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Die neue Welt · 1934-07-13 · Heft 381 (13.7.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 381 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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» Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 381 Voraus muß man denken, sich Stenern — versichern Allgemein« Verticherungi-Qef. Wien IX. Bes., AUerpUt» Nr. 3 «■■■■■■■■■■11 an den Unruhen In Jaffa im November 1933 verhängten Strafen abgeändert. Das Gericht beschloß, den Verurteilten eine Bewährungsfrist zuzubilligen, falls sie eine schriftliche Wohlverhaltungs- Verpflichtung abgeben. Eine Straffestsetzung behielt sich das Gericht nur für den Fall vor, daß solche Erklärungen nicht abgegeben werden. Es haben nunmehr von fünfzehn vierzehn Verurteilte Erklärungen unterfertigt. Sie gehen damit straflos aus. Nur Scheich Abdul Kader Muzeffar hat die Unterzeichnung verweigert. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. * Aus Jerusalem: Das Oberste Gericht hat gegen die Zeitungen „Doar Hajora" (bürgerlich), „Hajarden" (revisionistisch) und „I t on Me juchad" (Judenstaatspartei) ein Straf verfahren deswegen eingeleitet, weil diese Zeitungen, ungeachtet des Gerichtsurteils gegen Stavsky, behauptet hatten, Stavsky sei u nschuldig. Vom Pogrom*Sfreicher Sittenbild vom dritten Reich Drei Tage nach der Blutnacht vom 30. Juni, in welcher Hitler und seine Freunde ihre unbequemen Blutsbrüder von gestern abgeschlachtet haben, sprach der intime Freund des „Führers", Gauleiter von Franken und Herausgeber des „Stürmer" Julius StrelcherinDortm u n d gegen die „Wühlmäuse im eigenen Haus", gegen die „Gegner von links, die auf ewig verdorben sind durch die Sünde wider dasBlut". Streicher wiederholte seine schon mehrmals gemachte Andeutung, daß viele deutsche Industrie-Proletarier jüdisches Blut in den Adern tragen und deshalb die nationale Bewegung nicht verstehen können. Dann sagte er: „Es war ein ganzer Mann dieser Adolf Hitler, der den heimtückischen Feind aller Völker bekämpft. Hitler hat eingesehen, daß der Jude versuche, das Blut der hochstehenden Völker zu vergiften, Das Volk am Abgrund drohte zu versinken und es wäre versunken wie die großen Völker der Vergangenheit, wenn Hitler der Rassenschande nicht Einhalt geboten hätte. Mancher pflegt zu sagen, daß es auch anständige Juden gibt. Aber der verlauste Ostgalizier ist vielleicht gar nicht so gefährlich wie der in Konzernen seinen Einfluß ausübende getaufte Jude." Zum Schluß sagte Streicher, Hitler stehe näher zu Gott als die höchsten Würdenträger der Kirche. * Ein Schweizer Elektrotechniker, der einige Jahre in Nürnberg, dem Sitze Julius Streichers, zugebracht hat, erzählt im Schweizer „Isr. FamlJienblatt": „Wohl zehn Jahre sind es her, da kam der neunjährige Sohn meiner Hausleute, bitter weinend, nach, Hause geschlichen. „Was ist denn mit dir", sagte tröstend die Mutter. — „Prügel habe ich bekommen, feste Prügel", sagte der Junge. „Das ist aber nicht schön vom Herrn Lehre r", meinte die Mutter. — „Nein, von dem sind sie nicht", meinte der Junge, „aber der ist schuld daran, der Herr Lehrer Streiche r". — „Unsinn — das gibt's nicht." — „Und doch, der Herr Lehrer nämlich hat uns gesagt: Wenn wir einen sehen, der vom Jud ist und so aussieht, dann sollen wir ihm zusammen nachlaufen und recht laut schreien: Jud, Jud, Jud. Das haben wir nach der Schule wieder einmal gemacht. Der Jude hat getan, als wenn er es nicht gehört