Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 382 (17.7.1934)
- Date
- 1934-07-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 382 BW NEUE WELT Seite 3 JUPENSTAATSftARTEI <Sf Kf ION PER WESTL. BEZIRKE) Mittwoch, den 18. Juli, halb 9 Uhr abends im CAF£ PATRIA, Mariahilferstraße 127: Wer versperrt uns den Weg nach Palästina? REDNER; THEODOR GRUBNER, Vizepräsident der Palästinaamt-Kommission Freie Aussprache ♦♦♦♦♦♦»»♦♦♦ »»♦»»»♦»♦♦♦«♦«♦■»»♦♦<>♦♦»»<»♦»»♦♦♦♦♦< Die nationale lugend darf nicht nach Palastina Mächtige Kundgebung Wien, 16. Juli. Die Erfahrungen, die mit der sozialdemokratischen Praktik überall in der Welt gemacht wurden, haben vielen Sympathikern der Linken die Augen geöffnet. In der jüdischen Welt aber hat der Bntdeckungsfeldzug noch nicht die entsprechenden Früchte getragen. Die Galuth beginnt die linken Klassen kämpf er auszuscheiden, In Palästina und im zionistischen Bereich setzen sie sich weiter fest, indes ihre ideologischen Spiegelfechtereien von gewissen zionistischen Kreisen teils mit Gleichgültigkeit, teils mit Wohlwollen, teils mit Aufmunterung begleitet werden. Jetzt machen sich die klassenkämpferischen, die Einheit des zionistischen Werkes unterminierenden Elemente in den Palästina-Aemtern breit . . . Die Judenstaatspartei Oesterreichs griff zu. In einer Massenversammlung, die zum Protest gegen die willkürliche Handhabung der Zertifikatenausgabe seitens des Wiener Palästina-Amtes einberufen worden war, kamen höchst sonderbare Tatsachen zu Tage. Man erfuhr nämlich, daß von 25 Arbeiterzertifikaten nicht weniger als 19 den Angehörigen des Hechaluz zugewiesen wurden, der Jugendorganisation, die bekanntlich dem Welt-Hechaluz angehört, der zum Eintritt in die linke Histadruth verpflichtet. Wer die Herren der Histadruth sind, ist kein Geheimnis: jene Propagandisten des Terrors, die Häuser demolieren, arbeitswillige Nicht-Linke von der Arbeit ausschließen, jeden Augenblick politische Streiks inszenieren, die Jugend in antiherzlistischem Geist erziehen .und sich überall als marxistische Trommler — hinten am Leichenzug der toternationalen Sozialdemokratie betätigen ... Die Judenstaatsversammlung, die Massen des Judenetaatszionismus, brachten durch ihre Rodner Protest ein. Der Obmann der Judenstaatsjugend, Mendel Hager, gab ein Bild der Zusammensetzung und der Zustände der Palästina-Kommission. Man erfuhr etwas Traurig- Pikantes: Einer der Vizepräsidenten der Kommission, welche die Zertifikate zu verteilen hat, ist ein gewisser Herr B. Schnittlich. Wie so viele andere, hat dieser Herr unter wohlwollender Duldung der sogenannten zionistischen Mitte, der Allgemeinen Zionisten, einen Schlupfwinkel in der zionistischen Organisaton gefunden: ein Herr, der noch vor einigen Jahren am Kol-Nidre-Abend tm Jüdischen Arbeiterheim (Elumauergasse) an einem von jüdischen Kommunisten arrangierten Gottlosen-Mahl teilnahm und in schärfster Weise gegen die jüdische Religion loszog.' Man bedenke: Der Hetzer und Gottlosenführer, der Antizionist und Edelkommunist als Verteiler von Palästina-Zertifikaten! Der Obmann des österreichischen Hechaluz Haleumi Theodor Grubner (Vizepräsident der Palästina- Kommission) schilderte das Bestreben der rötlichen Allgemeinen Zionisten, zusammen mit den Linken und Radikalen eine' komplette Mehrheit zu bilden und das Recht der nationalen Jugend auf Einwanderungazertifikate zu beugen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die im Landeskomitee vereinigten Allgemeinen Zionisten für diese Lage verantwortlich sind, da sie von ihrem Vor- ......ii »Ii.......■■«imwTWUittffiVBff der Judensfaat*partei haben nicht abzubringen waren, obwohl man ihnen das Gesicht des Herrn Schnittiich zeichnete. Zynisch erklärte die zionistische Landesleitung, daß an der Verteilung der Zertifikate nichts zu ändern sei. Glauben die von der linken Ideologie infizierten Genossen des Herrn Schnittlich, daß die nationale Jugend sich diese Vergewaltigung gefallen lassen wird? Mit zynischen Gesten kann dieses schandbare System nicht aufrechterhalten werden. Robert Stricker, der Obmann der Judenstaatspartei Oesterreichs, behandelte zunächst ausführlich die grundsätzliche Seite dieser Frage. Es kam klar zutage, daß die Klassenkampfgruppen im Zionismus ihre Existenz zum Teil den Allgemeinen Zionisten zu verdanken haben, den Elementen der „Mitte",, weiche — das muß