Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 383 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712006--4489-2717977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 383 DIE NfcUE WELT Seite 5 KU n h Im n IAUS $ E MM E1 RING P h y s ■ kalis ch * diäte tische Höhen * K uran»lall Ermt$inie Prliie in der Vorsaison. Chefarzt: Ober-Med.-Rai Dr. FRANZ HANS Y Die luden zum Hungertod verurteilt Die Hoffnung gewisseer deutsch-jüdischer und außerdeutscher Kreise auf eine Milderung der JudenbehandlUng hat sich als trügerisch eruieren. Wer noch glaubte, daß die Hitler-Regierung sieh.hier ein gewisse« Maß von Rücksicht auferlegen werde, wird durch die nachstehendem Aeußerungen eines hohen nationalsozialistischen Staatsfunktionärs gründlich belehrt. Der Zynismus, der in den genannten Aeußerungen zum Ausdruck kommt, ist nicht zu überbieten. Der Staatsfunktionär erklärte: ,,Die zukünftige Politik der Reichsregierung hinsichtlich der Behandlung der Juden wird darauf gerichtet sein, daß ernste Gewaltakte gegen Juden ausgeschlossen werden. Alle verantwortlichen Beamten der Regierung haben die antijüdischen Vorfälle in Schlesien und in Hessen (wo mehrere Juden nachts aus den Betten geholt und erschossen wurden. Anm. d. Red.) tief beklagt, die Regierung trifft Maßnahmen, um eine Wiederholung solcher Geschehnisse zu verhüten." Zur Illustrierung dieser behördlichen Bemühungen führte die nationalsozialistische Persönlichkeit die Tatsache an, daß, als der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels kürzlich ein>e seiner antijüdischen Ansprachen hielt, die Polizei überall eine besondere Order erhielt, darauf zu sehen, daß es nicht zu Pogromen komme. „Auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiete aber wird die Regierung die bisherige Linie ihrer Politik gegen die Juden fortsetzen: die Juden werden weiter aus diesen Bereichen systematisch ausgeschaltet werden. Die Regierung wünscht kein Blutvergießen, welches der antideutschen Propaganda in der Auslandspresse Nahrung geben würde; sie zieht die Methode stiller Eliminier ung vor. Der Arierparagraph wird auch in Zukunft strengstens angewendet werden. So hat denn das Reichspropagandaministerium unter Neues von der Palästinafflndustvfe (Meldungen der Pal.-News.) Eisfabrik in Natania In Natania wurde eine Eisfabrik eröffnet, die von einem Siedler begründet wurde und Natania wie die anderen Kolonien der nördlichen Saronebene und die Stadt Tiilkarem mit Bis versorgen soll. Die Beschäftigung der Textilfärberei „Keshet", liamat-Gan Die Textilfärberei „Keshet, Ltd.", über deren Eröffnung in „Pahiews" (Jahrgang II, Nr. 22) vor einigen Wochen berichtet wurde, ist, wie wir erfahren, vor allem mit der Färberei von Trikotstoffen, Seide und Kunstseide beschäftigt. Der Geschäftsgang entwickelt Bich zufriedenstellend, die Firma arbeitet auch für Rechnung syrischer Firmen. Baumwollstoffe werden zurzeit meist noch in gefärbtem lind bedrucktem Zustand eingeführt. Mit der stärkeren Entwicklung der Weberei- Industrie Palästinas würden sich auch die Besohäftigungsmögllchkciten des Unternehmens bedeutend erweitern. Gründung einer Feilenfabrik bei Tel-Awiw In Kirjat Ar je, auf der Strecke Tel-Awiw—Petach- Tikwa, ist seitens eines deutschen Juden die Errichtung t hier F e i 1 e u f a b r 1 k beabsichtigt, die den Bedarf Palästinas und der Nachbarländer des Nahen und Mittleren Ostens an Feilen aller Art decken soll. Für die Fabrik ist ein Gelände von über einem Dunam erworben. i Errichtung einer Gummiwarenfabrik in der Haifa-Bay Wie wir hören, ist von selten deutscher Juden die Errichtung einer Gummiwarenfabrik geplant, die vor allem Fahrc&dreifeu uud andere Gummiden sechs besten Büchern des Monats Juli zwei genannt, die das Rassenproblem behandeln. Der Heeresminister hat soeben verfügt, daß auch die im Heer beschäftigten Zivilbeamten und -angestellten ihre und ihrer Frauen arische Abstammung nachweisen müssen.' Der Terror nimmt xu Inzwischen nimmt die Angst der terrorisierten Juden in den Provinzstädten große Dimensionen an. Aus Hirschberg, wo sechs jüdische Bürger, unter ihnen eine Frau, erschossen und zahlreiche Juden verhaftet wurden, trifft die Nachricht ein, daß die letzten, bisher noch in der Stadt verbliebenen Juden fluchtartig ihre Heime verlassen haben. Die nationalsozialistische Presse fährt in ihrer Judenhetze fort. „Angriff" und „Deutsche Zeitung" behaupten, daß die Arbeitslosenunruhen in Amsterdam von jüdischen Kommunisten angestiftet worden und daß die Führer der holländischen Kommunisten alle Juden seien. „Westdeutscher Beobachter" berichtet über eine Ansprache Wolfg-ang Diewerges im Kölner Institut für Zeitungswissenschaft; Diewerge sagte: „Mögen andere Länder den Juden wichtige Stellen anvertrauen — wir tun dies nicht. Wir handeln hierin gemäß dem Willen unseres Führers Adolf Hitler." waren herstellen soll, an die Fabrikation von Autoreifen wird nicht gedacht. Die Mitarbeit führender Chemiker aus Deutschland ist gesichert. Die Fabrik soll in der Haifa-Bai errichtet werden. Das Investitionskapital beträgt etwa 50.000 Pfd. Rentabilität der Bauinvestiti'onen Aus Tel-Awiw wird berichtet: Trotz der Verdoppelung der Bauinvestitionen im Jahre 1933 gegenüber den drei vorhergehenden Jahren kann in Anbetracht der außerordentlich starken Elnwanderungstoelle von einer überdimensionierten Bautätigkeit keine Rede sein. Es wurde knapp der neuentstandene Wohnungsbedarf gedeckt. Die Bautätigkeit, des letzten Jahres wurde weitgehend durch Errichtung von meist dreistöckigen Miethäusern durch mittlere Kapitalistenkreise charakterisiert, Komplett eingerichtete, mehrere Jahre in Wien in Betrieb stehende Buchdruckerei wird nach Palästina verlegt. Gesellschafter mit Kapitalseinlage von S 15.000 bis S 20.000 gesucht. Zuschriften unter „Rascher Entschluß" an die Administration dieses Blattes. 'Jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiitiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii^ | Restaurant-Hotel „Stefanie" j 5 WD II, TaborstraBe 12, Tel. R-46-5-57 ftPD 5 5 empfiehlt seine reichhaltige Speises S auswahl bei erstklassiger Zubereitung S E und exakter Bedienung. Menü schon 5 5 von S 1.60 an E Schöntr schattiger Cartan / Speisen am Rost 2 E Täglich frische Fische =»?lf iiift iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiif if f riirfifff irriiif ifirffff iiimif f f iiil? die ihre Kapitalien in Rentenhäusern investierten. Neuerdings bilden sich immer stärker zwei neue Formen im Bauwesen heraus, von denen die eine auf kooperativer Basis beruht, auf der Gemeinschaftshäuser errichtet werden. Die einzelnen Wohnungen gehen in das Eigentum der am genossenschaftlichen Zusammenschluß beteiligten Mieter über. In den letzten Wochen und Monaten ist eine ganze Reihe derartiger Genossenschaften registriert worden. Interessenten für solche Wohnungen finden sich vor allem unter der Beamtenschaft, die nicht genügend Ersparnisse für den Erwerb der sehr teuren Bauplätze besitzt, aber als Zahler und Mieter ein sehr stabiles Element bildet. Die zweite Form stellen Kleineigenheimo von 2 bis 4 Zimmern dar, die mit Hilfe der Histadruth oder des K. K. L., die den Bodenerwerb