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Die neue Welt · 1934-06-22 · Heft 375 (22.6.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 375 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 375 DIE NEUE WELT Seite 5 Sonntag, den 24. Juni 1934, Herzl-Grabgang. Treffpunkt der Mitglieder :i/ilO Uhr, XIX., Cottagegasse («Mischen Hasenauer- und Felix-Mottl-Straße), Linie 40. Erscheinen Pflicht! Die Weltleitung der Judenataatspartei (Sitz Tel- Awiw) übermittelt uns einen Tätigkeitsbericht, dem wir entnehmen: Südafrika Das Exekutivkomitee erhielt dieser Tage ein Schreiben von einer der führenden Persönlichkeiten der Union der Zionisten-Revisionisten in Südafrika, in welchem sie mitteilt, daß die Kampfmethoden der revisionistischen Partei, insbesondere die Stellung gegenüber der Zionistischen Organisation und den Fonds, ihr das Weiterverbleiben in derselben unmöglich machen. Sie drückt im eigenen und im Namen einiger Freunde den Wunsch aus, mit der Judenstaatspartei zu kooperieren und sie in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Demgemäß wird dort demnächst die Gründung der ersten Gruppe der Judenstaatspartei erfolgen, in der sich zahlreiche Freunde der Judenstaatspartei zusammenschließen werden. Vereinigte Staaten Am 10. Juni ist in New York die erste Nummer des offiziellen Organs der Judenstaatspartei in Jiddisch, „Unser W e g", erschienen. Die Zeitschrift enthält reiches publizistisches und informatives Material und wird in großem Maße zur Verbreitung des Judenstaatsgedankens und zur Erweiterung der Judenstaatspartei in Amerika beitragen. Es scheint, daß die Poale-Zion von den Revisionisten die „Theorie vom Austritt" gelernt haben, denn nach der Weigerung der anderen Parteien, ihren Wunsch nach dem Vorsitz oder dem Sekretariat im Palästina-Amt zu erfüllen, sind die Arbeiter aus dem Pal-Amt ausgetreten und drohen, ein eigenes Pal-Am zu gründen. Sie verlassen sich natürlich darauf, daß „ihre" Exekutive ihnen Unterstützung angedeihen lassen wird. Die Judenstaatspartei in den Vereinigten Staaten ist im Pal-Amt durch Gesinnungsgenosse Baratz vertreten. Gesinnungsgenosse Reichel, einer der führenden Judenstaatler in Kanada, ist nach den Vereinigten Staaten übersiedelt, wo er sich am Parteileben aktiv beteiligen wird. Ostgalizien In der Barakbewegung ist ein starkes Wachstum zu verzeichnen. Die Landesorganisation zählt schon 25 Kenim. Zuletzt entstanden neue Kenim in Stanislawow (in der Festung des Hazohar, wo der Betar gegen H. Großman seinerzeit während seiner Durchreise demonstrierte und ihn bedrohte), ferner in Brody, Chodorow, Bobrka und Molodilow. Folgende Kenim wurden besucht: durch H. Steinning, Sekretär der Mifkada, Tluste, Zaleszczyki, Chodorow, Stanislawow, Tlumacz; durch H. M. Wind-Stanislawow, Bucuacu, Jezierzany. Der Hechalauz Hamidnati bat zwei neue Hachscharapunkte für den Barak in Stanislawow und Wolczani organisiert. Die Landes-Mifkada des Brith Hakanaim hat jetzt eine Aktion zwecks Gründung einer Sommerkolonie für den Barak in Skole im Karpathengebirge begonnen. Die Kolonie wird erzieherischen Charakter tragen und wird auch den Zweck verfolgen, eine Reihe Instrukt o r e n für den Barak sowie Propagandisten für die Judenstaatsbewegung auszubilden. Die Sommerkolönie wird den Mangel an