wieder einmal gesagt werden — sich nicht damit beg: ügen, ihre Jugend der Klassenkampfpartei zuzutreiben, sondern diese auch moralisch und faktisch unterstützen und die Legende verbreiten, der Hechaluz sei eine allgeii-*inzionistische Organisation, während jeder Laie weiß, daß er unter der Botmäßigkeit der Linken steht. Es geht der nationalen Jugend, es geht der Judenstaatspartei nicht um den Zertifikatenschacher, sondern um die Sorge, daß Palästina, das j ü d i s che Palästina, kein Nest für die II. oder III. Internationale werde. Palästina wurde dem jüdischen Volk als Nationalheim versprochen. Das jüdische Volk seinerseits muß im Sinne dieses Versprechens handeln und verhüten, daß Klassenkampfideologie und linker Terror das im Werden begriffene Gebäude zerstöre. Die Judenstaatszionisten haben schon v o r dem politischen Umbau Oesterreichs gegen das Nachlaufen der Klassenkampfpartei protestiert und schon damals die Erfahrung gemacht, daß die Allgemeinen Zionisten ihnen in den Rücken fallen. Man schien diese Haltung zu bereuen und zu gemeinsamer Arbeit gewillt zu sein. Vergebens! Der letzte Rückfall der Allgemeinen Zionisten zeigt deutlich die Gefahren auf, die der Allgemeine Zionismus in Oesterreich heraufbeschwört. * Alle Redner wurden — hauptsächlich von der Jugend — stürmisch akklamiert. Für den Misrachi sprach M. Tuchmann, die österreichischen Revisionisten sandten ein Schreiben, worin sie ihre Sympathie für die Protestaktion der Judenstaatspartei zum Ausdruck brachten. Die erfolgreiche Protest- und Aufklärungsaktion wird fortgesetzt. ers S. Gutstein, V, Obere Amtshausgasse 34 Telephon A-33-2-26 Aus eigener Mastanstalt liefere ich täglich frisch geschlachtetes koscheres Geflügel, auch in lebendem Zustande, zu besonders billigen Preisen. 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Der Abgeordnete Thornes fragte, ob der Minister erklären könne, daß Palästina eines der glücklichsten Länder ist, in denen es keine Arbeitslosigkeit gibt. Der Minister antwortete: Ich möchte nicht ganz so weit gehen, aber ich glaube, es ist ein glückliches Land im Vergleich zu vielen anderen Ländern. Mieten und KinwauderianflscrSaMonss für Handwerker Captain Strickland fragte den Kolonienfcunister, ob ihm bekannt sei, daß die Nachfrage nach // Arbeit Wohnhäusern und Geschaftslokalen in Tel-Awlw und Haifa das Angebot weit übersteigt. Der Abgeordnete fragte, wie hoch die sich au« diesem Zustand ergebende prozentuale Steigerung der Mieten sei und welche Schritte getan wurden, um die Nachfrage nach weiteren Arbeitskräften im Baugewerbe zu befriedigen. Sir Philip Cuulife-Lister antwortete: Auf Vorschlag eines lokalen Komitees wurde im Monat April eine zeitlich begrenzte Verordnung zur Verhinderung der Erhöhung von Mieten für Wohnräume in den größeren Städten erlassen. Nach Schätzungen des Komitees betrug die Erhöhung der im Jahre 1934 für Wohnräume in Tcl-Awiw geforderten Mieten gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 40 bis 50 Prozent. Bezüglich Haifas hat das Komitee keine Schätzung der Mietensteigerung vorgenommen, jedoch bemerkt, daß die Mieten, die seit Ende 1920 ziemlich niedrig waren, vom Juli v. J. an jäh zu steigen begannen. Der Direktor des Einwanderungsamtes für Palästina Palästina * Anleihe * Vorlage Gesetz geworden London, 15. Juli. Im House of Lords gab heute! die aus Lord Chancellor, Earl of Onslow und Lord Stan- J more bestehende Königliche Kommission bekannt, daß der j König die von beiden Häusern angenommene Palästina- 1 Anleihe-Bill sanktioniert hat, wodurch die Bill J Gesetzeskraft erlangt hat. ist durch Gesetz ermächtigt. Personen zur Einwanderung: zuzulassen, die in Gewerben und Handwerk s- * w e i g e n ausgebildet sind und ein Mindestkapital von 250 Pfund besitzen, wenn er überzeugt ist, daß die wirt> schaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas das Unter« kommen solcher Personen ermöglicht. Wie ich erfahrt sollen demnächst 500 Personen dieser Kategorie zur Einwanderung zugelassen werden. Verwallungsühersdhiiiß und Geldumlauf Abgeordneter Barnett J a n n e r fragte ferner den Minister für die Kolonien, wie hoch der Verwaltungsüberschuß der Palästina-Regierung am 30. April 193* und am Schluß des Finanzjahres am 31. März gewesen sei. Der Kolonienminister antwortete: „Der Gesamtüberschuß Palästinas am 30. April 1934 betrug 2,634.460 Pfund, der