Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 387 (3.8.1934)
- Date
- 1934-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712010--4513-2718005- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 20 Groschen Jahrgang 8 freilag/ den 3* August 1934 Nr« 387 V« b. b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expädie par rßditeur" nie yEiir ****s mm ■ ■■ liMVLr REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—> vierteljährig Zloty 6.—-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Rnmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion «. Verwaltung: IX, Universitätssir, 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag «. Freitag NazuEmi'granten und Flüdith'ngshüfe Professor Dr. Norman Bentwich, Direktor des Hochkommissariats für deutsche Flüchtlinge in London, teilte Pressevertretern mit: „Infolge der jüngsten Ereignisse in Deutschland befassen sich die Abteilungen des Hochkommissariats nunmehr auch mit der Versorgung der geflüchteten Nationalsozialisten, die sich der Verfolgung seitens ihrer eigenen Parteiangehörigen entzogen. Es ist zu betonen, daß die Flüchtlingshilfe keineswegs allein auf jüdischer Basis durchgeführt wird. Ein bedeutender Prozentsatz der Flüchtlinge ist christlichen Glaubens; ihm wird aus den gemeinsamen Mitteln genau so geholfen wie den Juden!" (J. T. A.), Pa!ä§$flsia§ Sozialisten propagieren Hifler*Waren Aus Tel-Awiw wird berichtet; D:is antideutsche Boykott-Komitee in Palästina ist mit einer Reihe von Kaulleuten in Verbindung getreten und hat dahin gewirkt, daß nie mit keinerlei deutschen Waren mehr Handel treiben. Tatsächlich hat sich dieser Umstand beim deutschen Import nach Palästina bereits fühlbar gemacht. Die in Rede stehenden Kaufleute erklären nun, sie seitn nicht lange imstande, ihren Beschluß aufrechtzuerhalten, da die übrigen Kaufleute den Boykott nicht durchführen. In der letzten Z<\it hat die Tätigkeit der mit der Durchführung des deutsch-palästinensischen Transfers betraute Gesellschaft zu sonderbaren Erscheinungen geführt. Diese Gesellschaft nämlich begann mit den boykottierenden Kaufleuten Verhandlungen zu führen und ihnen nahezulegen, bei ihr deutsche Waren zu kaufen. Das Tranüfer-Komitee ist, wie man weiß, eine von den Linken ins Leben gesetzte Organisation, die einzelnen palüstincn: sehen, der Histadruth nahestehenden Firmen Geschäfte zuschanzen will. So wird jetzt bekannt, daß seit dem Abschluß des ersten Abkommens im Herbst 1933 bis Mitte Juli 1934 deutsche Waren um 3,13 Millionen Reichsmark auf Transferkonto in Palästina abgesetzt wurden und daß außerdem die Pflanzungsgejsellschaften „Hanotea", „Jaffa Plantation Ltd." und, „Nir" über eine Summe von mehr als 1 Million Reichsmark zum Transfer angemeldet haben. Jetzt droht die Transferkommission den Kaufleuten, welche die deutschen Transferwaren ablehnen, mit schärfster Konkurrenz durch Herabsetzung der Preise. Auf diese Weise sind die Linken in Palästina direkt zu Befürwortern des deutschen Warengeschäftes mit Palästina' geworden. üevi§ionB$fi§dter E"rBeden§vor§dhIa<g A\is Paris meldet die J. T. A. unter dem 30. Juli : Die Exekutive der Weltunion der Zionisten-Eevisionisten hat sich an die Leitung der „Mapaj" (der sozialdemokratischen Organisation der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas) mit dem Vorschlag gewendet, zu einer Konferenz zusammenzutreten, die den Zweck haben soll, die Kämpfe in den zionistischen Reihen abzustellen. Im Vorschlag wird gesagt, daß der gegenwärtige Zustand Gefahren für den Jischuw und für