Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 379 (6.7.1934)
- Date
- 1934-07-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE NEUE WELT Seite 9 AUS PALÄSTINA Die Au§beutiiiig§*Po!ifik der PaIä§fina*Regierung Sir ftchwimmt in Geldüberfluß — und nimmt teure Anleihen auf Unser Palästina-Korrespondent schreibt uns aus Jerusalem: Nach dem jetzt erfolgten Rechnungsabschlüsse hat die Regierung im letzten Verwaltungsjahre (1. April 1933 bis 31. März 1934) 3,9 8 5.4 92 Pfund eingenommen und 2,804.855 Pfund ausgegeben. Der Jahresüberschuß ergab somit die enorme Summe von 1,280.636 Pfund (rund 36 Millionen österr. Schilling). Zusammen mit den Ueberschüssen früherer Jahre liegen jetzt in der Regierungskasse bar 2,8 6 2.3 8 6 Pfund. Dabei betreibt die Palästina-Regierung eine nichts weniger als sparsame Personalwirtschaft. Der Oberkommissär Sir Wauchope bezieht ein Gehalt von mehr als 6000 Pfund oder 170.000 österr. Schilling, während der Premierminister Englands sich mit 5000 Pfund „begnügen" muß. Es wird eben ungeheuer viel aus KURH IAUS SEMMERIF IG Physikalis ch m diäte fische Höhen «Kurans (all Ermäftlgie Preise In der Vorsaison. Chefarzt: Ober-Med.-Rat Dr. FRANZ H ANS Y der jüdischen Bevölkerung herausgezogen und wenig ins Land hineingesteckt. Unter diesen Umständen ist die Erregung der jüdischen Bevölkerung über die Jetzt von der Regierung aufgenommene Palästina-Anleihe In der Höhe von 2,0 0 0.0 0 0 Pfund nur zu begreiflich. Man leiht den englischen Banken Geld zu niedrigen Zinsen und läßt die Juden Palästina« an die gleichen Banken hohe Zinsen für eine Anleihe zahlen, die niemand braucht. Jetzt wird der Sinn dieser „Anleihe" klar. Man schanzt den englischen Banken auf dem Wege einer Anleihe billigen Verdienst auf Kosten der Juden Palästinas zu. Wenn von bedenkenloser Ausbeutungspolitik gesprochen werden kann, so gewiß in diesem Falle. Einerseits schikaniert man die Juden, sperrt die Einwanderung, verfolgt Touristen usw., anderseits benützt man sie in wenig fairer Weise als Melkkuh und vergeudet das Nationalvermögen des verfolgten jüdischen Volkes und schanzt auf seine Kosten englischen Banken unverdienten Vorteil zu! ie können Ihren Verwandten. Bekannten Freunden der dUrChf T^S^RGJIN (Warenhäuser in allen Städten der UdSSR) alle gewünschten Lebensmittel, Bekleldungsgegenstande und Bedarfsartikel spesenfrei ausfolgen lassen An Orte ohne Torgsin-Filialen erfolgt die Zustellung per Post $ Bestellungen, Auskünfte und Preislisten in der Handelsvertretung der UdSSR, Wien I, Wallnerslraße Nr. 9, Telephon U - 21 - 5 55 Kiniee Preise {umgerechnet in österr. Schillingen zum gegenwärtigen Kurs): Mehl, 1 Kilogramm von S 0.19 bis 1.19; Reis, 1 Kilogramm von S 0.47 bis 0.85; Würfelzucker, 1 Kilogramm S 1.32; Honig in Dosen, 1 Kilogramm S 1.66; Teebutter in Dosen, 1 Kilogramm von S 2.13 bis 3.56: Herrensocken, 1 Paar S 0.47 bis 4.75; Damenschuhe, 1 Paar S 17.75 bis 26.10; Herrenschuhe, 1 Paar S 19.70 bis 24.90. I Verteilung der PaläsiinarEinwanderungs* Zertifikate Aus Jerusalem: Die Zionistische Exekutive hat außer den als Vorschuß gegebenen 1230 Zertifikaten den Palästina-Aemtern 1596 Zertifikate aus der neuen