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Die neue Welt · 1934-07-13 · Heft 381 (13.7.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 381 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 381 DIE NEUE WELT Seite 5 Aussprache, an der u. a. der englische Publizist Wickham S t e e d, der Schrütsteller Louis G o 1 d i n g, Colonel Josiah Wegdwodd teilnahmen. Von den Referaten ist zunächst das Steeds hervorzuheben. Steed sprach nämlich sein Bedauern darüber aus, daß der englische Ministerpräsident MacDonald bis jetzt nicht mit einem einzigen Wort die in Deutschland an den Juden verübten barbarischen Akte verurteilt habe. Colonel Wedgwoöd verlangte das Sammeln aller moralischen Kräfte gegen die „tierische Untugend" des Nationalsozialismus. Und Steinberg, der jüdischreligiöse Sozialist, der den amerikanisch-jüdischen Lobhudlern Kalinins die Meinung sagte, — erklärte, er sei glücklich, ein sich entwickelndes jüdisches Palästina zu wissen, aber man müsse gleichzeitig die jüdischen Positionen in allen Ländern halten. Schließlich meldete sich auch der deutsch-jüdische Schriftsteller Stefan Zweig, nicht mündlich, sondern brieflich. In seiner bekannt intellektuell-geschwätzigen Art wünschte er fürs Judentum „einen neuen Glauben, der neue Kräfte gibt, Krisen könnten nur von innen heraus überwunden werden". Nach dieser nebulosen Feststellung begab sich Zweig auch auf politisches Gebiet. Er wußte zwar nicht zu sagen, was unter dem „neuen Glauben" zu verstehen sei, aber in seiner Assimilantenseele brannte das Verlangen, dem Zionismus eine Rüge zu erteilen. „Man kann sich nicht an ein Stück Land, Palästina, klammern," schrieb er, „wohl? sollen Organisationen und Kolonisation ermuntert werden, allein Verteidigung nach außen (?) ist nicht innerer Aufbau." Herr Zweig, der sich sein Heim in der Festspielstadt Salzburg errichtet hat und fern vom Judentum lebt, glaubt, um Jeden Preis etwas Geistreiches zur Judenfrage sagen zu müssen. Palästina genügt ihm nicht, er ersehnt für die Juden inneren Aufbau. Oder hat gar die Sehnsucht nach Deutschland sein Urteilsvermögen getrübt?! Höre dich selbst! i Schallplattenaufnahmen jeder Art im rilophan-Studlo, Msrgaretenstr. 22. Tel. B-20-Jt-19 AUS PALÄSTINA 15.000 Juden kamen im ersten Halbjahr 1934 nach Palästina Aus Jerusalem: Laut einer Aufstellung des zionistischen Einwanderungsbüros kamen im ersten Halbjahr 1934 mindestens 1 5.000 Juden als Einwanderer nach Palästina und siedelten sich hier an. Unter diesen waren etwa 3000 Kapitalisten, die mindestens sechs Millionen Pfund Kapital ins Land brachten. Kein anderes Land in der Welt, heißt es in der Mitteilung, hat in einem so kurzen Zeitraum einen solchen Elnstrom von Einwanderern und Kapital zu verzeichnen. Laut Bericht der Haifaer Polizei wurden 29 Juden aus Polen in der Stadt Tiberias wegen illegaler Einwanderung verhaftet. Von der Universität Jerusalem Aus Jerusalem: Die Universität zählte im letzten Semester 545 Studenten und Hörer. 