Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 383 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 383 DIE, NEUE, WEL1 Seite 3 j Die Ueber§dhwemmiiiig§kata§tfrophe in Wesifgalizien Jüdische Opfer Aus Krakau wird unter dem 18. gemeldet: Infolge dcR Bruches der Schutzdämme sind im Bell rk Tarnnv; '-in meisten Ortschaften unter Wasser gesetzt. Seit kurzer Zelt Hegt K r u j : U):it im TJeberschwemmungsbereich. Immer nn? > Todesopfer \v::rden gemeldet. Die Lage der Bewohner ' '., deshalb bedrohlich, weil die meist aus Lehm gebauten r iüteu in den Dörfern dem Wasserdruck nicht lange st;- "'raiton können. Auf der Weichs? I steigt das Wassrr tündllelu Nach dsn letzten Meldungen Ist die Stadt S y busch gefährdet. Pas UntfcrstufeungsScoittitfee Aus ff nrschau wird unter dem 18. d. gemeldet: Im Ministerratsprnsiriäum fand heute eine Sitzung statt, in der das zentrale U n t e r s t ii t z u n g s k omltee für die Opfer der Ueberschwemmungakntn- Btrophe, hauptsächlich im westlichen Teile Kleinpolens und in der Lemberger Woiwodschaft, ins Leben gerufen Wurde. Die Ziffern, die bezüglich der Verluste vorliegen, Bind noch nicht endgültig. Bisher kann man als sicher annehmen, daß die Gesamtzahl der Opfer 100 übersteigt. Die größte Zahl der Opfer ist im Gebiet von Neu- 5 a n d o c zu verzeichnen, wo 43 Personen, zum größten Teil Juden, ertrunken sind. Nach den letzten Meldungen ist der internationale aam Jkmtidemt§diew Boykott Allmählich beginnt die deutsche Presse, sich mit dem Anti-Hitler-Boykott in vollem Umfang zu beschäftigen. So schreibt die „Frankfurter Zeitung": „Die Boykottbewegung in den Vereinigten Staaten wurde zuerst von .F u d e n, später auch von anderen Kreisen der Bevölkerung systematisch organisiert. In Boston beispielsweise wird der Boykott sehr stark von der katholischen Bevölkerung getragen. Von den sieben gi'ößten dortigen Häusern bezieht nur eines noch vereinzelte deutsche Artikel, obschon die jüdische Käuferschaft viel weniger zu bedeuten habe, als etwa in New York und in Baltimore . . . Viel wesentlicher ist die Beteiligung der American Föderation of Labour an dem Boykott, die mit ihren vier Millionen Mitgliedern nicht um der Juden, sondern um der früheren deutschen Gewerkschaften willen, stark für den Boykott arbeitet. Das geht so weit, daß Tapezierer sich weigern, deutsche Tapeten zu kleben. Zur Durchführung des Boykotts wurde eine überkonfessionelle Organisation geschaffen. Sie heißt Non-Sectarian Anti Nazi Leaguo to Champion Human Rieths und ihre Mitglieder sollen etwa zur Hälfte aus Nichtjuden bestehen. In ihrem Präsidium sitzt u. a. Theodore Roosevclt, der unter Hoover Gouverneur der Philippinen war, vor allem aber gesellschaftlich und als Sohn des vormaligen Präsidenten eine Rolle spielt. Außerdem finden sich da der Mayor von New York, La Guardia, der elnstigo Berliner Eisenbahnverkehr auf der Linie Krakau—Lemberg Wieder hergestellt und der Wasserstand einiger Flüsse mit Ausnahme der Weichsel gefallen. Außer Menschenopfern sind auch groRe Materialverluste zu verzeichnen, die bisher auf n0 M'Hionen Zloty geschätzt sind. Hille für die Gemeinden Die Warschauer jüdische Gomrindo wurde von einer Reihe w e s t g n 11 z 1 s c h e r jüdischer G cm e 1 n d e n um dringende Hilfe für die Opfer der Uel>er- Bchwemmungskatastrophe angegangen. Zahlreiche kleine jüdische Gemeinden sind völlig ruiniert worden. Die. Not der von der Katastrophe Betroffenen