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Die neue Welt · 1934-07-24 · Heft 384 (24.7.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 384 (24.7.1934)
Date
1934-07-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 384 Restaurant ROTH » £! empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: Supp«, Broten, CtmOi«, M«hltp«isa............SMO § Supp«, Broten odar1 /, Hahn, Gemüt«, Kompott, Mthlipais« S 1.40 §f Kalbsand Rlndtbratcn ä la carte.....«... 90 Grottfian II 10 dkg. f«braten«t Oantl..............60 CroMhtn 1 um an ihr bis zum — Gott sei Dank — unblutigen Ende festzuhalten. In Jhrer blinden Wut dachten die Linken gar nicht daran, daß diese Mordbeschuldigung und der ihr folgende Prozeß die Ehre des jüdischen Volkes tangieren könne; schon als dies ersichtlich war, ließen sie von ihrem schändlichen Vorhaben nicht ab. Unter dem Vorwand, die Wahrheit zu suchen, stellten sie — man erinnere sich an den Prager Zionistenkongreß — eine „Untersuchungskommission" auf und versorgten Frau Sima Arlosoroff (Uber die noch manches zu sagen sein wird) mit vier Rechtsanwälten. Aber wie immer in der Welt — all die Manöver nützten nichts. Die jüdischen Massen überall, in Palästina und in der Gallith, folgten ihrem Instinkt, der sie nicht betrog. Sie mißtrauten den Handlangern der britischen Behörden und ließen ihr Herz sprechen, das ihnen mit lautem Schlag die Unschuld der jüdischen Jünglinge verkündete. Hier soll die Tat des Raw Kuk besonders hervorgehoben werden, der den Willen eines ganzen Volkes zugunsten des unschuldigen Stawsky mobilisierte, der diesen Willen dem englischen Gericht entgegenstellte, das schließlich nicht wagte, ihn zu ignorieren. Die Linken höhnten und wagten! Sie wagten noch ein paar Tage vor dem Freispruch den Aufruf des Raw Kuk und der anderen Persönlichkeiten mit dem Text zu schänden: „Wehe dem Volk, dessen Priester Mörder schützen", eine Schändung, der man heute mit der Replik begegnen kann: „Wehe einer Organisation, deren Führer Unschuldige zu Mördern stempeln wollen!" Freuen wir uns des Freispruches und verzeichnen wir mit Genugtuung die Tatsache, daß die englischen Richter Fairneß an den Tag gelegt haben. Afoer unterliegen wir keiner Täuschung! Lassen wir uns nicht vom Schein verführen, verführen zum Glauben, daß die Mandatsbehörde analog diesem jüngsten Gerichtsverfahren auch in den anderen Belangen Fairneß üben werde. Seien wir vorsichtig und wachsam. England hat in gewissem Sinn sein Ziel erreicht: Es hat die Kluft zwischen den patriotischen Judenstaatszionisten und den Trabanten der Zweiten Internationale so weit vergrößert, daß jetzt mit doppelter Kraft an die Reinigung der Atmosphäre herangegangen werden muß. Es hat den Juden seine Faust gezeigt und es hat den Arabern zu verstehen gegeben, daß sie auf britisches Entgegenkommen rechnen können. Die wirklichen Schuldigen, die wirklichen Mörder wird England nur dann finden und fassen, wenn es ihm paßt. Die Linken, die brutalen Klassenkämpfer und Terroristen, sind mitgerichtet. Sie werden ihre Schuld nicht ableugnen können; sie werden sich aber der Verantwortung entziehen wollen. Nein, hierin irren sie. Wir werden sie nicht pardonnieren. Wir werden mit ihnen abrechnen. Wir werden diese Abrechnung so halten, daß mit ihr ein neuer Abschnitt in der moralischen Geschichte der zionistischen Bewegung beginnt. o. r. Die Ueher§dhwemmung§- kata§frophe in Galizien Die aus den Ueberschwemmungsgebieten in Galizien eintreffenden Nachrichten lauten dahin, daß der Höhepunkt der Katastrophe überschritter. sei und daß die Fluten bereits im Zurückgehen begriffen sind. Viele hunderte jüdische Familien sind ohne Obdach und Nahrung. Das Hilfskomitee in Neusandec hat sich an das Büro des American Joint Distribution Committee in Warschau telegraphisch um sofortige Hilfeleistung gewandt. In Chrzanow sind fünf Juden in den Fluten umgekommen. Auch in Neusandec befinden sich einige Juden unter den