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Die neue Welt · 1934-07-13 · Heft 381 (13.7.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 381 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 381 DIE NEUE WELT Seite S KURHAUS PEMMERING Physikalisch * diätetische Höhen > Kuranstalt ErmUfrttfte Prclie In der Vorsatton. _ Che/arz't Ober-Mfd.-Rat Dr. FRANZ HANSY Gerechtigkeit in Palastina Von einem gelegentlichen palästinensischen Korrespondenten wenn auch ursächlich grundverschiedene —rod—, Jerusalem, Anfang Juli. Während des letzten Jahres hat in Palästina eine Reihe sehr bedeutungsvoller Prozesse stattgefunden. Die Prozesse hatten durch ihren mehr oder weniger politischen Inhalt, Ursachen oder Folgen weitgehenden Einfluß nicht nur auf die politische Lage im Jischuw Palästinas, sondern auch auf die jüdische und nichtjüdische Welt, welche an Palästina aus verschiedenen Gründen interessiert ist. E3 wäre daher gewiß nicht uninteressant, einen Blick auf die Reihe dieser Prozesse zu werfen und dabei festzustellen, wie weit hier Recht und Gerechtigkeit von den palästinensischen Gerichten geachtet und anerkannt werden. Der überragend wichtigste und größte der Prozesse des letzten Jahres ist ohne Zweifel der Arlosoroff- Mordprozeß gewesen. (Es ist in diesem Blatt genügend ausführlich über diesen Prozeß und dessen Urteil sowie Uber die zahlreichen kleinen Prozesse, welche er zur Folge hatte — es sei an die Prozesse Stawsky gegen „Dawar", Generalstaatsanwalt gegen die hebräischen Zeitungen, sowie an die Benzion-Katz-Prozesse erinnert — berichtet worden, so daß es sich erübrigt, darauf noch näher einzugehen.) Er hat ein Schlaglicht auf die Rechtsprechung geworfen, wie sie von palästinensischen Gerichten in Prozessen politischer Art ausgeübt wir.". Von den anderen Prozessen politischer Natur sind vor allem der Prozeß gegen die „B i r j o n i m", die arabischen und jüdischen Demonstrantenprozesse und schließlich noch eine Reihe von Regierungea k t i o n e n, welche keine politischen Prozesse sind, aber mit diesen In gewissen Hinsichten Aehnlichkeiten haben, die Presseverbote, zu betrachten und nach dem Ständpunkte von Recht und Gerechtigkeit zu analysieren. Im Prozeß gegen die „Birjonim" wurden junge Ziönisten, Schriftsteller und Journalisten, auf Grund sehr lückenhaften Beweismaterials, welches in der Hauptsache aus Aufzeichnungen und Notizbuchblättern besteht, zu schweren Freiheitestrafen verurteilt. Sie wurden zu gefährlichen Konspiratoren und Terroristen gestempelt, obwohl sie nichts weiter verschuldet haben, als die Träger teils origineller, teils sonderbarer, auf alle Fälle aber von reinzionistischem Idealismus durchdrungener Ideen und Auffassungen zu sein. Ein hartes Urteil. Ist es aber ein gerechtes? — Wohl hat dieses Urteil, wie auch die meisten anderen Urteile eine mehr oder weniger gutfundierte formaljuristische Basis. Das kann nicht bezweifelt werden. Wenn man aber bedenkt, daß zur gleichen Zeit eine unerhörte antisemitische Hetze von arabischen Chauvinisten und Naziagenten im ganzen Lannde geführt wird und die Schuldigen, statt aus genau denselben Gründen wie die „Birjonim" angeklagt zu werden, frei herumlaufen, so kommt einem das Bedenken, daß eine gewisse Tendenz und nicht allein Recht und Gerechtigkeit in diesen Urteilen eine . Rolle spielen. Noch klarer tritt dieses Merkmal bei den Prozessen gegen die Teilnehmer an der Demonstration in Tel-Awiw, sowie gegen die arabischen Demonstranten in Jaffa hervor. Es handelt sich hier um zwei formell gleichartige, Prozesse. Ueber die jungen Patrioten, welche in Tel-Awiw gegen die Jagu\ von „illegale n" jüdischen E i nwanderern im jüdischen Heimlande protestierten, wurden harte Urteile gefällt. Sie erhielten Gefängnis mit Zwangsarbeit. Es ist zu wenig in der breiten Oeffentlichkeit bekannt, wie sehr die jungen „Gefangenen Zions" in dem palästinenschen „Konzentrationslager" zu leiden hatten. Sie wurden grausam mißhandelt und gequält und mußten überdies bei mangelhaftester Nahrung in glühender Hitze außerordentlich schwere Ar- POLEN Außerordentlich _ billige r Mm Ks TO -FAHRT nach Wien—Krakow und retour.......S 40'i-O Wien— Lwow und retour........„ 51'— Wien—Warszawa und retour......„ 46*50 Vom 31. Juli bis 15. August Keine Visa- und keine Paßgebühren Ausk. und Anmeld. EDAUf ABAI* Wien III, Rennweg 1 Poln. Verk. l »KM W VVfr* WIi (Geb. d.poln.Kons.) Telephon U-16-4-90 Telephon U-16-4-90 beiten, in Ketten gefesselt wie Schwerverbrecher, ausführen. Diesen Tatsachen gegenüber sei das Urteil, welches das palästinensische Appellationsgericht Anfang Juli d. J. gefällt hat, entgegengestellt. Dieses höchste Gericht Palästinas hat das Urteil der ersten Instanz insofern abgeändert und gemildert, als es verordnete, daß die Angeklagten Führer der arabischen Jugendorganisation, welche die volle Schuld und Verantwortung für die Novemberunruhen in Jaffa trifft, gegen eine Bürgschaft für gute Führung in der Zukunft frei gelassen werden. Bei der Gegenüberstellung beider Demonstrantenprozesse liegt derselbe Gedanke wie bei dem Urteil im „Birjonimprozeß" sehr nahe. Vom Grundsatze des Rechts und der Gerechtigkeit gesehen, besteht ein klarer . und deutlicher Unterschied zwischen der Rechtsprechung bei den beiden Prozessen. Die natürliche Frage dabei ist: Hätten nicht die jungen jüdischen Angeklagten in dem Prozeß wegen der Demonstration in Tel-Awiw zu mindest ein gleiches mildes Urteil verdient oder, besser gesagt, hätte nicht das Urteil eigentlich umgekehrt lauten müssen? Zum Schluß noch die Zeitungsverbote, welche durchaus nicht ohne Einfluß auf die politische Lage sind und ebenfalls das gleiche Merkmal, wie der „Birjonim"-Prozeß oder die Demonstrantenprozesse, tragen. In den letzten Monaten sind zweimal hebräische Zeitungen auf die Dauer von je einem Monat verboten worden. Beidemal waren es revisionistische Zeitungen. Zuerst der „Chazit Ha am", zuletzt der „Hajarden". Bei beiden Verboten lautete das Motiv: „Aufreizung der Bevölkerung." Es ist nicht nur bei diesen Verboten geblieben, sondern es wurden noch andere ähnliche Schritte nach derselben Richtung hin von der Regierung unternommen. So wurde kurz nach dem Verbot des „Hajarden" der Redakteur der judenstaatlich eingestellten Tel- Awiwer Abendzeitung „I t i o n Mejouchad" zum District Commissioner nach Jaffa gerufen und von diesem gewarnt, weiterhin „aufreizende" Artikel wie bisher in seiner Zeitung abzudrucken, da diese sonst verboten würde. Ebenso versuchte man die Rabbiner Kook und M e i r, welche den Aufruf zugunsten der Verteidigung Stawskys unterzeichnet haben, bei einer Vorladung vom District-Commissioncr Jerusalems zu bewegen, den Aufruf zu widerrufen oder wenigstens abzuschwächen. Andererseits ist wenig zu merken, daß ähnliche Aktionen bei der arabischen Presse von der Regierung vorgenommen werden. Es sind wohl auch arabische Tageszeitungen auf kurze Fristen verboten worden, aber aus ganz anderen Motiven als die hebräischen Zeitungen. Daß die arabische Presse eine „Aufreizung der Bevölkerung" in permanenter Form treibt, hat bisher die Regierung geflissentlich übersehen. Sie verwarnt auch nicht arabische Redakteure deswegen, sondern lädt sie zu politischen Tees ein, um ihre geschätzte Meinung zu hören. Ein Motiv wiederholt sich in allen angeführten Beispielen, so verschieden sie auch sein mögen: Im Heiligen Lande werden Recht und Gerechtigkeit nach zweierlei Maß gemessen. Handelt es sich um jüdische Angelegenheiten, so betrachtet die englische Regierung jeden geringsten Protest gegen Unrecht, jede noch so schwacle nationale Willensäußerung als „aufreizend" und bedrohlich. Der arabischen nationalistischen Front gegenüber sind aber die Geduld, Ruhe und Nachsichtigkeit derselben Regierung unerschöpflich. In der kommenden Woche findet der Appellationsprozeß des jetzt einzigen Angeklagten Stawsky in der Arlosoroff-Mordsache statt. Der ganze Jischuw Erez Israels, die gesamte jüdische Welt, soweit sie einen Funken nationalen und menschlichen Gefühls besitzt und nicht von engstirnigen Parteianschauungen verblendet ist, hofft auf den Freispruch Abraham Stawskys, auf den Sieg der Gerechtigkeit. Wenn wir aber die geschilderte Lage der palästinensischen Justiz im Augenschein behalten, so wird uns die Frage über den Ausgang dieses verhängnisvollen Prozesses mit schwerer Besorg« n i s erfüllen. Anfragen über StawskyoProxeR cm Unterhaus Aus London: In der Sitzung des Unterhauses fragte Abg. Wedgwood den Kolonienminister, ob er bekanntgeben könne, wieviel Juden während der letzten zehn Jahre oder innerhalb eines anderen Zeitraums in Palästina wegen Ermordung von Juden verurteilt wurden. Kolonienminister Cuncliffe-Lister antwortete, er könne solche Ziffern nicht bekanntgeben, da die von der Palästina-Regierung vorgelegte Verbrechens-Statistik keine rassen mäßigen Unterscheidungen bei Tätern und Opfern macht. Abg. Wedgwood: „Ist es nicht im Interesse der Beziehungen zwischen den Volksstämmen in Palästina wünschenswert, klarzustellen, daß solche Taten von Juden an Juden nicht vorgekomen sind, und wäre es im Hinblick auf die Unruhe, die der Fall Stavsky mit sich gebracht hat, nicht zu wünschen, klarzumachen, daß kein Präzedenzfall eines von einem Juden an einem Juden verübten Mordes vorliegt?" Der Kolonienminister: „Wenn durch diese Frage versucht werden soll, einen jetzt beim Appellations-Strafgericht anhängigen Fall zu präjudizieren, so wäre es für mich höchst unangebracht, eine solche Information einzuholen." Zur Illustration! Juden werden wegen aufreizender Notizen und Tagebuchblätter in. Ketten geschlagen, zu Kerker und Zwangsarbeit verurteilt. Araber, der tatsächlichen Anstiftung tatsächlich erfolgten Aufruhrs überwiesen und verurteilt, gehen straflos aus: Aus Jerusalem: Das Jaffaer Kreisgericht als Berufungsgericht hat die über fünfzehn Führer arabischer Nationalisten wegen Beteiligung Ein neues Herzl-Bud* Briefwechsel mit dem Burgtheater Wie alle großen geistigen Persönlichkeiten, so hat auch die Theodor Herzls die Eigenschaft, desto strahlender und eigenartiger zu erscheinen, je mehr die Fülle der an ihr entdeckten Einzelheiten wächst. Während der dreißig Jahre nach seinem Tode wurde sein Wesen in allen Richtungen durchforscht, vornehmlich sein zionistisches Denken und Handeln. Das Material über ihn wuchs, kaum daß ein Schritt auf seinem Weg unerforscht blieb — auf dem Weg des Publizisten, Agitators, Administrators seiner eigenen Ideen, des Politikers, Staatsmannes, Privatmenschen. Und doch liegt bis heute keine Biographie Herzls von Format vor. Immer noch sind wir auf mehr oder weniger geschickt zusammengekleisterte Bruchstücke eines grandiosen Lebenswerkes angewiesen. So war beispielsweise bekannt, daß Herzl vor Und im Verlauf seines zionistischen Wirkens Tagestchrift steiler und Bühnenautor war, ohne daß man Bich die Mühe nahm, Herzls schriftstellerischen Nährboden einer Untersuchung oder wenigstens Beachtung zu unterziehen. Josef Frankel, ein junger Wiener Publizist, hatte die fruchtbare Idee, hier anzusetzen. Die Ueberlegung, daß sich in Herzls literarischem Bereich Hinweise oder Anregungen hinsichtlich seiner über das Aesihetische hinausragenden Charakteranlage finden würden, brachte Früchte. Es gelang Josef Frankel, an verschiedenen Stellen, U, «. im Wterwn Bftus', Hpi-,unASkQatm.ebivt im- Wiener Burgtheater-Archiv und im Archiv für Niederösterreich reiches Material über Herzl als Bühnenautor zu finden. Das Resultat dieser Bemühungen ist nun in der Schrift Theodor Herzl, des Schöpfers erstes Wollen (Fiba-Verlag, Wien 1934), niedergelegt. Josef Frankel veröffentlicht in dem genannten Buch Herzls Briefwechsel mit dem Wiener Burgtheater, das fünf seiner Stücke, und zwar „Der Flüchtling", „Die Dame in Schwarz1', „Wilddiebe'1, „Tabarin" und „I love xjou" aufführte und durch Adolf W Hb r an dt, Adolf S onne nthal, Alfred Freihx v. Berger, August F ör st er, Max B u r c k h ar d, Paul Schient /i.feiv tsud Hermann Bahr mit Herzl in Berührung tarn. Wenn wir die Stücke Herzls mit seiner polnischen Tätigkeit konfrontieren, dann erst kommt uns der ganze Umfang seiner Persönlichkeit zu Bewußtsein. An Hand der in Fränkels Buch angelegten Tabelle können wir konstatieren, daß Herzl im Jahre 1882, also im Alter von 22 Jahren, mit der Tätigkeit als Bühnenschriftsteller begann und daß er während seiner zionistischen Epoche vom Jahre 1896 bis zu seinem Tode 1904 u. a. seine besten Bühnenwerke, wie „Das neue Ghetto", „Unser Käthchen", „Gretel", „Solon in Lydien", zur Aufführung brachte. Man hat das Gefühl, daß diese literarischen Exkursionen für den politisch schwer arbeitenden und ununterbrochen auf Reisen befindlichen Herzl eine Art Entspannung bedeuteten; man erkennt aber auch klar, daß Herzl, würde er nicht seine besten Kräfte der Judenfrage gewidmet haben, zweifellos ein dramatischer Autor von Rang und Autorität, weit über den Rahmen eines ■.m^Kbefak&ij&läeWb&^ 6*m*&?& * Diese Feststellung ist nötig, um die Bemü' hungen Josef Fränkels rings um den Briefwechsel Herzls mit dem Burgtheater, dessen Regisseuren, Direktoren und Schauspielern ins rechte Licht zu rücken. Wir finden nämlich hier die Bestätigung, daß Herzl auch als Literat und Aesthet, als Kenner bühnentechnischer Vorgänge sich jenen Respekt zu verschaffen wußte, den er als zionistischer Führer im Kreis seiner Anhänger genoß. Denn es geht nicht um die Kenntnisnahme von mehr oder minder charakteristischen Briefen, sondern insbesondere um die Erweiterung der Kenntnis von Herzls singulärer Persönlichkeit. Daß durch Fränkels Publikation auch ein Stück Burgtheater- und Zeitgeschichte lebendig gemacht wird, macht den Fund und die Veröffentlichung der Briefe desto wertvoller. Der Autor führt die Briefe und die sie behandelnden Theaterstücke bescheiden, zurückhaltend, ohne oiel Prätention ein. Es geht ihm darum, Herzl und dessen Zeitgenossen — teilweise auch, wie in den Karikaturen, Gegner — sprechen zu lassen und so eine Objektivität zu ivahren, die für den Ernst jeder dokumentarischen Veröffentlichung unerläßlich ist. Freunde und Anhänger des großen Juden Herzl, literarische und politische Interessenten, Liebhaber von Briefen „ von einst" und des alten Burgtheaters werden das Erscheinen von Josef Fränkels Herzl-Buch mit Wärme begrüßen. Im übrigen hat der Fiba-Verlag dem Buch ein stilvolles Gewand mitgegeben und es mit Faksimiles ausgestaltet, die einen frischen Einbliek^m.Herzls literarische Arkeiisstuhz Äfffiffep«. ^^fä^**'*''- «r.

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