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Die neue Welt · 1934-07-06 · Heft 379 (6.7.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 379 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 379 Keine Illusionen! Goewing, der Unversöhnliche Warum die €.*V,* Zeitung verboten wurde Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die blutigen Vorgänge im nationalsozialistischen Lager in Deutschland nicht zur Hoffnung auf eine Erleichterung der jüdischen Lage in Deutschland berechtigen. Man braucht nicht so weit zu gehen wie jene, die behaupten, daß jede Erschütterung des Regimes In Deutschland grausame Judenverfolgung nach sich ziehen wird. Aber an die Erschütterung im nationalsozialistischen Lager frohe Erwartungen zu knüpfen, ist zweifellos verfehlt. Herr der Situation ist momentan Minister Goering, der im Judenpunkt mit Antisemiten ä la Pogrom-Streicher immer konform gegangen ist. Gerade er war es, der in den letzten Tagen das Signal zu erneuter und verstärkter Judenhetze gab. Wenige Tage vor dem stürmischen 30. Juni hat Minister Goering in einer Versammlung in Hesselberg (Franken) mit Streicher gemeinsam gesprochen und zur Judenfragc folgendes ausgeführt: ,,Es mag sonderbar erscheinen, daß ich hier in Franken über das internationale Judentum spreche. Denn wenn ein Land über dieses Thema aufgeklärt ist, dann ist es — Gottseidank! — Franken. Wenn allzu vorsichtige Politiker glauben, sie müßten im Judenpunkt sich einer Zurückhaltung befleißigen, so wollen wir diesen Politikern sagen, daß sie diese wichtigste aller Fragen nicht verstehen. Eurem Gauleiter Streicher sage ich meinen Dank für diese seine beste Arbelt, die ich voll zu würdigen verstehe. Jeder, der als Nationalsozialist glaubt, eine Versöhnung mit den Juden sei möglich, irrt; denn diese Rasse hat nur Haß gegen unser Volk gepredigt, hat seinen Niedergang vorausgesagt. Die jüdische Frage muß ohne Mitleid zu Ende gebracht werden. Es gibt hier nur ein klares Entweder-Oder. Nur in dieser Erkenntnis, deutscher Volksgenosse, wirst du der Herr, anders aber bleibst du der Sklave der Juden. So Gott will, wird unsere Jugend, in klarer Erkenntnis dieser Tatsache auferzogen, hart und entschlossen das vollenden, was wir begonnen haben. Es ist dies nicht allein eine deutsche Frage, wir haben eine Weltmission zu erfüllen. Wir werden zeigen, daß dieses verleumdete Deutschland immer noch das größte Kulturland ist." Diese Worte des heute allmächtigen Ministers haben ein wildes Echo hervorgerufen. Sie wurden als Signal zu einer Agitation für den Pogrom betrachtet. Nachstehend zwei Zeitungsstimmen zu dieser Rede: Die Zeitung „Der Mitteldeutsche" vom 21. Juni veröffentlicht einen Aufsatz „Niedermitdem jüdischen W e 11 f e i n d", in dem auf die internationale Verbreitung des Antisemitismus hingewiesen und erklärt wird: „Wie ist diese eigenartige Tatsache des überall entstehenden Kampfes gegen das jüdische Volk zu erklären ... Die Juden sind es allein, gegen die sich der Haß und die Verachtung, der Abscheu und der Zorn aller Völker richten. Ueberafl finden Demonstrationen statt, die vielfach in blutigen Kämpfen enden. Allgemein hallt der Schlachtruf durch die Welt: „Nieder mit dem jüdischen Weltfeind! Fort mit diesem Auswürfling! Er ist ein Mörder und ein Verbrecher! Er ist der Teufel unter den Menschen. Rottet sie aus, diese Höllenbrut!" Die Hinweise auf angebliche blutige Judenverfolgungen in den Ländern außerhalb Deutschlands sollen offenbar dazu dienen, die in gewissen nationalsozialistischen Kreisen noch bestehende Zaghaftigkeit mit Bezug auf die offenen Judenverfolgungen zu überwinden. Die „Mainfränkische Zeitung" Nr. 57 schreibt: „Daß der Jude sich vom Schweiße der ehrlich schaffenden Menschheit mästet, weiß jeder, der den von Leichen gesäumten Weg der jüdischen Rasse verfolgt hat oder schon selbst die Reißzähne eines oder Zum Todestage Heixls Soeben erschienen THEODOR HERZL ■HHHHHBBHHH Des Schopfers erstes Wollen Von Josef Fränkel Hier wird an Hand bisher unbekannter Briefe und Dokumente Herxls Leidensweg als Dramatiker geschildert, ein Weg, der den ehemaligen Couleurstudenten der deutschen Burschenschaft „ALB I A" zwangsläufig zum Schöpfer des Judenstaates werden ließ. ELEGANTER LEINENBAND MIT REICHEM BILDSCHMÜCK.............S 3.25 FIBA VERSANDBUCHHANDLUNG Wien VI, Gumpendorferstraßü 10 Telephon B-24-9-78 mehrerer dieser blutsaugenden menschlichen Vampire zu verspüren begann. Der großangelegte Aufklarungafeldzug der NSDAP, entkleidete den Juden seiner Pfaufedern und jedem wurde es immer klarer, daß ein Jude, auch wenn er mit seinem ergaunerten Mammon scheinbar Gutes tut, immer der von seinem Blute geführt« Jude bleibt, der nicht aus seiner Haut kann und deshalb edle Völker vernichten muß, um seinen eigenen degenerierten Bastardleib träge und beherrschend durch alle Zeitalter schleppen zu können." Eine solche Sprache scheint wohl wenig geeignet, in den Juden optimistische Erwartungen zu erwecken. * Wir haben berichtet, daß die C. V.-Zeitung (Organ des Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) vom Ministerpräsidenten Goering verboten wurde, trotzdem sich die Zeitung übertriebener Loyalität gegenüber dem Hakenkreuze befleißigte. Nun werden die Gründe dieses überraschenden Verbotes bekannt und es ergibt sich, daß die C. V.-Zeitung ein Opfer eben dieser übertriebenen „Anpassung" an das Regime geworden ist. In ihrer letzten Nummer schrieb nämlich die C. V.¬ Zeitung in ihrem Leitartikel „Fünfzehn Jahre nach Versailles" u. a.: „Am 28. Juni wehen die deutschen Fahnen auf Halbmast. Der Tag von Versailles jährt sich zum fünfzehnten Male. Das deutsche Volk hat innerlich Versailles über- In keinem Rucksack fehle flPfeflPi flfffe gjv §j gm BERN A-Käse wunden. Trotzdem sagt die Regierung: Gedenke des 28. Juni 1919! Und wir deutschen Juden gedenke n m i t ... . Unsere eigene Geschichte ist ja nichts anderes als eine Kette von Niederlagen. Wir „ewig Bekriegten und ewig Besiegten" kamen durch jede verlorene Epoche unseres Schicksalsverlaufes wieder näher zu Gott." Die Zeitung schildert die Vorgänge im Saale von Versailles, wo die Friedensverträge unterzeichnet wurden und fährt fort: „Wie Kapitel aus dem Buche unserer eigenen jüdischen Geschichte lesen wir die Berichte dieser Ereignisse. Wie eine ins Gigantische vergrößerte Wiederholung unseres jüdischen Schicksals erlebten und erlitten wir deutschen Juden Versailles' Schulddokument. Denn wie ein böser Traum wiederholt sich für uns die von Geschlecht zu Geschlecht immer wieder schmerzlich gewonnene Erfahrung: Verurteilt zu sein, ohne gehört zu werden; beurteüt zu werden von Richtern, die das Wesen des von ihnen Angeklagten nicht kennen; mit dem Stigma der Entehrten durch die Geschichte zu gehen; Unrecht erleiden und in ihm tiefer und stärker werden." Diesen de- und wehmütigen Artikel nahm der „Angriff", das Organ des Minister Goebbels, zum Anlaß, um über die „dreiste Unverschämtheit" der C. V.-Zeitung herzufallen. Er forderte die Einstellung des „frechen Judenblattes" und schrieb: „Versailles Die billigste Ferienreise nach QAI Bim Abreise rVLEIM 8.o. 15.Juli 934 Paßerleichterungen für polnische Staatsangehörige Auskünfte! Dr. S. Tooker, 1, Kärntnerring 12 Tel. U-40-301 „Auttrobu1, Dr.-Karl-Lueger-Ring 12, Tel. U-24-0-10 und die Judengesetzgebung des Dritten Reiches werden auf die gleiche Stufe gestellt. Es ist das Unglaublichste, was wir seit dem 30. Jänner erlebten . . . Gibt es einen schlagenderen Beweis dafür, daß die Juden in Deutschland sich als außerhalb des deutschen Schicksals stehend betrachten, daß sie am Tage einmütiger Geschlossenheit der Nation ihr Sonderschicksal unter der Parole „Versailles" gegen das deutsche Schicksal als Trumpf ausspielen?" Bereits am nächsten Tage konnte der „Angriff" seinen Lesern berichten, daß seine Forderung erfüllt und die C. V.-Zeitung vom Minister Goering verboten worden sei.. In den Chor der Hetze stimmte auch der Reichsbischof Müller ein. In einer Versammlung der Deutschen Christen in Halle sagte er wörtlich: „Der jüdische Geist haßt alles, was christlich ist, und dieser Haß tritt im Feldzug der ganzen Welt gegen Deutschland zutage. Zu wenig protestantische Geistliche haben die Gefahren erkannt, die der Welt seit mehreren Jahren drohen. Der Reichsbischof hat die Pflicht, als Hüter des Erbes der Reformation darauf hinzuweisen, daß die Ereignisse in der Welt die Folge der jüdischen Feindseligkeiten sind, die sich gegen das Christentum erheben." Die Lage der Juden nicht erleichtert Die Nachrichten aus Deutschland haben die Judenschaf ten in allen Ländern der Welt in Spannung und Brregu n g versetzt. Man „hoffte" auf eine Wendung, welche die Laeg der deutschen Juden erleichtern würde. Alle diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Die Judenfrage spielte bei diesen Auseinandersetzungen gar keine Rolle. Der ermordete SA.-Dik- Sie haben Wunderdinge von Inge Karend der schönen dänischen Tänzerin gehört, nun sehen Sie den berühmten Tanzstar inderOe-HÖhle I. Habsburgergaise Nr. 4 tator R o e h m war ebenso Antisemit wie Hitler, die erschossenen SA.-Führer, wie der Berufsmörder Heines, der die schlesische Judenheit malträtierte, und der SA.- FUhrer Ernst, der den Berliner Judenpogrom zum jüdischen Neujahr 1931 organisiert hat, waren es nicht weniger. Von dem ermordeten ehemaligen Generalissimus und Reichskanzler Schleicher ist zu sagen, daß er seinerzeit, als es sich darum handelte, Hitler und einige seiner Getreuen in eine Regierungskoalition aufzunehmen, die Bedingung stellte, daß die bürgerliche Gleichberechtigung der deutschen Juden nicht angetastet werde. Es hieß damals sogar, daß an diesem Punkt die Verhandlungen gescheitert waren. Die „siegreich" gebliebenen Führer der heutigen Richtung sind allesamt in kritikloser Nachbeterei der Lehren ihres Meisters Hitler konsequenteste Judengegner, und es ist nicht anzunehmen, daß sich unter ihrem Regime in der Judenfrage etwas zum Guten ändern werde. Der Rituafmord-Streicher bleibt In englischen Zeitungen war die Nachricht verbreitet, daß der Regierungschef der Provinz Franken Streicher mit den Roehm-Lcuten verhaftet und erschossen worden sei. Streicher, ein intimer Freund Adolf Hitlers, ist der berüchtigste Judenhetzer in Deutschland. Er hat erst vor kurzem eine Sondernummer seiner Zeitschrift „Stürmer" herausgegeben, welche den Titel „Ritualmord" trug und so blutrünstig gehalten war, daß schließlich die Reichsregierung ihre Beschlagnahme verfügte. Die Nachricht hat sich als irrig erwiesen, Streicher ist unter den „Siegern" vom 30. Juni und sein Name paradiert als einer der ersten auf der Huldigungs-Adresse an Hitler, in welcher dem Führer der Dank für sein entschlossenes Zugreifen ausgedrückt wird. Deutsche Edelmensdien Aus Berlin wird uns berichtet: Das Organ des Propaganda- und Kunst-Ministers Goebbels, der „Angriff", bringt dem unter schrecklichen Umständen tödlich verunglückten Künstler Max Pallenberg folgenden Nachruf: „Mit Max Pallenberg ist einer jener jüdischen Schauspieler gestorben, der schon für sich allein für die Wesensfremdheit des Judentums aller deutschen Kunst gegenüber sprach. Sein Spiel verhöhnte mit brutaler Albernheit jede künstlerische Ethik. Tatsächlich war Pallenberg nur ein widerlicher Possenreißer, der vor nichts eine heilige Scheu empfand. Seine Spitzenleistung war die das Soldatentum verhöhnende Figur des braven Soldaten Schwejk. Der Gatte der uralten Operettensängerin Fritzi Massary hatte allen Grund, aus Deutschland zu verschwinden, das für ihn niemals eine Verwendung gefunden und geduldet hätte." Entin Pascha wird totgesdiwieoen Aus Berlin: Die Deutsche Reichspost gibt zur „Kolonialgedenkfeier" Freimarken mit den Bildnissen von Männern heraus, die sich „um die früheren deutschen Kolonien besonders verdient gemacht" haben. Die Marken zeigen Lüderitz, Nachtigal, Peters und Wismann. Wer die Geschichte der früheren deutschen Kolonien in Afrika kennt, der vermißt den Namen Em in Pascha, der die deutsche Flagge ins Innere Afrikas trug, sich außerordentliche Verdienste um die Erforschung der schwarzen Erdteile erwarb und in unzähligen Büchern und Schriften als einer der größten deutschen Kolonialhelden gefeiert wird. Nach einem wild bewegten Forscher- und Erobererleben zum Besten der deutschen kolonialen Aspirationen wurde er im Oktober; 1892 in Afrika ermordet. Warum das Dritte Reich gerade das Bildnis dieses Vorkämpfers der einstigen deutschen Kolonialherrschaft nicht auf den Gedenkmarken zeigen will, ist nur dadurch zu erklären, daß Em in Pascha, geboren in Neisse in Preußisch-Schlesien, Jude war und ursprünglich Eduard Schnitzer geheißen hat. Juden§taat§partei Oesterreich In den Sommermonaten (Juli und August) ist das Sekretariat der Judenstaatepartei, I., Werdertorgasse 14, jeden Dienstag von 8 bis 10 Uhr abends geöffnet, woselbst Auskünfte erteilt und Anmeldungen entgegengenommen werden. ^g^. STRENG KOSCHER » SEEFELD (Tirol)/1200 m intiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Einzigartiger Höhenkurort, intensivste Höhensonne, Wassersport. PENSION oescHwisTtt* SC HEER im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise Fahrpreisermäßigung,

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