Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 385 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DTE NEUE WELT Nr. 385 läßt sich gar nicht ermessen. Jedenfalls war die Ermordung Kains durch Abel eine tugendhafte Tat im Vergleich zu der Perfidie, mit welcher die Linke in Palästina und in der Gallith - hauptsächlich durch die eigene und verwandte Presse — gearbeitet hat. Die Hauptverhandlung vor dem Erstgericht brachte nichts Neues. Sie ergab im ganzen und großen eine Wiederholung des Tat- und Gerüchtebestandes der Voruntersuchung, aber sie ließ auch deutlich erkennen, daß das Gericht der Suggestion durch die Linke nicht viel entgegenzusetzen habe. Für die Behörden war es bequem, den ihnen von der Linken vorgezeichneten Spuren zu folgen und dort bockbeinig zu werden, wo sich diese ins Leere verloren. Denn, daß sie — gelinde gesagt — Ungenauigkeiten und Beeinflussungen an den Tag legten, werden sie nach dem Urteilsspruch gewiß nicht bestreiten wollen. Die Manipulation mit dem Rock des Ermordeten, der zum Arbeiterführer Dow Hos gebracht wurde, das verschwundene erste Pollzeiprotokoll, die Qeschichte mit der aus dem Körper des Ermordeten entfernten Revolverkugel und eine Reihe ähnlicher „Unregelmäßigkeiten" gaben gewiß dem Verteidiger Horace Samuel das Recht, die Polizei anzugreifen und sie der Begehung eben dieser Unregelmäßigkeiten zu bezichtigen. Hat doch ein großer Teil der englischen Presse („Evening Standard" vom 28. Juni, „Daily Sketch" vom 3. Juli) den Prozeß mit dem hitleristischen Reichstagsbrandprozeß und mit dem Prozeß gegen Sacco und Vanzetti verglichen. Gegen Hisladrulh und Exekutive Die Verurteilung Stawskys leitete die letzte Phase des gigantischen Kampfes für die Wahrheit ein. Raw Kuk und zahlreiche Persönlichkeiten des Jischuws setzten eich an die Spitze einer Befreiungsaktion, der sich überall andere Gruppen spontan anschlössen. Die Linke murrte. Denn sie begann zu fühlen, daß jedes von den Verfechtern des Rechts gesprochene Wort sich nun in seiner Wahrheit erfüllen, jede geschriebene Zeile von Stunde zu Stunde mehr Ihre Anwendung bewähren könnte. Der unerhörte Druck der öffentlichen Meinung, so wie dies im deutschen Reichstagsbrandprozeß der Fall war, mußte wie das mahnende Gewissen bis zum Richtertisch dringen. Aber mehr noch. Die Worte Stawskys nach seiner Verurteilung „Der Prozeß gegen mich ist eine Provokation seitens der jüdischen Arbeiterpartei und der Palästina- Regierung" mußten auch den Fernstehendsten die Augen öffnen. Wieder setzte die „Neue Welt" mit ihrer Attacke gegen das Todesurteil und gegen die linken Handlager ein. In ihrer Ausgabe vom 12. Juni unterzog sie Verhandlung und Stimmung einer Analyse, um zu einer präzise formulierten Anklage gegen die britischen Behörden, die Histadruth, die linken Mitglieder der Exekutive zu gelangen. Die Betroffenen taten das, was Ueberführte tun: Sie schwiegen d a und suchten Schuldige dort. Und Horace Samuel hatte den gewiß fundierten Mut, vor dem Appellationsgericht dieHistadruth und die Jewish Agency der Zusammenarbeit mit der englisch-arabischen Staatsanwaltschaft zu beschuldigen. Am 12. Juni, vor der Freisprechung Stawskys, schrieben wir: „Da wir nicht annehmen können, daß die linke Exekutive, von Scham Ubermannt, die Konsequenzen aus dieser Lage ziehen wird, da wir aus Erfahrung wissen, daß ihr Gefühl in Dingen nationaler jüdischer Ehre auf dem absoluten Nullpunkt angelangt ist, wenden wir unser Gesicht von ihnen weg zur Zionistischen Organisation: Wird sich diese die Haltung der linken Herren weiterhin gefallen lassen?" „Wir werden mit den Linken abrechnen. Wir werden diese Abrechnung so halten, daß mit ihr ein neuer Abschnitt in der moralischen Geschichte der zionistischen Bewegung beginnt." So schrieb die „NflOe Welt" nach dem Freispruch Stawskys, am 24. Juli. In den Bereich der Abrechnung fällt zunächst die Rehabilitierung der freigesprochenen zionistischen Patrioten. Die jungen Zionisten haben Anspruch darauf, von all jenen Faktoren und Gruppen Satisfaktion zu bekommen, die in ruchloser Machtgier und skrupellosem Parteifanatismus die bereits zur Genüge bekannten moralischen Schändlichkeiten begangen haben. Man erinnere sich z. B. an den Prager Zionistenkongreß, wo plötzlich einer der linken Moraltrompeter, Herr Berl Katzenelson, vor dem Plenum erschien, um ein angeblich aus Palästina eingetroffenes Telegramm vorzulegen, das lautete: „Stawsky Geständnis abgelegt" und mit diesem Unikum einer Fälschung lange Zeit hindurch den Kongreß lähmte. Es wäre insbesondere erforderlich, eine Kommission einzusetzen, welche die Tätigkeit Jener „Kommission" zu prüfen hätte, die seinerzeit den Fall Arloaoroff behandeln wollte. Diese „Kommission" hätte ein Organ der Zionistischen Exekutive sein sollen, Bozusagen das exterritoriale Auge des Gesetzes, das Gewissen der Zionistischen Organisation. Es hat ebenso versagt wie ähnliche Dinge dieser Art. Die Zionistische Exekutive, die Handlangerin des Histadruth-Terrorismus, kann in ihrer heutigen Zusammen- Betzung nicht mehr den Willen der Zionistischen Organi- P£ttoa repräsentieren. öuten Neudegger-Aufo-, Moforrad-Schule i II igen Vl|i,., NeiirJccjgärgAvte 18, fctrphon B..»6-5.7i und l»7«rt dotf'.be». Wi«n,Y.Niedeti>s«etr*>ch. fclrVfrijrW Lt-l»rcKnjl Aus Deulidtland Die neue deutsche Verfassung und die Juden Der bekannte Ordinarius des Staatsrechts an der Universität Rostock, Prof. Tatarin-Tarnheyden, veröffentlicht soeben bei Karl Heymann, Berlin, seine „Gedanken zu einem organischen und deutschen Verfassungsneubau" unter dem Titel „Werdendes Staatsrecht". Mit Bezug auf die Position der J u d e n in der neuen Verfassung führt Prof. Tatarin-Tarnheyden ungefähr aus: „Die Juden haben bei uns nie in größeren Ausmaßen nach Aufrechterhaltung selbständiger jüdischer Nationalität gestrebt, sie haben für sich nie „Minderheitsrechte" in Anspruch genommen, sie besitzen auch kein Mutterland, das für sie nationalen Schutz in Anspruch nähme — sie gehören zu jenen apokryphen internationalen Mächten, die sich in das deutsche Volk heineinsogen, um dann am deutschen Mark zu zehren. Stets schien das Judentum als Ganzes dazu geschaffen, nationales deutsches Selbstbewußtsein und deutsches Verantwortungsgefühl zu untergraben. In der Weimarer Republik stand nicht nur das öffentliche Leben, sondern auch das gesamte Geistesleben so völlig im Zeichen der Verjudung, daß Hitlers Säuberungsaktion noch gerade fünf Minuten vor zwölf die Rettung brachte. Der Jude kann ein Fremdenschutzrecht so lange nicht in Anspruch nehmen, als er nicht selber den Anspruch aufgibt, Deutscher zu sein. Hingegen wird die den Auswüchsen des Judentums gegenüber in Frage kommende Schädlingsgesetzgebung bis zur Aberkennung der Staatsangehörigkeit (Ausstoßung) gehen müssen. Was bisher gegen die jüdische Ueberfremdung geschehen ist, war eine völkische Notwendigkeit. Ein wesentlicher Bestandteil der Reichsreform ist vor allem der Ersatz der Landesangehörigkeit durch eine Reichszugehörigkeit. In dem künftigen Reichsangehörigkeits- Gesetz wird die Abstufung zwischen Reichsbürgertum, Reichsangehörigkeit und Fremdenrecht, bezw. nationalem Fremdenschutz (Minderheitenschutz) durchgeführt werden müssen. Die Juden sind in der Verfassung als Fremde zu behandeln, ohne daß sie Minderheitenschutz beanspruchen können. Pogromstimmung in Hessen In Zürich sind ganz einwandfreie mündliche Nachrichten eingegangen, wonach am 30. Juni in Langsdorf und Hungen, zwei Orten in Oberhessen bei Gießen, im Verlaul der dort stattgefundenen antijüdischen