hätte — und auf einmal packt er mich beim Kragen, die andern sind ausgerissen, und er hat mich elend verbläut." — „Geschieht dir recht", sagte die Mutter, „das machst nimmer". Mitte Mai 1931 war es, kurz vor meinem Weggang von Nürnberg, auf einer Versammlung des Naturhellvereins Nürnberg. Ein schöner Vortrag über die Heilkräfte von Licht und Wärme, Wasser und Sonne. Nach dem Vortrag Diskussion; es meldet sich Julius Streicher: „Alles sei sehr schön, aber die Hauptsache habe er vergessen, die Giftigkeit der Arzneimittel für unsere Frauen und Töchter. All die neuen Arzneimittel, Tropfen, Ampullen und Tabletten werden hergestellt von den kapitalistischen Juden. Die angestellten Chemiker haben vor allem für eines zu sorgen, daß die Arzneiatoffe Mittel enthalten, die unsere Frauen und Mädchen für die Gelüste der Juden gefügig machen. — Wer Frau und Töchter vor diesem Geschick bewahren wolle, der halte sie fem der Apotheke, der gebe ihnen keine Kapselchen und keine Tabletten." Seit seiner 1925 strafweise erfolgten Entlassung als Lehrer gibt Herr Julius Streicher den „Stürmer" heraus. Kaum eine Nummer, in der nicht ein von einem Juden verführtes Mädchen oder sonst eine moralische Schandtat ausführlich geschildert wird. Seebad Grado ■^■■■^■■■■■■■■■bVMHSbM^^ Villa Sezession Pension GrUnglas mit Kinderheim unter ärztlicher Leitung, direkt am Strand, mit großer Terrasse und herrlichem Ausblick aufs Meer. Zeitgemäß reduziert« Preise. Prospekte und Auskünfte daselbst sowie Konditorei Todesco, Wien, I., Rabensteig 2-4. /Verschwiegener' Judenpogrom Nach Bericht der „Frankfurter Zeitung" begann vor einigen Tagen vor dem Schwurgericht in Wiesbaden die Strafsache gegen Reichart und Genossen wegen Körperverletzung usw. Insgesamt 15 Angeklagten wird vorgeworfen, daß sie in Idstein am 26. März gemeinsam und fortgesetzt handelnd einen Menschen des Gebrauchs persönlicher Freiheit beraubt hätten, wobei durch die erfolgte Behandlung der Tod verursacht worden ist, ferner geht die Anklage dahin, daß Angeklagte noch andere körperlich mißhandelt und an der Gesundheit geschädigt hätten, wobei durch die Körperverletzung der Tod verursacht wurde. Schließlich wird den Angeklagten zum Vorwurf gemacht, daß sie andere widerrechtlich durch Gewalt und Bedrohung genötigt hätten, Verbrechen zu begehen. Die Zahl der geladenen Zeugen beträgt 50. Als Beweisstücke sind vorhanden ein Pfahl, ein Plakat, Kleidungsstücke und Gummiknüppel. Bei Beginn des Prozesses wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Dazu schreibt die Saarbrückener „Deutsche Freiheit": „Kein Wort davon, daß in Idstein ein wüster Judenpogrom mit „Todeserfolg" war. N i e hat eine deutsche Zeitung darüber berichten dürfen. Darum muß jetzt auch der Prozeßbericht die Wahrheit verhüllen." gi^n Neudegger-Aüfov billigen , ' : . Vlli, NeudeggoVaM^.'lS.'Tplä'^oniBJlÄ-iKJS uij<j In'iofi. :V " "' Icrf'-hr;''WivWrVNrWdor.ästnriei^': •ElekVitchni Lchrdi.v.iW Neue Friedhofschändungen in Deutschland Aus Hamburg: Auf dam alten, inmitten der Stadt gelegenen Friedhof der Judengemeinde an der Rentzelstraße wurden in dieser Woche wiederum starke Verwüstungen angestellt. Ganze Reihen von Grabsteinen wurden umgestürzt und zum Teil zertrümmert. Im ganzen 96 Grabdenkmäler. Der Vorstand der Gemeinde hat eine Belohnung für die Namhaftmachung der Täter ausgesetzt. Aus Paderborn: Die Paderborner Polizeiverwaltung gibt bekannt: „In der Nacht vom 28. zum 29. Juni 1934 sind auf dem Friedhof der Judengemeinde an der