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Die neue Welt · 1934-06-29 · Heft 377 (29.6.1934) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 377 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 377 DIE NEUE WELT ^Seite 7 entferntesten daran zu denken, den Armeniern in Syrien ein Nationalheim zu errichten. * An diesen Umständen ist zu erkennen, wie falsch Professor Bentwich urteilt. Würde England und der Völkerbund gegenüber den jüdischen Flüchtlingen nur annähernd so fürsorglich handeln wie gegenüber den Griechen und Armeniern, dann sähe es wohl um die deutsch-jüdische Flüchtlingsfrage ganz anders aus. Die zionistischen Leistungen an sich können wohl einen „Vergleich" aushalten. Briefe ais§ Ju*£o§!awien Die „JudenstaatsrJouistcn" anerkannt Wir haben wieder Gelegenheit, über eine Konferenz des Zionisten-Verbandes in Jugoslawien zu berichten. Die Teilnehmer waren nicht gewählte Vertreter zionistischer Gruppen, sondern kamen auf Grund spezieller persönlicher Einladungen. Obzwar am Vorabend der Sitzung Herr Dr. Licht, Präsident des Exekutivausschusses, die Konferenz als „zionistische Abrüstung" bezeichnete, bekam merkwürdigerweise nicht, ein einziger „Judenstaatszionist" eine Einladung. In verschiedenen Ausschüssen aller zionistischer Institutionen sind die „Judenstaatszionisten" bisher nicht gewählt worden, nur in der Landeskommission des Keren Kajemeth sitzt ein „Judenstaatszionist". Natürlich vermißte auch er eine Einladung, während alle anderen Mitglieder seiner Kommission zur „Abrüstung" ganz korrekt eingeladen waren. So ist man wieder auf die amtlichen Berichte über den Verlauf der wichtigen Konferenz angewiesen. Laut diesen Berichten nahm die Behandlung der Frage „Was ist mit den Judenstaatszionisten?" einen interessanten Vorlauf. Die „Judenstaatszionisten" hatten in einem Brief an die Konferenz die Annullierung des „vertraulichen Zirkulars" von 1. Jänner 1934 (welches seinerzeit Sn der „Neuen Welt" besprochen wurde) verlangt. Auf Grund dieses Zirkulars wurde' nämlich die Zionistische Ortsgruppe Ogulin-SuSak nicht anerkannt, v/eil sie von einem „Judenstaatszionisten" gegründet wurde und ihn zum Obmann wählte. Vor der Generaldebatte erklärte laut Bericht Herr Dr. Licht im Namen des Exekutivausschussas* folgendes: „Der Landesausschuß erhielt von den Judenstaatszionisten im Zionistenverband Jugoslawiens eine Beschwerde gegen die Entscheidung in der Frage der Zionistischen Ortsgruppe Ogulin-Suäak. Der Exekutivausschuß hat schon vor Erhalt dieses Schreibens mit Rücksicht darauf, daß die Differenzen zwischen „Judenstaatszionisten" und „Revisionisten" scharf und klar geworden sind, festgestellt, daß kein Hindernis mehr besteht, daß einzelne Personen, welche der Judenstaatspartei angehören, Mitglieder der zionistischen Ortsgruppen und ihrer Leitungen sein können, natürlich wenn sie Schekel und Verbandssteuer entrichten. Darüber sollen hier keine separaten Entscheidungen gefällt werden. Ich schlage vor, den Exekutivausschuß zu ermächtigen, in diesem Sinne zu entschließen. (Angenommen.) Optimisten glauben, daß diese Erklärung einen Umschwung in der Parteipolitik des Zionistenverbandes bedeutet. Die „Judenstaatszionisten" sind endlich seitens der „Linken" und „Allgemeinen", die im Verbände bis jetzt diktatorisch schalteten, anerkannt. Optimisten erwarten jetzt eine Konzentration aller positiven Kräfte im Verbände. Leider sind aber auch Pessimisten da, die von dieser ganzen Sache — nichts erwarten. Die Gleichberechtigtkeit im vollen Sinne, so wie die Statuten sie vorschreibt, und wie sie von „demokratischen" (die große Rede des Präsidenten dieser Konferenz ist betitelt: Die demokratischen Grundlagen des Zionismus) Zionisten zu fordern ist, wird noch lange auf sich warten lassen ... * Im weiteren Verlauf der Konferenz beschloß man eine Resolution, laut welcher der „demokratische" Hinauswurf aller Revisonisten noch weiter als Pflicht der Ortsgruppen angesehen wird. Entpolitisierung der Jugend wurde allseitig verlangt. Es fanden sich auch Redner, die behaupteten, daß es unwahr ist, zu sagen, daß die Jugend nicht in erster Linie „national", sondern „links" erzogen wird. Sie sagten, daß sogar das „Arbeitende Palästina" in Jugoslawien „unpolitisch" ist. Große Sorge machte der Konferenz die Frage der Vorbereitungen des Weltverbandes der „Allgemeinen". Der Präsident Dr. Licht erklärte es für unzulässig, darüber Beschlüsse zu fassen, denn die Konferenz sei keine der „Allgemeinen Zionisten", sondern eine Konferenz des Territorialverbandes. Im übrigen sprach er sich gegen eine Organisierung der Allgemeinen Zionisten aus, der er ein schlechtes Ende prophezeite. Er sagte: „Wenn sich die A. und B.-Zionisten zusammenschließen, so schaffen sie ein Ferment der Destruktion, Zersetzung und Zerstörung. Zwischen diesen zwei Gruppen besteht eine so tiefe Kluft, daß sie sich nicht einmal in den Grundlagen einigen können. Zwischen A.-Zionisten, deren Führer der Präsident ist, und den „Linken" besteht allerdings hier in Jugoslawien so eine aufrichtige „Verbundenheit", daß für allgemeine B.-Zionisten wirklich kein Platz ist. Der Präsident versprach auch jetzt schon eine gemeinsame Liste der A.-Zionisten und Linken bei den nächsten Kongreßwahlen. Dafür kam auf die Worte des Herrn Dr. Leon P e r i 6" (Sarajevo): „Wir glauben, daß wir nunmehr mit den „Judenstaatszionisten" ehrlich zusammen arbeiten sollen!" niemand mehr zu sprechen. Das Schweigen aller Mitglieder des Exekutivausschusses ist symptomatisch ... Nachdem sich noch die Linken und Allgemeinen gegenseitig versichert hatten, daß nicht sie es sind, die den innerzionistischen Kampf begonnen haben, also auch nicht die moralische Verpflichtung für eine Versöhnungträgen, wurden alle Resolutionen einstimmig angenommen. Die Judenstaatler können ruhig die Zukunft ab- Seiden-Bengaline für Wäsche und Blusen, 90 mm breit . . . . 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Im April 2614 jüdische Palästina-Einwanderei Aus Jerusalem: Wie „Official Gazette" mitteilt, sind im Monat April 1934 unter 2698 Einwanderern 2614 Juden nach Palästina gekommen, davon 284 Angehörige der Kapitalistenklasse mit mindestens je 1000 Pfund Eigenvermögen, so daß im April mindestens 284.000 Pfund neues Kapital in das Land eingeströmt sind. Im März 1934 kamen 3367, im Februar 1934 2756 Juden nach Palästina. antisemitischen Faschisten wurde ausgehoben und etwa 60 Personen verhaftet und vom administrativen Gericht summarisch abgeurteilt. Weitere 30 Faschisten, unter ihnen alle Führer, werden vom Kriegsgericht abgeurteilt werden. Laut einem soeben erlassenen Gesetz ist Lettisch die alleinige offizielle Sprache in allen Staatsinstitutionen; lettische Bürger haben sich im Verkehr mit denselben einzig der lettischen Sprache zu bedienen. Bei Ausländern wird eine Ausnahme gemacht. Nach Verkündung des Gesetzes setzte unter den lettischen Juden, die des Lettischen immer noch nicht mächtig sind, eine Bewegung zur Erlernung der lettischen Sprache ein. Ans Lettland! Aus Riga wird gemeldet: Zwanzig Mitglieder des jüdischen Komitees zum Boykott deutscher Waren wurden vor den Untersuchungsrichter geladen; sie stehen unter der Beschuldigung, einer illegalen Organisation angehört und Geld erpreßt zu haben; dies darum, weil die Boykott-Organisation in Lettland verboten wurde und weil eine Reihe jüdischer Kaufleute bei dem Boykott-Komitee Pfänder hinterlegt haben als Garantie dafür, daß sie nicht fortfahren werden, Waren aus Deutschland zu beziehen. Allen zwanzig Angeklagten droht Gefängnis. Jeder von ihnen mußte sich schriftlich verpflichten, während der Dauer der Untersuchung Lettland nicht zu verlassen. Die lettländische Regierung hat neuerdings Maßnahmen zur Unterdrückung der antisemitischfaschistischen Bewegung durchgeführt. AI» die umgebildete Regierung Ulmanis am 15. Mai das nc^e Regime proklamierte, beeilten sich die antisemitischen Faschisten, der neuen Regierung ihr Vertrauen auszudrücken; unter der Oberfläche aber setzten sie ihre gegen den Staat gerichtete umstürzlerische Tätigkeit fort. Ihr Ziel blieb nach wie vor, sich der Staatsmaschinerie zu bemächtigen und ihren Führer Z e 1 m i n zum Diktator zu machen. Der Regierung gelang es, das Komplott aufzudecken. Eine Geheimsitzung der Ruhe in Polen Aus Warschau: In den letzten Tagen kam es in Polen nicht mehr zu antijüdischen Ausschreitungen, wie sie seit mehreren Monaten die jüdische Bevölkerung in Panik versetzten. Die Verhaftungen in den Lagern der Antisemiten dauern an, hingegen wurde in Mokatow der junge Jude Schlomo F r i m e r, der während der dortigen antijüdischen Unruhen verhaftet worden war, freigelassen, nachdem sich herausstellte, daß er, der einen Huligan verletzte, in Selbstwehr gehandelt hat. In Lodz wurde Stanislaw Grecik, der im Jänner an antisemitischen Unruhen teilgenommen hat, zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Das Warschauer Kreisgericht verurteilte Zykmunt R a d z iminski, Mitglied der aufgelösten Nazipartei, der den Präsidenten Moscicki und den Marschall Pilsudski in einer Versammlung der Nazis als „Schabbes Gojim" (etwa: Judenknechte) bezeichnete, zu einem. Jahr Gefängnis. Der Bischof von Sandomir predigte in einigen Orten seiner Diözese gegen Judenverfolgung und Rassenhaß. Verein für uentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U-27-0-65, gibt bekannt, daß derselbe nunmehr in dem unter dieser Adresse befindlichen Büro tätig ist, und bittet die P. T. Arbeitgeber, bei Bedarf von kaufmännischem und gewerblichem Personal sich an den obbezeichneten Verein wenden zu wollen.

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