Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 387 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 DIE NEUE WELT Nr. 387 Kennen Sie schon die grandiose Wirkung des FRANZBRANNTWEIN Jeder Gesunde und Jeder Kranke wird es Ihnen bestätigen, daß die denkbar beste Wirkung durch DIANA-Fraitzbraitntwefn mit Menthol erzielt wird UBERALL ERHÄLTLICH! Juden§taat§*Gedanken Von Dr. Berthold Lewkowitz Der Obmarm des Prager Misrachi übersendet uns nachstehenden Aufsatz. Die Judenstaats-Idee ist keine Erfindung des Herzischen Zionismus. Sie steht am Anfang unseres völkischen Seins und wird immer unsere Gemeinschaft erfüllen, so lange noch jüdische Menschen von wirklichem nationalen Lebenswillen durchdrungen fein werden. Hier hilft kein Deuteln oder Hinwegdisputieren. In dem Bunde zwischen unserem Stammvater Abraham und dem Ewigen ist uns Erez Israel für alle Zeiten al3 eigener, selbständiger Staat verheißen worden. Abraham ist der Repräsentant, die Jewiah Ageney des jüdischen Volkes. ,,Ich werde meinen Bund errichten zwischen Dir lind mir und Deinen Nachkommen nach Dir in allen Geschlechtern, als ewigen Bund, will Dir und Deinen Nachkommen Gott sein. Und ich werde Dir und Deinen Nachkommen nach Dir das Land Deines Aufenthaltes, das ganze Land Kanaan, zum ewigen Besitze geben, und ich will ihnen Gott sein." (I. Buch Moses, Kap. 17 V. 7, 8). Auf diese Stelle des Buches der Bücher stützt sich der wahre Rechtsanspruch des jüdischen Volkes auf unser Land. Diese Stelle ist der wahre Rechtstitel, und nicht die Balfour-Deklaration, die allerdings auch ihre eigene Bedeutung hat. Die Bibel ist heute noch der anerkannte Rechtskodex des katholischen und evangelischen Kirchenrechts. Noch heute gilt die Bibel eben als Rechtsquelle. England, das wie kein anderes Land der Erde mit «einen tausenden von Bibelgesellschaften den Geist der Bibel in sich aufgenommen und diesem gesunden Geist mit seine Größe zu verdanken hat, wird diesen unseren heiligen Rechtsanspruch verstehen müssen und können. Aber wir Juden können diesen Anspruch freimütig und ehrlich nur erheben, wenn wir in unserem Privatleben und als Gemeinschaft die Bibel selbst als verpflichtend, als noch geltend, als jetzt noch vorhanden, restlos anerkennen. Wir können nicht unser Recht auf einer Grundlage basieren, die wir selbst nicht als göttlich, für alle Zeiten festgelegt, anerkennen. Das wäre ein Widerspruch in sich 3elbst. Man kann nicht von anderen die Respektierung einer Rechtsgrundlage verlangen, die man selbst nicht anerkennt. Hier in diesen Sätzen unserer Bibel, unseres Rechtskodex, ist die Petition, die wahre Petition, der ewige Anspruch unseres Volkes auf den Judenstaat in Erez Israel festgelegt. Keine Völkerrechtsgemeinschaft, kein Staat, am allerwenigsten England, der Staat der Bibel, wird diesen Anspruch hinwegdisputieren wollen. Kein Volk kann ungestraft dieses ewige Recht unseres verfolgten Stammes negieren. Ich bin der felsenfesten Ueberzeugung, daß England den einmütigen Willen unserer Gemeinschaft, wenn sie •wirklich vom religiös-nationalen Geist erfüllt wäre, ohne weiteres respektieren würde. Steht doch auch im Hintergrunde der Balfour-Deklaration zweifellos die Verheißung der Bibel. Diese Verheißung ist das eigentliche Motiv der Erklärung. Wie wäre sie denn sonst zu erklären? Wir religiösen Zionisten ließen uns selbstverständlich immer vom Staatsgedanken leiten und wir können ihn niemals aufgeben, wollen wir nicht Verrat an unserer eigenen Sache üben. Nur im eigenen Staate können wir unsere Ideale, die Normen der Tradition, zu Staatsgesetzen erheben. Nur im eigenen Staate können wir für alle, für In- oder Ausländer verpflichtende Bestimmungen gegen die Sabbatentweihung wirksam schaffen. Nur im eigenen Staate können wir die Konzessionen von Sphank- und Gastwirtschaften davon abhängig machen, daß die