung unter den hiesigen hitleristischen Organisationen gediehen ist, ersieht man aus der Tatsache, daß bei einem nationalsozialistischen Meeting ein Redner ausrufen konnte: „Der Jude Hitler hat unsere braven Führer abgeschlachtet! Das kommt davon, wenn man Fremde über das deutsche Volk herrschen läßt!" Einer der hiesigen Naziführer, George Silvester Viereck, ein persönlicher Freund des Exkaisers Wilhelm und jetzt ein Freund Hitlers und anderer Regierungsmitglieder, mußte, in die Enge getrieben, zugeben, daß er für die Leitung der Nazipropaganda in Amerika persönlich 3000 Dollar bekommt. Bei einem Verhör mit dem Anti-Hitler-Komitee hat Viereck auch erzählt, daß er seinerzeit Hitler vom Antisemitismus abbringen wollte. Hitler aber hätte ihm erwidert, daß der Antisemitismus ein wichtiger Teil seines Programmes sei. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, daß an der Spitze der nazistischen Propaganda in den Vereinigten Staaten ein polnischer Jude namens Karl Bauer steht, der für seine Tätigkeit 6000 Dollar pro ♦ ♦ ♦ Monat bekommt. Amerikanische Zollbeamte haben als Zeugen ausgesagt, daß auf jedem deutschen Schiff, das in Amerika landet, sich ein deutscher Propagandist befindet, und daß jedes deutsche Schiff riesige Mengen antisemitischer Literatur mitbringt. Amerikanische Journalisten bekommen freie Reise hin und zurück und durch Deutschland unter der Bedingung, daß sie günstige Berichte über das Dritte Reich schreiben. Außer der parlamentarischen Kommission, welche die Untersuchung über die Nazipropaganda in Amerika führt, ist hier auch eine juridische Kommission unter der Leitung bedeutender amerikanischer Politiker tätig. Vor dieser Kommission sind als Zeugen zahlreiche deutsche Flüchtlinge aufgetreten und auch Amerikaner, die in Deutschland waren und dort ihre Beobachtungen gemacht haben. Die Bluttaten Hitlers und seiner Freunde haben zweifellos dem Durchschnittsamerikaner das wahre Gesicht des Nazismus gezeigt und den Boykott gegen deutsche Waren erheblich verstärkt. Zu den führenden Propagandisten gegen Hitler-Deutschland gehört die hiesige einflußreiche Zeitung „New York Evening Pos t", die jeden Tag zum Boykott deutscher Waren aufruft, und man fühlt hier, daß, je intensiver der Boykott geführt wird, desto rascher der völlige Niederbruch Hitler-Deutschlands kommen muß. Immer mehr verschwindet in. den von Deutschen bewohnten Gegenden das Hakenkreuz. Auch die Naziversammlungen werden seltener und enden fast immer mit Schlägereien unter den Nazis selbst. Allerdings darf man nicht annehmen, daß das hitleristische Gift schon völlig aus dem Körper der Deutschen in den Vereinigten Staaten verschwunden ist. Es wird nur von Tag zu Tag unwirksamer . . » der Schweden-Stahl, Gipfel der Klingen: die schwedische Die Auswanderung der deut§dten Juden In der Zeitschrift der Zentrahvohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin wird ein Bericht über die Auswanderung der Juden aus Deutschland veröffentlicht. Dem Bericht geht eine Abhandlung voraus, in der das „Auswänderuii gsproblcm der deutschen Juden" behandelt wird. Der Verfasser gibt sodann die Zahl der auswanderungsfähigen Juden, das sind die unter Dreißigjährigen, auf etwa 120.000 an, so daß also etwa 60.000 Arbeitsplätze zu suchen seien. Er verteilt diese Arbeitsplätze auf die Länder in Uebersee und Europa und teilt dabei Palästina 16.000, Frankreich 11.000, England 3300, den Vereinigten Staaten von Amerika 7000, Holland und Polen je 4500 usw. Arbeltsplätze für die jüdischen Auswanderer aus Deutschland zu. Er stellt fest, daß bereits etwa 70.000 Juden Deutschland verlassen haben. Der Oberkommissär