den Zionismus in sich birgt, was eine Aktion zur Ausfindigmachung eines technischen modus vivendi erforderlich mache. |J8H82ZSra«l . Der seinen Posten in London verlassende polnische Gesandte und frühere Außenminister Graf Konstantin Skirmunt führte in seiner Antwortrede auf dem ihm zu Ehren von der Föderation polnischer Juden in England gegebenen Bankett zur Situation der Juden in Polen noch folgendes aus: „Polen hat niemals in seiner Geschichte die Juden vertrieben und niemals seine Tore Verfolgten oder aus anderen Ländern Vertriebenen verschlossen. Ihr hattet gemeinsam mit uns glückliche Tage und schwere. Polen hat eine Regierung, die jedem guten Bürger Schutz gewährt. In wirtschaftlicher und politischer Beziehung •wünscht die polnische Regierung nichts anderes, als jeden polnischen Bürger in gleicher Weise zu behandeln. Ich hoffe, daß die Möglichkeiten für polnische Juden sich ständig vergrößern werden. Lassen Sie mich Ihnen in Erinnerung bringen, daß der Antisemitismus keine polnische Erfind u n g ist. Den Aufbau des palästinensischen Staates, die Errichtung Eures National h ei ms, verfolgt die polnische Regierung mit größter Sympathie. Polen hat infolge der starken natürlichen Vermehrung der jüdischen Bevölkerung jährlich einen Bevölkerungszuwachs von 50.000 jüdischen Seelen; für dieses Problem muß eine Lösung gefunden werden. Wenn die Juden ein Nationalheim haben, wenn eine gewisse Zahl von ihnen dahin auswandern kann, so wollen wir ihnen dabei nur behilflich sein. Die verantwortlichen Männer in Polen sehen in der jüdischen Bevölkerung gleichgestellte Bürger, die im Genuß derselben Rechte wie die Polen selbst sind. Können sie dort glücklich sein, so wünsche ich ihnen nichts anderes." (J. T. A.) I MERANO PENSION MERAN Deutsches Haus unmittelbare Nähe der Kurpromenade und des Kurhauses Höchster Komfort / ßutterküohe / Lire 25 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beiaefüRtea E bezeichnet. Verlange ausdrücklich den feinen Die Zuteilung der neuen Zertifikate Die Jewish Agency hat die Hälfte der neuen Zertifikate für Einwanderer aus Deutschland und aus Deutschland ausgewanderte Personen in andere Länder bestimmt. Die Zertifikate sollen zum größten Teil an solche Arbeiter ausgegeben werden, die in die palästinensische Schwerindustrie, wie die chemischen Werke am Toten Meer, die Ruthenbergschen Elekrizitätswerke und die Zementfabrik „N e s c h e r", eingereiht werden sollen, da diese Industriebetriebe besonders schwer unter dem Arbeitermangel leiden. Pension Irma Meister. Heran Idealer Küche, r nanzJShrlgei* Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte i, herrl. Park, müßige Preise. V erlangen Sie Prospekt Wien, 1. August. Amtlich wird mitgeteilt: Von zweifellos gegnerischer Seite wurden in den letzten Tagen fortgesetzt und offenbar planmäßig die verschiedensten Gerüchte ausgestreut und bisweilen auch Mitglieder der Bundesregierung in verleumderischer Weise verdächtigt. Der Zweck dieser Gerüchtemacherei ist offensichtlich darin zu suchen, Unruhe, Uneinigkeit und Verwirrung in die Reihen der vaterländischen Bevölkerung zu tragen. Es ergeht hiemit die Aufforderung, jeden, der bei der Weitergabe solcher verleumderischer, die Ruhe gefährdenden Gerüchte betreten wird, sofort zur Anzeige zu bringen, um ihn der verdienten Strafe zuzuführen. Es wird nachdrücklichst nicht nur auf die Strafbarkeit, sondern auch auf die Unsinnigkeit dieser bewußten Irreführung durch Ausstreuung von Gerüchten, deren Unstichhältigkeit auf den ersten Blick ersichtlich ist, aufmerksam gemacht. Billige Gesellschaft!« reis« nach Polenl t: 5. September und | f ■ Abfahrt: 15. August 1934. — Rückfahrt ■ 4. Oktober 1934. ■ Fahrpreise: Wien—Krakow—Wien S 52.—; Wien—Bzeszow— ■ Wien S 62.—; Wien—Lwow—Wien S 80.—. I Anmeldungen und Auskünfte bis 10. August. Polnisches 5 Reisebüro „ORBIS", Wien I, Kärtnerstr. 41, Tel. R-26-1mß Oesf erreidusdie§ Mosaik Wien, 2. August. Im Jahre 1864 fabrizierte der Russe Nilus für seinen Zaren die berüchtigten „Protokolle der Weisen, von Zion". Seit 70 Jahren also geht das Gefasel von der „jüdischen Weltherrschaft" seinen Weg durch die Kanäle des Hasses, der Rachsucht und der niedrigsten Leidenschaften. Der Hitlerismus hat durch seine Herolde das fast vergessene Falsifikat wieder „zu Ehren" gebracht. Es ist das Rüstzeug für die Träger und Propagatoren des Hakenkreuz-Gedankens geworden, wenn von Gedanken überhaupt die Rede sein kann. Das Östereichische, vom Dritten Reich inspirierte, geführte und tapezierte Hakenkreuz hat, wie in anderen Belangen, auch in Dingen des Ariertunis von den „Protokollen" seine Nährkräfte bezogen. Das Streben der Juden nach der Herrschaft über alle war bekanntlich die Schreck-Parole, mit der man Kinder und Narren, vornehmlich aber auch wohladjustierte, staatliche Gagenbezieher schreckte und zur — Gegenwehr aufrief. Wenn also jemand in Oesterreich daran ging, die Macht des Staates den gegenwärtigen Machthabern zu entreißen und so die ersten Stufen der Weltherrschaft zu beschreiten, so können es in der Terminologie des arischen Hakenkreuzlertums nur die minderrassigen Juden gewesen sein. So weit wären wir also. Allerdings wird — und da hat die Sache einen Haken! — kaum ein nüchterner Mensch behaupten, daß die Führer der Nazirevolte minderrassige Nichtarier seien, vielleicht gar Zugereiste. Die Wiener vaterländische „Reichspost" ist hier zweifellos authentisch. Sie betitelt die Revolte der Nazis rings um die Alpine mit „Barbaren über Kärnte n", sie schreibt über die Zustände nach dem erledigten Putsch: „Auch jetzt noch versagen in Leoben die staatlichen Organe" und gesteht, daß Kärntner Krankenkassenärzte sich als R e b e 11 e n betätigt haben. Es wäre über diese schon bekannten Dinge nichts zu sagen, würde nicht eine gewisse Presse (von der katholischen „Reichspost" bis zu den getarnten „Wiener Neuesten Nachrichten") immer wieder die Vaterlandstreue der österreichischen Judenschaft verdächtigen, bezw. die Vaterlandstreue von der —• Zuständigkeit und Heimatsberechtigung abhängig machen. Die österreichische „arische" Presse verlangt immer wieder, daß die „Zugereisten" eliminiert werden und den Bodenständigen Platz machen. Denn, argumentieren sie, nur der Bodenständige besitzt jene vaterländische, von Heimatsgeruch umspülte Gesinnung, die für die Ausübung gewisser Berufe, wie Krankenkassenärzte, Richter, Beamte und sonstige öffentliche Stellungen, erforderlich ist. Die Nazirevolte hat keinesfalls die Bestätigung dieser Theorie gebracht. Die staatlichen Organe in Leoben, die versagt haben, die Krankenkassenärzte, die sich als Rebellen betätigten, die Barbaren, die über Kärnten hausten, sind nicht gerade Argumente für den Wert der Bodenständigkeit. Ob man aus Lundenburg oder aus Leoben stammt, ist für die Vaterlandstreue nicht ausschlaggebend. Jüdische Aerzte und sonstige jüdische Elemente werden ständig abgebaut, um den sogenannten „Bodenständigen" Platz zu machen. Wenn man es mit dem Wunsch ernst meint, nur patriotisch gesinnte Menschen am Dienst zu sehen, dann wird man wissen, wo auszumisten ist»