erleichtert, errichtet werden. Die Finanzierung solcher Eigenhäuser durch Hypotheken stellt eine sehr sichere Kapitalanlage dar. Derartige Schechunoth, die vor 10 Jahren errichtet wurden, haben die Krise von 1926/28 sehr gut überstanden, es gelangte keines dieser Häuser zur Versteigerung. Regierungsgeld zur Verhinderung jüdischer Bodenkäufe in Palästina Wie die J. T. A. aus gut unterrichteter Quelle erfährt, hat das Colonial Office seine Zustimmung dazu erteilt, daß die Palästina-Regierung dem Obersten Moslemitischen Rat entsprechend einer von diesem seit langem erhobenen Forderung den Betrag von 40.000 Pfund auf Rechnung des Einkommens des Wakf (mohammedanischer Religionsfonds) auszahle. Es ist dies die Summe, die der Oberste Mohammedanische Rat als Zehent von den Pächtern der dem Wakf gehörenden Landgüter erhalten sollte. Die Regierung hatte die Verpflichtung übernommen, diese Abgaben zusammen mit den Staatlichen Steuern zu erheben. Nachdem jedoch die Regierung den Zehent ermäßigt hatte, wurde der Oberste Moslem!tische Rat verständigt, daß auch der ihm gebührende Betrag von 40.000 Pfund entsprechend gekürzt werden müsse. Demgegenüber stellte sich der Rat auf den Standpunkt, daß ihm der volle Betrag zukomme, ohne Rücksicht darauf, daß die Regierung arabische Pächter von der Leistung der Abgabe befreit hat. Wie es. heißt, wurde das Geld nun doch ausgezahlt, nachdem vom Rat bei der Regierung Vorstellungen unter dem Hinweis darauf erhoben worden waren, daß Juden versuchen, bei Chcuera Boden zu kaufen, auf dem arabische Pächter angesiedelt sind, während der Rat, falls er den Betrag von 40.000 Pfund zur Verfügung hätte, von einem ihm zukommenden Vorkaufsrecht Gebrauch machen könnte. Die Auszahlung von Regierung»^ Sdern an den Obersten Moslemitischen Rat in diesem Augenblick wird dahin gedeutet, daß die Regierung dem Rat ht&fen wollte,'zu verhüten, daß arabischer Boden „in jüdische Hände fällt". Errichtung einer psychiatrischen Lehrkanzel Vor einigen Monaten wurde der bekannte Wiener Psychiater und frühere Leiter der neurologischen Abteilung am Krankenhaus der Gemeinde Wien in Lainz, Universitätsprofesor Dr. Martin Pappenheim, nach Tel-Awiw berufen, wo er gegenwärtig seine Praxis als Privatarzt ausübt. Nunmehr wird geplant, an der Universität Jerusalem eine psychiatrische Lehrkanzel zu schaffen, die Prof. Pappenheim, der als Forscher und Praktiker in den Gelehrtenkreisen Europas und Amerikas hohen Ruf genießt, übertragen werden soll. Anhaltend hohe Zolleinnahmen im April. Die Zolleinnahmen der Regierung, die bereits im März die außerordentliche Höhe von LP. 190.000 erreicht hatten, sind im April weiter auf LP. 193.000 gestiegen. Im Durchschnitt der zehn Monate April 1933 bis Jänner 1934 machten die Zolleinnahmen monatlich LP. 152.000 aus, im Februar d. J. stiegen sie auf LP. 158.000, um in den beiden nächsten Monaten auf die oben angegebene Höhe von über LP. 190.000 anzusteigen. — Die Einfuhr- Ziffern für die Monate Februar, April sind noch nicht bekannt, die Zolleinnahmen lassen jedoch darauf schließen, daß sie sich auf einem sehr hohen Niveau halten. (Pal.