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Die neue Welt · 1934-06-29 · Heft 377 (29.6.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 377 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WEL1 Nr. 377 wurde, ist eine indirekte Verurteilung seiner politischen Methoden. Das ist die Sachlage; das ist die politische Siluation; das ist die soziale Struktur des Jischuw. Was wird werden? Was soll nun weiter geschehen? Es geht so nicht weiter. Es muß sich eine neue moralische Kraft erheben, die der Demagogie von rechts und links entgegentritt. Die Judenstaatspartei hat die historische Aufgabe, diese Kraft zu werden oder eine andere Kraft ins Leben zu rufen. Diese Kraft muß kommen. Palästina verlangt danach. Achzig Prozent des Jischuw bestehen aus anständigen, arbeitsamen, national gesinnten Menschen, die den elenden Kampf der Parteien bclclagen, auch wenn sie selbst zu einer dieser Parteien gehören. Der Zionismus braucht eine Partei, die alle schöpferischen Kräfte sammelt und zur Aktivität anspornt. Auf uns allen lastet die Furcht, daß das Verhängnis des Bruderkampfes fortschreiten und die Zukunftsmöglichkeiten des jüdischen Palästina zerstören könnte. In uns allen aber lebt auch noch die Hoffnung, daß unser Volk gesund genug ist, um sein Verderben rechtzeitig abzuwehren. •i< Wo steht in dieser Situation die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, der Jewish Agency? Welche Anstrengungen macht sie, um ausgleichend zu wirken? Führt sie die Bewegung überhaupt? Die Exekutive tut nichts. Ihre aktiven Mitglieder sind ausgesprochene Exponenten der „Linken", in allen Parteifragen die Gefangenen ihrer eigenen Gruppe und weder imstande noch gewillt, den Frieden im Jischuw herzustellen. Die anderen Mitglieder der Exekutive? Sokolow und R u p p i n — ach, die sind schon lange jenseits von Gut und Böse. Das Alter macht nicht nur weise, es macht auch schwach. Und London wie Rechavia sind weit von den Sorgen des Jischuw, der auf einen erlösenden Ruf mit Sehnsucht wartet. Alt werden und jung bleiben möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Massagen (Einreibungen) mit Diana-Franzbranntwein erfüllen mit verjüngender Kraft. Ebenso werlvoll zur Mund- und Haarpflege. Und dabei sehr billig. Nehmen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose Nachahmungen energisch zurück. Ueberall erhältlich! Jüdisches Theater in Wien Alex Stein als „Rabbi Silber" Einer Gruppe von Freunden des jüdischen Theaters ist es gelungen, Alex Stein für ein kurzes Sommergastspiel zu gewinnen, das Freitag, den 29. Juni, im Theater Stefanie, II., Taborstraße 12, beginnt. Zur Erstaufführung gelangt das dreiaktige Schauspiel „Rabbi Silber" von Schalom Asch. Die weibliche Hauptrolle hat die bekannte dramatische Schauspielerin Magda K a r m e n inne, die soeben von einer erfolgreichen Tournee aus Polen zurückgekehrt ist. Vom heimischen Ensemble sind Lea Weintraub-Graf und die Herren S e g a 1 und Tunis beschäftigt. — Das Arrangement des interessanten Gastspiels hat die Jüdische Kultusstelle (IL, Aspernbrückengasse 2, Tel. R-48-2-91) übernommen, welche die alleinige Vorverkaufsstelle für die Karten zu 1 bis 3.50 Schilling ist. — Rechtzeitige Kartenbesorgung empfehlenswert. [Höre dich selbst! Schallplattenaufnahmen jeder Art Im Tllophan-Studlo, Margaretenstr. 22, Tel. B-20-2-19 ie J&iden§taaf§pariei zum Mordprozeß Sie fordert Reinigung der vergifteten Atmosphäre (Bericht unseres Palästina-Korrespondenten) T e 1 - A w i w, 22. Juni. Nach der Verkündigung des Todesurteils über Stavsky ist das jüdische Palästina äußerlich ruhig geblieben. Die von manchen erwarteten Exzesse sind ausgeblieben. Aber die Ruhe ist eine nur äußerliche. In leidenschaftlichem Haß und giftigem Mißtrauen stehen sich die das Land beherrschende Linke und ihre Mitläufer und die national eingestellten Gruppen einander gegenüber. Jeden Augenblick kann es zu verderblichen Zusammenstößen kommen und, was noch verhängnisvoller iat, jede Möglichkeit einer Zusammenarbeit auf gesellschaftlichem und politischem Gebiet ist in dieser Stimmung unmöglich. Tragisch macht sich der Mangel einer über den Parteien stehenden Körperschaft geltend, die eingreifen könnte. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation wird von den national eingestellten Gruppen als Werkzeug ier Linken betrachtet und mißachtet. Der Waad Leumi, die Repräsentanz der palästinensischen Judenschaft, desgleichen. In diesem Augenblick hat es die Jüdenstaatsp a r t e i, die junge Partei der Herzl-Zionisten, welche sich von giftigen, persönlichen Kämpfen ferngehalten hat, unternommen, Mittel in Vorschlag zu bringen, um die vergiftete Atmosphäre zu reinigen und so das zionistische Werk vor dem Verfall zu bewahren. Im Zusammenhang mit dem Todesurteil über Stavsky hat die Leitung der Judenstaatspartei (Merkaz) nach eingehender Beratung folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Merkaz beauftragt die Herren de Schallt und Himmelfarb, den verurteilten Zionisten Stavsky im Gefängnis zu besuchen und ihm Gruß und Teilnahme der Judenstaatspartei zu übermitteln. 2. Der Merkaz sendet der unter Führung des Advokaten Samuel stehenden Verteidigung im Mordprozeß einen Dank- und Ermutigungsbreif mit der Versicherungen, daß die Judenstaatspartei alles tun wird, um die Aufdeckung der Wahrheit zu fördern. 3. Der Merkaz beauftragt die Herren Meir Großmann und B. Weinstein, bei Herrn Bürgermeister Dizengoff vorzusprechen und ihm den Vorschlag auf Einsetzung einer unparteiischen Kommission zu machen, welche die das zionistische Leben zerstörenden Fakten zu prüfen und die Wahrheit aufzudecken hat. Die Kommission soll aus auswärtigen Führern des Zionismus und des Judentums bestehen. Gleichzeitig wurde die Abaendung folgenden Briefes an den Bürgermeister und Vorsitzenden der Irja (Stadtrat) von Tel-Awiw beschlossen: T e 1 - A w i w, den 13. Juni 1934. An An Herrn M. Dizengoff, Vorsitzender der Irja, Tel-Awiw, Tel-Awiw. Sehr geehrter Herr! Die schändlichen und skandalösen Erscheinungen, die sich Im Jischuw im Zusammenhang mit dem Mordprozeß Arioaoro/f offenbart und die unser Leben ein ganzes Jahr hindurch vergiftet haben, berauben uns der Arbeitsmöglichkeit und bedrohen auf das schwerste den jüdischen Aufbau im Lande. Dieser gefährliche Zustand zwingt uns, an die Stadtverwaltung Tel-Awiws den Vorschlag zu richten, sie möge die Initiative zur Schaffung einer Kommission, bestehend aus Führern des Zionismus und Judentums im Ausland, ergreifen. Die Aufgabe der Kommission soll die tendenzlose Erforschung aller Faktoren und Fakten sein, die in der traurigen Geschichte vor dem Kongreß, während des Kongresses und bis auf den heutigen Tag bestimmend waren und sind. Sie soll der Aufdeckung der Wahrheit und der Vorbeugung des Unglücks eines schrecklichen Justizmordes und seiner Konsequenzen dienen. Wir halten es für notwendig, an Sie, Herr Bürgermeister, mit diesem Vorschlag aus folgenden Gründen heranzutreten: 1. Die kompetenten Stellen in den offiziellen Institutionen im Zionismus und im Jischuw sind in bezug auf diesen Prozeß auf eine bestimmte Richtung eingestellt und interessiert, daher ohne nötige Autorität. 2. Die Untersuchungskommission, die der Prager Zionisten-Kongreß unter anormalen, tragischen Bedingungen gewählt hat, hat nichts unternommen, sie existiert nicht mehr, da ihre Mitglieder sich nicht mehr als solche betrachten. 3. Der Mord an Dr. Arlosoroff wurde in Tel-Awiw ausgeübt und deswegen hat die Irja Tel-Awiws die Pflicht, entsprechende Schritte zu unternehmen, um eine Untersuchung aller Fragen, die mit dem unglücklichen Vorfall vor einem Jahr wie auch mit den späteren Unglücksfällen, verbunden sind, zu ermöglichen. Wir hegen die Hoffnung, daß Sie, Herr Bürgermeister, und Ihre Freunde unsere Bitte ernst betrachten und die bürgerliche und zionistische Pflicht, welche der schwere Augenblick Ihnen auferlegt, erfüllen werden. Hochachtungsvoll Das Zentralkomitee der Judenstaatspartei in Erez-Israel. Dieser Schritt der Judenstaatspartei, welche keine Machtpositionen zu verteidigen hat und lediglich der reinen Idee Theodor Herzls vom Judenstaate dient, ist von allen, am Frieden wirklich interessierten Elementen im Lande freudig begrüßt worden. Es ist zu hoffen, daß die im Interesse aller erhobene Forderung der Judenataatspartei nicht sabotiert, sondern erfüllt wird. ijiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiu | Die Judensiaatsparlea Oesterreichs 5 5 gratuliert ihrem Leitungsmitgliede Herrn ~ ~ Pr. Adolf Leter herzlichst zu seiner Vermählung mit Frl. Qr. Ruth Seiler 5 iiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir; HerzBsFei'er der Judenstfaatfspartei Aus der Erkenntnis heraus, daß ausschließlich jüdischer Geist, jüdische Kunst den Rahmen einer HerzI- Gedenkfeier zu bilden habe, hat die Judenstaatspartei Oesterreichs rings um die Worte des Gedenkens ein musikalisch-rezitatorisches Programm gestellt. So kam ein Abend zustande, von dem man sagen kann, daß er inhaltlich und stimmungsmäßig zu einem Baustein der Erziehung unserer Jugend wurde. Robert Strickers Gedenkrede hielt sich von all dem fern, was man gemeiniglich an Herzl-Abcnden zu hören bekommt. Es ging hier nicht um Details der zionistischen Ideologie oder um die Geschichte des Zionismus, sondern um die einmalige Persönlichkeit Herzls. Darum gab es auch in Robert Strickers Darstellung dieser Persönlichkeit keinerlei Phrasen, keinerlei Schlagworte, keinerlei Dogmen. Der menschliche Kern von Herzls Wesen trat in voller Plastik hervor. Gerade in einer Zeit, die an den Juden die höchsten moralischen und physischen Anforderungen stellt, gerade in den Tagen, wo die Unsicherheit der jüdischen Existenz ihren höchsten Grad erreicht hat, ist es notwendig, sich auf Herzl zu besinnen. Das, was Herzl uns vor mehr als dreißig Jahren gab, den jüdischen Stolz und das jüdische Selbstbewußtsein, ist heute ein Besitz von unschätzbarem Wert. Wenn Herzl uns fähig machte, die einzig mögliche Lösung der Jtidenfrage in der Schaffung des Judenstaates zu sehen, so ist es heuto unsere Pflicht, auch die Methoden zur Erreichung dieses nationalen Ziels anzuerkennen und zu handhaben. Als freie Menschen, zusammengeschlossen in eine Schicksalsgemeinschaft, die organisatorisch im Zionismus ihren Ausdruck gefunden hat, müssen wir das, worauf wir als Volk gleichwertig Anspruch neben den anderen haben, voll Selbstbewußtsein und Seibstvcrantwortung fordern. Das Gedenken Herzls ist die stärkste Mahnung hiezu. — Stricker rückte so den Zuhörern den Menschen und Politiker Herzl nahe. Im künstlerischen Teil betätigte sich das ausgezeichnete Prof. Ho lländer-Trio, das unter anderem Joel Engels Adagio Mysterioso zu Gehör brachte, der Wiener Jüdische G es angverein unter der hervorragenden Leitung von Israel Brandmann und pianistischer Begleitung von Kapellmeister Beck, der Tenor M. Lichtmann (am Klavier W. Pisk), der sich zu einem Gesangs- und Vortragskünstler ersten Ranges entwickelt hat, und Jakob Feldhammer, der seinem großen schauspielerischen Namen auch als Interpret Herzlschcr und Nordauscher Gedanken alle Ehre gemacht hat. Die von der Jüdischen Kulturstelle arrangierte Feier, welche Dr. Oskar Teller konferierte, war bis zum weihevollen Hatikwah-Abschluß eine Huldigung für den unsterblichen Führer Theodor Herzl, in dessen Zeichen die Judenstaatspartei wirkt. Die Juden Wiens, die im Festsaal des Hotel Continental am Gedenken Herzls teilnahmen, hatten das Gefühl, einige Stunden erhöhter Würde und nationaler Geschlossenheit j verbracht zu haben. Dr. Arditti's Kuranstalt und HOTEL POST 1213 Seehöhe, bei Zell a. See. Saisonbeginn 28. Juni. Vollpension S 9.— bis 14.—. Zimmerbestellung, Prospekte bei Baitaxe, Wien, Mariahilferstraße 126-128, von 9 bis 11, oder Bad Fusch, Tel. Nr. 2. Am vergangenen Sonntag fand in Baden bei Wien die Wahl in den Vorstand der Judengemeinde statt. Der Liste der bisherigen Majorität, welche sich aus Mitgliedern der Union österreichischer Juden und der trennungsorthodoxen Agudah zusammensetzt, stand die Liste der Zionisten und Wirtschaftsparte i- 1 e r gegenüber. Der Kampf wurde seitens der Union- Agudah-Liste, hinter welcher der sehr streitbare Oberrabbiner der Gemeinde, Dr. C a r 1 e b a c h, als allmächtiger Führer steht, in scharf antizionistischem Sinne geführt. Der Wahl ging eine lebhafte Kampagne voraus, welche durch das Referat des Präsidenten der Judenstaatspartei, Oberbaurat Stricker (Wien), vor einer jüdischen Massenversammlung eingeleitet wurde. In den folgenden Wählerversammlungen sprachen Wiener Redner beider Gruppen. Die Wahl selbst nahm einen ganz ungewöhnlich lebhaften Verlauf. Die Wahlbeteiligung betrug 00 Prozent. Das Resultat war für die bisherige antizionistische Majorität und ihren Führer Dr. Carlebach vernichtend. Die Zionisten und Volksparteiler eroberten s ä m 11 i c h ei Mandate im Vorstand. Die Judengemeinde in Baden galt als das antizionistische Bollwerk der mit der Assimilation vereinigten Trennungsorthodoxie. In Baden stieß Jahrzehnte hindurch die zionistische Propaganda auf schwerere Hindernisse als in irgend einer Gemeinde Oesterreichs. Ferienreisen nach Polen. Unter bewährter Leitung finden die bekannten billigen Reisen nach Polen auch im Juli statt. Krakau, Lemberg, Stanislau usw. Reservierte Plätze. 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