Warburger Landstraße Insgesamt 5 4 Grabsteine gewaltsam umgestürzt und zerstört worden. Die Kriminalpolizei hat sich sofort nach Bekanntwerden des abscheulichen Verbrechens an Ort und Stelle begeben und Tatspuren gesichert. Die Fahndung nach den Tätern ist in vollem Gange." Welche Namen gelten als jüdisch? Aus Berlin: Wie bereits berichtet, hat die Reichsregierung ein Gesetz erlassen, wonach Christen ihre jüdisch klingenden Namen ändern dürfen, aber Juden ihre Namen nur in jüdisch klingende abändern können. In den jetzt erschienenen Anweisungen des preußischen Innenministers über die Aenderung von Familiennamen wird bestimmt, daß dafür, welche Namen als jüdisch anzusehen sind, die Auffassung der Allgemeinheit maßgebend sein soll. Darnach gelten auch gewisse dem Ursprung nach deutsche Namen als Judennamen, wie z. B. Hirsch, Goldschmidt usw. Als typisch jüdische Namen werden auch die sowohl bei Juden wie bei Nichtjuden vorkommenden biblischen Namen Salomen, Israel, Moses usw. angesehen. Ferner werden die vom Herkunftsort abgeleiteten Namen, wie Krotoschiaer, Hamburger, Darmstädter usw. zu den Judennamen gerechnet. Dagegen gelten Namen, die zwar auch von Juden, häufiger aber von Christen geträgen werden, nicht als Judennamen. „Juden ist der Zutritt verboten" Aus Berlin: Die „Main-Fränkische Zeitung" berichtet unter der Ueberschrlft „Karlburg ist erwacht": „Bis auf wenige Ausnahmen tragen alle Wohn- und Wirtschaftsgebäude an den Toren und Türen seit Sonntag früh die mittels einer Schablone mit schwarzer Farbe aufgetragene Warnung: „Juden ist der Zutritt verboten,." Da die zirka 10 Zentimeter großen Buchstaben in solider Farbe aufgetragen sind, ist wohl ein Verwischen unmöglich und bei der Größe der Buchstaben kann die Warnung nicht übersehen werden." Die „Fränkische Tageszeitung", Nürnberg, schreibt: „Juden sind hier nicht erwünscht! Das liest man an den Türen von Gaststätten, deren Besitzer deutschbewußte Volksgenossen sind. Daß man in diesen Gaststätten jedoch immer wieder auch Juden begegnet, ist ein Zeichen für die Charakterlosigkeit dieser Rasee." Doppelt freut sich juog und alt Uber QuoHtttt u. Pr«l» der S«hiHmann-KI«idung 2tetl. ©toortanjttfl S M - Xtmümt.qiwttttS t#— Menlofetattiua. S M— ©affo «. ftaföabofc S *9ed)c«h>oU-3atifer . S II « Slnidfer&odCer . . 2ßobe<&aföf<$u$e $anamo£>emb . <StToj)ai*9tutffad ©rtetHWobefiemb 17.M 9.80 f.90 4-00 3.90 SCHIFFMANN II, Taborstraße 48 Die schönsten Palästinareisen zu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landarrangement allmonatlich Einzelreisen zu Originalpreisen Auskünfte und Prospekte: REISEBÜRO MARIENBRÜCKE" (Palästinadienst. Leitung: BERTA TAUBES WIEN, I., ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R 24-2-86, R-24-2-87 Ein sonderbarer Seelenhirt Aus Prag: Der oftgenannte Munkäcser Wunderrabbi Spira steht wieder einmal in einer Affäre. In Munkäcs sind einige Kinder des von der zionistischen Partei erhaltenen hebräischen Gymnasiums an Typhus erkrankt; zwei Kinder sind gestorben. Diesen Umstand benutzte der Wunderrabbi, um gegen die Zionisten in schärfster Weise aufzutreten. In seiner Synagoge sagte er in der P r e d i g t: „Seit zehn Jahren muß ich vor dem hebäischen Gymnasium, diesem Tempel der Unreinheit, ausspucken, so oft ich vorbeifahre. Die Epidemie ist eine Strafe für die Sünden der Zionisten. Jeder Jude ist verpflichtet, diese Unreinen zu bekämpfen." Das Kuratorium und die Professoren des Gymnasiums haben gegen Spira die Strafanzeige nach § 14 des