Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 375 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 DIE NEUE WEL1 Nr. 375 1...............*..........TtrrtttitM.......nmiiMii i SIEflM. KORNMIHl GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Bergpuse 19, Tel. A-17-3-99 a. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten ^Abteilungen für ig^-Melsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Kultusgemeinde Wien Autoxustellung kostenlos IX., Berggasse IS / XVIII., WBhrlngerstr. 97 mmm......».............................»........... mit diesen Genossen und Schulter an Schulter mit. der Internationale fordert er den Kapitalismus in die Schranken. Es wäre ein schweres Unrecht, den ehrlichen jüdischen Arbeiter, den wirklichen Proletarier, für diese Charlatanerie verantwortlich zu machen. Er ist in ihr nur Objekt und niemals Subjekt. Die Assimilation in ihrer krassesten Form, der marxistischen, ist in die Zionistische Organsation eingedrungen und bildet in ihr die eigentliche, die wahre und tiefe Ursache der drohenden Spaltung. Der wahre Zionismus, das ist der jüdische Lebenswille, wird wohl auch dieses Hindernis aus seinem Wege räumen und freie Bahn schaffen zur Vorbedingung jedes Erfolges, zur Einigkeit. §diekelaufruf Um§diwuriig in Italien Wir haben als einziges jüdisches Blatt die Aufmerksamkeit auf tief bedauerliche Vorgänge in Italien gelenkt, die sich als eine Folge linksradikaler Agitation von allgemein-jüdischer und leider auch zionistischer Seite ergeben haben. Mitglieder der Zionistisch-sozialistischen Jugendorganisation wurden bei Aufdeckung einer unter ausländischer Führung stehenden Verschwörung gegen die Regierung ergriffen. Seither ist die judenfreundliche und dem Zionismus geneigte Stimmung in Italien ins Gegenteil umgeschlagen. Die Zionistische Organisation und die jüdische Presse glaubten durch Stillschweigen am besten über die traurigen Vorgänge hinwegkommen zu können. In manchen Kreisen suchte man auch die Berichte unseres römischen Korrespondenten als unrichtig hinzustellen. Jetzt scheint man aber die Zwecklosigkeit, ja Schädlichkeit dieser Taktik des Totschweigens einzusehen. Unter dem Titel „Schwere geistige Lage der Juden in Italien — Zionistische Arbeit unterbunden" meldet die J. T. A. aus Rom: In Zusammenhang mit der vor mehreren Wochen erfolgten Verhaftung einiger jüdischer junger Leute, unter Ihnen auch Z i o n i s t e n, die in eine antifaschistische Aktion verwickelt waren, hat sich die politische Lage der Juden Italiens gegen früher merkbar verschärft. In einem Teil der italienischen Presse erschienen scharfe antisemitische Artikel und auch in der faschistischen Gesellschaft wuchs eine antijüdische Stimmung. Obwohl in den letzten Tagen die faschistische Pressezensur an die italienischen Zeitungen die Weisung ergehen ließ, die in Verbindung mit dieser Angelegenheit geführte Kampagne einzustellen, ist die Unruhe innerhalb der jüdischen Gesellschaft selbst nicht gewichen. In der Mitte der Judenschaft Italiens wird jetzt eine Diskussion darüber geführt, ob nicht der Zionismus in einem Gegensatz zum italienischen Patriotismus steht. Die assimilatorische Richtung im italienischen Judentum ging zu einer Offensive gegen den Zonismus über und begann mit der Herausgabe eines Wochenblattes „La nostra bandiero" („Unsere Fahne"), die der Bekämpfung des Zionismus gewidmet ist. Alles dieses bleibt nicht ohne Folgen für die praktische zionistische Arbeit in Italien, wie für jüdsche Arbeit überhaupt. Es ist jetzt sehr schwer, Geld für allgemein jüdische Zwecke und für die zionistischen Fonds aufzubringen, weil diejenigen, die als Geber in Betracht kommen, aus Furcht, des Mangels an Patriotismus bezichtigt zu werden, zurückhaltend sind. Der Delegierte des Keren Kajemeth mußte, um die Lage der italienischen Juden nicht zu erschweren, Italien verlassen. Vergebliche Anbiederung In Ergänzung seiner Berichte über diese Angelegenheit schreibt uns unser römischer Korrespondent: Das von den Herren Vittorio Ovazza und Diadato Foa in Turin gegründete antizionistische jüdische Blatt „La nostra bandlera" verbindet seine Angriffe gegen die Nationaljuden mit überschwenglichen faschistisch-patriotischen Ergüssen. Aber die Herren Ueberpatrioten finden kein Glück bei jenen, denen sie sich anbiedern wollen. So