Kaschruth-Vorschriften wirksam eingehalten werden. Nur im eigenen Staate können wir einen einheitlichen Schultypus schaffen, in dem unsere heranwachsende Jugend im traditionellen Geist erzogen wird. Dies sind nur einige Beispiele, die sich ins Hundertfache vermehren ließen. In einem jüdisch-religiösen Staatswesen, um nur noch eins zu erwähnen, wird es unmöglich sein, daß die Geschlechter ohne das Band der Ehe einfach „in freier Liebe" zusammen leben. Darin würde unser Staatswesen die größte Versündigung gegen unsere Tradition erblicken und mit allen Mitteln dagegen ankämpfen, weil dies der Anfang vom Ende jedes Gemeinschaftslebens wäre. Nur die Schaffung des Judenstaates' vermag auch der nicht hinwegzuleugnenden Not der jüdischen Gemeinschaft wirklich zu steuern. Von dieser Erkenntnis ging auch zweifellos die Balfour-Deklaration aus, — dies ist das zweite Motiv der Erklärung. Schon vor der Balfour-Deklaration hat man sich in der englischen Oeffentlichkelt eingehend mit dem Judenstaataproblem befaßt. „The New Stateflman" behandelte am 8. Juli 1916 an leitender Stelle die Bedeutung des Zionismus. Dort wird u. a. erklärt: „Die Schaffung eines autonomen jüdischen Staatswesens in Palästina oder anderswo — obzwar nur in Palästina ein solcher Staat Aussichten hat — und seine gedeihliche Entwicklung und Entfaltung würde die Lage des gesamten jüdischen Volkes heben und dem Judentum als Nation wieder Selbstachtung verleihen." Am 12. April 1917 befaßt sich im „New Burope" ein Schriftsteller mit der Judenfrage: Welche Ansprüche auch immer die Juden erheben mögen, es ist klar, daß ein autonomer Judenataat in Palästina hinreichende Gewähr für seine Existenz haben muß, sei es durch internationale Garantien oder durch die Schutzoberhoheit einer Großmacht. Am 30. Mai 1917 finden wir im Leitartikel des ,,Daily Chronicle" über den Sieg in Palästina folgende Sätze: „Das Projekt der Errichtung eines jüdischen Staatswesens unter englischem Protektorat hat sehr viel für sich. Dem Judentum den steten ideellen Brennpunkt seines ewigen lebendigen, nationalen und geistigen Lebens zurückzugeben, wäre eine würdige Krönung unseres Programms der Befreiung der kleinen Völker." Wie hat nun die Friedenskonferenz das Programm der Befreiung der kleinen Völker durchgeführt? Man hat ihnen den eigenen nationalen Staat gegeben. Auch die Balfour-Deklaration geht von solchen Erwägungen aus, wenn sie auch nicht ausdrücklich den Judenstaat erwähnt. Für diese Nichterwähnung werden taktisch-politische Gründe — man befand sich ja noch im Kriegszustand mit der Türkei — maßgebend gewesen sein. Wenn man aber den Wortlaut der Erklärung näher interpretiert, so kann man nur zu einer eindeutigen Schlußfolgerung gelangen. Welchen Sinn soll eigentlich der Nebensatz haben, „wobei selbstverständlich nichts unternommen werden soll, was den bürgerlichen und religiösen Rechten bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder der staatsbürgerlichen Rechtsstellung der Juden in irgendeinem anderen Lande Abbruch tun könnte?" Wenn die Balfour-Deklaration nicht die Schaffung eines jüdischen Staates im Auge hat, wozu eigentlich dieser Nebensatz? Nur ein selbständiger Staat kann doch die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina einschränken. Balfour geht also von der Erwägung aus, daß wir Juden in Palästina eine autonome Gesetzgebungsgewalt haben sollen, die sich über alle Einwohner des Landes, über alle Gemeinschaften des Landes erstreckt. Eine derartige Gesetzgebungsgewalt kann aber in Palästina nur von einem Judenstaat ausgehen. Und weshalb sollen die Rechte der Juden in den übrigen Ländern unangetastet bleiben? Man wollte Vorsorge treffen, daß nicht etwa antisemitische Staaten durch die Schaffung des Judenstaates plötzlich eine rigorose Ausweisungspolitik beginnen oder sonstwie die Rechte ihrer jüdischen