Ertrunkenen. Schwer heimgesucht wurden die jüdischen Wohnviertel in T a rn o w und in den benachbarten Kleinstädten D o mb r o w a, Szczucin und Z a b n o. Neusandec ist noch zum Teil Uberflutet und vollkommen vom Verkehr abgeschnitten. In Warschau ist man über das Schicksal der zahlreichen Sommergäste in den Kurorten K r y n i c a und Zakopane und der in dieser Gegend befindlichen Sommerlag er jüdischer Jugendverbände außerordentlich besorgt. Doch hört man jetzt, daß sich die Lagerinsassen in Sicherheit hätten bringen können. Die Lage des überschwemmt gewesenen, an der Weichsel gelegenen Krakauer jüdischen Stadtviertels Kazimierz hat sich gebessert. ■e Au§freibung der Judkai aus Thrazien Telephonverkehr TschedioslowakeuPaläsfona Im Einvernehmen mit der englischen Postverwaltung wird mit sofortiger Wirksamkeit der Telephonverkehr über London zwischen der Tschechoslowakei einerseits und Aegypten und Palästina anderseits erweitert. In Palästina sind von nun an folgende Orte zum Verkehr zugelassen: Jerusalem, Jaffa, Haifa, Gaza, Tel-Awivv^ Bethlehem und Jeriah«, Aua Konstantinopel wird berichtet: Der türkische Ministerrat befaßte sich in einer außerordentlichen Sitzung "mit der Austreibung der Juden aus Türkisch-Thrazien. Den Vorsitz führte der Ministerpräsident Ismet Pascha. Innenminister Shukry Bey, der sich nach den Dardanellen und nach Ostthrazien begab, um die Lage an Ort und Stelle zu untersuchen, erstattete dem Ministerrat Bericht. Nach der Sitzung wurde eine offizielle Erklärung veröffentlicht, die zeigt, daß man allmählich geneigt ist, den Ernst der Lage und die Größe der Katastrophe zuzugeben. In dem Bericht wird erklärt, daß die seit dem Kriege unter der türkischen Bevölkerung bestehende antijüdische Stimmung kürzlich durch antijüdische Bewegungen in anderen Ländern verschärft wurde, wozu noch der Umstand beitrug, daß die Juden in der europäischen Türkei immer noch darauf bestehen, eine andere als die Landessprache (nämlich Spaniolisch statt Türkisch) zu sprechen. Allmählich gewann der Glaube an Boden, daß die türkischen Juden antitürkisch (!) eingestellt und daß eine Anzahl von ihnen Spione (!) seien. Als dann im Monat Juni Gerüchte in Umlauf gesetzt wurden, daß die türkische Regierung beschlossen habe, die Juden aus dem Gebiet der Dardanellen und aus dem östlichen Thrazien zu vertreiben, verstärkte sich die antijüdische Stimmung in einem Maße, daß etwa 3000 Juden sich dazu getrieben fühlten, panikartig nach Konstantinopel abzuwandern. Die Regierung mißbillige auf das schärfste antisemitische Gefühle und werde mit allen, die sich nach dieser Richtung schuldig gemacht haben, streng verfahren. Die Juden, die ihre Heimatorte verlassen haben, können, sofern sie es wünschen, dahin zurückkehren. In Kirklisse wurden der Bürgermeister, der Polizeichef und der Präsident der Handelskammer als an dem antijüdischen Feldzug mitschuldig verhaftet. In einem zweiten offiziellen Bericht wird zugegeben, daß allein in Kirklisse 65 jüdische Häuser geplündert, bzw. zerstört wurden und daß aus dieser Stadt 3000 Juden nach Istanbul flohen. Die Ausschreitvingen in Kirklisse hatten den Charakter eines Judenpogroms angenommen. Im Gebiet von Adrianopel wurden mehrere türkische Beamte unter der Beschuldigung, Exzesse gegen die Juden arrangiert zu haben, verhaftet, ein Distriktsgouverneur wurde vom Amte suspendiert. Aehnliche Strafaktionen ergriff die Regierung in Chanak und im Gebiet von Smyrna. Im Hause des Polizeikommandanten von Kirklisse wurde sehr viel - geraubtes jüdisches Eigentum gefunden und, wie amtlich mitgeteilt wird, den jüdischen Besitzern zurückerstattet. Die Salonikier Zeitung „L'Action" erklärt, die Maßnahmen der türkischen Regierung zur Wiedergutmachung seien sehr oberflächlich und nur darauf berechnet, den üblen Eindruck, den die Judenaustreibungen in der Welt gemacht haben, zu zerstreuen Der neue Antisemitismus in der Türkei Aus London berichtet die .1. T. A.: Der „Observer" schreibt, die Erklärung des Ministerpräsidenten Ismal Pascha von der großen Nationalversammlung, daß die Regierung den Antisemitismus in der Türkei bekämpfen wolle, habe die Befürchtungen um das Schicksal der 50.000 Juden Konstantinopels abgeschwächt. Die tolerante Haltung gegenüber den Juden wurde in der Türkei ununterbrochen bewahrt, bis nach dem Weltkrieg die Juden die einzigen Nicht-Mohammedaner blieben, die auch außerhalb Konstantinopels in der Türkei wohnten. Jetzt erst wurde von halboffizieller Seite an sie die Forderung gestellt, Türkisch als Muttersprache anzunehmen. Von diesem Zeitpunkt an waren sie wiederholt Beunruhigungen ausgesetzt, und in den letzten Monaten wurde von Leuten, für die allem Anschein nach persönliche Interessen ebenso maßgebend sind wie extrem-nationalistische Gefühle, eine Art antisemitischer Bewegung gefördert. Die Exzesse Bütxtcn im Juni d. J. in Tschanak ein und verbreiteten sich schnell Uber das ganze Gebiet. Jüdische Läden wurden boykottiert, einzelne Juden erhielten Drohbriefe. Die Behörden schritten in manchen Fällen ein, beschränkten sich jedoch stets auf den formellen Schutz von Leben und Eigentum. Außerordentlich gefördert wurde die antisemitische Hetze durch ein vor zwei Monaten in Konstantinopel gegründetes Halbmonatsblatt, das in Ton und Aufmachung gewisse antisemitische Organe Deutschlands, wie sie bisher in der Türkei unbekannt waren, getreu nachahmt. Soll da§ Vermögen der deiatodhen landen konfaszsert werden? Aus Saarbrücken wird gemeldet: „Die Juden dürfen von Hitler nichts annehmen." — Das war die Antwort einer jetzt vorübergehend im Saarland weilenden hochangesehenen deutschen Persönlichkeit an den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, der diese Persönlichkeit fragte, ob im Hinblick auf die Tatsache, daß Hitler sich jetzt, statt wie bisher auf die radikale SA., auf die Reichswehr und die konservativen Kreise stützt, nicht eine Milderung in der Behandlung der Juü^n und eine Unterbrechung der antijüdischen gesetzgeberischen und praktischen Maßnahmen zu erwarten sei. Auf keinen Fall ist jetzt eine Besserung der jüdischen Lage zu erwarten, wohl aber eine Verschlechterung, erwiderte die Persönlichkeit. Die Juden sind jetzt, wo die Hitler-Macht sich auf eine obere herrschende Schicht stützt, gegen die sich eine seit Jahr und Tag verhetzte untere Schicht verbissen stemmt, in eine Zwickmühle geraten; sie sind das Korn zwischen zwei Mühlsteinen. Ihre Lage läßt sich durch folgende drei Sätze charakterisieren: Erstens: Hitler, der sich jetzt in der Abwehr nach unten befindet, muß den agressiven Antisemitismus steigern, um auf diese Weise zu versuchen, den Verdacht einer Schwenkung nach rechts zu entkräften. Wohl würden gewisse konservative Kreise um Hitler die staatliche Judenpolitik ein wenig gemildert sehen, aber sie halten Hitler, weil in Deutschland jetzt noch keine Persönlichkeit zu finden ist, die die heterogenen Kräfte im Reiche noch meistern könnte. General Schleicher, der einzige, der heute noch ein staatserhaltendes Regime hätte schaffen können, ist — eben darum — bei dem allgemeinen „Aufräumen" mit beseitigt worden. Zweitens: Angesichts der zunehmenden Verbitterung bei der in ihren Hoffnungen enttäuschten SA.-Masse wurde eine irgendwie bedeutende Milderung der Judenpolitik gerade auch die jüdische Bevölkerung beunruhigen; denn die Verbitterung und Enttäuschung Das Programm der Genfer jüdischen Weltkonferenz Die vom Comite des Delegation« Juives für 20. bis 23. August einberufene Weltberatung hat auf ihre provisorische Tagesordnung die folgenden Punkte gestellt: 1, Die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern der Welt (Polltisches Referat: Dr. N. Goldman n, wirtschafts-soziales Referat: Jakob Lestschins ky). 2. Die Lage der Juden In Deutschland. 