bereitet das radikal-faschistische römische Blatt „Ott obre" dem neuen jüdischen Bruderorgan einen wenig freundlichen Empfang. Es schreibt: „Wir lehnen ein konfessionelles Blatt in Italien grundsätzlich ab. Das Glaubensbekenntnis seiner Bürger ist Italien völlig gleichgültig. Wir brauchen kein jüdisches Blatt. Zur Bekämpfung staatsfeindlicher Elemente braucht man keine patriotisch tuenden jüdischen Wochenblätter, da gibtfs andere, viel Wirksamere Maßnahmen,M" Der ausgezeichnete Erfolg der Schekelaktlon Im Kongreßjahre 8693 hat klar und deutlich bewiesen, wie groß der zionistische Kreis und wie bedeutend das Interesse der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs für die zionistische Idee ist. Diese erfreuliche Tatsache rechtfertigt die Hoffnung, daß auch dieses Jahr mit einem befriedigenden Erfolge abschneiden wird, wenn die maßgebenden Personen aller Föderationen und Landesverbände an die österreichischen Juden in geeigneter Weise herantreten. Die möglichst große Verbreitung des Schekels würde gerade in diesem Jahre, für die Zionistische Exekutive einen nachhaltigen moralischen Erfolg bedeuten, zumal, besonders in dieser Zeit, die Zionistische Weltorganisation einer Stärkung ihrer Kompetenz in den Augen der Welt bedarf und die zionistische Zählung der ganzen Welt den Beweis erbringen soll, daß die Geltung der zionistischen Idee an Umfang innerhalb der jüdischen Massen in stetem Fortschreiton ist. Daher wendet sich die Landes-Schekelkommisson an alle Zionisten und Juden Oesterreichs mit dem dringenden Ersuchen, alle Kräfte zur Verbreitung des Schekels im Monate Thamus 5694 (Juni-Juli 1934) zu entfalten, damit auch dieses Jahr einen des Vorjahrees würdigen Erfolg zeitige. Für die Landes-Schekelkommission: Dr. Josef Grünberge r. Arlo$oroff?Gedenkfeier Aus Anlaß der ersten Jahrzeit fand im Hauptbüro der Zionistischen Organisation in London eine Gedenkfeier für Dr. Chaim Arlosoroff statt, bei der die Redner die Notwendigkeit, seine Arbeit unbeirrt fortzusetzen, zum Ausdruck brachten. Prof. W e i z m a n n und das Exekativemitglied Berl Locker gaben ein Bild von der Persönlichkeit Doktor Arlosoroffs, der sehr rasch die Stufen einer großen Karriere emporgeschritten und, obwohl Parteimann, A USLA NDS-HEIRA T SCHWEIZ Kaufmann, 46 Jahre, ledig, alleinstehend, 120.000 Schweizer Franken, sucht Witwe, hübsch, aus guter Familie, ohne Vorleben. Alter, Vermögen genau entsprechend, Aus* führt. Off. mit Bild an R Y P*P O P«Paris*13, rue Medicis sich der Verantwortung für die Gesamtbewegung bewußt gewesen sei. Rev. I. K. Goldbloom beklagte die innerzionistischen Spannungen, die der Tod Arlosoroffs noch vergrößert habe. Prof. Brodetzky besprach ebenfalls die Folgen, die der Tod für den inneren Zustand der zionistischen Bewegung gehabt habe, und appellierte an alle, eine Kooperation im Innern anzustreben. Die Gedenkfeier fand unter dem Vorsitz Professor Weizmanns statt. ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaifeehaus / Täglich S-Uhr-Tee SEMMERING läSHRättSSSSf"4* Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unler Telephon U-27-6-24 Zioni§ten als Denunzianten? Die J. T. A. meldet über Prag: Der Berliner Korrespondent des New Yorker „M orning Journal" meldete seinem Blatte, daß im Zusammenhang mit den Artikeln des „Angriff" gegen die deutschen Zionisten als „verkappte Marxisten" Polizei eine Haussuchung im Hauptbüro (Meinekestraße) in Berlin veranstaltete, alles durchsuchte und sodann sämtliche Vorsitzenden der neunzehn zionistischen Gruppen in Berlin in das Polizeipräsidium kommen ließ, wo sie einem sechsstündigen Verhör unterzogen wurden. Die ganze Untersuchung wird nach der Richtung geführt, ob die Zionisten Marxisten seien oder nicht. Am Tage darauf wurden auch bei allen zionistischen Führern in Berlin und in der Provinz Haussuchungen vorgenommen. „Morning Journal" teilt weiter mit, daß die Auslassungen des „Angriff", die daß Signal zu den Zionistenverfolgungen gaben, daran anknüpften, daß in einer Sitzung des zionistischen Parteirates in Deutschland der [Höre dich selbst! Schallplattenaufnahmen jeder Art im Tlloptian-Studlot Margareten6tr. 22, Tel. B-20-2-19 Vertreter der Zionisten-Revisionisten G e ß 1 e r aufstand und erklärte, er wolle nicht mehr mit Marxisten an einem Tisch sitzen; mit den Worten „Ihr seid alle marxistische Schweine" verließ er den Sitzungssaal. Als dann die Massenrevisionen vorkamen, wurden die Revisionisten in einer speziellen Beratung der Zionistischen Organisation aufgefordert, ihre Erklärung, die Zionisten seien Marxisten, zurückzuziehen. Als die Revisionisten dies mit dem Hinweis, daß die Zionistische Organisation jetzt durch die marxistische Arbeiterorganisation kontrolliert wird, und daß somit jeder die zionistische Exekutive unterstützende Zionist Marxist sei, ablehnten, wurde beschlossen: a) sämtliche für di« nächsten Wochen angesagten zionistischen Versammlungen abzusagen, b) sämtliche z i o n is t i s c h-h ebräischen Schulen in Berlin und ia der Provinz zu schließen. (Der „Angriff" hatte behauptet, die hebräischen Schulbücher seien eigentlich „marxistische Literatur".) Soweit die Meldung des „Morning Journal". Da das „Morning Journal", eine „allgemeinzionistische Zeitung", seit jeher einen sehr scharfen Kampf gegen den Revisionismus führt und der Zionistischen Arbeiterpartei unbedingte Gefolgschaft leistet, ist diese Nachricht, welche sonst nirgends erschienen ist, mit großer Vorsicht aufzunehmen. Das Traurige ist, daß sie nicht ganz unmöglich scheint. Die Angeberei hat leider in der Zionistischen Organisation eingerissen. So haben die linken und gewisse allgemein-zionistische Zeitungen in Palästina und in der Galuth vor und während dem Mordprozesse Arlosoroff fortwährend denunziert. Der zum Tode verurteilte Stavsky ist nicht zuletzt ein Opfer „zionistischer" Denunziation. Auf dem letzten Zionistenkongresse in Prag, wo die Linken und eine Gruppe der Allgemeinen aus dem Arlosoroff-Mord politisches Kapital schlugen, feierte der Geist der Denunziation wahre Orgien. Wenn wir nun hören, daß auf der Rechten auch denunziert wird, sind wir wohl entsetzt, aber nicht überrascht. Denunziation als Reaktion auf Denunziation.. Der reine Geist Theodor Herzls ist von großen Gruppen der Zionistischen Organisation gewichen. Politischer Zerfall Misrachi tritt aus dem Waad Leumi aus Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Orgnisation der thoratreuen Zionisten „Misrachi" in Palästina hat beschlossen, sich aus dem Waad Leumi (Leitung des Jüdischen Nationalrates, der offiziell anerkannten Vertretung des palästinensischen Judentums) zurückzuziehen. Vor Durchführung des Beschlusses wurde der Misrachi in Polen, die stärkste Gruppe der misrachistischen Weltorganisation, um seine Meinung befragt. Die Antwort wird in wenigen Tagen eintreffen. Nach der radikalen Orientierung des polnischen Misrachi zu schließen, dürfte sie zustimmend ausfallen. * Der Waad Leumi hat bei seiner Gründung alle Die schönsten Palästinareisen zu billigsten Pauschalpreisen mit und ohne Landarrangement allmonatlich. Sichern Sie sich jetzt schon einen Platz für unsere Reise //Rosdi'Hasdianah im Heiligen Lande"« Auskünfte und Prospekte: REISEBÜRO „MARIINBRÜCKE" (Palästinadienst, Leitung: BERTA TAUBES) WIEN, I., ROTENTURMSTRASSE 26 Tel. R-24-2-86, R-24-2-87 Juden, mit Ausnahme der trennungsorthodoxen Agu« disten, umfaßt. Vor einigen Jahren gelang es der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, wie in so vielen anderen Institutionen Palästinas, die Macht im Waad Leumi an sich zu reißen. Es begannen heftige Kämpfe gegen die Diktatur der Arbeiterpartei, welche zuerst zum Austritte der Revisionisten und nun zum Ausscheiden der Misrachisten geführt haben. Neben der Arbeiterpartei gibt es jetzt im Waad Leumi eine willenlose kleine Fraktion der Allgemeinen und als Opposition die an Zahl schwache Judenstaatspartei. Es ist klar, daß unter solchen Umständen der Waad Leumi den Charakter einer jüdischen Gesamtvertretung verloren hat. Was hier vorgeht, kann nicht anders als ein Zeichen des politischen Zerfalles gedeutet werden. Die heutige Zionistische Exekutive hat es verstanden, Positionen zu erobern, sie versteht es nicht, sie zu halten. Immer deutlicher tritt zutage, daß nur ein neuer, möglichst bald einzuberufender Zionistenkongreß den politischen Verfall aufhalten kann. // In der von der Gesellschaft „El Hahar" neugegründeten gemeinwirtschaftlichen Siedlung In Kfar-EtziWV Jerusalem Bind einige Einheiten zu je 25 Dunam, auszuzahlen innerhalb 3 Jahren, zu vergeben. — Nähere Auskünfte erteilt: Ing. J. LASZKOWI Z Wien Iii, Lanqsir. Gürtel 19. Telephon B-Ö2-3.Ö8