Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 377 (29.6.1934)
- Date
- 1934-06-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 377 DIE NEUE WELT Seite 5 KURHAUS SEMMERINO Physikalisch m diaietis Erm£f)l<tie Preise In der Vorialion._ che Htfhen* Kuranstalt Chefarzt Ober-Med..Rat Dr. FRANZ HANSY Tribüne Das rote Ki'nderdorf Ben Schemen Unter vorstehendem Titel erhielten wir folgende Zuschrift eines palästinensischen Lesers unseres Blattes: „In der letzten Nummer Ihres Blattes war ein Bericht über die „areligiöse" Kindererziehungsanstalt Ben Schemen in Palästina zu lesen. Besonders empört hat mich die Erklärung der Leiter dieser Anstalt, daß die von ihnen religionslos erzogenen Schüler wahrheitsliebende Menschen Bind, dagegen die religiös erzogenen Kinder der zweiten Erziehungsanstalt, K e f a r Je 1 adim, sich als verlogen und von unsauberer Phantasie erweisen. Ich kann Ihnen mit einem Muster der „Erziehung zur Wahrheitsliebe", wie sie von den Herren Jugenderziehern in Ben Schemen geübt wird, dienen. Am 1. Mai und an anderen „Partei-Feiertagen" werden in Ben Schemen rote Fahnen aufgezogen und alle Gebäude mit roten Behängen geschmückt. So auch heuer. Aber plötzlich wurden die roten Fahnen und alles andere Rote beseite geschafft. Den Kindern wurde auf ihre erstaunte Frage bedeutet, daß plötzlich der Besuch amerikanischer Touristen angekündigt worden sei. Bei diesen würde der rote Schmuck Aergernis erregen. Da man sie aber, wie gewöhnlich, um Spenden angehen müsse, müsse man vor den „Bourgeois" die roten Embleme verstecken. Gesagt, getan. Das „Rote" wurde weggeräumt, die Touristen kamen, wurden angeschnlrrt, gaben Geld, gingen weg, und sofort, als sie außer Sehwelte waren, flatterten wieder die roten Fahnen lustig in die Höhe, zur Freude der „areligiös" erzogenen Kinder. Sie sieht die Erziehung zur „Wahrheitsliebe" in Ben Schemen aus. 1. b." Anm. der Red.: Nachdem ein großer Teil der von der jüdischen Allgemeinheit versorgten deutschjüdischen Flüchtlingskinder gerade in Ben Schemen untergebracht wurde, wird über die Zustände an dieser Anstalt noch zu sprechen sein. Hie linken Sportler Das große Sportfest des jüdischen Weltsportverbandes „M a k k a b i" bei der letzten Makkabiade in Tel- Awlw wird vielen noch in Erinnerung sein. Es war eine gewaltige Demonstration des jüdischen Aufbauwillens, eine Heerschau der Kräfte des wiedererwachten jüdischen Volkes, des zum Selbstbewußtsein erwachten Muskeljudentums. Alle Herzen schlugen mit, es blieb nur fern der jüdische Arbeitersportverband H a p o e 1 in Palästina. Die Herren des Hapoel waren zur Arbeiterolympiade in Wien erschienen, für den Aufmarsch der Nationen — nicht der II. Internationale — hatten sie sich die vom Sportkomitee verlangt blau-weiße Fahne ausleihen müssen). Bei der Tel-Awiwer Makkabiade machten sie nicht mit. Das war ein bourgeoises Sporttreffen und darum war ihre Teilnahme ausgeschlossen. Den jüdischen Arbeitersportlern Palästinas paßte es nicht, in Reih und Glied mit den Makkabi- Sportlern zu marschieren. Jetzt kommen sie nach Prag. 120 Mann stark. Auf dem Weg von Palästina nach Prag werden sie Spiele in Konstantinopel, Sofia und Belgrad absolvieren; nach dem Prager Treffen werden sie in der Schweiz, in Polen und in England spielen — mit den Vertretern der türkischen, bulgarischen, jugoslawischen, schweizerischen, polnischen und englischen Nation. Die Vertreter