Schutzgesetze» wegen Aufreizung eingebracht. //Judentum/ wohin"? Kalinins Judenrepublik — Die „linken" amerikanischen Schreiber — Das jüdische Palästina ist ein Glück — Stefan Zweig will sich nicht an Palästina klammern. Das Moskauer jiddische Tagblatt „Emess", das Organ der jüdischen Kommunisten Rußlands, druckt ein Begrüßungstelegramm ab, das eine Gruppe jüdischer Schriftsteller Amerikas an Kalinin geschickt hat. Das vom 13. Juni 1934 datierte Telegramm hat folgenden Wortlaut: „Wir Mitglieder des jüdischen Penklubs von Amerika begrüßen Sie, geehrter Michael Ivanowitseh, Vorsitzender des „Wizik" (Gesellschaft zur Produktivierung der jüdischen Elemente Sowjetrußlands) anläßlich des historischen Akts, Biro Bidschan in einen autonomen Rayon zu verwandeln. Wir sind überaus dankbar dafür, daß in derselben Zeit, wo in so vielen Ländern die Reaktion und der Faschismus in Begleitung des Antisemitismus sich ausbreiten, die Räteregierung einen autonomen, jüdischen Rayon in der Familie der sowjetischen sozialistischen Republiken geschaffen hat. Es ist dies ein erfreulicher Ermunterungsakt für das jüdische Volk der ganzen Welt. Wir begrüßen insbesondere Ihre Worte, die betonen, daß es der Wille der Räteregierung sei, den jüdischen Nationalismus zu konsolidieren und die jüdische Kultur zu bewahren." Das Telegramm ist u. a. von den bekannten Schriftstellern Auerbach, Glasman, Kahane, Leiwik, Niger, Pinski, Kobrin und Reisen unterschrieben. Im Zusammenhang mit dieser Begrüßung schreibt der bekannte jüdisch-religiöse Sozialist Dr. J. N. Steinberg in seinem Organ „Dos fraje Wort" (London): „Wozu leugnen? Mit dem Gefühl schwersten und bittersten Schmerzes habe ich diese Worte aus der Feder der besten jüdischen Schriftsteller Amerikas gelesen. Als Jude und als Sozialist kann und will ich nicht mit der Erklärung einverstanden sein, welche in der Begrüßung Kalinins abgegeben wurde. Was ist geschehen? Welcher historischer Akt muß mit solch feierlichen Worten begrüßt werden? „Biro Bidschan wird in einen autonomen jüdischen Rayon verwandelt" heißt es und Kalinin erklärt in einer Rede, daß „der autonome jüdische Rayon ein festes Fundament für den jüdischen Nationalismus sein werde, daß er eine Vertretung im Nationalitäten-Rat haben werde und daß er Perspektiven für das weitere Aufblühen der jüdischen Kultur (national der Form nach, sozialistisch dem Inhalt nach) eröffne". Dr. Steinberg macht im weiteren Verlauf seiner Ausführungen darauf aufmerksam, daß Sowjetrußland pich 15 Jahre zu dieser „edlen Handlung" Zeit gelassen bat, während inzwischen der Entjudungsprozeß ungeheure Dimensionen angenommen habe und darum das Programm einer „Entwicklung der jüdischen Kultur" pine leere Phrase sei. Sowjetrußland verfolge mit der Kalinin-Proklamation seine eigenen engen, politischen Ziele, und ea sei eine Schande, daß jüdische Schriftsteller, wie Pinski, Leiwik und Niger, eine Verbeugung vor diesem Manöver machen. Das russische Judentum könne auf solche Weise nicht gerettet werden. * Derselbe Dr. Steinberg veranstaltete in London unter dem Motto „Judentum, wohin?" eine STRENG KOSCHER Wf SEEFELD (Tirol)/1200 m iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiini.....iiii'un.....iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiir Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wassersport. PENSION okchwbwr St HEER im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise Fahrpreisermäßigung

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