-News.) Ausbau der Straße Allenby-Brücke—Amman. Die transjordanische Regierung hat beschlossen, die Straße Amman-—Allenby-Brücke (Jordan) unter einem Kostenaufwand von pal. Pfd. 40.000 zu einer Landstraße erster Klasse auszubauen. — Die Stadtverwaltung von Amman hat größere Kanalisationsarbeiten ausgeschrieben, für die pal. Pfd. 20.000 bewilligt wurden. Der Distriktskommissär von Jerusalem ordnete die Schließung der von den Moslems vor einigen Monaten ausgebrochenen Tür an der Klagemauer (Kotel Maarawi) an, mit der Begründung, daß die Oeffnung dieser Tür einen Bruch des Status quo bedeutet. Im Monat Mal wanderten in Palästina 2109 Personen, unter ihnen 2035 Juden, zu ständigem Aufenthalt ein. Unter den eingewanderten Juden waren 355 Kapitalisten mit einem Mindestvermögen von je 1000 Pfund. Der Budgetüberschuß der Palästina-Regierung betrug Ende Mai 2,820.062 Pfund. Zu Fuß nach Palästina. Eine Gruppe von 30 Mitgliedern des Hapoel Harevisioni Polens hat dieser Tage eine Fußwanderung nach Palästina angetreten. Die Gruppe, der auch zwei Mädchen angehören, will ihr Wanderziel über die Tschechoslowakei, Oesterreich, Jugoslawien, Bulgarien, die Türkei und Syrien erreichen. 4000 Palastina-Auswanderer aus Polen im nächsten Vierteljahr. Nach Berechnungen des Warschauer Palästina- Amtes ist zu erwarten, daß in den Monaten August, September und Oktober 4000 Auswanderer aus Polen naeü Palästina gehen werden. Palä§tina~itegierung fav©w§iert Haifaer Hafen Die „Palnews" melden aus Jaffa: Die Tendenz der Regierungspolitik geht dahin, mit mehr oder weniger künstlichen Mitteln den Hafenverkehr von Jaffa abzulenken und ihn in immer stärkerem Muße über Haifa zu leiten. Die Jaffaer Hafenarbeiter sahen sich im Verlaufe der letzten Woche genötigt, gegen eine Maßnahme der Regierung in schärfster Weise zu protestieren, die den Jaffaer Hafen verkehr abzudrossc'-.n bestimmt ist und darin besteht, daß das Immigration Department eine Bestimmung erläßt, «ach der es Einwanderern x*n Zukunft nicht mehr erlaubt ist, in Jaffa zu landen. Die Jaffaer Hafenarbeiter, dienen durch diese Bestimmung ein guter Teil ihres Verdienstes und Lebensunterhaltes genommen wird, haben dem Hafendirektor von Jaffa gegenüber erklärt, daß sie eine derartige Maßnahme mit dem Streik beantworten werden. Sie haben zunächst dem High Commissioner ein Memorandum in der Angelegenheit unterbreitet. Die in Jaffa ansässigen Schiffahrtsgesellsehaften haben ebenfalls gegen diese Maßnahme protestiert. Wie „Falastin" meldet, stellt sich die Regierung auf den Standpunkt, daß der Jaffaer Hafen für den Orangenexport da ist, _ und daß der Haifaer Hafen der palästinensische Hafen werden soll. Die Haltung der Regienmng Ist danach angetan, dem Lebenszustrom des Landes verkehrspolitisch die Luft abzuschnüren und den Verkehr in' unrationelle Bahnen zu lenken. Wenn die Regierung nicht den Eindruck erwecken will, daß sie die vitalen Verkehrsinteressen des Landes Gesichtspunkten unterordnet, die außerhalb des Landes liegen, so tut sie gut daran, mit der Bevorzugung Haifas und der Vernachlässigung Jaffas den Bogen nicht zu überspannen. Ein Blick in die Hafenstatistik dürfte die Regierung jedenfalls belehren, daß Jaffa nicht nur der Hauptorangenexporthafen des Landes ist, sondern als Einfuhrhafen und im Personenverkehr eine vielfach stärkere Bedeutung hat. Die Stellung Jaffas als natürlicher Hafen Palästinas und die Notwendigkeit, das Jaffaer Hafenproblem ernsthaft in Angriff zu nehmen, dürfte sich durch Dekrete auf die Dauer nicht aus der Welt schaffen zu lassen. Die Regierung soll sich auch mit der Absicht tragen, den Jaffaer Hafen während der Monate November bis April für den Zltrusexport zu reservieren und für den übrigen Verkehr zu sperren, da die kleineren Ausbauarbeiten Störungen im Hafenbetrieb erwarten lassen. Die Regierung "sollte mit allen Mitteln darauf hinwirken, daß die Arbeiten im Hafengebiet den Verkehr im Hafen nicht ^ernstlich behindern, statt sich damit abzufinden, dem Wirtschaftsbezirk Jaffa-Tel-Awiw, in den Wintermonaten den Hafen abzusperren.