Arbeitereinwanderungs-Schedule zugewiesen. Hievon erhielten Deutschland (einschließlich der Zertifikate für aus Deutschland ausgewanderte Juden in Paris, Warschau, Triest, Basel, Antwerpen, Luxemburg, Prag und Lissabon) 538, Warschau 530, Bukarest 100, Aden 80, Kowao, Riga, Prag je 40, Moskau 35, Wien 25, New York 20, Bagdad und Konstantinopel je 15, Paris, Rotterdam, Zagreb, Teheran und Kabul je 10, Buenos Aires 6, Budapest, Antwerpen, Danzig, Basel, Triest, Beirut, Alexandrien und Kairo je 5, Helsingfors, Stockholm, Ottawa, Rio de Janeiro, Havanna und Mexiko je 3, Montevideo, Santiago de Chile und Melbourne je 2 Zertifikate. Palästina boykottiert deutsche Medikamente Aus Jerusalem: Der Verband jüdischer Aerzte in Palästina hat den restlosen Boykott deutscher medizinischer Produkte proklamiert. Dieser Entschluß fiel dem Verband um so leichter, als palästinensische Fabriken gegenwärtig medizinische Präparate produzieren, die denen in Deutschland vollkommen gleichwertig, wenn nicht gar überlegen, jedenfalls erheblich billiger als die deutschen Erzeugnisse sind. Das palästinensische „ A s p i z u r i n" ist dazu angetan, das deutsche Monopolerzeugnis „A s p i r i n" vollkommen zu vordrängen. Das hebräische medizinische Journal i,H a r e p h u a", herausgegeben vom Verband jüdischer Aerzte Palästinas, bringt eine Erschöpf ende Liste von in Palästina und in anderen Ländern erzeugten Medikamenten, die die deutschen Medikamente auch vom Strengsten ärztlichen StauJ-,>'.?nl<t restlos überflüss i g machen. In Tel-Awiw wurde soeben eine Fabrik für pharmazeutische Artikel eröffnet, die von zwei in Deutschland geschulten Fachleuten geleitet wird und Medikamente herstellt, die früher nur in Deutschland produziert werden konnten. Herzls Todestag als Feiertag der Arbeit Aus Jerusalem, 2. Juli: Die von den revisionistisch gesinnten Arbeiten Palästinas mit Einschluß eines Teiles der jemenitischen und der religiöesn Arbeiterschaft geschaffene Nationale Arbeiter-Allianz Palästinas hat den 20. Tamus, den Todestag Theodor Herzls, als jüdischen Arbeiter-Feiertag proklamiert. Es soll hier ein Gegensatz zu dem Arbeiterverband Histadruth Haowdim herausgearbeitet werden, der zusammen mit der Arbeiter-Internationale den 1. Mai feiert. Malaria in Wadi Hawarith Jerusalem, 2. Juli. Aus Wadi Hawarith, dem Kolonisationsgebiet des JUd. Nationalfonds, wird gemeldet, daß in den sumpfigen Gegenden dieses Gebiets mehrere neueSiedlerin letzter Zeit an Malaria erkrankt sind. Gegen die Regierung wird die Beschuldigung erhoben, daß sie trotz rechtzeitiger Warnung nicht die nötigen Maßnahmen getroffen hat, um feine Ausbreitung der Krankheit zu veraüUa. Palästinas Orangen Produktion Nunmehr liegen die abschließenden Ziffern über den heurigen Export von Zitrusfrüchten (Orangen, Grape Fruits und Zitronen) vor. Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf Kisten. Eine Kiste wiegt rund 30 Kilogramm und enthält, nach der Größe der Früchte, 80 bis 140 Früchte. Rund 300 Kisten bilden eine Waggonladung. Exportziffern (in Kisten) 1931/32 1932/33 1933/34 Zitrusfrüchte . . 3,619.463 4,483.401 5,467.064 davon Orangen .... 