der jüdischen Nation, die Makkabi-Sportler, kommen als Spielpartner nicht in Betracht. Sie sind den Günstlingen der Histadruth „trefe". Eine neue iedhni§che Lehranstalt ISMWÜW Aus Jerusalem: In Tel-Awiw soll ein hebräisches technologisches Institut errichtet werden. Das Budget des Instituts soll nach dem soeben veröffentlichten Organisationsplan jährlich 30.000 Pfund betragen. An der Spitze des Kuratoriums des geplanten Instituts werden der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir Dizengoff, und der Vizebürgermeister J. Rokeach stehen. * Hiezu schreibt uns ein Techniker aus Palästina: In Palästina besteht das bereits vor dem Kriege gegründete Technikum in Haifa, welches zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, müßte diese Anstalt im Lande der aufstrebenden Industrie und des gigantischen Bauwesens eine ganz besondere Rolle spielen. So aber ist dieses Institut durch Partei- und Cliquenwirtschaft heruntergebracht worden, nicht zuletzt auch durch die Verständnislosigkeit der zionistischen Exekutive, welche für alles Unwichtige Geld verwendet hat, für dieses ihr unterstehende Institut aber weder moralisch noch materiell etwas aufzubringen versuchte. Die Bemühungen der „Neuen W e 11", die schreienden Mißstände Im Technikum zu beseitigen, stehen hier noch in dankbarer Erinnerung. Aber die allmächtige Clique war nicht auszurotten. Das Institut vegetiert, stagniert und spielt im technischen Leben des Landes keine Rolle. Der letzte und schwerste Streich war die Ernennung eines Direktors dieses wichtigen Instituts, der von technischer Praxis und vom technischen feetaw$*Mi keine Ahnung b%t» dafür, abgr.?o Jahre Eine Anklage gegen Bialik Der bekannte Schriftsteller Benzion Katz, der seit Jahren in Palästina lebt und dort eine angesehene Stellung als Publizist und Mann der Gesellschaft einnimmt, hat bereits im Stadium der Voruntersuchung zum Mordprozeli Arlosoroff die Manipulationen der englisch-arabischen Polizei und der Histadruth-Führer ins rechte Licht gerückt. Sein Wahrheitsfanatismus hat ihm die Sympathie aller patriotisch gesinnten Juden des Jischuw zugeführt und nicht wenig zur Ueberzeugung von Stavskys Unschuld beigetragen. Benzion Katz berichtet nun, daß vier Tage nach dem Prozeß im Haus der Tel-Awiwer Gemeinde eine geschlossene Sitzung stattgefunden hat, bei welcher die führenden Persönlichkeiten des Landes, mit Oberrabbiner K u k und Bürgermeister Dizengoff an der Spitze, das Urteil und die Durchführung einer großzügigen Intervention zugunsten Stavskys besprachen. Benzion Katz erinnert hiebei an die Attacken, denen er infolge seiner Aufsatzreihe „Ich kann nicht schweigen" seitens der Linken ausgesetzt war, und macht schließlich eine Feststellung über das Verhalten des jüdischen Nationaldichters Bialik, die wiedergegeben zu werden verdient: „Mit wieviel Schmutz", ruft Benzion Katz aus, „hat man mich beworfen, als ich mit logischen Beweisen zu erklären versuchte, daß alles einer Psychose verfallen sei . . Einzig und allein Ch. N. Bialik gestand mir, er sei hundertprozentig sicher, daß der Mord an Arlosoroff das Werk arabischer Hände sei. Aber bedauerlicherweise hat Bialik dies mir und dem Schriftsteller J. H. Rawnitzky in einem privaten Gespräch gesagt und es nicht mit seiner Unterschrift veröffentlicht. Wenn er dies getan hätte, wenn er seine hundertprozentige Ueberzeugung der Oeffentlichkeit bekanntgegeben