Jugenderziehern, ohne die eine Jugendbewegung nicht existieren kann, beheben. Der Aufenthalt in der Kolonie wird vier Wochen dauern. Palästina Der Snif in Tel-Awiw unter der Leitung des Chawer D r o m i beschäftigt sich jetzt mit dem Ausbau der Tel- Awiwer Organisation. Jede Woche wird ein Arbeitsprogramm an die Chawerim versandt. Da die Öffentlichkeit in Tel-Awiw über die Ziele und auch über das Verhältnis der Judenstaatsparte) zu anderen bis jetzt wenig informiert war, wurde beschlossen, jeden Donnerstag Vorträge über die Prinzipien der Judenstaatspartei abzuhalten. Im ersten Zyklus wurden folgende Vorträge in den Zeitungen und auf Plakaten angezeigt: 1. Politische Fragen im Zionismus und im Jischuw (B.Weinstein), 2. Kolonisation und Chaluzijut (Dr. M. Markus), 3. Unsere soziale Stellung und Arbeitsfragen (A. Schneidermann), 4. Die Judenbewegung „Brith Hakanaim" (Dr. N. Samonsky), 5. Wir und andere zionistische Parteien (Dr. Dov. Donner). Am Dienstag, den 26. Juni, wird in Tel-Awiw eine große Versammlung der deutschen Juden abgehalten werden, in der das Mitglied des E.-K., Herr Richard Lichtheim mit einem Referat über den Judenstaatszionismus und die Aufgaben der deutschen Juden auftreten wird. Dieses erste Auftreten des Herrn R. Lichtheim in Tel-Awiw wird mit großem Interesse erwartet. Ende Juni wird ein großes Meeting im riesigen Saal des Beth-Am in Tel-Awiw veranstaltet, auf dem das Mitglied des E.-K. Herr Meir Großman einen hebräisches Referat über die politische und innere Lage des Zionismus und über die Aufgaben der Judenataatspartei im jetzigen Zeitpunkt erstatten wird. Ferienreisen nach Polen. Unter bewährter Leitung finden die bekannten billigen Reisen nach Polen auch im Juli statt. Krakau, Lemberg, Stanislau usw. Reservierte Plätze. Billigste Preise. Näheres: Büro Dr. S. Tocker, I., Kärntnerring 12. Tel. U-40-301. Pension v Au Stria' Kinderheim Vöslau (OLGA KADISCH) Jägermaverstraßo IS Telephon Nr. 14t Für Dauer- und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentl. Schulen besuchende Kinder. Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. Erstklassige Verköstigung. Mütterliche Pflege. Mäßig* Preise! § S E Physikalisch » diät ErmÄfjitffe Preise In der Vorsaison. e I i s che SH Chefarz öhen s Kuranstalt Ober-Med.-Rat Dr. KRANZ HANSY ffrawkreidi gegen Englands PaSü§tinasPoSi&ik Genf, 19. Juni 1934. Justin G o d a r t, der große französische Patriot und Kenner des Zionismus, besuchte heuer Palästina, nachdem er bereits im Jahre 1929 das „Jüdische Nationalheim" bereist hatte. Der populäre französische Senator und Vorsitzende der jetzt in Gent tagenden Internationalen Arbeitskonferenz wurde eingeladen, über seine Eindrücke während seines Aufenthaltes in Palästina zu berichten. Die Kenntnis des Landes und seiner Verhältnisse gestattete dem Vortragenden, sachlichen Einblick in das Werden Palästinas zu bekommen. Darum sind Godarts Ausführungen von großem Wert für alle, die ein objektives Bild Palästinas gewinnen wollen. Godart betonte die „an Wunder grenzend e n" Fortschritte, die er auf allen Gebieten des jüdischen Aufbauwerkes feststellen konnte, berührte u. a. das jüdisch-arabische Problem, wobei ihm eine günstige Aenderung seit 1929 aufgefallen war, und stellte bezüglich eines friedlichen jüdisch-arabischen Verhältnisses eine günstige Prognose. Den von der britischen Mandatarmacht favorisierten Jerusalemer Großmufti, mit dem er eine Unterredung hatte, bezeichnete er als tückischen Politiker und als den Mann, der an den blutigen Augustereignissen von 1939 die Hauptschuld trage. CAFE VI CTO Rl A AM SCHOTTENTOR WIEN I. SCHOTTENTOR Während die Araber früher jüdische Einwanderung und Arbeit entschieden ablehnten, sind sie jetzt, führte Godart aus, zur Nachahmung alles dessen übergegangen, was sich in den jüdischen Siedlungen als gut, praktisch und vorteilhaft erwiesen hat. Die jüdische Arbeit ist ein Musterbeispiel für alles, was im Lande unternommen wird. Eine Wiederholung der Ereignisse von 1929 ist schon deshalb undenkbar, weil die Juden bereits einen starken und gut organisierten Selbstschutz besitzen. Auch wächst in Palästina eine neue, moraliscn und physisch gesunde jüdische Generation heran, welche verbrecherische Anschläge von keiner Seite zu fürchten hat. Godart wendete sich in seinen Ausführungen auch der englischen Mandatarmacht zu. Er kritisierte in diplomatischem Ton, aber mit den schärfsten Argumenten Englands Politik in Palästina, die in einer Zeit des größten wirtschaftlichen Aufschwunges in kleinmütiger und ausgesprochen gehässiger und böswilliger Weise die jüdische Arbeitereinwanderung zu drosseln versuche. Gegen diese Politik, rief Godart aus, muß ich im Namen des alle französischen Freunde des Zionismus repräsentierenden Vereines „France-Palestine" klar protestieren. Zum Schluß erklärte Godart, daß die innerjüdische Uneinigkeit die größte Gefahr für das Jüdische Nationalheim bedeute und daß daher die innerzionistischen Kämpfe zum Stillstand gebracht werden müssen. Godarts Vortrag, insbesondere seine Charakteristik der britischen Palästina-Politik, machte auf das Genfer Publikum tiefen Eindruck. BBB Ritualmordpropaganda in Palästina Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat die arabische Tageszeitung „AI Jamea AI I s 1 a m i a", die Artikel und Bilder aus der Ritualmord-Nummer des „Stürme r" von Julius Streicher reproduzierte, für die Dauer einer Woche verboten. Billige Sonderfahrten nach Polen Aufenthalt i bis 8 Wochen Poln. Verk. „Francopol" % 1. Juli 8« Juli Paßbegünstigung für poln. Staatsangehörige Wien Iii, Kennweg 1, Telephon U-16-4-90 Das Hakenkreuz in Sarona Das deutsche Dorf Sarona bei Tel-Awiw hat, seitdem eine jüdische Aufbauarbeit in Palästina besteht, ausschließlich von Juden gelebt. Die schwäbischen Bauern Saronas nützten die Entwicklung Tel-Awiws aus, indem sie der wachsenden Stadt ihre Nahrungsmjttelprodukte und den jüdischen Einwanderern zu sehr teuren Preisen Boden verkauften. Die Deutschen von Sarona sind an den Juden reich geworden. Aber die Nazipropaganda hat am Strand von Tel-Awiw nicht haltgemacht. Gäste des Dritten Reiches haben bei ihren palästinensischen Brüdern „aufklärend" gewirkt. (Sie haben auch nicht verschmäht, den asiatischen, verbrecherischen Wüstensöhnen, den Arabern nämlich, ihre Hakenkreuzideologie anzuhängen.) Die Einwohner von Sarona sind also echte Nazis geworden. Sie haben nach reichsdeutschc"1 Muster beschlossen, an Juden — keine Zimmer t vermieten. Brave, biedere Saroner! Erst an dei. Juden verdienen, dann sie als fremdrassige, dem deutschen Wesen schädliche Elemente so behandeln, wie es jetzt die deutschen Seebäder und Sommerfrischen machen, das ist scheinbar der Geist der deutschen Erhebung. Jedenfalls werden jetzt die Juden Palästinas wissen, woran sie sind — ausgenommen diejenigen, welche auf Grund des Transferübereinkommens Waren aus Hitler-Deutschland beziehen ... Palästinas Handel mit Deutschland und mit Großbritannien Aus London: In Erwiderung auf eine Anfrage von Colonel Wedgwood im Unterhaus teilte Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister mit, daß aus den palästinensischen Zolleingängen für 1933 folgendes zu ersehen ist: 1933 wurden aus Palästina nach Deutschland Waren im Werte von Pf. 373.749 aus- und Waren aus Deutschland nach Palästina im Werte von Pf. 1,193.303 eingeführt. In" dem gleichen Jahre wurden aus Palästina nach England Waren im Werte von Pf. 1,559.496 aus- und aus England nach Palästina Waren Im Werte von Pf. 1,949.936 eingeführt. Eine Million Pfund Umsatz auf der Levante*Messe Aus Tel-Awiw: Wie die Messeleitung der vor kurzem geschlossenen Tel-Awiwer Levante-Messe mitteilt, wurden während der vierzigtägigen Dauer der Ausstellung Käufe und Verkäufe im Werte von etwa einer Million Pfund getätigt. Besonders gut haben die englischen und belgischen Aussteller abgeschlossen. Ueber 2000 Angestellte waren während der Messe dauernd beschäftigt. Die Organisierung der Messe hat Investitionen in der Höhe von 150.000 Pfund erforderlich gemacht. Zuweisung von Blanko-Zertifikaten für Kapitalisten Aus Jerusalem: Die Zionistische Exekutive hat Verhandlungen mit der Palästina-Regierung darüber aufgenommen, daß den britischen Konsulaten in Polen und Rumänien Blanko-Einwanderungs-Zertifikate für Angehörige der Kapitalistenkategorie zugeteilt werden und daß diese Konsulate das Recht erhalten, auch ohne vorherige Einholung der Genehmigung durch die Palästina-Regierung Einreise-Zertifikate auszustellen. Dadurch soll die Erledigung der eingebrachten Einwanderungsgesuche beschleunigt werden. Dem Berliner englischen General-Konsulat hat die Palästina- Regierung soeben 2000 Blanko-Zertifikate für Auswanderer mit einem Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund überwiesen. Anm. d. Red.: Eine offizielle Meldung über diese, gewiß begrüßenswerte Erleichterung der Einwanderung liegt bis jetzt nicht vor. SOMMERREISE für unsere Leser nach Varna-Konstantinopel Es ist uns gelungen, mit einem prominenten Reisebüro unter erfahrener Leitung ein Abkommen zu treffen, nach welchem unsere Leser die Möglichkeit haben, um den Preis von S IIS.- eine I4tägige Reise S 140.- eine 23täglge Reise S 165.- eine 30täglge Reise nach Varna zu machen. Im Preise sind inbegriffen: Fahrt Wien—Russe—Wien Expreßdampfer II. Kl. Fahrt Russe-Varna-Russe Expreßzug II. Kl. Verpflegung in Varna in erstklassigen Restaurants, Unterbringung in Privathäusern unweit des Strandes, Kurtaxen, Visa, Trinkgeld. Gegen eine Aufzahlung von S 20.— wird die Möglichkeit eines viertägigen Ausfluges nach Konstantinopel geboten (inkl. Fahrt und Nächtigung). Unser nächster Reisetermin ist 8. Juli. Anmeldung und Auskünfte für diese Reise: Montag und Mittwoch von 1 bis 2 Uhr mittags, Freitag von 5 bis 7 Uhr abends, in unserer Verwaltung, IX., Universitätsstraße 8, Tel. A-20-2-78.

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