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Die neue Welt · 1934-06-22 · Heft 375 (22.6.1934) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 375 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 375 DIE NEUE VHGL1 "Seite 7 M unfet Ccfppublifiim bod) itJcift, ffio man ntrfjt blofc gut, fonbern aucfi billig lauft, beroeift bic erfreulitf)e 2atfad)e, bei« feit 4 ilSodjeu Bereits ber Äunbcnäuftrom aus Sßien unb bei: ^rooma 5« Sdjiffmann, SBten, II., lahorftra&e 48, immer gro&er totrb. 33tcle ^ehtttaufenbe rauften in biefer ^ett — unb was babei befoubers auffiel — fic fehieften töte «efannten. ein magres Wuroacfifen von Äunbcn gab es in ber StoffVilbtcihtng. (Es ift aud) fein SBunbcr. benn btefe «usmaljl in enljütfcnben iEBafdj* unb Seibenftoffen unb SSBoöftoffen für jeben ©efdjmarf unb 311 utifapar Billigen greifen oerfetjte ade unfere ftunbett in (Srftcumen. $aben 6ie 5um SBetfptel fc^on gehört, ba& man für fo menig (Selb folaenbe SBorcn befommtV: 2Bafd)ftoffe t Güominc 3aQO""c, tu bunflen ga.rnt&ncn, per 9J?cter . S —.59 (SeröCbte SMrnblftoffc, lidjt* u. majd)ed)t, SRobcbcffins . S —,*)8 Setucnartige ^otlc, OTuftcr für jeben ©cfdjmad . . 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S (4.— S JJ.90 Scatürftdj befommen Sie bei 6d)iffmann alles 'für jeben 3roea\ Seien es <Eßccfenb4lrttfcI, inte Sd)ü3tmnu Xtitots, SBabeljftuBcH ober »fdjuljc, ^ujamas ober Dreffings©omns, 5Reifes unb SBabefoffer, Vorhänge, glauellbecfen, grottierfjanbtücftcr, ober feien es Damen^JBäfcr)cober £erren=s.n3ä[d>s2Irtifel. 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Der Weltkrieg hat hier eine radikale Aenderung hervorgebracht. Aus Saloniki, dem seinerzeitigen Hauptsitz der sephardischen Juden, sind viele jüdische Seelen abgewandert, aus den Balkanländern ergoß sich ein starker Strom nach dem eWsten, gleichzeitig mit der Masseneinwanderung russischer, polnischer und litauischer Juden, so daß Paris allmählich die größte sephardische Judengemeinde wurde und damit naturgemäß zugleich der Sitz des sephardischen Weltverbandes. Der Verband verfügt bereits über ein eigenes Gebäude, ^eine schöne große Synagoge und anschließend daran ein Büro mit zahlreichen Abteilungen, welche alle sephardischen Gemeinden der Welt miteinander verbinden, Anregungen bekommen und Weisungen ausgeben. Das Exekutivkomitee des Weltverbandes hält regelmäßige Sitzungen ab. Der Präsident der Exekutive ist Moise de P i c c i a t 0, eine bei den Sephardim angesehene Persönlichkeit, als Vizepräsidenten fungieren der Gemeindevorstand von Paris Dr. Nissim A b d i a und Salvator Abrabanell. Außerdem gibt es für die palästinensis'c hen Interessen der Sephardim ein Exekutivkomitee in Jerusalem. Das Presseorgan des Verbandes erscheint in französischer Sprache, da die meisten Sephardim, die aus den Balkanländern kommen, in den Schulen der „Alliance Israelite Universelle" die französische Sprache gelernt haben. Eine Welt für sich — unsere Brüder, die sephardischen Juden! Man kann verwundert die Frage stellen, weshalb sie noch immer so weit von den Ostjuden fern sind. Aber es ist so und ändert sich nicht. Hier in Paris leben die Ostjuden und die Sephardim weit voneinander getrennt, wenn sie auch in ein und demselben Stadtviertel wohnen ... Im allgemeinen dürften die sephardischen Juden das Gefühl haben, daß sie im Rahmen der Weltjudenheit als minderwertig betrachtet werden, und. dies dürfte zum Teil die Gründung des Weltverbandes