3,506.666 4,210.040 5,122.864 Grape Fruits . , 105.781 256.258 330.000 Zitronen .... 7.016 17.103 14.200 In der Saison 1933/34 wurden verfrachtet nach England 3,489.162 Kisten, Deutschland 1,200.000, Holland 153.000, Rumänien 108.000, Dänemark 90.000, Norwegen 60.000, Schweden 50.000, Beir v/vmuhv Arbeiter grauen, Sfterööfe, ßuderfranfe, £attleibtge effen im eigenen Öntereffe ba£ buuHe, aromat. 6imonsbrot. ©etyr bequem: ©tmonSbrotpäcfdjen in «Stanniol Sn allen guten $einfoftf)anbIungen unb ötelcn 93ä«fereten 3U fjaben. 2)a§ erfte 83rot in f)t)gienifd)er SSerpadung. <.6imon8brotfabrif SBieu*Äagran 55. SEägl. Sßoftüerf^ gien 43.000, Frankreich 42.000, Kanada 40.000, Polen 40.000, Finnland 20.000 Kisten — Der Rest verteilt sich auf die Tschechoslowakei, Oesterreich, Jugoslawien und andere Länder, deren Bezug unter 20.000 Kisten betrug. Der palästinensische Inlandsbedarf wird mit rund 1,000.000 Kisten in Rechnung gestellt, so daß die Gesamtproduktion an Zitrusfrüchten rund 6,5 Millionen Kisten beträgt. Sie hat sich, wie aus den Ziffern zu ersehen, enorm gesteigert. Der Ertrag der Saison 1934/35 wird auf 7,5 Millionen Kisten geschätzt. Die Produktion von Grape Fruits tritt immer mehr und mehr in den Vordergrund. Die auffallend kleine Zitronenproduktion ist darauf zurückzuführen, daß die palästinensische Zitrone sehr groß ist und sich daher für den Export wenig eignet. Das Ausland verlangt kleine Früchte. Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder nur in der jüdischen Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Icke Taborttrafle 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung überallhin. Verzeichnisse kostenlos - Für Auskünfte: Tel. R-41-4-80 Nadi dem Staw§kysProzeß Die Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Warschau hat in einer Nachtsitzung beschlossen, ein aus Vertretern aller jüdischen Gruppen zusammengesetztes Komitee zur Unterstützung der Verteidigung Abra« ham Stawskys zu bilden. Dem Komitee sollen führende Persönlichkeiten verschiedener jüdischer Richtungen angehören. An der Beschlußfassung wirkten die Allgemeinen Zionisten, die der Sitzung ferngeblieben waren, nicht mit. * Der Verband polnischer Juden in Palästina hat dem polnischen Konsul ein Memorandum unterbreitet, in welchem er ersucht wird, die polnische Regierung aufzufordern, bei der englischen Regierung zugunsten des zum Tode verurteilten Stawsky, der polnischer Staatsangehöriger ist, zu intervenieren. Die palästinensischen Behörden haben die Redaktion des vom Führer der Judenstaatspartei Meir Großmann herausgegebenen hebräischen Abendzeitung „I t o n M ejuchod" wissen lassen, daß die Zeitung verboten werden wird, falls die Redaktion fortfährt, aufreizende Artikel im Zusammenhang mit dem Urteil gegen Stavsky zu veröffentlichen. §inta und Gerda Das große englische Blatt „Evening Stand a rd" beschäftigt sich in einem umfangreichen Artikel mit dem Arlosoroff-Mordprozeß. Wenn auch der Autor ausschließlich Tatsachen wiedergibt, so ist doch zwischen den Zeilen zu lesen, daß er den Indizienbeweis des Gerichtes als mißlungen betrachtet. Ohne Ironie stellt er fest, daß sich das Gericht nicht die Mühe nahm, in seiner Beweisführung logisch zu