ist unbeschreiblich. Man erwartet HUfe nicht nur von den größeren jüdischen Gemeinden, sondern zunächst vom Zentralen Unterstützungskomitee, das von der polnischen Regierung Zusicherungen betreffs finanzieller Unterstützung erhalten hat. Amerika§ im Wadfo§eia Botschafter James W.Gcrard und zwei Richter, Dowling und Tompkins, vom Obersten Staatsgerichtshof. Nach Ansicht deutscher Fachleute hatte der Boykott im Oktober vergangenen Jahres einen ersten Höhepunkt erreicht, begann dann konstant oder sogar schwächer zu werden, um seit März dieses Jahres wieder zuzunehmen, ermutigt, wie es scheine, durch den allgemeinen Rückgang der deutschen AusfuhrzLffcr." Die Arbeit des American Jewi§h Congress Auf einer vom Boykott-Komitee des American Jowish Co ngress einberufenen Konferenz, an der Delegierte von 200 Volksorganisationen teilgenommen haben, wurde der Beschluß gefaßt, den Boykott deutscher Waren zu verstärken und so lange fortzusetzen, bis alle y-Siabetiftet, StuQfoerftopfte-N effen mit ©urteil ba§ feit Satjrjeljntett beh)ä§rte 6imort8btOt in butmen (Schnitten mit Stüter unb ©<f)infeH. Seicht üetbmilid), ^gleich beüfat. ©efjv bequem: ©imon3&rot*©cfinittenbäcfdjen in ©tcmniol. 3n allen guten $einfoft(janbl. u. 23ä(fereien 511 haben. s^SimonSbrotfabrif 2Bten=S?agrait 55. Sägt. Sßoftöerf.^y Wieder der erste Haupttreffer der Klassenlotterie bei Sdielhammer gewonnen! Bei der heute stattgefundenen Ziehung der III. Klasse der XXXI. Klassenlotterie entfiel der erste Haupttreffer im Betrag von S 50.000 auf das in acht Achtel-Anteilen verkaufte Schclharamer-Los Nr. 37135. Bemerkenswert ist, daß, wie bereits berichtet, auch der erste Haupttreffer der Staatswohltätigkeitslotterie am 5. Juli d. J. im Betrage von S 100.000 auf das vom Bank- und Wechselhaus Sdielhammer & Sdiattera Wien, I., Stephansplatz Nr. 11, verkaufte Los Nr. 306.815 entfallen ist. wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm von den Nationalsozialisten eingeführten antijüdischen Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Die Konferenz setzte für .jeden Industriezweig spezielle Komitees zur Bekämpfung des Eindringens deutscher Waren und Leistungen ein. American Jewish CJongress gründete ein Informationsbüro zugunsten jüdischer Aerzte aiM Deutschland, denen Beschäftigung nachgewiesen wird. Das Büro setzte sich mit Stellen in Mittel- und S Pamerika wegen Einordnung einer gewissen Zahl deutsSriijüdischer Aerzte In Verbindung. Genfer |üdi§die Konferenz vom 20. bis 23* Augu§f Das Comite des Delegations Juives (Paris) teilt mit, daß die nach Genf einberufene Jüdische Konferenz zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses nicht, wie früher angekündigt, vorn 6. bis 9. August, sondern vom 20. bis 23. August in Genf statfinden wird. Die Verschiebung des Datums der Konferenz geschah auf Wunsch der amerikanischen Delegierten, die sich nur zum zweitgenannten Termin vollzählig einfinden können. Stephen Wise in Europa Der Ehrenpräsident des American Jewish Congress Rabbi Dr. Stephen S. Wise begab sich mit seiner Frau an Bord der „Champlain" nach Europa. Dr. Wise wird während seines zweimonatigen Aufenthaltes in Europa die Lage der deutschen Flüchtlinge prüfen, an einer Tagung des Direktoriums der Hebräischen Universität in Zürich teilnehmen und den Vorsitz in der Genfer jüdischen Konferenz zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses führen. Hebrässdhes Technikum in Haifa Aus Palästina wird uns geschrieben: 1. Wegen der zahlreichen Aufnahmsgesuche wurde die Einschreibung in den Kurs A für das Jahr 5695 am 1. Juli eingestellt. Wer seine Zeugnisse nach diesem Zeitpunkt eingeschickt hat, kann sie entweder zurückerhalten oder im Technikum für das Jahr 5696 belassen. Jedenfalls muß der Interessent spätestens am 1. März 1935 seine Absicht, im Jahre 5696 (1935/36) im Technikum zu studieren und sich den Bedingungen für 5696 zu unterwerfen, der Anstalt bekanntgeben. 