70 Prozent der Studenten hatten abgeschlossene Mittelschulbildung, 17 Prozent außerdem akademische Bildung. Der Rest der Hörer waren Externe. Studenten aus fast allen Ländern der Welt waren an der Universität inskribiert. Es gab Hörer aus Südafrika, Deutschland, Frankreich, Belgien, der Schweiz, Ungarn, Rumänien, Polen und Amerika. Der größte Teil der Hörer besteht indessen aus Abiturienten -des hebräischen Gymnasiums „Herzlia" in Tel-Awiw. Bialik-Stadt an der Haifa-Bucht Aus Jerusalem: Es wurde beschlössen, die an der Haifa-Bucht auf dem Boden des Keren Kajemeth geplante Siedlung für deutsche Juden „Kirjat Bialik" (Bialik-Stadt) zu benennen. Die Grundsteinlegung für diese neue Siedlung wird demnächst erfolgen. Geplant wird die sofortige Errichtung von vorläufig hundert Häusern. Zu dem Gründungskapital in Höhe von 4 0.0 00 Pfund steuert die Hälfte der südafrikanische „Binyan Haarez" bei, die andere Hälfte bringen die Siedler selbst auf. Eine neue arabische Organisation gegen den Zionismus Aus Jerusalem: Unter der Bezeichnung „Arabischer Klub" ist von einer Gruppe Jeruealemer arabischer Notablen und Jugendführer eine neue Organisation mit der Aufgabe geschaffen Wörden, die Politik der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina zu bekämpfen un<* ein unabhängiges arabisches Palästina innerhalb eines arabischen Staatenbundes zu propagieren. 60-Pfund-Kaution wird auch von Reisenden erster Klasse gefordert Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat die Paßabteilungen der englischen Konsulate Im gesamten Auslande angewiesen, von nun an auch von denjenigen Jüdischen Touristen, die erster Klasse nach Palästina reisen, die Hinterlegung der bisher nur für Reisende derübinigen Klassen vorgeschriebene Kaution von 60 Pfund zu fordern. Ausbau der. Thermen von Tiberias Aus Jerusalem1: Die .„Tiberias Hot Springs Co. L*d.',' trifft die.letzten Vorbereitungen für die Neufassung dar altberühmten Thermen von Tiberlas und zur vollständigen Modernisierung des Bades. Nachdem der bekannte Mineralquellenfaohmann Oberingenieur Scherrer aus Ems zum zweiten Male die Quellen besichtigt hat, werden zurzeit von dem frühe- » Eröffnung der Technologischen Lehranstalt in TehA v/iw Vom Bürgermeister von Tel-Awiw, Herrn Melr Dizengoff, als Präsidenten der neiigegründeteh Technologischen Lehranstalt, Ist uns folgende Kundmachung mit dem Ersuchen um Abdruck zugekommen: Im Schuljahr 1934—1985 wird In Tel-Awiw eine Technologische Lehranstalt eröffnet. Sie besteht aus einer Abteilung für mechanische und einer Abteilung für chemische Technologie. Als Lehrer werden europäische Spezialisten, vornehmlich jüdische Professoren aus Deutschland, wirken. Bedingung für die Zulassung als ordentlicher Hörer ist Absolvierung einer Mittelschule. Das Studium dauert vier Jahre, in welche die Zeit für die Verfassung der Diplom-Dissertation und die Vorbereitung zu den Schloß- Prüfungen nicht inbegriffen ist. Die Absolventen erhalten ein Diplom als technologischer Ingenieur. Bewerber um Aufnahme als Hörer haben ihre Gesuche und Anfragen an die Adresse zu richten: Technologisches Institut, Tel-Awiw, P. O. B. 488. Für das Kuratorium zeichnen: Bürgermeister M. Dizengoff als Präsident; Vizebürgermeister J. Rokach, Leitender Ingenieur der P. I. C. A. J. Rosenfeld, Präsident des Industriellen Verbandes Palästinas A. Schenkar, GeschäftsfUhrender Direktor der Silikat- Werke J. Tuwltt, der frühere Herauageber der Zeitschrift für Elektrotechnik in Wien Ingenieur J. Seidener, S. Tulkowski, Dr. A. Kastilian-Kasttlian sk», L. Polikanski. * Anm. d. Red. Die neue Lehranstalt wird einen Schwer fühlbaren Mangel im