8. Maßnahmen einer organisierten Verteidigung a) auf politischem, moralischem und religiösem Gebiet (z. B. die jüdischen Mindernd tonrechte im Saargebiet im Hinblick auf das herannahende Plebiszit und die Frage eventueller Verhandlungen mit der Sowjet-Regierung über gewisse, die Lage der Juden in Sowjet-Rußland betreffende Probleme ), b) auf wlrtschaftlichm Gebiet. 4. Verteidigung der jüdischen Minderheltenrechte Im Rahmen der dem Völkerbund auf diesem Gebiete zustehenden Rolle. (Dieser Punkt gewinnt an Aktualität im Zusammenhang mit dem von der polnischen Regierung gestellten Antrag auf Generalisierung der Minderheitenverpflichtungen, der auf der Septembertagung der Völkerbund Versammlung xur Sprache kommen wird.) 5. Maßnahmen zum Kampf gegen die antisemitische Propaganda. der seit anderthalb Jahrzehnten zu Judenhaß erzogenen und aufgepeitschten Massen würde sich in Form von Pogromen gegen Juden entladen. Drittens: Es ist durchaus zu erwarten, daß Hitler versuchen wird, die immer sich verschärfenden finanziellen und Ernährungsschwierigkeiten dadurch zu „meistern", daß er eine Lieblingsidee der maßgebenden Naziführer verwirklicht und das jüdische Vermögen in Deutschland, soweit es noch vorhanden und greifbar ist, in irgend einer verschleierten gesetzgeberischen Form oder in Form von unterirdischen praktischen Maßnahmen „e rfaß t" und es der hungernden Menge in den Rachen wirft. Dne neue Judenbetye in Deutschland Die neue Welle der Judenhetze in Deutschland, die, offenbar auf einen Wink von oben, im Frühjahr d. J. eingesetzt hatte, ist noch nicht zum Stillstand gekommen. Die Mehrheit der deutschen Zeitungen ist voll mit Hetze und Denunziationen gegen Juden. Im „Westdeutschen Beobachter" führt Walter Ewald unter der Ueberschrift ,,B' nai B' rith, der jüdische Weltorden" aus: „Jeder Verbrecher macht einmal eine Dummheit, wird zu dreist und hilft ungewollt mit zur Entdeckung seiner Missetat. Auch die Juden konnten einmal ihren Uebermut nicht zügeln. In den Nachkriegsjahren war ihre Herrschaft ziemlich unumstritten; überheblich und frech benahmen sie sich gegen das deutsche Volk. Der Jude Isidor Herrisch hat 1932 eine kleine Schrift Uber den „B'nai B'rith-Orden" herausgegeben. Herrisch gibt das Bestehen eines jüdischen Geheimordens mit folgenden Worten zu: „Der B'nai B'rith- Orden umgab sich mit dem Schein eines Geheimnisses, wirkte bisher ganz im Stillen und daher gänzlich unbekannt; selbst Gebildete wissen kaum mehr als seinen Namen... Wenn ein Bruder in ein ihm vollkommen fremdes Land oder in eine fremde Stadt kommt, wo er keinen Menschen kennt, so braucht er nur eine Loge aufzusuchen oder einem Bruder sich als Bruder auszuweisen und er hat noch in derselben Stunde Hunderte von aufrichtigen Freunden und eine zweite Heimat." Ewald führt es darauf zurück, daß „die aus Deutschland geflüchteten Juden im Ausland schon wieder in einflußreichen Stellung sitzen". Er erzählt, daß der Orden in 21 Ländern der Erde insgesamt 1150 Einzellogen hat, daß es im deutschen Reichsgebiet 105 Logen mit 14.500 Mitgliedern gibt, daß der Orden in den U. S. A. 40.000 Mitgliedern gibt, und schließt: „Zur Zeit setzt der B'nai B'rith seine Organisation für den Boykott gegen Deutschland ein ... Was wohl die 15.000 B'nai-B'rith-Juden in Deutschland darüber erzählen könnten?" Deutsdie und ausländische luden Seitens der deutschen Regierung sind an alla Fremdenverkehrsstellen und Kurorte Instruktionen ergangen, daß der Touristenverkehr nach Deutachland aus wirtschaftlichen Gründen mit allen Mitteln zu fördern sei und daß man bei ausländischen Touristen keinen Unterschied zwischen Ariern und Juden machen dürfe. Die Verwaltungen der Kurorte wurden außerdem noch dahin instruiert, daß auch diejenigen Kurorte, die offiziell deutsche Juden vom Kurbesuch ausschließen, a u s 1 ä n d i s che Juden aufzunehmen und willkommen zu heißen haben. Einige Kurorte haben in ihren Antworten darauf hingewiesen, daß eine solche Lockerung der antijüdischen Politik von der Bevölkerung nicht verstanden werden würde.

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