Staatsbürger schmälern. Oder kann man ernstlich glauben, daß die Schaffung von Kolonien in einem nicht jüdischen Staat die Rechtsposition der Juden anderer Länder gefährden könnte? Es gab doch jüdische Kolonien in Argentinien zur Zeit der Balfour-Deklaration. Ist im Hinblick auf diese jemals der Gedanke aufgetaucht, daß diese die jüdische Gleichberechtigung gefährden könnten? In der Balfour-Deklaration ist eben an mehr gedacht. In Palästina soll nicht nur die juristische Möglichkeit gelegt werden, für verdrängte und verfolgte Juden ungehinderte Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, sondern in Palästina sollte der Judenstaat geschaffen werden. Die englische Presse hat auch im Jahre 1917 die Balfour-Erklärung ganz eindeutig aufgefaßt. Der „Manchester Guardian" erklärt zum Beispiel unter anderem: „Wir sprechen von Palästina als von einem Stephen §♦ Wise in Europa Der in London eingetroffene Ehrenpräsident des American Jewish Congreß, Dr. Stephen S. W i s e, sprach in einer Unterhaltung mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur sein Bedauern darüber aus, daß sich der innerjüdische Hader in Palästina nach der Freisprechung Stawskys nicht nur nicht vermindert, sondern sogar verschärft hat. Das H i 11 e r t u m, fuhr Dr. Wise fort, hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in verschiedenen nichtdeutschen Ländern die Grundlagen de« jüdischen Lebens erschüttert. Ich konnte beobachten, wie in den Vereinigten Staaten eine Hitler-Bewegung entsteht und sich entfaltet. Bei alledem ist nirgends eine jüdische Einheitsbewegung bemerkbar, die das jüdische Volk zusammenkitten soll. Die jüdische Arbeiterorganisation Histadruth bildet faktisch die jüdische Regierung in Palästina. Wir haben darum das Recht, von ihr und ihren Anhängern Mäßigkeit und Toleranz zu fordern. Das jüdische Volk erwartet von der Histadruth, daß sie die Würde einer verantwortlichen Regierung wahrt. Aber auch von den Revisionisten hat das jüdische Volk das Recht, zu fordern, daß sie mehr Mäßigkeit und Ueberlegtheit an den Tag legen. Bei uns in Amerika, schloß Dr. Stephen S. Wise, nähert sich der Gedanke einer jüdischen Einheitsfront der Verwirklichung; wir sind hierin im letzten Jahre weitergekommen. Die Aktion zum Boykott Hitler-Deutschlands ist aus dem Stadium einer instinktiven Reaktion nur der jüdischen Massen herausgetreten und dringt immer mehr in das Bewußtsein des amerikanischen Volkes ein. Land, aber es ist kein Land. Doch es wird ein Land werden; es wird das Land der Juden werden. Das Ist die Bedeutung des heute veröffentlichten Briefes." Bei der bekannten Demonstration im Londoner Opernhaus vom 2. Dezember 1917 hat man der Balfour- Deklaration gewissermaßen die erste authentische Interpretation gegeben. Lord Robert Cecil erklärte u. a.: „Wir wünschen, daß die arabischen Länder den Arabern, Armeniern, und Judäa den Juden gehöre." Dr. M. G a s t c r erklärte in seiner Ansprache: „Was die Juden zu erreichen wünschten, sei nicht bloß das Recht, Kolonien oder Erziehungsanstalten, kulturelle oder gewerbliche Institutionen zu gründen. Sie wollten vielmehr in des Wortes vollster Bedeutung ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina schaffen. Sie wollten ein Palästina, das ein Palästina der Juden, nicht bloß ein Palästina für die Juden werde. Sie wünschten, daß das Land wieder das würde, was es einstens gewesen ist und was es für die Juden in ihren Gebeten und in ihrer Bibel gewesen sei, ein Land Israels." Das ist die einzig mögliche Auslegung der Deklaration. Der Zionismus steht und fällt mit dem Judenstaatsgedanken. Verleugnet man ihn, dann muß sich der Zionismus in eine Bewegung wohltätiger und arbeitender Individuen auflösen, denen eine gemeinsame Zentralidee fehlt. Der wirksame Schutz der jüdischen Minderheiten in der Galuth und Überhaupt der