sein. Die Fälle, die „Evening Standard" zur Erhärtung dieses Einwandes anführt, sind äußerst kraß. Das Blatt des britischen Welthandels, „M a nchester Guardian", geht weiter. Es rückt mit dem Zweifel an der einwandfreien Prozeßführung heraus und vergleicht das Verfahren in Jerusalem mit dem Leipziger Reichstagsbrandprozeß. Schärfer kann das englische Gericht gar nicht angegriffen werden. Während also die maßgebende englische Presse, die öffentliche Meinung Englands, die Art des Verfahrens gegen den zum Galgen verururteilten Stawsky als unkorrekt, ja als bewußt.ungerecht bezeichnet, findet sich eine Stimme, eine Frauenstimme, die vom Justizmord geradezu begeistert ist. S i m a (Arlosoroff) hat mit ihren hysterischen Aussagen den jungen Zionisten Abraham Stawsky bis an den Galgen gebracht, Gerda (Arlosoroff) applaudiert zu dieser Tragödie. Das britische Gericht mußte nach zehnmonatiger Forschung bekennen, daß ein von einer „terroristischen" Gruppe vorbereiteter Mord nicht in Frage komme, und gab Achi Meir frei. Gerda hingegen, die geschiedene Frau des Ermordeten, die linke Publizistin, „weiß" mehr als das, was die britische Polizei und Staatsanwaltschaft herausgebracht haben. Sie ist unzufrieden darüber, daß die palästinensische Judenheit im Laufe der letzten Jahre in allen nationalen Dingen viel radikaler geworden ist, und verlangt, daß man dem jüdischen Nationalismus in Palästina „auf der Basis einer anderen, entgegengesetzten Ideologie" beikomme. Sie schreibt das in der Prager „Selbstwehr" (22. Juni 1934), nachdem sie sich im selben Blatt zum Arlosoroff-Prozeß folgendermaßen geäußert hat: „Der Mord an Ohajim Arlosoroff ist von einer revisionistischen Gruppe geplant und durchgeführt worden. Er ist so gut vorbereitet gewesen, daß es nur gelang, zwei der unmittelbar Beteiligten zu fassen und nur gegen einen die Beweise aufzubringen, die zu seiner Verurteilung führten/« Sima hat zum Justizirrtum beigetragen, aber Gerda will ihn finalisieren. Die englische Presse, die für die Ehre Großbritanniens verantwortlich ist, bekennt, daß der Prozeß gegen Stawsky unkorrekt war. Die beiden Gattinnen des Ermordeten treiben mit Entsetzen Scherz. Das ist immer der Fall, wenn Damen zu Hyänen werden* o. r. Verstärkte Nazi-Propaganda in Palästina Aus Jerusalem: Die arabischen nationalistischen Zeitungen füllen gegenwärtig ihre Spalten mit Text- und Bildmaterial, vor allem der Bilder von Hitler und Goebbels, das ihnen, wie die Zeitungen selbst zugeben, direkt aus Berlin zugegangen ist. Die arabische Jugend wird aufgefordert, sich im Kampf gegen die Juden an Hitler ein Beispiel zu nehmen. Die Jaffaer Zeitung „AI D i p o" druckt Hitlers „MeinKamp f" ab. Badoner Gesinnungsgenossen! Der bekannte Pädagoge David Zwi Weinstein. Verfasser des Lehr- und Konversationsbuches „Sichon", verbringt die Ferienmonate in Baden und erteilt dort hebräischen Unterricht an Anfänger und Vorgeschrittene gegen mäßiges Honorar. Anmeldungen ab 10. Juli laufenden Jahres in der Villa Toborsky, Baden, Mozartstraße Nr. 8, bei Prof. Weinstein. Voraus muß man denken« sich sichern — versichern Phönix Allgemeine Veriicherungi.Gei« Wien IX. Bot., Alserptats Nr. 3 II