Ausschreitungen zahlreiche Juden Schuß- und andere Verletzungen erhalten haben. Vater und Sohn der Familie Oppenhelmer in Langsdorf wurden von uniformierten SS. Leuten erschossen. Der Ueberfall richtete sich gegen die am Samstag abends aus der der Judenschaft beider Orte gemeinsam aJs Gebetstätte dienenden Synagoge in Hungen heimkehrenden Juden. In Hessen, insbesondere in den Landbezirken, herrscht eine ausgesprochene Pogromstimmung. | Höre dich selbst! Schallplattenaufnnhmen jeder Art im Tllophan-Studlo, Margaretenstr.22. Tel. B-20-2-19 Fünfzehn jüdische Tote Die Saarbrückener Wochenschrift „Westland" bringt eine Liste von bisher festgestellten 84 Toten in Deutschland seit der Bartholomäusnacht vom 30. Juni. Als zur „jüdischen Gruppe" zu zählende Tote rechnet die Zeitung: 1. Freiherrn von Guttenberg; 2. Dr. Walter Förster, Rechtsanwalt in Hirschberg; 3. Dr. Zweig, Arzt in Hirschberg; 4. Frau Dr. Zweig in Hirschberg; 5. Dr. C h a r i g, Kaufmann in Hirschberg; 6. Jacobsohn, Kaufmann in Hirschberg; 7. Schiftan, Kaufmann in Landshut; 8. Dr. Lindemann in Glogau; 9. Dr. Jacobsohn in Glogau; 10. Leo Stein, Sohn des Kommerzienrates und Juristen Dr. Maximilian Stein in Berlin; II. Martin Bergmann, Student in Berlin. Zu dieser Liste von „Westland" kommen noch als in den allerletzten Tagen festgestellte jüdische Tote hinzu: 12. Simon Strauß, Gastwirt in Günzenhausen; 13. dessen Sohn Julius Strauß in Günzenhausen; 14. und 15. Vater und Sohn Oppenheimer in Langsdorf. Der Jude und der Hitler-Gruß Zu der Frage, ob im Verkehr der Behörden mit dem Publikum der deutsche Gruß auch gegenüber Nichtariern anzuwenden sei, erklärt Dr. v. L o e r s in der NS.-Beamtenzeitung, der Hitler-Gruß sei ganz allgemein der Gruß der deutschen Behörden gegenüber allen deutschen Staatsangehörigen. Der Jude, der sich in Deutschland aufhalte, müsse sich diesen Gruß gefallen lassen, genau so wie es sich ein Christ in einem mohammedanischen Lande gefallen lassen müsse, daß er mit dem islamischen Friedensgruß „Salaam" gegrüßt werde. Der Hitler-Gruß gelte gegenüber allen Reichsangehörigen, dagegen nicht gegenüber Ausländern. Der Jude, der die Reichsangehörigkeit besitze und damit auch ihre Vorteile genieße, müsse jedenfalls amtlich den Hitler-Gruß nehmen und geben. Im persönlichen Gespräch mit einem Juden werde man von der Lage der Dinge und dem natürlichen Takt auszugehen haben. Jedenfalls werde hier kaum zu erwarten und zu fordern sein, daß der Jude auch im Privatleben den deutschen Gruß anwonde. Verbot der jiddischen Sprache Im Viehhandel Das „8-Uhr-Abendblatt" meldet aus München: „Der bayerische Staatsminister für die Wirtschaft Esser hat angeordnet, daß die Viehmarktordnungen sofort durch den Zusatz ergänzt werden, daß das Handeln in jiddischer Sprache verboten ist. Halbamtlich wird dazu mitgeteilt, daß auf verschiedenen Viehmärkten sich die vereinzelt noch zugelassenen jüdischen Händler in letzter Zeit wiederholt des Jiddischen bedient hätten, um so ihre gegenseitigen Abmachungen vor den Bauern YerjUeimUcben zu können," STRENG KOSCHER 0 SEEFELD (Tirol)/1200 m iMiiiiiimiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiMiMiiiiiiiiiitiiiiiniiiiiiiiiiiiMiiMiiMiiniitiiiii Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wassersport. PENSION GESCHWISTER SCHEER im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise Fahrpreisermäßigung Der Dichter Jaakow Kahan Von S. M. Biedermann (Warschau) Jaakow Kahan, der Führer und Dichter der Judcnstaatsjugend Polens, hat sich zu dauerndem Aufenthalt nach Erez Israel begeben. Einen neuen Akkord in der hebräischen Literatur, neue Töne in der Galuth-Musik — das gibt uns Jaakow Kahan. Es ist darum nicht verwunderlich, daß dieser Dichter am Beginn seiner literarischen Tätigkeit von der Kritik kühl aufgenommen wurde. Eine Dichtung, die den Drang nach etwas Neuem bekundete, Gesänge eines freien Volkes, Deborahlieder in heutiger Klangform mußten wohl geringem Verständnis begegnen. Wenn Kahan als „Neutöner" etwa die Vielfarbigkeit des Sonnenunterganges besingt und hiebei die Farbennuancen mit analytischem Blick, dabei aber mit Liebe und Ehrfurcht zur Natur herausarbeitet, so beweist dies, daß er seiner naturfremden Generation voraus, daß er der Dichter des Morgen ist. Kahan lebt im Kosmischen; er schöpft aus dem rauschenden Leben das Tiefdunkle, das Herzergreifende, das Lyrischbeschwingte. Zwischen seiner Dichtung und der Wirklichkeit klafft stets ein Abgrund, und es ist, als wolle er sich von der lärmenden Gasse, von den Spuren des Alltags absondern. Vergeblich wird man in Kahans Poemen eine Andeutung sozialer Probleme im gewöhnlichen Sinne suchen; das will aber nicht sagen, daß ihm der Kampf fremd, seine Seele wehleidig ist. Er besitzt ein unerhörtes Maß von Selbstbeherrschung. Er besitzt eine eigene Art der Naturbetrachtung und Naturvereehrung — eine Mischung „himmlischer und irdischer Liebe", auch in den Hymnen an die Frau, die er in selten prächtigen und neuartigen Worten (Versbuch „Viduim") besingt, und nicht weniger in seinen gottsuchenden Liedern. Seine Auffassung der jüdischen Wirklichkeit schafft auch hier der Dichtung einen neuen Lebensraum: Kein Schwärmen für die alte Galutheinstellung, sondern Forderung nach Kraft und volklichem Erwachen. Kahan will das Volk als normales Volk, ohne Galuthspuren auf der zerfurchten Stirn; bei allem Mitfühlen der tragischen Situation sendet er Strafblitze gegen seine, die Galuth als Schicksalsfügung anerkennenden Brüder. Einen Ausweg gibt es für Kahan: Erlösung von der Galuthsünde durch Leiden. Diese Auffassung kommt in seiner dramatischen Symphonie „Kdoschim" (Heilige), den ukrainischen Pogromopfern gewidmet, zum Ausdruck. Nach Kahan ist die alte Generation nicht mehr erlösungsfähig, ist es die Wüstengeneration. Das Werk der Regeneration, der Renaissance ist den Jungen vorbehalten, die bereit sind, sich auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern. So wird es selbstverständlich, daß Jaakow Kahan Judenstaatszionist ist, Mitbegründer der Judenstaatspartei und geistiger Führer ihrer Jugendorganisation, des „Brith Hakanajim" geworden ist. In seiner Abhandlung „Miscanah habarka" zeichnet er den vollkommenen Typus des jungen, stolzen Juden. Er gibt der nationaljüdischen Jugend die Parole, er wird ihr Mund, ihr Rufer, ihr Verkünder. In seinem Hymnus für die neuen K a n a j i m ruft er aus: „Gemeinsam werden wir des Bösen Festen vernichten, Gemeinsam die Ruinen Zions wieder aufbauen, Den Weg freimachen dem göttlichen Messias Für die Herrschaft Gottes in unserem Land." Priester und Prophet! — Den Weg vom Priester zum Propheten hat Kahan durchschritten. Als Priester ist er in die hebräische Literatur gekommen, zum Propheten ist er für die nationale Jugend geworden. Es war ein schwerer, langer, gottgesegneter Weg. Eine zentrale Organisation der amerikanischen Juden Eine vom Ehrenpräsidenten Dr. Stephen S. Wiße und dem Präsidenten Bernard Deutsch unterzeichnete Proklamation dies Amterican Jewish Congress ruft die amerlkansche Judenheit zur Schaffung einer zentralen Organisation zur Demokratisierung des jüdischen Lebens und zum Kampf für jüdische Gleichberechtigung auf. Die Leitung der Organisation Holl aus Wahlen hervorgehen, die am 29. April 1935 stattfinden und an denen sich alle Juden der Vereinigten Staaten Uber 18 Jahre beteiligen sollen. Hotel-Restaurant Stnetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. Erstklassiges Restaurant und Cafö. — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Angemessene Preise!