2. Bewerber, deren Zeugnisse vor dem 1. Juli im Technikum eingelangt sind und die von der Anstalt Aufnahmsscheine als Studierende erhalten, aber den erforderlichen Geldbetrag noch nicht erlegt haben, müssen diese Taxe noch vor dem 15. Juli bei der Anstalt erlegt haben, da die Anstalt nicht in der Lage ist, Einwanderungsgesuche einzureichen. Bewerber, deren Gebühren nach dem 15. Juli in der Anstalt eintreffen, können Visa nicht zugesichert werden. Sie können ihre Gelder entweder zurückbekommen oder sie in der Anstalt für das Studienjahr 5696 belassen. Musiker ausschließlich des Konzerts wegen.) Unnötig, zu erwähnen, daß der Riesensaal (4000 Personen fassend) bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft war. Obwohl man die Aufführung als sehr gelungen bezeichnen muß — es könnte sich kaum eine andere Stadt der Welt einen derartigen Apparat leiste, --, waren die Meinungen geteilt. Allerdings s-*** ^er ganz merkwürdige äußere Rahmen des Konzerts besprochen werden. Wie schon erwähnt, war der Chor für die hebräische Aufführung ein rein christlicher. Da der große Chor durch 300 erstklassige professionelle Sänger und Sängerinnen noch verstärkt werden sollte, wurde noch ein starker Damenchor herangezogen, nämlich de* Chor der — Heiligen Schwestern des Herz Jesu! Also gerade die richtigen Sängerinnen für den jüdischen Sabbat-Morgengottesdienst. Da das Werk bloß eine Stunde dauert, so mußte das Programm ein wenig erweitert werden. Hier die Zusammenstellung: 1. Ein lateinischer Chor des XII. Jahrhunderts: „Die Klosterschwester". Solist: Friedrich Schorn — 2. Eine deutsche Motette von Bach, in der der „Kantor" Schorr zusammen mit dem christlichen Chor fungierte. — 3. „Gesang der Parzen" von Brahms in Deutsch. — 4. „Avodath Hakodesch" von Bloch, Schola Cantorum, Klosterschwestern-Chor und Kantor Friedrich Schorr. Eine recht merkwürdige Chorverstärkung und eine recht merkwürdige Programmzusammenstellung für einem Sabbat-Gottesdienst, wenn auch in Konzertform! , Trotz der groß§ü;K9W;^söioa das -feUristlißhi /Amerikanischer Musikbrief Jüdische Musik — Musik von Juden — Jüdische Musiker Von unserem Korrespondenten Prof. S. Braslavsky (Boston, U. S. A.). Wieder ist ein Jahr vorbei und wieder wollen wir die vergangene Konzertsaison hinsichtlich der jüdischen Musik Revue passieren lassen. Diesmal soll ein besonderes Ereignis auf dem Gebiet der jüdischen Musik besprochen werden. Es handelt sich nämlich um das neueste Werk des größten lebenden jüdischen Komponisten — Ernest Bloch. „Avodath Hakodesch", (Heiliger Dienst), so nennt er dieses Werk, welches den hebräischen Sabbat-Gottesdienst des reformierten Tempels musikalisch festhält. Bekanntlich wurde dieses Werk auf. Anregung Gerald Werburgs, eines Sohns des bekannten Millionärs Felix Warburg, für den größten und reichsten reformierten Tempel der Welt, „Teraple Emanu-El" in New York, bestellt. Auch die bekannten Komponisten Achron und Jacobi wurden mit dieser Arbeit beauftragt, konnten auch nach einigen Monaten ihre Arbeiten dem Tempel zur Verfügung stellen. Ernest Bloch nahm den Auftrag viel gewissenhafter. Er zog sich vom künstlerischen und öffentlichen Leben zurück, verbrachte einige Zeit in Palästina und in der Schweiz und kehrte erst nach jflrei Jahren mit dem Werk „Avodath Hakodesch" zurück. X>te Testgrundlage bildet derSabbat>MQ.rgejQgQttead|ejiafc nach dem Ritus der reformierten Gemeinde. Da Bloch au3 irgend einen uns unbekannten Grunde plötzlich zur Ueberzeugung gelangte, daß die reichen Juden ihn nicht gebührend oder genügend unterstützen (wiewohl er für seine Arbeit die respektable Summe von 5000 Dollar erhielt, wobei der Druck und die Aufführung das Mehrfache kosteten), so setzte er neben den hebräischen auch noch den englischen Text und ließ die ganze Welt durch die Zeitungen wissen, daß sein Werk nicht bloß für den jüdischen Gottesdienst, sondern für die ganze Menschheit, mit einem Wort: für jedes Gotteshaus, gedacht sei. Die Uraufführung dieses Werkes fand in Carnegie Hall in New York (ä la Musikverein in Wien) statt und stand unter dem günstigsten Stern. Das Konzert wurde von Gerald Warburg, dem das Werk gewidmet ist, finanziert, und es wurde nichts an Pomp und Reklame unterlassen, um einen Erfolg von vornherein sicherzustellen. Die Ausführenden waren wie folgt: Kantor: der berühmte Opernsänger Friedrich Schorr; Chor: der größte und beste Gesangverein Amerikas (nichtjüdisch), Schola Cantorum; Orchester: die New Yorker Philharmoniker; Dirigent: der Komponist. ((Schreiber dieser Zeilen machte die Reise von Boston öach.N^ffi.-Yprjt.Äu^anmien mit einer Gruppe junge? Sonderbare Anklage geg Aus Bukarest wird berichtet: Die Zeitungen bringen den folgenden Bericht über eine Rede, die Unterstaatssekretär Jamandi in Podul- Iloaei in der Nähe von Jassy gehalten hat. Jamandi sagte : „Ich fühle mich verpflichtet, das Volk zu warnen, den Anhängern des Hasses Gefolgschaft zu leisten. Hütet euch vor jenen, die den nationalen Gedanken monopolisieren wollen! Die Behauptungen dir Extremisten Bind unsinnig, die Ziele der Antisemiten sind ungerecht. Die Juden haben stets Schulter an Schlüter mit uns an dem Wohl des Landes mitgearbeitet. Sie haben an der Seite der rumänischen Bauern im Kriegegekämpft. Wer die Juden anfeindet, tut ihnen unrecht. Tatsache aber ist, daß die Extremisten zu manchen Juden und Freimaurern Beziehungen unterhalten und von diesen materiell unterstützt werden. So unglaubhaft das auch klingen mag, ich habe sichere Beweise für das, was ich sage: Die extremistische und antisemitische Beweg ii n g wird selbst von manchen Juden gefördert. Wenn ich das sage, so bin ich mir dessen bewußt, daß ich dabei mein Leben aufs Spiel setze. Ich tue »'S aber, weil ich es für meine Pflicht erachte, euch zuzurufen: Seid auf der Hut!" Es ist nur natürlich, daß diese Rede großes Aufsehen erregt hat, zumal bisher die rumänische Regierung bei verschiedenen Gelegenheiten die Loyalität der rumänischen Judenschaft betont hat. Was die Extremisten anlangt, dürfte Jamandi hier die Kommunisten meinen, die auch unter der jüdischen Jugend Rumäniens zweifellos Anhänger haben. Hingegen läßt die Behauptung, daß die antisemitische Bewegung von manchen Juden gefördert wird, jede Möglichkeit vermissen. Herr Jamandi wird niemanden mit seiner Behauptung überzeugen, solange er sie nicht durch einwandfreie Beweise erhärten kann.