jüdischen Menschen in der Galuth kann nur durch die Schaffung des Judenstaates gewährleistet werden. Nur die Staaten sind allgemein anerkannte Völkerrechtssubjekte. Nur der Judenstaat kann Sitz und Stimme im Völkerbund haben, nur der Judenstaat kann durch Retorsionen. Repressalien oder andere völkerrechtliche Maßnahmen die bedrohten jüdischen Interessen zu allen Zeiten schützen. Deshalb zurück zur Juden staats-Idee! Allerdings schwebt uns Misrachisten nur ein Judenstaat auf der Grundlage unserer heiligen Tradition vor. Und wir werden ihn schaffen, denn wir vertrauen auf Gott, dem großen Lenker unseres Volksgeschicks. Das Hilfskomitee für russische Juden Aus Warschau wird uns gemeldet: Der Generalsekretär des Londoner Verbandes de* jüdischen Hilfsorganisationen, A. M. Kaiser, ist von seiner Reise durch die jüdischen Siedlungen Sowjetrußlands hierher zurückgekehrt. Wie Herr Kaiser erklärt, hat sich die Lage der deklassierten Juden infolge des Fünfjahrplanes ökonomisch gebessert, doch ist noch ein bedeutender Rest hilfloser deklassierter Juden, hauptsächlich älterer Leute, Waiserikinder und Pogromopfer, geblieben, denen nur vom Ausland Hilfe gebracht werden kann. Die mit der Hilfe für diese Juden betrauten russischen Funktio* näre stellen drei. Arten von Möglichkeiten auf: 1. Ausbildung fürs Handwerk und Ueberleitung zu produktiver Arbeit. 2. Die Schaffung von Auswanderungsmöglichkeiten für diejenigen, welche für produktive Arbeit untauglich sind. 3. Dauernde Unterstützung durch den „Torgsin" für diejenigen, welche weder berufsnoch auswanderungsfähig sind. Herr A. M. Kaiser hat mit den russischen Regierungsinstanzen dieses ganze Programm besprochen und man rechnet nunmehr damit, daß das Londoner Hilfskomitee seine Arbeit auch auf die Juden in Sowjetrußland ausdehnen wird. Die arabische Politik gegenüber England Emir Abdullah von Transjordanien erklärt in einem Presse-Interview, er sei von den Ergebnissen seiner Mission in England vollkommen befriedigt. Die ihm seitens des Königs, der königlichen Familie und der englischen Staatsmänner entgegengebrachte Herzlichkeit habe tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Er rate den Arabern, ihre Politik der Non-Kooperation gegenüber England aufzugeben und für ihre Beziehungen zu England ein positives Programm auszuarbeiten. Hiebei betonte der Emir, wie groß der Einfluß sei, den die Juden infolge ihrer andersartigen politischen Haltung auf die öffentliche Meinung Englands ausübten. _ Die Zahl der Juden in Jugoslawien Aus Belgrad: Das im Staatsverlag herausgegebene Statistische Jahrbuch für Jugoslawien enthält Angaben über Zahl und Verteilung der Juden im jugoslawischen Königreich. Nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 31. März 1931 gab es in ganz Jugoslawien 6 8.4 0 5 J u d e n, d. i. 0,4 9 Prozent der Gesamtbevölkerung. In den einzelnen Banaten (politische Verwaltungseinheiten) wohnen: Im Drau-Banat (Slowenien) 820 Juden (0,07 Prozent der Gesamtbevölkerung), im Drina-Banat (Bosnien) 10.043 (0,65 Prozent), im Donau-Banat (frühere ungarische Gebiete) 18.518 (0,78 Prozent), im Morava-Banat (Alt-Serbien) 586 (0,04 Prozent), im Küsten-Banat (Dalmatien) 578 (0,07 Prozent), im Save-Banat (Kroatien) 19.575 (0,72 Prozent), im Vardar-Banat (Süd-Serbien) 7579 (0,48 Prozent), im Vrbas-Banat (Nord-Bosnien) 11.060 (0,11 Prozent), im Zeta-Banat (Montenegro) 610 (0,07 Prozent) und in der zu keinem Banat gehörenden Hauptstadt Belgrad 8936 (3,09 Prozent). An der Universität Zagreb (Agram) waren im Sommersemester 1933/34 360 jüdische Hörer, bei einer Gesamthörerzahl von 5078 inskribiert. Achtung!! Trotz der herrschenden großen Hitze speisen Sie mit Genuß im schönen schattigen Garten des Restaurants „Hotel Stefani e", II., Taborstraße 12. Reichhaltige Menüs schon von S 1.60 aufw. Speisen am Rost. Verbuchen auch Bltll