mitveranlaßt haben. Solch eine Organisation soll sie in die Lage versetzen, ihr Ansehen zu heben und jenen Platz zu beanspruchen, der ihnen auf Grund ihrer alten Kultur zukommt. Einen großen Erfolg erzielte der Verband vor kurzem dadurch, daß ihm nach schwierigen Unterhandlungen die große und alte sephardische Gemeinde von London beitrat. Der Gemeindevorstand der Londoner Sephardim nahm einstimmig den Beschluß an, in den Weltverband zwei Vertreter zu entsenden, und zwar die Herren David Berejra und David van Nunes da Costa, der einer alten Familie aus Lissabon entstammt. Um die Vereinigung im Weltverband machten sich John S. Montefiore und der Synagogenvorstand in London Sir Francis Montefiore verdient. Durch diesen sichtlichen Erfolg ermutigt, hat der Weltverband beschlossen, einen Plan zur Entwicklung einer weitgehenden kulturellen Tätigkeit zugunsten des sephardischen Judentums auszuarbeiten. Dadurch wird sich das Verhältnis zwischen den Gemeinden der Balkanländer, Aegyptens, Palästinas und seiner Nachbarländer sowie der Länder Südamerikas inniger gestalten. Eine wichtige Aufgabe bleibt der Anschluß der sephardischen Gemeinden von New York und Amsterdam. Ein großes Verdiehst an der sephardischen Weltbewegung kommt dem Präsidenten der Beograder Gemeinde Lazar Asramowitsch zu, der in Jugoslawien und den Nachbarländer eine intensive Agitation für den Verband führt und auch Geldmittel für dessen Organisation sammelt. Lazar Asramowitsch gehört, wie berichtet wird, zu den großen Persönlichkeiten des Landes, insbesondere als Förderer der kulturellen Bestrebungen der Sephardim Jugoslawiens und Palästinas. Als eifriger Zionist hat er für die zionistischen Fonds erfolgreich gewirkt und auch zur Errichtung sephardischer Kolonien heigetragen. Nicht minder regsam ist der Präsident des sephardischen Weltverbandes Moise de Picciato, der sich zur Zeit in Palästina aufhält und von dort eine Reise Über verschiedene Länder antreten wird, um für die Igyhardiaehen Kolonien zu MBUneln. Eine sehr interessante Figur ist der Präsident der Judengemeinde von Lissabon Moses Bentabat A m s a- 1 a k, ein Förderer des sephardischen Weltverbandes. Noch nicht 40 Jahre alt, spielt er als Vizerektor der technischen Universität in Lissabon, als Professor der Hochschule für Welthandel und als Rat für ausländischen Handel beim portugiesischen Außenministerium eine große Rolle, die sich noch durch seine Mitgliedschaft an der Akademie der Wissenschaft und durch die Mitarbeit an den größten portugiesischen Zeitungen erweitert. Bedeutende Schriften, wie die Geschichte der Sabbatai Zwi-Bewegung, der Juden im einstigen Spanien, der holländischen Judengemeinden nach der spanischen Austreibung entstammen seiner Feder. Jetzt erst, da die sephardischen Juden eine Vereinigung anstreben und ihre Delegierten nach Paris entsenden, scheinen auch die Persönlichkeiten auf, die bisher gesondert gelebt haben. Es tauchen auch noch da und dort die Nachkommen des ehemaligen berühmten Judentums in Spanien auf, aus jener „goldenen Epoche", die so viele jüdische Gelehrte, Denker und Dichter hervorgebracht hat Bisher hatten sie keine Gelegenheit, positiv-jüdisch zu wirken. Jetzt aber kommen sie miteinander in Kontakt; von Bagdad bis Buenos Aires sammeln sich die sephardischen Juden rings um den Weltverband in Frankreichs gastfreundlicher Hauptstadt. Und man spricht bereits von einem Weltkongreß der sephardischen Juden, der die Aera des Aufstiegs einleiten soll. Au§ der jüdiidten Well Aus Griechenland Aus Saloniki: Der neue Generalgouverneur von Mazedonien, Perikles R h a 11 i s, hat anläßlich seines Amtsantrittes in Saloniki, der von Juden stark bewohnten Hauptstadt Mazedoniens, Erklärungen abgegeben, nach denen er gegen die in letzter Zeit von den Oppositionsgruppen unternommenen Versuche, eine unterschiedliche Behandlung der Juden als Staatsbürger durchzusetzen, tatkräftig Stellung nehmen wird. Die griechische Regierung hat der jüdischen Gemeinde Saloniki für die j ü d i s c h - s 0 z i a 1 e Arbeit in Saloniki eine Beihilfe von rund 500.00U Drachmen gewährt. Von den etwa 200 Familien in Castoria, wo es vor kurzem zu schweren antisemitischen Unruhen gekommen ist, haben 50 Gesuche um Palästina-Zertifikate an das Palästina-Amt in Saloniki gerichtet. Antisemitischer Aerxtestreik in Kanada Aus Montreal: Seit einiger Zeit wird namentlich unter den französischen Aerzten in Kanada eine scharfe Propaganda gegen die Zulassung, bzw. Anstellung von aus Deutschland emigrierten jüdischen Aerzten geführt. Nunmehr sind die französischkanadischen Aerzteanwärter in zwei großen Krankenhäusern von Montreal in den Streik getreten, weil ein jüdischer Arzt eingestellt worden ist. 8>r. Zander hat es sich überleg Wir haben berichtet, daß der Schweizer Anti- ~emitenführer Dr. Zander, welcher vom Jüdischen Gemeindebund wegen Verbreitung der „Protokolle der Weisen von Zion" geklagt worden war, sich erbötig gemacht hat, vor Gericht die Erklärung abzugeben, daß er keinen Beweis für die Echtheit der „Protokolle" habe. Nun scheint sich Dr. Zander die Sache überlegt zu haben. Aus Genf wird gemeldet: Der Prozeß vor dem Baseler Gericht um die „Pro- Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe\ — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Angemessene Preise! tokolle der Weisen von Zion" geht weiter. Der vom Gerichtspräsidenten vorgeschlagene Vergleich, der dem jüdischen Standpunkt weitgehend Rechnung trägt, wurde sowohl vom Vertreter des Angeklagten Dr. Zander als auch vom Vertreter der jüdischen Kläger für annehmbar erklärt, aber Dr. Zander weigert sich jetzt, wie bekannt wird, den Vergleichsvorschlag zu unterzeichnen. Der Prozeß wird daher seinen weiteren Lauf nehmen. Zander hat seinen Parteifreunden gegenüber erklärt, er werde, auch wenn er den Prozeß verlieren sollte, die „Protokolle" für echt erklären. Gegen die Nazi-Propaganda in Südafrika Aus Kapstadt: Der Justizminister der südafrikanischen Union General Smuts hat eine in P a a r 1 angesagt gewesene Kundgebung der „G r a uh e m d e n", eine Abart des deutschen Nationalsozialismus, auf Grund des Gesetzes gegen aulrührerische Versammlungen verboten. Führer der Grauhemden ist der Deutsche v. M d 11 k c, der sich bei seiner Propaganda der antisemitischen Argumente der NSDAP, in Deutschland bedient. Ein „jüdisches" Attentat gegen Hitler Aus Paris: Unter der Ueberschrift „Jüdisches Attentat gegen Hitler wird fabriziert" meldet das „Pariser Tageblatt": Ein Berliner Sturmbannführer der SA. ist nach Paris geflüchtet, weil er das Leben in Hitler-Deutschland satt hat. Er hat in einem südwestlichen Berliner Stadtteil Dienst geleistet. Er macht folgende Mitteilung: Die Unterführer der Berliner SA. erhielten vor etwa vierzehn Tagen Instruktionen, die erkennen ließen, daß man wieder eine „große Sache" vorhabe. Man sei „einem großen und weitverzweigten Attentatsplan gegen Hitler auf die Spur gekommen". Nach den entdeckten Plänen sollte dieses „Attentat" Mitte Juli stattfinden. Den SA.-Unterführern wurde mitgeteilt, daß man „zur gegebenen Zeit" zugreifen werde, um den ganzen Verschwörerkreis mit einem Schlag fassen zu können. Die Attentatsanstifter und die Gel dg e b e r seien Juden, die hoffen, durch eine Beseitigung Hitlers das Nazi-Regime tödlich zu erschüttern. „Pariser Tageblatt" meint, man gedenke offenbar ein „Attentat" im Rahmen der Goebbelsschen Aktion gegen die Miesmacher zu inszenieren. Es fehle den braunen Herren schon längst ein Knalleffekt, um das Volk von den Katastrophenerscheinungen abzulenken. Protest der Daaziger Iudenscha4t Aus Dan zig: Wie bereits berichtet, haben der Senatsvizepräsident Greiser und der nazistische Gauleiter F o r s t e r vor wenigen Tagen ,arg judenhetzerische Reden gehalten. Das Regierungsmitglied Greiser verkündete den Judenboykott. Forster nannte das Judentum eine „Pestbeule, die man herausschneiden muß", und sagte, man werde „dem Juden die Rechte nehmen, die ihm eine Zeit unnatürlichen Denkens zubilligte". Vizepräsident Greiser sagte, es brauche keines formellen Judenboykotts, um die Danziger Bevölkerung zu veranlassen, nicht bei Rassefremden zu kaufen. Die Danziger Judengemeinde hat jetzt dem Regierungspräsidenten Dr. Rauschning ein scharfes Protestmemorandum überreicht und Ehrenschutz für die Juden gefordert. In dem Memorandum wird daran erinnert, daß der nämliche Vizepräsident Greiser am 21. August, kurz vor dem Prager Zionistenkongreß, namens der Regierung eine judenfreundliche Erklärung abgegeben hatte, um die Wirtschaftsinteressen Danzigs im Auslande zu wahren. Es wird auch Aufklärung dieses Gegensatzes verlangt. Nur noch 200 Studenten mit der „gelben Karte" Aus Berlin: Die „Jüdisch-liberale Zeitung" macht Angaben über den Rückgang des Hochschulstudiums bei den Juden in Deutschland. „Nach den wesentlichen Bestimmungen", schreibt die Zeitung, „die das Hochschulstudium für die Juden eingrenzen, könnten fünf Prozent jüdischer Studenten weiter studieren. Dennoch hat sich das Bild der jüdischen Studierenden an den deutschen Universitäten grundlegend gewandelt. Ihre Zahl ist auf ein kleines Häuflein zusammengeschmolzen. Während in Berlin früher 1500 Juden studierten, sind es heute schätzungsweise — amtliche Zahlen liegen noch nicht vor — nur noch 200, meist ältere Semester. Hiezu kommen noch etwa 100 Besucher der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums (Rabbinerseminar). Am stärksten zurückgegangen ist naturgemäß die Zahl der Juristen and Mediziner. Weniger wirkt sich der Rückgang an der Technischen Hochschule aus, weil dort die Zahl der Juden von jeher gering war und viele ausländische Juden, die von der Gesetzgebung des neuen Staates nicht betroffen sind, die technischen Hochschulen besuchen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sind die jüdischen Studenten, die mit der gelben Studentenkarte an der Brust und einem gesunden Optimismus im Herzen ihren Weg gehen, schwer getroffen. Ein großer Teil v»"m ihnen muß ohne die Unterstützung des Elternhauses auskommen und mit Hilfe von jüdischen Stipendien das Studium durchführen. Da die Mittel der Studentenhilfe erschöpft sind, kann sich das Stipendium des Wohlfahrtamtes der Jüdischen Gemeinde nur auf Kolleggeld, Wohnung oder einen Beitrag für die Ver« pflegung in der Mensa Academica Judaica erstrecken«'*

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