technischen Leben Palästinas und seiner Entwicklung beheben. Die Namen der Gründer und Leiter des Kuratoriums bürgen dafür, daß die Anstalt eine erstklassige sein wird. L osch a Ha§chanah in Palästina Gesellschaftsreise des Internationalen Touristenklub am 30. August 1934 ab Neapel mit dem Riesen-Ozean-Luxusdampfer „V u I c a n i a" Ä'Ä" Reisebüro Globe Tours, Wien VIII, fÄ« ren Landecker Baineologen Dr. Lachmann regelmäßige Messungen und Beobachtungen als Unterlage für die Passungsarbeiten ausgeführt. Mit dem Bau eines modernen Badehauses, eines Inhalatoriums und einer Trinkhalle wird jetit begonnen. In Zukunft werden die Quellen von Tiberias, ihrer chemischen und physikalischen Beschaffenheit entsprechend, außer für rheumatische Krankheiten auch für Leiden der Atmungsorgane und des Darmes Verwendung finden. Die Prosperität Palästinas rieht arabische Unternehmer an Aus Jerusalem: Die anhaltende Prosperität Palästinas bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Rückständigkeit seiner arabischen Nachbarländer führt zu einer steigenden Tendenz der Verlegung arabischer Unternehmungen aus Syrien nach Palästina. In Jerusalem soll demnächst ein Konsortium arabischer Kaufleute aus Aleppo (Syrien) und Jerusalem eine Seidenfabrik errichten. Die Unternehmer hoffen, den Betrieb Ende dieses Jahres aufnehmen zu können. Weitere 20 syrische Kauf 1 eute sind im Laufe der letzten Woche aus Damaskus nach Palästina gekommen, um hier Unternehmungen zu eröffnen. Ein bekannter Zuckerwarenfabrikant aus Damaskus hat um die Erlaubnis nachgesucht, sein Maschineninventar nach Palästina bringen zu dürfen. Die syrische Presse äußert Bestürzung über diese Massenabwanderung wohlhabender Elemente aus den Kreisen der Gewerbetreibenden und verlangt, daß die Abwanderung entweder verboten oder nur gegen eine hohe Steuer gestattet werde. Anlage von Orangenpflanzungen durch Juden auf Zypern Aus Tel-Awiw: In letzter Zeit wurden mehrere Tausend Zitrus- und Grape-Fruit-Stecklinge in Palästina angekauft und nach Zypern gebracht, wo jetzt größere Orangenplantagen von jüdischen Pflanzern angelegt werden. In der letzten Saison sind in Zypern 800 Dunam Boden von Juden mit Orangen bepflanzt worden. Die Neuanlagen sollen während des ganzen Monats Juli fortgesetzt werden. Ja der zyprischen Hafenstadt L e r n a k a leben jetzt zehn bis fünfzehn jüdische Pf länzerfamilien, weitere 25 Familien in Nikosia und der benachbarten jüdischen Kolonie Margo. Wie«die Zeitung „Dawar" erfährt, werden jetzt Pläne für eine großzügige jüdische Kolonisation in Zypern durch den aus Deutschland stammenden Plantagenbesitzer Dr. Brünn, der mehrere Jähre to Palästina gelebt hat und Orangengärten in Chederah besitzt, ausgearbeitet. Die Behörden in Zypern haben Erleichterungen für die Durchführung jüdischer Siedlungsarbeit zugesagt. Jüdische Einwanderung größeren Maßstabs wix'd von den Behörden angeblich als durchaus erwünscht bezeichnet. In Zypern wurden bereits erhebliche Kapitalien zur Anlage von Pflanzungen investiert. Die Insel Zypern liegt acht Dampferstunden von Palästina. Der „Eildienst für Außenhandel und Ausiandswirtschaft", Berlin, meldet aus Jerusalem: Neben einer Reihe von Einzelpersönlichkeiten (Juden) aus Palästina, die im Durchschnitt 25 Acre« Land zum Anbau von Orangen und Zitrusfrüchten erworben