Ueberschuß am 31. März 1934 2,510.932 Pfund." Wie aus Palästina gemeldet wird, betrug der Verwaltungsüberschuß der Palästina-Regierung Ende Mai nach amtlichen Angaben 2,820.062 Pfund. In den Monaten April und Mai wurde ein Ueberschuß von 309.130 Pfund erzielt. Der Geldumlauf in Palästina betrug am 5. Juli 4,209.664 Pfund. Bräute gehen zu ihren Verlobten nach Palästina Auf Grund des Bescheides der Palästina- Regierung, daß bis zu einer gewissen Zahl Palästina-Einwohner ihre im Auslande lebenden Bräute ungeachtet der geltenden Einwanderungsbestimmungen nach Palästina bringen können, hat das Palästina-Amt in Warschau die erste Gruppe von 22 Bräuten, die sich zu ihren Verlobten nach Palästina begeben, abgefertigt. Die Bräute schlössen untereinander Bekanntschaft und kamen überein, eine kollektive Hochzeit in Palästina zu feiern. PalSstmasrlSsI Msen Nicht blau-weiß — tot Ein Chaluz der Judenstaatspartei sendet uns eine naturechte, frische Darstellung über die Stimmung eines Neuankommenden in Palästina. » ... „Einem Juden in Europa sind Palästina und Zionismus ein Begriff, und wenn er, wie es jetzt meisten» der Fall ist, erst seit kurzem national gesinnt wurde, ein höchst oberflächlicher Begriff geworden. .Hier werde ich vertrieben, ich habe keine Existenz, keine Zukunft, ich fahre nach Palästina, so viele sind dort und zufrieden, auf jeden Fall ist es besser als hier', so sprechen 90 Prozent aller Juden, die im letzten Jahr hierher kamen. Sie verbrannten ihr sozialdemokratisches Parteibüchl, entdeckten, daß sie eigentlich schon lange Jüdisch' sind und mit nationaler Gesinnung sympathisiert haben. Viel schneller, als sie sich's gedacht, steigen sie frisch (wer wird schon fromm sein?), fröhlich und frei in Haifa vom Schiff. Nachdem sie festgestellt haben, daß ihnen der Karmel und die wundervolle Bai, der Strand und das neue Viertel eigentlich sehr gut gefallen und nicht nach Asien riechen, haben sie als nächstes die wichtigste Frage .Arbeit' im Munde! Die Antwort lautet sozialistische .Histadruth' oder ,01e Germania*, die die Leute aber auch zur Histadruth schickt. Alles weitere könnt Ihr Euch denken. Dort erfährt der nach Palästina Gekommene allzubald, daß die Fahne Palästinas nicht blauweiß, sondern rot ist; das Wort Zionismus oder Judenstaat hört er hier überhaupt nicht mehr und anstatt des schwarzen Barts H e r z 1 s sieht er den grauen von Marx an den Wänden — und auf einmal hat er auch das längst verbrannte Parteibuch wieder in Händen! Es ist zwar statt in lateinischen in hebräischen Lettern geschrieben, aber dafür ist es eben so schön rot und versinnbildlicht den obersten Wahrspruch .Proletarier aller Länder, vereinigt euch — in Palästina,! Die aus Berlin geflüchteten Kommunisten oder aus Wien vertriebenen Marxisten begegnen einander, auch auf Grund eines Zertifikats, zu ungestörter, ruhiger Arbeit in Erez. Alles;, was nicht rot ist, heißt faschistisch. In Tel-Awiw sah ich ein Plakat, auf dem die blau-weiße Fahne abgebildet war, mit Hakenkreuzen übermalt und oft wurde ich ausgelacht, weil ich in Debatten und Reden über den Judenstaat sprach. Das gilt, wie anfangs erwähnt, von 90 Prozent aller Neuankommenden. Weitere fünf Prozent sind ehrlich genug, sich zu sagen: ,Der Zionismus gefällt mir wirklich. Erez ist ein schönes Land. Warum soll ich hier nicht für einen Judenstaat kämpfen!" Wie er das Wort .kämpfen4 ausspricht, bleibt er stehen. Er sieht sich um. Kämpfen? Gegen die Araber? Gegen die Engländer? Warum?! Zuerst gegen den Feind in unseren eigenen Reihen —• und er wird Anhänger Achi Meirs. Grinbergers u. a. Die letzten fünf Prozent haben jahrelang in der Zionistischen Organisation gearbeitet, für den K. K. L. und K. H. gesammelt und gespendet, mit Stolz trugen sie die blau-weiße Nelke beim Herzl-Grabgang und mit Begeisterung schwitzten sie auf Hachscharah; als Belohnung erhalten sie dann ein Zertifikat, um auch in Erez für ihre Gruppe weiter zu arbeiten, als treue Mitglieder der Judenstaatspartei. Die .Judenstaatspartei' in Erez hat erst vor kurzem mit der Organisierung und der Zusammenfassung ihrer Ortsgruppen begonnen. Mitten in der Arbeit stehend, kann man daher nicht viel sagen. In allernächster Zeit kommen größere Gruppen aus Lettland und Polen. Meür Großmann hat die Verhandlungen mit Ussischkin wegen Bodens mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen,