Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 379 (6.7.1934)
- Date
- 1934-07-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 BEB NEUE WELT Nr. 379 Wofür arbeiten die Partei*Tiger? Die proletarische Diktatur im X,eben und in der Propaganda. — Die Tflege parteipolitischer Schützengräben. — Memento Javnieli. — Revisionisten lernen von den Linken. — Spaltungsgier neu Irisiert. :— Die Heilige Schrift in der Diplomatie. — Offenes Spiel. Von Dr. H. Rosenblum (Kowno) Der Zionismus ist von einer Flut des allgemeinen, gleichen, direkten und offenen Machtkampfes ergriffen. Fraktionsinstinkt der niedersten Sorte ist heutzutage Trumpf. Jedermann, der nur ein wenig stoßen kann, möchte nach vorne. Absolventen von Kindergärten schreiben Zeitungsartikel und Deklarationen. Stubenmädchen halten heroische Reden mit „Es lebe" und „Nieder" . . . Die Linken haben volle Hände zu tun. Sic sind mit der Befestigung ihrer Selbstherrschaft in der Zionistischen Organisation beschäftigt. Wenn wir „Selbstherrschaft" sagen, so ist es keine Wortprahlerei: von allen Leitungen, die der Zionismus im Laufe seiner 3Sjährigen Existenz gehabt hatte, ist die heutige Exekutive die linksstehendste. Die Kontrolle der zionistischen Politik liegt faktisch in den Händen des Weltverbandes Poale-Zion, und zwar nur in seinen Händen. Fast dasselbe ist mit allen anderen Institutionen der Zionistischen Bewegung der Fall. Was Palästina anbetrifft, ist allbekannt, daß dort auf Rechnung des jüdischen Mittelstandes ein wahrer Klassenstaat errichtet wird, und zwar einer nach allen Regeln der Kunst: Klassenschulen, Klassenwirtschaften, Klassenbanken, Klassenspitäler, Klassentheater, Klassenverlage, Klassensport und Klassenschutz, mit einem Worte jene eiserne Hand, die uns langsam und sicher dem kommenden blutigen Klassenkrieg zwischen zwei fanatisierten jüdischen Völkern Palästinas, dem „proletarischen" und „bürgerlichen", entgegenführt. Da läßt sich aber eine interessante Erscheinung beobachten: je höher das Gebäude der proletarischen Diktatur im Zionismus und Palästina emporwächst, um so mehr wächst die Zahl der Gegner dieser Diktatur. Die jüdische Oeffentlichkeit sieht allmählich die Folgen einer derartigen Diktatur ein und kehrt sich von jenen ab, die uns einen internen jüdischen Klassenkrieg mitten im arabischen Meer inszenieren. Teile der Allgemeinen Zionisten und des Misrachi, die noch gestern bei der Aufrichtung der sozialistischen Diktatur im Lande und in der Bewegung mithalfen, sind heute unter den Unzufriedenen zu finden. Sie sehen ein, worauf ihre Mithilfe verwendet wurde, und das Bild, das sie plötzlich erblicken, erfüllt sie mit Schrecken. Auch das breitere Publikum, das sogenannte „Wahlfutter", hat begonnen, das linke Regime mit verschiedenen heiklen Fragen zu belästigen. Es hört aus Palästina Dinge, die für das jüdische Herz nicht immer einen Trost bedeuten. Und es wird den Linken immer schwerer, die sich so häufenden Fragen zu beantworten. Es läßt sich beispielsweise nur schwer erklären, wozu die gesamte nationale Bewegung des jüdischen Volkes von einer Partei geführt und kontrolliert werden müsse, dazu noch von einer, die von schwerwiegenden, dem reinen zionistischen Interesse entgegengesetzten internationalen sozialistischen Verpflichtungen belastet ist. Auch läßt sich nur schwer erklären, warum den linksorientierten Arbeitern die entscheidende Kontrolle über die Ali ja gegenüber allen anderen jüdischen Arbeitern zukommen sollte. Oder: wozu die allgemeinen nationalen Fonds militanteKlasseninstitutionen pflegen sollen, die einen Numerus clausus für alle „andersdenkenden" Juden schufen?... aufgaben Die in Rede stehenden zehn Kupons mit der Lösung sind aufzubewahren und nach Ablauf insgesamt in einem Kuvert mit dem Vermerk „Preisaufgaben" an die Verwaltung unseres Blattes, Wien, IX., Universitätsstraße 8, einzusenden. 5. COUPON Frage: Wo kommt im altjüdischen Schrifttum der Name Tel-Awiw vor?. Antwort: Richtigstellung des Rätsels 4: Im 4. Coupon muß es Judenstadt statt Judenstaat heißen. r Doppelt freut sieb juuo und alt Uber Qualität u. Preis der Schiftmann-Klttldung 2te l. <Sx>cüünm ■ s 2rend)coat,ß?fütt'rtS 29- 2B fte foferälnaua . S 35- <Saüo u. ftaföafjofe S 29- <5tfiaH»ou*3an!cr , S 12-w ftnicfer&ocfer . , 2ßobe»©aI6f<&u&e Sßanama*£emb . ©traDa^Sftudfaii ©totf-SRobefamb 17.90 9.80 2-90 4-90 5.90 SCHIFFMANN Ii TaJ>o*s*xa4k; 4$ Das und manches andere läßt sich nur schwer erklären. Die. Folge davon ist, daß der Klassenzionismus der öffentlichen Sympathien verlustig wird und dem Tag entgegengeht, wo der sozialistische Zionismus den Rücktritt antreten wird. Und gerade das möchte dieser vermeiden. Der sozialistische Zionismus zeigt gar keine Lust, sich die Macht entwinden zu lassen. Nun, das allein wäre noch kein Verbrechen. Schließlich ist jede Partei berechtigt, für die Erlangung oder Beibehaltung der Macht zu kämpfen. Dieser Grundsatz aber kann nur in einem Falle gelten: wenn der Kampf offen, unter klarer Fahne, für die wahren Grundsätze der Partei geführt wird. Nur ein offener Kampf für die wahren Parteiziele kann als berechtigt angesehen werden, weil nur ein derartiger Kampf der Oeffentlichkeit die Möglichkeit gibt, das Gesicht der M a c h t ka n d i d a t e n richtig zu beurteilen. Die Pflege parteipolitischer Schützengräben haben im Zionismus die Linken eingeführt. Warum sie das getan haben ist klar: ihre weltanschaulichen Prinzipien sind heutzutage nicht mehr interessant. Wer kann da heute mit einer Forderung hervortreten, das Privateigentum Palästinas abzuschaffen und es der gemischten jüdisch-arabischen Arbeiterorganisation auszuliefern, wie es einmal der Poalc- Zion-Führer Javnieli verlangt hatte? Kann denn heute, wo man erst das Kapital heranziehen muß, davon ernstlich gesprochen werden? Ist denn möglich, heute den weizmannistischen Kleinzionismus und seine Konzeption der Klein-Alijah, die Parlamentsidee und den binationalen. Staat zu predigen? Heute, wo sogar eine „Jüdische Rundschau" diese so attraktionsschwachen Begriffe über Bord geworfen hat? Kann man denn heute jüdische Menschen mit der Losung Klassenstaat in Palästina begeistern? Heute, wo diese Losung in aller Welt Schiffbruch erlitten hatte? ... Nein. Für dieses wirkliche Poale-Zion-Programm würde man heute keine zehn Stimmen bekommen Und deshalb ziehen es die Linken vor, ihr Programm nicht allzusehr in den Kreis der Debatte zu ziehen. Nachdem sich Herr Javnieli einmal verplappert hatte, ist die Frage der poale-zionistischen Endziele aus der Debatte verschwunden. An Stelle des Programms fanden sich in den pärtei politischen Schützengräben Schlagworte wie „Der Idealismus der ersten Chaluzim aus dem Jahre 1920" (der angeblich eine sozialistische Exekutive im Jahre 1934 zu rechtfertigen hat ...), „Ben-Gurions Verdienste um die jüdische Legion" und schließlich — der „Mordprozeß Arlosoroff". Während der letzten Wahlkampagne hörte man von den linken Rednern kein Wort darüber, was sie im Erfolgsfalle für den Zionismus zu tun ge denken. Was man hörte, war „Mörderpartei" und wieder „Mörderpartei" und nochmals „Mörderpartei" Und daraus die Schlußfolgerung: „Deswegen wählet uns, Poale-Zion, zum Kongreß" ... Sehr vielen ist es damals nicht zum Bewußtsein gekommen, daß vdie Mörder Arlosoroffs gar nicht entdeckt waren und daß, wenn es sich sogar herausstellen sollte, sie seien Juden, noch lange nicht zu folgern wäre, daß man dessentwegen der Poale-Zion helfen müßte, eine Klassenmacht in Palästina auszubauen, das jüdische Privatvermögen in Palästina zu nationalisieren und Dr, Weizmanns kleinzionistische Konzeption zu akzeptieren ., In der Wahlaufregung, von den forschenden Blicken der Oeffentlichkeit in dein „Schützengräben" versteckt, haben es die Linken verstanden, Hunderttausende erschrockener bürgerlicher Wähler die Gefahr des roten Klassenstaates vergessen zu lassen und ihre Stimmen diesem Klassenstaate abzugeben ... Die Klassenstaatspartei wollte aber nichts anderes haben als das. Ein „gutes" Beispiel ist jedoch ansteckend und so haben andere Parteien den Poale-Zionisten nachzuahmen begonnen. Als fähige Schüler der Linken haben sich vor allem die Revisionisten erwiesen. Auch sie haben ihre drei Hauptprinzipien — die Spaltung der Herzischen Organisation, die Etablierung des Primats der revisionistischen Partei über die jüdische Gesamtheit und die Aufrichtung des modernen „Führer"- Prinzips an Stelle des bisherigen demokratischen Prinzips im Zionismus — in den Schützengräben parteipolitischer Manövrierungskunst versteckt. Denn es hat sich erwiesen, daß diese revisionistischen Prinzipien in der jüdischen Nationalbewegung, wenn offen vorgetragen, auf keinen Erfolg rechnen dürfen. Es gibt keinen selbstständigen Menschen urteilsfähigen Alters, der nicht verstehen würde, daß weder die Zerstückelung der Zionistischen Weltorganisation noch die schrankenlose Herrschaft von „Führern" dem jüdischen Staatsgedanken helfen werden. Und da die Prinzipien des Neo-Zionismus nach der Spaltung bei der Kattowitzer Konferenz keine genügende Anziehungskraft besaßen, mußte man sie sicherheitshalber in einem trojanischen Pferd behalten. Das trojanische Pferd beherbergt folgende Argumente: „Die persönlichen Verdienste des Führers N. N."; die Petition, die von allen zu stützen sei, obwohl die Petitionsleitung für jeden n i c h t revisionistischen Einfluß hermetisch gesperrt wurde; „die freie Vereinigung souveräner zionistischer Fraktionen", was nichts anderes als einen neuen Mantel für die verunglückte Austrittsidee darstellt; und nun ■— Stawsky. Wenn der Eindruck kein trügerischer ist, wenn wirklich der Versuch unternommen wurde, das einem unschuldigen Menschen drohende Todesurteil zur Förderung des Spaltungawahnes heranzuziehen, so wird es außerordentlich zu beklagen sein, vor allem vom Gesichtspunkt des Menschen Stawsky. Und nun der Misrachi. Sein Kampf soll der Thora gelten. Man wird sich aber fragen müssen, wo die Thora gewesen ist im Laufe der letzten 15 Jahre, in deren Verlauf Misrachi mit dem Gotteslästerer und „Trefniak" Ben-Gurion in einer Exekutive saß. Waren damals Ben-Gurion und seine Kwuzoth etwa frommer, ala sie h c u t e sind? Wir werden den Misrachi wärmstens im Kreise des Judenstaatazioniamus begrüßen. Aber worauf wir nicht verzichten können, ist Klarheit darüber, ob die Trennung des Misrachi vom linken Lager eine H»#gr.8*t1*g<r ist odexr nickt. Die -Tbora darf Hiebt dazu ^♦♦MIMM ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦<<♦♦♦♦♦♦♦♦♦ M Ml M»fr SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-3-E Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für -^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Kultnsgcmeinde Wien Autozusteilung kostenlos J :: IX., Berggasse 15 ✓ XVlil., Währingerstr. 97 | IMMMMMIMMMMMMIMMMMMOMmMMMMMMM» benützt werden, auf diese Frage eine Antwort schuldig zu bleiben, und um nach einem etwaigen Wahlerfolg die alte pro-weizmannistische Bündnispolitik wieder aufzunehmen. Es kam so weit, daß sogar die Allgemeinen Zionisten ihr Gesicht im Nebel der Verschwommenheit zu verstecken suchen. Bisher haben die Allgemeinen ihre heilige Allianz mit der Histadruth klar und offen zur Schau getragen. Heute heißt schon ihre Losung: „Beruhigung im Zionismus." Was soll, das bedeuten? Wenn das die weitere Unterstützung des halbkommunistischcn „Haschomer Hazair" und des zionistischen Linksregimes bedeuten sollte, so dürfte die „Beruhigung" eine sehr zweifelhafte sein. Es könnte unter Umständen eine ewige Beruhigung für den Zionismus bedeuten ... Offenes Spiel! Mehr Aufrichtigkeit im politischen Kampf! Dies ist die erste Forderung der Judenstaatspartei. Machtkampf? Bitte. Aber es muß ein offener Kampf um wirkliche Parteiprogramme sein, ein Aufmarsch mit aufgerollter Fahne. Die Oeffentlichkeit möchte wissen, wofür die zu erlangende Macht verwendet werden wird. Jede Partei ist berechtigt, ihrem Gott zu dienen, wir fordern aber ein offenes Bekenntnis zur eigenen Gottheit und den Verzicht auf künstliche, sorgfältig ausgewählte und irreführende Schlagworte. Nur keinen Sand in die Augen streuen! Nur sich davor hüten, die unappetitlichen Aspirationen der parteiischen Rädelsführer in das Repräsentationsgewand des „Heldenmutes" und der „Aufopferung" zu kleiden! Nur keine Prägung von Münzen aus dem Unglück des jüdischen Volkes! Säuberung des politischen Kampfes im Zionismus, * Eine Partei ist nur dann zu unterstützen, wenn sie gesunde zionistische Prinzipien und ein kluges Programm des positiven Staatsaufbaues vertritt. Deswegen müßte jedermann ganz genau wissen, wofür die verschiedenen Partei- Tiger so intensiv arbeiten. Dies klarzumachen, wird die nächste Kampfaufgabe der Judenstaatspartei sein. (Jüdische VoIkssiedIung§s bank in Palästina A* G«) Rambam Str. 26. Ecke Allenby,Tel-Aviv, P.O.B.828 Registriertes Kapital: 20.000 Pfund Verteilt auf 30.000 Aktien zu je 1 Pfund Direktorium: Angel Abraham; Grossman Melr; Kahanowitsch J. L. (Direktor der Bank „Lemalacha"); Kutzenok Ephraim (Direktor einer Versicherungsgesellschaft); Rabinowitsch Jechiel (Direktor der Bank „Ashrai"); Sirkis Daniel (Direktor der Bank „Misrachi"); Supraski Jehoshua (Direktor der Bank „Kupat Am") Die Bank gewährt jüdischen Kolonisten und Kleinsiedlern in Dörfern und Vorstädten langfristige Kredite; fördert die Siedlung von Juden durch Schaffung kleiner, selbständiger, intensiver Wirtschaften, Die Bank Lehityashvuth Amamith Becretz-Israel führt sämtliche Bankgeschäfte aus, wie Diskonto und Inkasso von Wechseln, Geldüberweisungen, nimmt Deposite auf, öffnet laufende Konten usw. Sie führt Aufträge von Klienten betreffs Kauf und Verkauf von unbeweglichen Gütern aus, Die Informationsabteilung der Bank bedient ihre Aktionäre und Klienten mit genauen Informationen über die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Investierungen in Palästina. llllllllllll Wiener Jüdisches Familienblatt II. Jahrgang, Nr. 0, Juli-Heft, soeben erschienon! Reich illustriert S 1.— Bei den Kolporteuren erhältlich oder direkt zu beziehen vom Verlag, I., Petersplatz 7. Tel. Nr. U-21-0-17 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiftiiiftriffinirifiiffi ^iiiiiiiiiiiiiiiiiigiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiu sucht Stundenbeschäftigung 5 ab 8 Uhr naclunittags 2 5 Zuschriften-unter „Beste Referenzen" an die Adm. — 5 dieses Blattes S HThiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiSr