Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 377 (29.6.1934)
- Date
- 1934-06-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELL Nr. 377 Preisaufgaben Die in Rede stehenden zehn Kupons mit der Lösung sind aufzubewahren und nach Ablauf insgesamt in einem Kuvert mit dem Vermerk „Preisaufgaben" an die Verwaltung unseres Blattes, Wien, IX., Universitätsstraße 8, einzusenden. 4. COUPON Zwei FHissp i-nirch drei Seen nehm ich meinen Lauf, spricht der eine, Den Judenstaat begrenz' ich, ruft der zweite. Antwort:............»# Richtigstellung des Rätsels 3: Statt „Syrische Küstenstadt" muß es natürlich „Palästinensische Küstenstadt" heißen. Organs der jüdisch-sozialistischen Partei ,,B u n d", Josef Lestschinski und Pinchas Schwarz. Das neue lettländische Unterrichtsgesetz schreibt vor, daß jüdische Schüler nur noch jüdische oder lettische, nicht aber Schulen nichtjüdischer Minderheiten besuchen können. Analoge Bestimmungen wurden für sämtliche Minderheiten getroffen. Bezüglich der Wahl von Hebräisch oder Jiddisch als Unterrichtssprache in jüdischen Schulen wird den Eltern freie Hand gelassen. Jede Minderheit bekommt für ihr Schulwesen eine ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprechende staatliche Beihilfe. Die Gewerbeschulen werden durchwegs zur lettischen Unterrichtssprache übergehen müssen. Das erste Abiturientenexamen in jiddischer Sprache fand soeben in W i 1 n a am jiddischen Realgymnasium, welches im Vorjahr das Recht zur Ausstellung staatsgültiger Zeugnisse erhalten hat, statt. Sämtliche Schüler der obersten Klasse wurden zum Examen zugelassen und haben es ausnahmslos bestanden. Judische Weitkonferenz im Augu§t 1934 In einer am 20. Juni in Paris stattgefundenen Sitzung der Exekutive des Comite' des DeUegations Juives wurde beschlossen, für den 6. bis 9. August eine Konferenz der führenden jüdischen Organisationen und Gruppen der verschiedenen Länder nach Genf einzuberufen. Die Konferenz wird im wesentlichen folgende Tagesordnung haben. 1. Berichte über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern, besonders im Hinblick auf die Gefährdung der jüdischen Situation in einer Reihe von Ländern; vor allem soll in diesem Zusammenhang auch die deutsch-jüdische Frage besprochen werden. 2. Bericht und Analyse der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Massen, besonders in Osteuropa, und Vorschläge für die notwendigen Maßnahmen einer konstruktiven Hilfeleistung (Umschichtung, Emigration, Kredithilfe usw.). 3. Stellungnahme zu dem von der polnischen Regierung für die kommende Vollversammlung des Völkerbundes angekündigten Vorschlag betreffs einer Generalisierung der Minoritätenrechte. Dieser Vorschlag wird bestimmt zu einer eingehenden Debatte über die Minoritätenfrage und damit auch Uber die jüdische Frage in der kommenden Septembertagung des Völkerbundes führen und kann in seinen Auswirkungen erhebliche Konsequenzen für die Minoritätenrechte der jüdischen Minderheiten in den ost- und mitteleuropäischen Ländern haben. Die Konferenz wird zu dem Antrag und seinen möglichen Auswirkungen Stellung nehmen müssen. Die Konferenz wird im wesentlichen sachlicher Arbeit gewidmet sein. Die Einladungen an die führenden jüdischen Organisationen und Parteien der verschiedenen Länder sind bereits versandt worden. Aus Amerika wird eine größere Delegation erwartet. Histadruth Ivrith, IL, Kleine Mohrengasse 3. In den Ferienmonaten werden in der „Histadruth" keine Vorträge abgehalten. Hofmeister, Hauslehrer für alle Mittelschultypen, mit Kenntnis fremder Sprachen, auch über die Ferien, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Hochschulausschuß, Wien, IX., Alserstraße 26, Telephon A-25-2-28. Talmud-Thora-Ver«>in für den IV. und V. Bezirk, V., Wiedener Hauptstraße 83. Die öffentliche Schlußorüfung der Sprach- und Bibelschule findet am Sonntag, den 1. Juli 1. J., um halb 10 Uhr vormittags im Gcmeindetempel, Siebenbrunnengasse 1, statt. Jeder, dem die jüdische Erziehung unserer Jugend am Herzen liegt, wird zu dieser Prüfung eingoladen. Erhöhtes Budget der Pa!ästina*Regierung Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat Ihr Budget für das kommende Finanzjahr veröffentlicht; dem ist zu entnehmen, daß die Regierung für die Zeit von April 1934 bis März 1935 mit einer 30prozentigen Steigerung der jüdischen Einwanderung rechnet. Die Regierung veranschlagt ihre Einkünfte aus Importsteuern um mehr als ein Drittel der bisherigen Einkünfte. Die Einkünfte der Regierung aus Registrierung von Einwanderern betrugen dieses Jahr 9500 Pfund, fürs kommende Jahr werden sie auf 15.000 Pfund veranschlagt. Die Importsteuern betrugen im laufenden Jahr 1,200.000 Pfund, fürs kommende Jahr sind sie mit 1,600.000 Pfund veranschlagt. IX. Sammlung im Altershelm des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft durch Frau R i f c z y s für den Hechaluz Haleumi S 23.—. Allen Spendern herzlichster Dank. Pension ,Austria' Kinderheim Vöslau (OLGA KADISCH) JägermayerstraBo 15 - Telephon Nr. 141 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentl. Schulen besuchende Kinder. Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. Erstklassige Verköstigung. Mütterliche Pflege. MäRife Preiset SBos gibt es Weites bei Gdiiffmann? Girte Unmenge oon neuartigen Stoffen für beu commer aus teibe, SBoIIc mit Seibc fomliintert, 3cPh*r> 93ottc ufro., als 6cf)lager biefer slßod)c SX.=S c t b c n ilU o 11 9t i p s, Jtfjroara, für «Paletots, 110 3ctttimetct Brett, hioR S 2.98, weiters entpefenbe Damcnfletlicr, aparte Sd)ul)e, Stmeftrümpfc unb allce, was bte T)ame noch hraucftt, für ben fjerm £afcrl=S)ofeit unb panier, Schuhe ufro. unb natürlich audj in uefonbers reterjet StustDahl alle 2TS e c f c n bunb Stranbartifcl. 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Machover (London), Mitglied In der Ausgabe der Londoner „Jewish Chronicle" vom 25. Mai erwähnt Professor Norman Bentwich, der gewesene Oberstaatsanwalt Palästinas, in einem „Die Juden und Deutschland" betitelten Briet „die Aktion, welche die Griechen vor ungefähr zehn Jahren mit internationaler Hilfe zugunsten ihrer 1 Million betragenden Flüchtlinge unternommen haben" und kommt zu dem Schluß, daß wir Zionisten bei einem Vergleich mit diesem Faktum nicht stolz „sein können". J. M- Machover gibt hiezu folgendes Kommentar: Die Transferierung der Griechen aus Kleina3ien fand vor zehn Jahren statt. Schon eine kurze Wiedergabe von Tatsachen wird die besonderen Schwierigkeiten vor Augen führen, welche mit der Regelung des deutschjüdischen Flüchtlingsproblems gegenüber dem griechischen verbunden sind. Die Tore Griechenlands waren für griechische Flüchtlinge offen und alles Menschenmögliche wurde seitens der griechischen Regierung zum Schutz und zur rationellen Niederlassung von ungefähr \y, Millionen ihrer zu placierenden Flüchtlinge getan. Da Griechenland ohne auswärtige Hilfe eine so ungeheure Aufgabe nicht auf sich nehmen konnte, ersuchte es den Völkerbundrat um moralische und technische Hilfe, welche auch sofort gewährt wurde und durch die auch Auslandsanleihen aufgelegt wurden. Man schuf eine Independent Rgfugees Settlement Commission, der die Anleihegelder zur Verfügung gestellt wurden und der die Pflicht erwuchs, die Repatriierung der Griechen zu leiten. Die Gesamtanleihen ergaben 15.5 Millionen Pfund, von welchen 10 Millionen in England, 5 Millionen in den Vereinigten Staaten aufgebracht wurden. Als allerdings die erste Anleihe von rund 10 Millionen Pfund im Jahre 1923 aufgelegt werden sollte, hielt man es für unmöglich, für Griechenland in Anbetracht der damaligen politischen und finanziellen Verhältnisse solch eine große Summe aufzubringen und mit der Arbeit zu beginnen. England streckte damals 2 Millionen Pfund vor, worauf die griechische Regierung 3 Millionen hinzufügte, so daß es der Settlement Commission möglich war, unverzüglich ans Werk zu gehen. Ferner wies die griechische Regierung zum Zweck der Ansiedlung der Flüchtlinge mehr als 80 0.0 00 Hektar Land an. Die Landzuweisung wurde dadurch möglich, daß als Resultat einer weitgehenden Agrarreform große Ländereien zerstückelt wurden und die Eigentümer nicht mehr als 30 ha behalten durften. Das, was durch diese Expropriierung erzielt wurde, verwendete man zugunsten der Flüchtlinge und Landbebauer. Diese Maßnahme betraf einen Betrag von 30 Millionen Pfund, wobei die griechische Regierung selbst den Enteignungspreis festsetzte und den Boden der Settlement Commission übergab. Diese verkaufte die Ländereien in kleinen Parzellen an die Flüchtlinge (zum Gesamtpreis von 7 Millionen Pfund, was dem Enteignengspreis entsprach), und gab den der Weltleitung der Judenstaatspartei Siedlern außer Steuer- und Gebührenfreiheit auch noch langfristigen Kredit zu 3 Prozent Zinsen. Die finanzielle Last, für Griechenland aus dieser Transaktion machte die Summe von 70 Millionen Pfund aus. Es taucht hier die Frage auf, wie es möglich war, daß ein so armes Land wie Griechenland mit einer Bevölkerungszahl von kaum 5 Millionen fast \y2 Millionen mittelloser Flüchtlinge bei sich aufnehmen und beherbergen konnte. Die Frage findet folgende Antwort: Griechenland als souveräner Staat konnte all seine Machtmittel ausnützen und mußte als Völkerbundmitglied vor dessen Rat nicht als Bittsteller auftreten. Das Resultat war, daß Griechenland die moralische und finanzielle (Unterstützung von auswärts bekam, ohne die es die gewaltige Aufgabe nicht hätte bewältigen können. Vergleichen wir diese Tatsachen mit dem Fall der deutschjüdischen Flüchtlinge: Unter dem Vorwand der Wirtschaftskrise würde kein Land der Welt eine nennenswerte Anzahl der unglücklichen Flüchtlinge aufnehmen. Die Tore des Jüdischen Nationalheims Palästina sind ganz und gar verschlossen. Die wenigen Tausende der jüdischen Flüchtlinge, denen man gnädigst gestattete, nach Palästina zu kommen, taten es im Rahmen der Einwände« rungs-Schedule und nahmen dadurch ihren bejammernswerten Brüdern im Osten die Möglichkeit, sich in Palästina niederzulassen. Es wurde nicht nur keine Anleihe gewährt, um die Ansiedlung dieser hjlt» losen Flüchtlinge zu fördern, sondern nicht einmal ein Penny von der Palästina-Regierung oder von irgend einer anderen Stelle für diesen Zweck bereitgestellt. Nicht ein Millimeter Boden wurde zur Verfügung gestellt, weder in Palästina noch anderswo. Daa ist alles, was die Mandatarmacht in ihrer Zusammen-« arbeit mit der Jewish Agency in dieser Sache geleistet hat. Ja, mehr noch. Sie hat bekanntlich die Einwan« derung gedrosselt und auch sonst noch mehrere Eindämmungsmaßnahmen auf dem Gebiete des Boden* erwerbs getroffen. * Ein anderes interessantes Beispiel, um den Stand der Dinge zu beleuchten, finden wir im Bericht der Internationalen Nansen-Kommission für diel armenischen Flüchtlinge, der besagt, daü gegen Ende 1926 mehr als 100.000 armenische Flüchtlinge» in Syrien aufgenommen wurden — trotz der M i 1Ö« g u n s t und Gegenstimmung der Bevölkerung. Die Folge dieser Maßnahme war (durch die Arbeit dieses neuen Menschenmaterials) ein Autblühen der Wirtschaft. Der Bericht erzählt uns ferner, daß von den benötigten 11 Millionen Francs die Mandatarmacht Frankreich 6 Millionen, also mehr als die Hälfte, aufbrachte. Man ersieht hieraus, in welch fürsorglicher Weiaip .die französische Regierung vorging, oime auefc nu? 1||