hätte, würden wir wahrscheinlich nicht so schwere Stunden erlebt haben. Bialik ist die einzige Person, vor der die Linken Respekt haben . . All das hat sich vor dem Prozeß abgespielt . . ." Benzion Katz' Feststellung kann nicht anders denn als Anklage gegen Bialik angesehen werden. Vorläufig hat Bialik auf diese schwerwiegende Mitteilung nicht reagiert. Man muß abwarten ... Die hebräische Universität in lerusalem Aus Jerusalem : Wie der soeben aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrte Kanzler1 der Universität Dr. J. L. Magnes mitteilt, haben es Freunde der Universität in Amerika übernommen, das im Laufe der letzten Jahre entstandene Defizit der Universität abzudecken und diese vollständig schuldenfrei zu machen, und auch zur Deckung des normalen Budgets für das kommende Jahr eine gewisse Summe zur Verfügung zu stellen. Der Etat für das kommende Jahr wurde mit 5 8.0 0 0 Pfund, das ist um 15.000 Pfund mehr als im letzten Jahre, festgesetzt. Von einer ungenannt sein wollenden Persönlichkeit wurden außerdem 40.000 Pfund für Krebsforschung an der Jerusalemer Universität gezeichnet. Dieser Betrag gelangt im Verlauf von zehn Jahren zur Auszahlung. Verbilligter Sonder-Schnellzug der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung", am 8. Juli nach Krakau—Lemberg —Czernowitz und allen Zwischenstationen. Rückkehr: 5. August und 6. September. Reisedienst der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung", I., Schulerstraße 1-3 („Der Tag"), Tel. R-21-6-78. Zum Todestage Herzls Soeben erschienen Des Schöpfers erstes Wollen Von Josef Frankel Hier wird an Hand bisher unbekannter Briefe und Dokumente Herzls Leidensweg als Dramatiker geschildert, ein Weg, der den ehemaligen Couleurstudenten der deutschen Burschenschaft „ A L B I A " zwangsläufig zum Schöpfer des Judenslaates werden ließ. ELEGANTER LEINENBAND MIT REICHEM BILDSCHMUCK............ . $ 5.85 FIBA VERSANDBUCHHANDLUNG Wien VI, Gumpendorferstraße 10 Telephon B-24 9-78 politischer Führer der sozialdemokratischen, jetzt am Ruder befindlichen Arbeiterpartei war. Die „Neue Welt" hat als einziges Blatt gegen diese Ungeheuerlichkeit Stellung genommen. Unter diesen Umständen sind alle Bemühungen, das Technikum zu sanieren, zur Resultatlosigkeit verurteilt. Es ist daher nur zu begrüßen, daß von bewährten Männern, wie Dizengoff und seinen Helfern, ein von Partei- und Cliquenwirtschaft freies technisches Institut in Tel-Awiw geschaffen wird. f.. r. (Jüdische VoIk§siedhing§9 banic in Palästina A* ©♦) Rambam Str. 26. Ecke Allenby,Tel-Aviv, P.O.B. 828 Registriertes Kapital: 30.000 Pfund Verteilt auf 20.000 Aktien zu je 1 Pfund .Direktorium: Angel Abraham; Grossman Meir; Kahanowitsch J. L. (Direktor der Bank „Lemalacha"); Kutzenok Ephraim (Direktor einer Versicherungsgesellschaft); Rabinowitsch Jechiel (Direktor der Bank „Ashrai"); Sirkls, Daniel (Direktor der Bank „Misrachi"); Supraski Jehoshua (Direktor der Bank „Kupat Am") Die Bank gewährt jüdischen Kolonisten und Kleinsiedlern in Dörfern und Vorstädten langfristige Kredite; fördert die Siedlung von Juden durch Schaffung kleiner, selbständiger, intensiver Wirtschaften. Die Bank Lehityashvuth Amamith Beeretz-Israel führt sämtliche Bankgeschäfte aus, wie Diskonto und Inkasso von Wechseln, Geldüberweisungen, nimmt Deposite auf, öffnet laufende Konten usw. Sie führt Aufträge von Klienten betreffs Kauf und Verkauf von unbeweglichen Gütern aus. Die Informationsabteilung der Bank bedient ihre Aktionäre und Klienten mit genauen Informationen über die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Investierungen in Palästina. Gegen jüdische Aerzte. In Kanada: Die französischen Aerzte zweier großer Krankenhäuser in Montreal sind in den Streik getreten, weil ein jüdischer Arzt, Dr. Rabinowitsch, an eines der Spitäler engagiert wurde. Um den Frieden zu wahren, erklärte Dr. Rabinowitsch, daß er auf seinen Posten verzichte. Daraufhin haben die Aerzte den Streik abgebrochen und erklärt, sie werden sich auch in Zukunft weigern, mit einem Juden zusammenzuarbeiten. — In Australien: Der Zahnärzteverband von Neuseeland hat die Regierung aufgefordert, die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Neuseeland zu verbieten. Eine „aktuelle'" Kundmachung. In reichsdeutschen Blättern erscheint folgende Kundmachung: „Der deutsche Glas Versicherungsverband macht auf die wirtschaftlichen Polgen aufmerksam, die entstehen, wenn die Fensterscheiben großer Firmen eingeschlagen würden. Beim Einwerfen von Fensterscheiben jüdischer Geschäfte würden nicht die Geschäftsinhaber geschädigt, sondern die deutschen Versicherungsgesellschaften." Der Feind im Haus. „Daily Telegraph" teilt mit, daß in Franken, dem Machtbereich Julius Streichers, jeder jüdische Geschäftsmann gezwungen wird, ein eingetragenes Mitglied der NSDAP, in seinem Betrieb zu beschäftigen. Die Zahl der Juden in Italien. Auf Grund der letzten Volkszählung in Italien wurde festgestellt, daß sich in Italien 4 7.8 25 Juden befinden, der größte Teil davon, nämlich 11.600 Juden, lebt im Latium, d. h. in Rom und seiner Umgebung. 99,6 Prozent der Bevölkerung gehören dem katholischen Glauben an. Die Juden in der Schweiz. In der neuen Auflage des Buches des Züricher Regierungs- und Ständerates Dr. Oskar Wettstein, „Die Schwei z", wird mitgeteilt, daß nach der letzten Volkszählung in der Schweiz 1 7.9 3 0 J u d e n 1 e b t e n, d. s. 0,4 Prozent der Bevölkerung, während 1910 und 1920 ihr Anteil 0,5 Prozent ausmachte. Ihr Anteil ist in rückläufiger Bewegung und wieder auf den Stand von 1900, also vor 30 Jahren, zurückgegangen. Ein Jude Vize-Heeresminister der Sowjetunion. Laut Dekret wurde der bisherige Revolutionäre Kriegsrat liquidiert und ein Kriegskommissariat, bestehend aus einem Kommissar und zwei Vize-Kommissaren, gebildet. Einer der Vize-Kriegskommissare ist der Jude J. Gamarnik. Die Gebeine Leo Pinskers. Vor einem Monat wurden die sterblichen Reste des Vorläufers der politisch-zionistischen Bewegung und Autors der „Autoemanzipatio n", Dr. Leo Pinsker, nach Palästina gebracht, nachdem sie auf dem Odessaer Friedhof heimlich exhumiert worden waren. Die endgültige Beisetzung der Gebeine Pinskers wird nunmehr innerhalb des Gebietes der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg erfolgen. Verhaftung linker jüdischer Führer in Warschau. Großes Aufsehen erregte hier die Verhaftung von Führern der jüdischen linken Parteien. Verhaftet wurden u. a. die Führer der Poale Z i o n Zerubawel und Nathan Buxbaum, sowie die Redakteure der „V o 1 k s z e i t u n g", Pension Grünglna mit Kinderheim unter ärztlicher Leitung', direkt am Strand, mit großer Terrasse und herrlichem Ausblick aufs Meer. Zeitgemäß reduzierte Preise. Prospekte und Auskünfte daselbst sowie Konditorei Todesco, Wien, I., Rabensteig 2-4. \\scr:a— ^c^zzr.