haben, haben sich bereits mehrere Orangen- Pflanzungsgesellschaften in Zypern niedergelassen. Der Grund ist darin zu suchen, daß der Boden in Zypern bedeutend billiger als in Palästina ist und daß Zypern als englische Kronkolonie beim Export seiner Produkte nach England und allen Gebieten seines Weltreiches den Vorzug des Imperial Preference-Systems genießt. Palästina als Mandatsgebiet ist davon ausgeschlossen. So entstanden die Cyprus Farming Company (3000 Acres bei Famagusta) und die Cyprus Palestine Plantations Company (1000 Acres bei Limassol). Eine dritte jüdische Gesellschaft ist im Entstehen begriffen. Strohwitwer Achtung! Der beliebte Treffpunkt aller Strohwitwer ist das Restaurant Hotel Stefanie, Wien, II., Taborstraße 12, der durch seine vortreffliche Küche bei billigen Preisen und durch den angenehmen Aufenthalt im schönen und schattigen Gerten eine große Anziehungskraft ausübt. JS Ungesunde Erscheinungen in Palästina ' Verminderte Sparsamkeit, zu hohe Preise, Spekulation, Landflucht Die Flut der günstigen Nachrichten über die rapide Entwicklung der Palästina-Wirtschaft darf nicht kritiklos hingenommen werden, und es ist gewiß notwendig, auch alle ungünstigen Erscheinungen, welche mit dem Aufbau verbunden sind, zu registrieren. Dies besorgt in dankenswerter Weise ein hervorragender Kenner der Palästina - Wirtschaf t, Herr Harry Viteies, der Leiter der Zentralbank der Genossenschaften Palästinas, im letzten Jahresbericht seines Instituts. Die Wiener Zeitschrift „Palästina" bringt einen Auszug aus der Uebersetzung dieses Berichtes, in welcher es unter anderem heißt: Die Bewohner Palästinas leben nicht mehr so einfach und bescheiden, wie früher; Läden, Restaurants und Cafös sind namentlich in Tel-Awiw und Haifa überfüllt; Sitze für Theater und Konzerte müssen im vorhinein gekauft werden. Erstklassig Musiker und Tänzer lassen Palästina nicht mehr links liegen. Während des Jahres 1933 sind Dutzende eleganter neuer Läden für feineren Bedarf aller Art in den Städten eröffnet worden, sogar auch in größeren Kolonien. Die Versuchung, Geld auszugeben, ist groß, insbesondere, da Kredit leicht gewährt wird. Es ist zweifelhaft, ob Ausgaben für nicht wichtige Artikel für Palästina gut sind, das ein Land im V/erden und mit einem niedrigen Lebensstandard ist. Der durchschnittliche Handwerker, Angestellte und selbst Arbeiter spart heute viel weniger als noch vor drei Jahren. Dies nicht nur wegen dieser überflüssigen Ausgaben, sondern auch wegen der Erhöhung der Mieten. Die Boomstimmung und die Spekulationssucht hat alle Kreise der Bevölkerung erfaßt. Die B o d e n p r e i s e, die seit Mai 1933 gestiegen sind, sollen gegenwärtig (geschrieben im Jänner 1934) stationär sein. Doch zahlt man noch immer für 1 Acre (4 Dunam 4000 Quadratmeter) Boden im Zentrum von Tel-Awiw 35.000 Pfund (1 Pfund rund 30 österreichische Schilling). Während der zweiten Hälfte 1933 stiegen in Tel-Awiw die Preise für ein Pic (0,6 Quadratmeter) wie folgt: In den Außenbezirken von 4 Shilling (6 österr. Schilling) auf 1 Pfund (30 öster- Jacob Japfiet « Co. Ltd. Bankiers JERUSALEM Mamülab Road / Julians's Way F. O.B. 897 Tel.-Adresse: Remember Half aar Vertreter: Joseph HIRSCH Hadekalim etreet, gegenüber Messageries Maritimes.

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