des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge James MacDonald erschien unangemeldet In den Bäumen des Comite National in der Ruc de la Durance zu Paris und begab sich mti dem Leiter in die große Abfertigungshalle, in der Hunderte von Flüchtlingen versammelt waren. Einer der Flüchtlinge erklarte ihm, eine große Anzahl von Familien sei so entkräftet, daß sie nicht einmal mehr fähig wäre, in den Räumen des Comite National zu erscheinen, wo die meisten doch vergeblich auf eine Milderung ihrer Not warten. Oberkommissär MacDonald erwiderte: „Unglücklicherweise stellen mir weder der Völkerbund noch die Regierungen der einzelnen Länder Geld zur Verfügung. Ich bin vollständig auf das angewiesen, was ich von privater Seite erhalte. Alle Projekte wären sinnlos, wenn die Emigranten inzwischen verhungern würden. Mit meinen Freunden und Kollegen zusammen werde ich alles tun, um zu versuchen, schnellstens Hilfe zu schaffen." (J. T. A.) T Aus aller Welt Laut Bericht des Vorsitzenden des United Jewish Compaign, Felix M. Warburg, hat diese Institution gemeinsam mit dem Joint Distribution Committee im laufenden Jahre bereits 1,555.000 Dollar für Hilfe an die deutschen Juden gesammelt. Die in diesem Jahre zum Zwecke der Hilfe an die deutschen Juden aufzubringende Summe ist bekanntlich auf 3 Millionen Dollar festgesetzt worden. «• Die italienischen Zeitungen bringen in großer Aufmachung die Mitteilung, daß das erste Opfer des Gesetzes zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses (Sterilisationsgesetz) in Deutschland, das bekanntlich auch auf Ausländer angewendet wird, eine jüdische Italienerin, Frau Rosa L a b r i o 1 a, die in Wiesbaden wohnt und angeblich an Epilepsie leidet, sein soll. Die italienische Presse wendet sich scharf gegen den „Rassenwahns Inn des Hitler-wRegimes" und fragt, warum unter den Hunderttausenden deutscher Epileptiker gerade eine ausländische jüdische Frau das erste Opfer sein soll. „Lavoro Fascista", das offizielle Organ der italienischen Gewerkschaften, fUhrt aus, durch das Sterilisationsgesetz drückt Hitler das deutsche Volk auf die Stufe des lieben Viehs herunter. Führt Hitler das deutsche Volk auf diesem Wege weiter, so werde noch eine Zeit kommen, wo die anderen Völker jedes Mittel der Verständigung mit den Deutschen verlleren werden. Die Italiener aber werden weiterhin Beethoven hören und Heine lesen und warten, bis der Haß Teuts sein eigenes Volk ausgebrannt haben und dieses Volk wieder das Alphabet der Kultur lernen wird. „La Tribuna" fragt, wie sich ein deutsches Gericht entschließen könne, eine italienisch-jüdische Frau zu sterilisieren, wo doch die Ereignisse des 30. Juni gezeigt haben, daß die Führerschaft der nationalsozialistischen Bewegung stark pervertiert ist. # Aus Adrianopol wird gemeldet, daß von dem dortigen' Kreisgericht drei Personen wegen Beteiligung an den jüngsten antisemitischen Ausschreitungenzuje drei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Die türkischen Zeitungen weisen bei dieser Gelegenheit auf die Schnelligkeit hin, mit der das türkische Gerichtswesen die Schul- Verwöhnte Strohwitwer speisen vorzüglich im Restaurant HofeB Stefanie im II, Taborstraße 12. Tel. R-46-5-57 «wa Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts Täglich frische Fische Speisen am Rost / Schoner schattiger Garten digen der Bestrafung zuführte, und erklären, in der Türkei gebe es keine Judenfrage. * Wie das in Saarbrücken erscheinende „Westland" berichtet, hat Minister Heß, der Stellvertreter Adolf Hitlers, Hans Gerd Techow zum Leiter der politischen Schulung s- und Fachschaftsarbeit ernannt. Techow wurde am 14. Oktober 1922 vom deutschen Reichsgericht wegen Beihilfe zum Mord an Minister Walther Rathenau zu vier Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt. Er zeichnete sich vor den Richtern vor allen anderen Angeklagten durch eine beispiellos freche Haltung aus. Er war der einzige, der den Toten noch einmal unflätig beschimpfte. In der vergangenen Woche hielt er in der Reichsführerschule der deutschen Studentenschaft eine Antrittsvorlesung über das Thema „Von der Erprobung und Festigung des Charakters", * Die jüdische Arbeitermannschaft „Gwiazda" hat im Finale der Fußballmeisterschaft der Hauptstadt Polens gegen den dortigen führenden polnischen Klub 2:0 gewonnen und damit die Fußballmeisterschaft Warschaus errungen. 6000 Zuschauer folgten mit großem Interesse dem Spiel und zollten der siegreichen jüdischen Mannschaft reichen Beifall. * Durch eine Filmgesellschaft, zu deren Gründung der Keren Hajessod die Initiative ergriffen hat, wird seit mehreren Wochen in Palästina ein Tonfilm gedreht. Die amerikanische Gesellschaft Fox Movietone hat einen ihrer besten Operateure, Charles Herbert, nach Palästina geschickt. Der erste große Palästina- Kulturtonfilm zeigt in rasch wechselnder Bildfolge das Tempo des jüdischen Aufbauwerks und die Entwicklung des Landes, die jüdische Stadt Tel-Awiw, Alt- und Neu-Jerusalem, das aufblühende Haifa, die Entwicklung des Emek Jezreel und seiner Siedlungen, den Beginn r @imott$brot nodj immer lmerretdfjt als ©efuitbljeits* unb Äraftbrot. SReidj an ben fo njidjtigen Mäjjrfalaen. @el)r bequem: <Stmon§6rot*@ffjnittettbacEd)eH in (Stanniol, ^rüdjtenbrot: 9Iufbau> unb 35arm^egiilator. ftu. I)oben in ^einfoftljanbluitgen n"b Dielen Säcfereien. V^@imon3Drotfttbtif aBien»$agran 55. £ägl. sßoftoetf.^/ neuer Kolonisation im Emek Chefer usw. Die schönen Bildfolgen werden von stimmungsvoller Originalmusik untermalt sein. Aber auch hebräisches Wort und hebräisches Lied, direkt durch die Tonkamera an Ort und Stelle aufgenommen, werden von der Leinwand ertönen. Ueber 10.000 Meter Aufnahmen sind bereits gedreht und unterwegs nach den Movietone-Ateliers in New York, v/o die Endbearbeitung erfolgen soll. Die Aufnahmen des letzten Teils des Films sind im Gange und nach etwa drei Monaten wird die Premiere des großen Palästina-Tonfilms in New York und den anderen Weltzentren erfolgen* * Unter der Ueberschrift „Eine charakteristische Intervention" meldet „Gazeta Warszawska" aus Berlin, daß ein bemittelter jüdischer Kaufmann und polnischer Staatsangehöriger, der sich vor zwei Jahren mit einer deutschen Arierin verheiratet hatte, von einem Berliner Gericht al3 „Rasseverderber" zur Stcrilisierung verurteilt wurde. Die Freunde des Verurteilten ersuchten das polnische Außenministerium um Intervention, welches sich wiederum an das Justizministerium um ein Gutachten Über den Fall gewandt hat* Auf Anfrage der J. T. A. beim polnischen Außenministerium wurde diese Mitteilung weder bestätigt noch dementiert. Im Auftrag der vereinigten jüdischen Verbände für Auswandererhilfe Hias Ica Emigdirect (Hicem) hat der Schriftsteller Dr. Abraham Coralnik die Länder Mexiko, Guatemala und Honduras bereist, um die Möglichkeiten für jüdische Einwanderung in diese Länder, insbesondere die Aussichten für die Unterbringung jüdischer Auswanderer aus Deutschland, zu studieren. Nach New York zurückgekehrt, berichtete Doktor Coralnik, daß die Regierungen dieser zentralamerikani<« sehen Staaten im allgemeinen eine freisinnige Politik befolgen und daß von einem offiziellen Antisemitismus dort nichts zu merken ist. Nach entsprechenden Unterhandlungen könne die Einwanderimg von qualifizierten Handwerkern sowie von landwirtschaftlichen und Industriearbeitern in diese Gebiete in einem gewissen Ausmaß organisiert werden. [Höre dich selbst! Scballplattenaufnahmen jeder Art Im Tllophari'Studio Margaretenstr. 22, Tel. B-20-2-19 I Die italienischen Juden boykottieren deutsohe Waren Aus Mailand (J. T.-A.): Ohne daß eine offizielle Boykottparole ausgegeben worden war, sind die italienischen Juden alle stillschweigend übereingekommen, deutsche Waren nicht zu kaufen und jeden geschäftlichen Kontakt mit Hitler-Deutschland zu meiden. Ein hervorragender jüdischer Gelehrter und Leiter einer wichtigen staatlichen Institution in Mailand — er wünscht nicht, daß sein Name genannt wird — hat das Angebot einer deutschen Firma, einen von dieser vertriebenen neu erfundenen Apparat an seinem Institut einzuführen, zurückgewiesen und wurde deswegen von der Firma im Wege durch das deutsche Konsulat wegen antideutscher Tätigkeit verklagt. Was Julius Streicher fordert In der Julinummer des berüchtigten Hetzorgans Streichers, „Der Stürme r", wird ausführlich und mit Genugtuung über die Vertreibung der thrazischen Juden berichtet. Es heißt dort: „Die Juden, die seit Jahrhunderten in verschiedenen Ländern des Weltreiches ihr böses Dasein treiben, werden endlich vom gesunden Verstand der Menschen verfolgt. So kam es auch, daß die Juden in der Türkei, von ihrem bösen Gewissen und Angst getrieben, ihre Wohnstätten in den Gegenden von Thrazien verlassen und in großen Scharen nach Istanbul emigriert haben. Dieses Ereignis, das uns eine wahre Freude bereitet hat, ist eine natürliche Strafe des Judentums. Eines Ist sicher: auch in der Türkei hebt ein Erwachen an, die Türken haben vor mehr als einem Jahrzehnt die Welt überrascht durch die blutige Vernichtung des Bastardvolkes der Armenier, das türkische Volk wird auch mit dem jüdischen Mischvolk noch einmal eine Abrechnung halten, die der Größe des Leides entspricht, das der jüdische Wucherer in das türkische Bauernland gebracht hat." (J. T. A.) * Bekanntlich hatten auch bei den letzten antisemitischen Judenvertreibungen in Thrazien, gegen deren Urheber die türkische Regierung nunmehr energisch vorgeht, die deutschen Nationalsozialisten ihre Hände im Spiel. Vom Pragier Sportklub Hagibor Sonntag, den 29. Juli, wurden im großen Schwimmstadion in Prag die tschechoslowakischen Schwimmmeisterschaften ausgetragen. Als Sieger ging der Prager jüdische Sportklub Hagibor hervor, der mit 153 Punkten einen Vorsprung von über 100 Punkten vor dem zweitplacierten Klub (ö. P. K.-Brünn) erreichte. Es ist bereits das vierte Mal, daß den Prager jüdischen Schwimmern der Titel des tschechoslowakischen Staatsmeisters im Schwimmen zuerkannt wurde. In der 400 Meter langen Staffel erzielten die jüdischen Schwimmer einen neuen tschechoslowakischen Rekord. An den Schwimmeisterschaften beteiligten sich noch zwei jüdische Klubs, Bar Kochba (Brünn) und Bar Kochba (Bratislava), die ebenfalls gute Leistungen erzielten. Im Anschluß an die Schwimmeisterschaften wurde vom tschechoslowakischen Schwimmverband die Mannschaft für die in Magdeburg stattfindende Olympiade nominiert. Die jüdischen Schwimmer beharrten auf ihrem bereits seinerzeit bekanntgegebenen Standpunkt, sich an keinerlei Veranstaltungen in Deutschland zu beteiligen. Es wurde darum auch von der Entsendung der jüdischen Sportler Abstand genommen. Die polnischen Sportler und die Berliner Olympiade, Das Polnische Olympiade-Komitee erhielt von der American Olympic League in Pittsburgh einen Appell, an der in Berlin 1936 stattfindenden Olympiad« wegen der Rassenverfolgungen in Deutschland nicht teilzunehmen, jj4 j± AJ^